Oklahoma City Thunder

Mit Sturm in die Playoffs

Die Oklahoma City Thunders sind das viertjüngste NBA-Team (25 Jahre im Schnitt) und haben mit Kevin Durant den zweitbesten Punktesammler der ganzen Liga in ihrem Kader. Doch damit nicht genug: Das Team von Scott Brooks ist eine der Überraschungen der Saison 2009/10. Durant, Russell Westbrook, Jeff Green und Co. spielen das erste Mal in ihrer neuen Heimat um die Playoffs mit.

Von Jessica Gravina
 28.03.2010 |

Der Plan ist aufgegangen, an einem neuen Standort und vielen Youngsters eine erfolgreiche Einheit zu bilden. Seit 2008 spielen die Oklahoma City Thunders (ehemals Seattle Supersonics) im Ford Center und haben mit Oklahoma City eine Stadt gefunden, die vollkommen hinter der Mannschaft steht und sie vom ersten Tag an unterstützt. Somit konnte das „Jugend forscht“-Experiment gelassen und ohne Druck gestartet und durchgeführt werden. Was benötigt wurde, war vor allem Zeit, in der sich die „jungen Wilden“ entwickeln, Fehler machen und daraus lernen können.

Der Reifeprozess

Der Kern der Thunder, bestehend aus Kevin Durant, Russell Westbrook und Jeff Green, ist zusammengewachsen und hat Wurzeln geschlagen. Allen voran Durant (Foto), der als zweitbester Korbjäger der Liga einen großen Anteil an der Erfolgsschiene der Thunders hat. Der gerade mal 21-Jährige spielt diese Saison auf All-Star Niveau, weiß mit 29,6 Punkten im Schnitt nur LeBron James (29,8 PpG) in der Punkteliste vor sich und hat allen Kritikern bewiesen, dass er ein Team anführen kann. Während er vor Jahren noch belächelt wurde und „zu dünn“ sei, um in der NBA zu bestehen und nur ein „Shooter“ sei, hat Durant alle eines besseren belehrt.

Noch vor einem Jahr sagte Durant: „Deine Mannschaft zu Siegen zu führen, das ist ein großer Teil davon, ein All-Star zu sein. Hoffentlich kann ich, bevor ich diese Liga verlasse, diesen Status erreichen. Momentan versuche ich mit aller Kraft, dieses Team nach vorne zu bringen.“ Diese Ziele hat er innerhalb eines Jahres erfüllt. Kaum vorstellbar, wie alles in drei Jahren aussehen mag.

Auch Westbrook und Green haben es geschafft, sich in der Liga zu etablieren. Point Guard Russell Westbrook (Foto), der mit seinen 1,91 Meter am Anfang nur mit seinen krachenden Dunks für Aufmerksamkeit sorgte und am College als Verteidigungsspezialist galt, zeigt mit seinen 16,3 Zählern im Schnitt, dass er auch punkten kann. Dass er Allrounder-Qualitäten besitzt, bewies er zuletzt im Spiel gegen die Minnesota Timberwolves, als er ein lupenreines Triple-Double (22 Punkte, 14 Assists und zehn Rebounds) servierte.

Der dritte im Bunde heißt Jeff Green. Er wurde 2007 nach Seattle getradet und hatte mit Buhrufen zu kämpfen. In dieser Saison ist er mit 14,9 Punkten im Schnitt drittbester Korbjäger der Thunder. Green ist das, was heutzutage schwer in der NBA vorzufinden ist: ein Spieler, der immer besser werden will und dafür viel trainiert und analysiert. „Ich bin ein großer Analytiker“, erklärt Green. „Ich sehe mir meine Gegner regelmäßig vor dem Spiel an, studiere ihre Tendenzen und lege eine Taktik zurecht.“ Der Power Forward ist ein Spieler, dem es nicht wichtig ist, jedes Spiel 20 Punkte zu bringen, sondern dem es wichtig ist, vielseitig zu spielen. Auch sein ehemaliger College-Coach sagt: „Er ist ein Basketballer. Ich kann ihn auf jede Position auf dem Feld stellen, und unser Team wird Erfolg haben.“

Seit der Verpflichtung des Schweizers Thabo Sefolosha (Foto) haben die Thunders einen weiteren soliden Spieler, der für harte Verteidigung sorgt, indem er regelrecht an seinem Gegenspieler klebt. Sefolosha gibt in der Abwehr den Ton an, weswegen er zu Recht startet und im Schnitt 28,5 Minuten auf dem Parkett verbringt.

Auch die Thunder-Bank hat einige passable Spieler vorzuweisen, wie Center Nenad Krstic, der im Schnitt 8,4 Punkte auflegt oder Off-Guard James Harden, der mit 10,1 Punkten der vierte Thunder ist, der im Schnitt zweistellig punktet. Jedoch sind nun mal Kevin Durant, Jeff Green und Russel Westbrook die Gesichter der Thunder. Das Trio harmoniert gut zusammen und ist der Hauptgrund für den Erfolg der Thunders; sie (und Sefolosha) sind die einzigen Spieler im Team, die alle bisherigen 71 Begegnungen absolviert haben.

Erfolgreiches Experiment

Die „learning by doing“-Methode vom Head Coach Scott Brooks hat sich ausgezahlt. Die Oklahoma City Thunder belegen momentan mit einer Bilanz von 44 Siegen und 27 Niederlagen den sechsten Platz in der Western Conference und sind somit ein heißer Playoff-Kandidat. Auch Coach Scott Brooks, der als Anwärter auf den „Coach Of The Year“-Award gehandelt wird, hat einen großen Anteil am Thunder-Erfolg beigesteuert, indem er seinen jungen Spieler das Vertrauen gab bzw. gibt, was für einen Reifeprozess wichtig ist. Kevin Durant hat es auf den Punkt gebracht: „Er half uns als Truppe und dank ihm sind wir besser geworden.“

Auch Jeff Green (Foto) hat nur Gutes für seinen Trainer übrig: „Er hat uns in eine gute Position gebracht, in der wir um die Playoffs spielen. Er stellt uns als Spieler in eine gute Position, in der wir die Möglichkeit haben, zu zeigen, was wir können. Er hat eine außerordentliche Arbeit geleistet und wird jedes Spiel als Trainer besser und macht uns besser.“ Es ist wichtig, dass auch nach Niederlagen wie gegen die San Antonio Spurs, wo die Mannschaft zuvor bei einem Jay-Z-Konzert war, der Trainer weiterhin an seine Spieler glaubt: „Ich vertraue den Jungs. Sie geben mir keinen Grund, ihnen nicht zu vertrauen. Unsere Spieler sind sehr professionell und nehmen ihre Arbeit sehr ernst und sind sehr stolz auf das Team.“

Dass das Team Reife besitzt, haben sie zum Beispiel im Spiel gegen die Minnesota Timberwolves bewiesen: Trotz der zwei verlorenen Spiele gegen die Spurs und die Suns zuvor, haben die Spieler ihre Köpfe nicht hängen lassen und die Timberwolves mit 109:92 besiegt. Gleich sieben Spieler haben zweistellig gepunktet und auch Coach Scott Brooks war zufrieden: „Die Jungs spielten schon gleich zu Beginn eine sehr solide Verteidigung. So müssen wir spielen. Jeder war in seiner Verteidigungshaltung. Wir hatten fünf Spieler, die die Verteidigung in Anspruch nahmen, was gut anzusehen ist.“

Wenn die Jungspunde weiterhin ihren Ehrgeiz behalten und weiterhin so stark verteidigen (96,7 Gegenpunkte im Schnitt, 10. Platz ligaweit), können sie es weit in die Playoffs schaffen. Das Team ist jung, motiviert und glaubt an sich, sowie wie Westbrook weiß: „Ich glaube, wenn wir unser Spiel weiterhin so spielen, wie wir es immer spielen, können wir es weit schaffen.“

Durant, Westbrook und Green haben den Kritikern gezeigt, dass diese falsch lagen und haben alle eines besseren belehrt. Sie haben es in einer kurzen Zeit geschafft, als Einheit erfolgreich zusammen zu wachsen und haben an Reife dazugewonnen. Sie können in den Playoffs Erfahrungen sammeln und daraus lernen. Es ist kaum absehbar, wie gut diese Mannschaft in einigen Jahren sein wird, vor allem nach dem Sommer 2010, in welchem sich die Thunder eventuell unter anderem Chris Bosh´(Foto) angeln könnten.

Über diese Mannschaft zu spekulieren, ist ohnehin schwierig, denn sie wird die Kritiker eh eines besseren belehren.




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Kommentare

(8 Kommentare bisher)

von Dickson 29.03.10 um 14:00:24


wow, wenn bosh zu diesem team kommt, ein green von der bank...
das könnte was werden für die zukunft...

ist harden nicht eher shooting guard als aufbau?



von tmachou 29.03.10 um 19:27:36


Wow, ein ganzer Artikel über den Aufschwung der Thunder, ohne den Namen Serge Ibaka zu erwähnen? Das hat in letzter Zeit nicht jeder geschafft...

Finde die Teamübersicht insgesamt gut, auch wenn ich persönlich etwas andere Ansichten habe. Zum Beispiel, was die Defensivfähigkeiten von Russell Westbrook angeht, die ich ehrlich gesagt als unterdurchschnittlich bezeichnen würde, oder das potentielle Abschneiden in den Playoffs, weil da jegliche Erfahrung fehlt.



von Irenicus 29.03.10 um 19:46:26


Der Artikel ist nicht schlecht, mir fehlt aber zum einen Ausführungen bezüglich Serge Ibaka, zum anderen Collison. Beide runden die Rotation auf den großen Positionen toll ab. Ibaka mit seinen Fähigkeiten beim Rebound (insbesondere Offrebounds) und Scoring, Collison mit seiner Defense (er zieht beispielsweise die meisten Offensivfouls in der NBA)! Maynor spielt als Backup für Westbrook ebenfalls eine solide Saison.



von Mani 30.03.10 um 18:14:25


Dafür wird Thabo Sefolosha erwähnt! Go Thabo! Der einzige Schweizer auf international gutem Level! Hatte Spiele mit extrem starker Verteidigung, z.B. gegen Wade oder Kobe!



von Cabalios 30.03.10 um 19:36:03


schöner artikel... und endlich ein aktuelles bosh bild :)



von Bigshorty 30.03.10 um 22:36:11


Netter Artikel Mrs. AirBall



von Bratfisch 31.03.10 um 07:34:45


Kleiner Fehler: Krstic ist Starter und nicht Bankspieler



von Shawty J 02.04.10 um 14:00:10


Also ich hab mir eure Kritik zu Herzen genommen.

Ibaka und Collison hab ich nicht erwähnt, weil mir wichtig war, dass Leute, die nicht viel NBA schauen oder die Thunders nicht kennen, schnell und kurz was über dieses Team erfahren. Mir ist bewusst, dass Ibaka und COllison wichtig für das Team sind, aber nun mal die erwähnten Spieler im Artikel eine größere Rolle spielen. Wenn ich was über jeden einzelnen Spieler was geschrieben hätte, wäre das zu viel Text bzw. zu viele Informationen auf einmal. Dann würden wieder andere kommen und fragen, wieso ich D.J. White nicht erwähnt habe. Wie schon geschrieben, da dies nur ein kurzer Artikel über die Thunders werden sollte und kein Saisonrückblick, habe ich bewusst nicht alle Spieler erwähnt :)



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