Rollenspieler
Helden im Hintergrund
Endlich ist es soweit. Die NBA Playoffs beginnen und alle 16 Teams wollen den NBA-Titel gewinnen. Es ist Zeit, aus Stars Helden zu machen. Aber jetzt braucht es nicht nur Superstars, sondern auch Rollenspieler, die zum Beispiel die Stars anderer Clubs in Schach halten können. Sechs dieser Akteure, die der ersten Runde oder der Postseason ihren Stempel aufdrücken könnten, werden diesmal vorgestellt.
Von Johannes Hübner |
18.04.2010 | |
Point Guard: Derek Fisher, Los Angeles Lakers
Playoff-Zeit ist Derek-Fisher-Zeit. Die große Bühne, die großen Momente, wenn es darum geht, ist Fisher einfach zur Stelle. Der Veteran der Los Angeles Lakers hat schon alles gesehen. Der Point Guard wird in der Postseason auch wieder die Triangle Offense gut leiten und dem Team die richtige Siegermentalität einimpfen. Wenn es zudem noch einen wichtigen Wurf zu versenken gibt, Fisher wird nicht davor zurückschrecken ihn zu nehmen und auch zu verwandeln. "Wir müssen uns nur auf uns konzentrieren, dann können wir jeden schlagen. Wir müssen nur fokussiert sein.", meinte der Regisseur der Lakers über die Aussichten in der Meisterrunde.
Neben den großen Würfen und der Anführermentalität gibt es allerdings das große Manko des Routiniers. Die Schnelligkeit und das damit verbundene Verteidigen der quirligen Aufbauspieler der NBA. Bereits letztes Jahr wurde diese Schwäche in den Playoffs beim Duell mit Aaron Brooks von den Houston Rockets knallhart aufgedeckt. Fisher und die Lakers konnten ein ums andere Mal Brooks aus dem Pick-and-Roll nicht verteidigen. Diese Saison geht es in der ersten Runde auch gegen einen schnellen Aufbau, doch Russell Westbrook von den Oklahoma City Thunder fehlt der gefährliche Distanzwurf eines Aaron Brooks. Da Westbrook diese Dimension noch fehlt, wird ihn Fisher besser unter Kontrolle haben als den Spielgestalter der Rockets.
Shooting Guard: Thabo Sefolosha, Oklahoma City Thunder
Die schwerste Aufgabe der Welt dürfte wohl Thabo Sefolosha vor sich haben. In der ersten Playoff-Runde seiner Oklahoma City Thunder geht es gegen die Los Angeles Lakers. Der Schweizer wird dabei mit der Verteidigung von Kobe Bryant alle Hände voll zu tun haben. Doch wenn es jemandem zuzutrauen ist, "Black Mamba" am besten in Schach zu halten, ist wohl dieser Tage der Shooting Guard aus Oklahoma. Lange galt Bruce Bowen als der beste Flügelverteidiger der NBA, doch nachdem der ehemalige Spur seine Schuhe an den Nagel gehängt hat, gibt es immer mehr Experten, die Sefolosha diesen inoffiziellen Titel zusprechen. Einige sehen in ihm sogar einen Kandidaten für den Titel des besten Verteidigers. Der Shooting Guard hat dabei eine gute Größe, somit kann niemand einfach über ihn hinweg werfen, eine gute Fußarbeit und einen kräftigen Körper, um beim Post-Spiel dagegen zu halten.
In der regulären Saison gingen drei der vier Begegnungen an die Lakers. Bryant hatte in allen vier Begegnungen nur eine überragende Partie mit 40 Punkten. Sefolshoa und die Thunder-Verteidigung konnten den Star aber auch einmal bei einer Quote von neun von 22 aus dem Feld halten, allerdings ging die Partie trotzdem knapp nach Verlängerung verloren. Beim einzigen Sieg von OKC erwischte die "Lake Show" wohl ihren schlechtesten Tag der Hauptrunde. Nur 75 Zähler gelangen der Truppe von Head Coach Phil Jackson und Bryant wurde bei elf Zählern gehalten. Allerdings wird es beim ersten Postseason-Auftritt des jungen Kerns der Thunder schwer sein, gegen den amtierenden Meister zu gewinnen.
Small Forward: Jared Dudley, Phoenix Suns
Das Prädikat "perfekter Rollenspieler" passt in der heutigen Zeit der NBA wohl auf keinen Spieler so gut wie auf Jared Dudley. Der Trainerstab der Phoenix Suns ist begeistert. "Wenn wir die Spiele im Nachhinein auf Video analysieren, sieht man erst, wie viel er uns gibt. Er macht so viele kleine Dinge, die nicht statistisch erfasst werden", lobt ihn sein Head Coach Alvin Gentry. Eben dieser Einsatz und Wille, der in keinem Statistikbogen auftaucht, macht ihn so wertvoll. Aber auch seine Verteidigung macht ihn zu einem besonderen Spieler. Dudley ist die Art von Spielertyp des Edelverteidigers auf der einen Seite des Spielfelds und im Angriff nutzt er den freien Raum, der durch Steve Nash und Amare Stoudemire geschafft wird, für seinen tödlichen Dreipunktewurf. 45,8 Prozent seiner Bomben von Downtown fanden während der regulären Saison nichts als Nylon.
In der ersten Runde treffen die Suns auf den wohl leichtesten Gegner der Western Conference. Die Portland Trail Blazers haben nach den vielen Verletzungssorgen jetzt den Super-Gau. Brandon Roy, seines Zeichen Franchise-Spieler ist jetzt auch verletzt und wird in der erste Runde nicht eingreifen. An einen Sieg der Blazers glauben wohl momentan nur die wenigsten. Die Defensivqualitäten von Dudley dürften erst bei einem tieferen Playoff-Ritt der Suns von Bedeutung sein. In einer möglichen nächsten Runde könnten die Dallas Mavericks warten. Hier gibt es mit Caron Butler und Dirk Nowitzki gleich zwei offensive Waffen, die der Small Forward dann entschärfen soll. Sollte es noch weiter gehen, könnte auch ein Kobe Bryant mit Dudley zu tun bekommen. Die Suns gehen mit viel Dampf in die Playoffs und scheinen das Team der Stunde zu sein. Vielleicht kommt es also wirklich noch zum Duell zwischen Dudley und Bryant.
Power Forward: Udonis Haslem, Miami Heat
Die Erfahrung von Udonis Haslem kann sich für die Heat im Matchup mit den Boston Celtics noch als goldwert herausstellen. Haslem ist neben Wade der einzige verbliebene Akteur, der schon 2006 beim Gewinn der Meisterschaft dabei gewesen war. Der Power Forward weiß, wie Playoff-Schlachten gekämpft werden. Eben über diesen Kampf, vor allem an den Brettern, definiert sich der Forward. Im Schnitt liefert Haslem 9,9 Punkte und 8,1 Rebounds pro Spiel. Der 29-Jährige ist fast jeden Abend ein Garant für ein Double-Double, allein im April konnte er vier Mal zweistellige Werte bei Zählern und Abprallern auflegen.
Genau wie bei Haslem zeigt die Formkurve der Heat steil nach oben. In der ersten Runde geht es gegen die Boston Celtics. Die Kelten straucheln, während die Heat mit enormem Selbstvertrauen in die Postseason einziehen. Das Team aus Miami hat seit dem 1. März eine Bilanz von 18-4. Des Weiteren spielt die Franchise aus Florida wie gemacht für die Playoffs. Langsam, jede Position wird für wichtig erachtet und hinten wird hart verteidigt. Seit dem All-Star Game haben die Heat statistisch sogar die beste Verteidigung der gesamten Liga. Auf Haslem und die Defense können sich die Fans auf jeden Fall verlassen. Kurz vor Ende der Spielzeit traf der Power Forward sogar einen spielentscheidenden Wurf gegen die Philadelphia 76ers. Es wird wohl eine spannende Serie gegen die Celtics werden, in der Haslem bereit ist, weitere Heldentaten zu erbringen. Hier die bewegten Bilder zum Gamewinner gegen die 76ers:
Center: Theo Ratliff, Charlotte Bobcats
In der ersten Runde bekommt es Theo Ratliff mit dem schwersten Matchup auf seiner Position zu tun. Dwight Howard und seine Orlando Magic warten auf die Charlotte Bobcats. Viele Experten trauen aber gerade den Bobcats am ehesten eine Überraschung zu. Das Team von Head Coach Larry Brown ist eine der besten Mannschaften der Liga, wenn es um Verteidigung geht. Die Bobcats lassen unter 94 Punkte pro Partie zu und halten die gegnerischen Teams bei einer Quote von unter 45 Porzent aus dem Feld. Brown baut auch wieder auf Theo Ratliff. Der Center war zu Beginn der Saison noch im Kader der San Antonio Spurs und sah sich die Spiele oft in Hemd und Hose an, doch nach dem Trade nach Charlotte steht der Oldie sogar in der Starting Five. Allein die Verteidigungsleistung ist seine Daseinsberechtigung für die erste Fünf.
Im einzigen Spiel der Hauptrunde gegen die Magic, bei dem Theo Ratliff im Kader stand, gab es für die Rotluchse einen Auswärtserfolg in Orlando. 96:89 hieß es am Ende für die Bobcats. Der 37-Jährige konnte Dwight Howard nicht wirklich an einer guten Leistung hindern. "D12" legte 27 Punkte und 16 Rebounds auf, doch Ratliff erzielte selbst zehn Zähler und neun Abpraller und schickte Howard oft an die Linie, damit dieser sich seine Punkte dort erarbeiten musste. Allgemein muss es die Taktik der Center-Rotation der Bobcats sein, dass sich Dwight Howard seine Punkte an der Freiwurflinie verdienen muss. Jeder Center hat schließlich sechs Fouls zu vergeben. Auch wenn Ratliff Howard im Eins-gegen-eins nicht stoppen kann, so kann der Center vielleicht das Doppeln verhindern, welches den vielen Schützen der Magic offene Würfe verschafft. Und wer weiß, vielleicht schaffen die Cats die Überraschung.
6th Man: J.J. Redick, Orlando Magic
Endlich angekommen. Das könnte die Überschrift über die Spielzeit von J.J. Redick sein. Der Shooting Guard hat seinen Platz in der NBA endlich gefunden. In seinem dritten Jahr als Profi in der nordamerikanischen Basketballliga ist Redick zu einem festen Bestandteil der Rotation geworden. Durch verbesserte Verteidigung und mehr Muskelmasse schenkte Head Coach Stan Van Gundy seinem Schützling immer mehr Vertrauen. Der Duke-Absolvent erzielt im Schnitt 9,6 Punkte und schießt dabei 40,5 Prozent von jenseits der Dreipunktelinie. Neun Mal durfte der Scharfschütze sogar als Starter ran. Zuletzt zeigte die Formkurve der Guards ganz klar nach oben. In acht der letzten zehn Partien punktete Redick zweistellig. Beim 103:97-Heimerfolg gegen die Denver Nuggets standen am Ende sogar 23 Punkte, sieben Rebounds und acht Assists auf der Habenseite - mit Abstand das vielseitigste Spiel seiner NBA-Karriere.
In Orlando hoffen die Fans jetzt, dass Redick diesen Aufschwung auch mit in die Playoffs nehmen kann. Dort soll der Shooting Guard von der Bank wieder schnelle Punkte bringen und durch seinen Wurf, mit der wahrscheinlich besten Technik in der NBA, das Doppeln gegen Dwight Howard bestrafen. Doch sein Trainer mag auch die vermeintlich einfachen Dinge, die Redick dem Team gibt. "Er ist der beste Flügelspieler in meiner Rotation, wenn es darum geht, vom Flügel den Pass tief auf den Center anzubringen. Die Center haben es bei Redick nicht so schwer, diese Pässe zu fangen", meint der Übungsleiter über seine Nummer sieben. Trotz allem erwartet man in Orlando vor allem Dreipunktewürfe und vielleicht wird Redick durch die Würfe aus der Distanz einer der Helden, die es in den Playoffs aus dem Hintergrund in das große Licht der Postseason schaffen.






von Suck My Diktiergerät 18.04.10 um 19:54:32
ihr geht in dem artikel aber sehr leichtfertig mit euren superlativen um ;)
verteidigen von kobe bryant schweste aufgabe der welt.
perfekter rollenspieler passt als definition nirgendwo besser als bei jared dudley.
jj reddick beste technik der nab.
^^
von xax 18.04.10 um 21:07:22
ich hab nen schwereren Job: ich bin Frauenbeauftragter und Gleichstellungsbeauftragter bei den Taliban.
"Auch wenn Ratliff Howard im Eins-gegen-eins nicht stoppen kann, so kann der Center vielleicht das Doppeln verhindern, welches den vielen Schützen der Magic offene Würfe verschafft."
Wenn er (R.) ihn (H.) im 1-1 nicht stoppen kann , wie soll er dann das doppeln verhindern, das können doch eh nur seine Mitspieler (indem sie es eben nicht tun) ode der Trainer indem er eine entsprechende Anweidung gibt?
von tamarindenpulpe 18.04.10 um 22:13:22
er kann howard nicht stoppen aber er kann ihn halbwegs vernünftig allein verteidigen! ;)
von LilShaq34 20.04.10 um 00:15:41
Im Grunde relativ einfach: Ein gut aufgelegter Theo Ratliff kann mit einer Zementgleichen Verteidigung Howard zum Non-Factor machen. Wenn er das schafft muss keiner zum Doppeln kommen. Okay, Howard ist ein Schwergewicht, aber auch nicht der beste Offense-Player. ;-)