Ricky Rubio

Ein Trio für Ricky Rubio

Für die Experten in den Staaten ist Rubio Rubio, der in der Saison 2011/2012 sein Rookie-Jahr für die Minnesota Timberwolves bestreiten wird, eine Mischung aus Backstein und Baiser. Sein Wurf ist ausbaufähig, sein Spielverständnis und seine Übersicht auf dem Feld sind von höchster Güte. Dass der 21-Jährige noch viel zu lernen hat, weiß er selbst am besten. Hilfe bekommt er dabei von drei Personen mit mehr als einem Viertel Jahrhundert Point-Guard-Kompetenz.

Von Thomas Käckenmeister
 21.12.2011 |

Jose Barea ist der jüngste Neuzugang der Minnesota Timberwolves. Der Puertorikaner, der bedeutenden Anteil am Titelgewinn der Dallas Mavericks hatte, reiht sich bei der Franchise im Bundesstaat der 1000 Seen in die illustre Point Guard-Galerie ein, die Manager David Kahn seit seiner Ankunft im Mai 2009 in den Norden der USA geholt hat. Der kontroverse Sportdirektor, der wegen seiner fragwürdigen Transaktionen von den US-Basketball-Koryphäen Chad Ford und John Hollinger als äußerst unberechenbar und rätselhaft bezeichnet worden war, scheint ein Fetisch für Aufbauspieler zu haben. Einer seiner ersten Schritte war damals der Trade von Randy Foye nach Washington für einen hohen Draft-Pick, mit dem er im Draft 2009 Ricky Rubio an Land zog. Außerdem angelte Kahn sich die Rechte an Jonny Flynn und Ty Lawson. Letztgenannter ist mittlerweile für Denver aktiv, Flynn trägt seit diesem Sommer die Teamfarben der Houston Rockets. Im Sommer 2009 verpflichteten die T’Wolves zudem noch Ramon Sessions, der ein Jahr später gegen Sebastian Telfair eingetauscht wurde. Telfair hat das Team ebenfalls wieder verlassen. In der Offseason 2010 stieß dann Luke Ridnour zum Team.

Mit der Barea-Verpflichtung hat Kahn aber vermutlich einen intelligenten Schachzug getätigt. Warum? Barea ist der einzige Spieler im Team der Timberwolves, der Spanisch spricht. Mit seiner Qualität und Erfahrung als Aufbauspieler eines Champions, soll er den doppelten Europameister (2009, 2011) und Silbermedaillengewinner von Peking 2008 an die Herausforderung NBA heranführen. Der 28-jährige Wirbelwind soll Rubio zusätzlich helfen, sich in der US-amerikanischen Kultur einzuleben.

Coach Adelmann und kleine Guards

Doch nicht nur abseits des Parketts dürfte die Rechnung aufgehen. Auf dem Feld kann und soll das spanische Feuer ebenfalls lodern. Der neue Head Coach Rick Adelmann ist jedenfalls bekannt dafür, dass er gerne mit mehreren kleinen Guards gleichzeitig spielen lässt. Genau dafür ist auch Ridnour vorgesehen, der zwar nach der Vorstellung Bareas zunächst Interview-Anfragen abblockte, mittlerweile die Situation aber positiv zu werten weiß. Adelmann sagte dazu: „Ich habe noch nie zuvor eine solche Gruppe gehabt, die so gut mit dem Ball umgehen konnte. Ich benötige Ball-Handler auf dem Feld und Spieler, die die Systeme umsetzen.“ Über 1.500 Spiele Coaching-Erfahrung hat Adelmann in seiner Vita stehen. In Portland ließ er jahrelang Terry Porter und Danny Ainge gemeinsam spielen, Mike Bibby und Bobby Jackson teilten sich den Aufbau in Sacramento, in Houston dirigierten Kyle Lowry und Aaron Brooks den Angriff. „Ich werde es wieder so machen, wie ich es in der Vergangenheit gemacht habe. Wir werden es versuchen. Dadurch werden wir zwar auch wegen der Größe Nachteile zu spüren bekommen, aber so ist der Plan. Ich werde die besten Spieler aufs Feld schicken und unsere drei Guards zählen dazu.“

Dass Rubio in diesem Trio vor einer Bewährungsprobe im Haifischbecken NBA steht, ist offensichtlich. Klar, als Rookie hat es jeder schwer. Deshalb wurden während des Trainingscamps auch spezielle Maßnahmen durchgeführt, um den jungen Spanier an die physische und athletische Spielweise in der Liga heranzuführen. Testspiele fanden mit Schiedsrichtern statt, die angewiesen waren, Fouls zu ahnden, sollte Rubio die Handchecking-Regel missachten. In der NBA ist es, anders der FIBA-Regularien, nicht gestattet, den Verteidiger mit beiden Händen zu berühren. Es wird viel getan, damit Rubio in seiner neuen Heimat zurecht kommt, wenn es allabendlich gegen Chris Paul, Derrick Rose, John Wall und Co. zur Sache geht.

Über 25 Jahre Playmaker-Erfahrung

Ein weiterer Mentor neben Barea und Adelman ist dabei auch Assistant Coach Terry Porter, der selbst 17 Jahre in der NBA als Point Guard aktiv war (u.a. für Portland und Minnesota). Porter selbst lernte das Spiel von Coach Adelman, der seinerseits sieben NBA-Spielzeiten (u.a. San Diego und Portland) die Rolle des Point Guards ausübte, ehe er 1988 ins Coaching-Geschäft wechselte. Rubio kann also allein bei Adelmann und Porter auf einen Point Guard-Schatz von 24 Jahren bzw. insgesamt 1.736 regulären Saisonspielen sowie 145 Playoff-Partien zurückgreifen, plus einer Summe von 1.776 Spielen, in denen sie insgesamt als Head Coach an der Seitenlinie standen. Hinzu kommt die Routine von Barea, der die letzten Jahre gegen die pfeilschnellen, korbgefährlichen Playmaker neuer Schule bestritten hat.

Beide Coaches heben in Interview vor allem das besondere Talent Rubios hervor, der bereits mit 14 Jahren sein Debüt in der ersten spanischen Liga ACB feierte. „Er sieht und weiß Dinge, die man nicht lehren kann“, staunt Porter, der erst in der NBA auf Point Guard umsatteln musste, da er auf dem College als Small Forward aufgelaufen war. Rubio wiederum spielt seit sieben Jahren auf allerhöchstem Level und ist ein Point Guard alter Schule. Vergleiche mit Pistol Pete Maravich oder Jason „White Chocolate“ Williams ob seiner blitzschnellen und kreativen Spielweise machten schon früh in seiner Karriere die Runde. Gerade Williams, der kürzlich seiner Karriere beendete, ist für Coach Adelman kein Unbekannter, arbeiteten doch beide bei den Sacramento Kings Seite an Seite. „Er (Williams) sah alles auf dem Spielfeld und genau solch ein Spieler ist auch Rubio. Er hat alles im Blick. Jeder spricht von seinem Wurf, aber das bekommen wir hin. Ich weiß, dass er sehr viel Talent besitzt und er ist noch jung“, sagte Adelmann über das junge Juwel. „Er ist ein sehr kluger Spieler auf dem Parkett und sehr coachbar. Er ist ein klassischer Point Guard, der Dinge aufsaugt wie ein Schwamm. Er hat diesen besonderen Basketball-IQ!“

Die Pässe aus dem Ball prügeln

Auch Rubios Teamkollegen schwärmen nach den ersten Trainingseinheiten mit ihrem Rookie. „Er sieht alles“, staunt Swingman Wesley Johnson. „Wir sehen manche Dinge beim Cutten nicht, die er sieht; dann muss man ständig den Ball im Auge behalten, weil man sonst an den Kopf gepasst bekommt“. Kevin Love scherzte sogar, dass Rubio die Pässe aus dem Basketball herausprügeln würde.

Rubio selbst ist von der neuen Situation äußerst angetan. Nach einigen Workouts in Los Angeles mit anderen NBA-Profis sowie dem Besorgen eines Arbeitsvisums für die USA und Kanada schlug der hochgelobte Iberer im kalten Minneapolis auf, zunächst im Hotel und zuletzt täglich im schweißtreibenden Trainingszentrum. „Es fühlt sich so gut an, Basketball zu spielen“, schwärmt er. „Außerhalb des Feldes gibt es viele Leute, die mir helfen. Die Menschen in Minneapolis sind nett zu mir. Ich fühle mich sehr wohl.“

Allein für das allererste öffentliche Spiel, in dem die Nummer neun der Timberwolves aufgelaufen ist, wurden 13.000 Tickets verkauft. Und dabei handelte es sich lediglich um eine Partie der Preseason gegen Milwaukee, also ohne jegliche Bedeutung. Zum Vergleich: Im Vorjahr setzten die T’Wolves für zwei Vorbereitungsspiele zusammen weniger als 20.000 Karten ab.

Und in eben jenem ersten Auftritt auf amerikanischem Parkett zauberte Rubio in 24 Minuten sechs Punkte, sechs Rebounds und sieben Assists in seinen allerersten NBA-Boxscore. „Olé, olé, olé“-Rufe und ein begeistertes Raunen echoten durchs Target Center. Einzig im zweiten Viertel lag ein Hauch von Wermut in der Luft, als der spanische Rookie umknickte und kurz behandelt werden musste. Nach dem Seitenwechsel setzte er aber sein Debüt fort, bediente u.a. Anthony Tolliver mit einem Rückenbodenpass und Derrick Williams mit erstaunlichem Alley-Oop-Anspiel.

Nach dem 117:96-Premierenerfolg sagte Rubio: „Auch wenn es kein reguläres NBA-Saisonspiel war, war ich trotzdem etwas nervös. Aber als ich dann auf dem Feld stand, habe ich all das vergessen. Ich wollte nur noch spielen. Ich wollte einfach das tun, was ich gelernt habe und dann lief’s“. Hoffentlich geht es auch in Rubios Rookie-Jahr in der stärksten Liga der Welt so weiter.


Profil von Ricky Rubio

Ricky Rubio, geboren am 21. Oktober 1990 im katalanischen El Masnou, etwa 20 Kilometer nördlich von Barcelona, feierte im Alter von 14 Jahren sein Debüt in der spanischen ACB-Liga als jüngster Spieler aller Zeiten.

Bereits als Juniorenspieler war er mit der Nationalmannschaft seines Landes erfolgreich. 2005 erreichte er mit der U16 den dritten Platz bei der Europameisterschaft. Im Folgejahr gewann er ebenfalls mit der U16 den EM-Titel und wurde zum MVP des Turniers gewählt. 2007 nahm Rubio für Spanien an der U18-Europameisterschaft im eigenen Land teil, erreichte dort mit dem Team den fünften Platz und wurde ins „All Tournament Team“ berufen.

Auf Vereinsebene spielte der 1,92 Meter große Guard von 2005 bis 2009 für Joventut Badalona und von 2009 bis 2011 für den FC Barcelona, mit dem er 2010 die Euroleague gewann. Zu seiner Trophäensammlung zählen der Gewinn des EuroCups 2006, des ULEB Cups 2008, sowie eine Spanische Meisterschaft 2011, drei Spanische Pokaltitel (2008, 2010, 2011) plus eine Olympische Silbermedaille (2008) und zwei EM-Goldmedaillen (2009, 2011).

Rubio wurde im NBA Draft 2009 an fünfter Stelle von den Minnesota Timberwolves gewählt. Zwei Jahre später, in der wegen des Lockouts gekürzten NBA-Saison 2011/2012, feiert Rubio sein Debüt in der nordamerikanischen Profiliga.




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Kommentare

(7 Kommentare bisher)

von Sweet Minny 21.12.11 um 09:17:04


Sehr schön zu lesen. Vielen Dank dafür. Kleiner Kritikpunkt: Kahn hat Lawson nicht gedraftet. Denver hatte den Pick schon kurz vor der Draft und hat Lawson selber ausgewählt. Das wird allerdings immer unterschlagen.



von Munichs Finest 21.12.11 um 14:46:04


Kleine Anmerkung: Rubio hat auch mit Barcelona die Euroleague gewonnen! ;)



von Tomrock 21.12.11 um 16:27:16


Kleine Rückmeldungen:

"Außerdem angelte Kahn sich die Rechte an Jonny Flynn und Ty Lawson." >> Lawson wurde 2009 von Minny gedraftet, dann aber für einen Pick zu den Nuggets getradet.

"Auf Vereinsebene spielte der 1,92 Meter große Guard von 2005 bis 2009 für Joventut Badalona und von 2009 bis 2011 für den FC Barcelona, mit dem er 2010 die Euroleague gewann." >> steht doch drin mit dem EL-Titel.



von Arlisin 19.01.12 um 15:50:46


The 'Italian Pete Maravich' ist einfach ein sensationeller Spieler. ROY sollte definitiv drin sein. Selbst All-Star cheint nicht unmöglich.



von nudelauflauf 19.01.12 um 15:56:51


ITalian?



von lasrastas 19.01.12 um 16:30:01


Falls er ROY wird, wäre er der dritte ROY ausm '09 Draft.
Und da ging Thabeet als 2. über die Theke...



von rudy 19.01.12 um 18:44:20


@Nudelauflauf: Musst mal nach "Italian Peter Maravich" googlen. Shaq hat mit seinem geographischen Wissen getrotzt ;)



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