New York Knicks

Zurück zu goldenen Zeiten?

Die letzte Meisterschaft der Knicks liegt inzwischen 38 Jahre zurück, doch in New York hat sich seitdem einiges getan. Unter der Leitung von General Manager Donnie Walsh und Headcoach Mike D’Antoni wurde ein Neuanfang angestrebt und der Kader umgestellt – doch sind die Knicks bereit, um ganz oben mitzuspielen?

Von Marc Lehmkühler
 19.02.2011 |

Schwere Zeiten

isiah thomasBlickt man auf die letzten Jahre zurück, gab es für die New York Knicks nicht viel mehr als fragwürdige Personalentscheidungen, Spott und Erfolglosigkeit. Die Zeiten, als Patrick Ewing die Bretter der NBA im Trikot der Knicks dominierte, waren lange vorbei, als New York sich zuletzt in der Saison 2006/2007, mit dem überbezahlten und dauerverletzten Eddie Curry, Hoffnungen auf einen Playoff-Platz machen durfte. Auch durch die Verpflichtung von All-Star Zach Randolph, der im Tausch für den talentierten Channing Frye und Steve Francis nach New York kam, konnte der damalige Headcoach und Hall of Famer Isiah Thomas (Foto) keine Playoff-Teilnahme mit seinem Team erreichen.

Stattdessen wurde in den vergangenen Jahren durch Multi-Millionen-Dollar-Verträge, einseitige Trades und zahlreiche Entlassungen von Spielern das Geld der New York Knicks aus dem Fenster geschmissen. Zudem verkamen die Knickerbockers zur Anlaufstelle für überbezahlte Bad-Boys und Ex-Star-Spieler, wie Stephon Marbury, Jamal Crawford, Penny Hardaway, Larry Hughes, Jerome James, Eddy Curry, Jalen Rose, Steve Francis und zuletzt auch den ehemaligen Superstar der Houston Rockets, Tracy McGrady. Trotzdem erreichte man in den letzten neun Jahren nur ein einziges Mal (2003/2004) die Playoffs.

Den andauernden Misserfolg der Franchise spiegelt auch deren Siegbilanz wider. Zu Zeiten von Coach Larry Brown erreichte „Team Titanic“ eine Bilanz von 23 Siegen und 59 Niederlagen, was sich unter Leitung von Sündenbock Isiah Thomas weiter fortsetzte. Blickt man auf die letzte Saison zurück, schien sich nicht viel geändert zu haben. 29 Siege und 53 Niederlagen hieß es nach einer wieder einmal enttäuschenden Saison, obwohl das Team durch talentierte Spieler wie Wilson Chandler, Danilo Gallinari, David Lee und Highflyer Nate Robinson verjüngt wurde.

Was hat sich geändert?

Dieses Jahr scheint es, als hätten Walsh und D'Antoni die richtige Mischung aus jungen Talenten und erfahrenen Spielern gefunden. All-Star Amare Stoudemire wurde durch gute Zukunftsaussichten und einen Maximum-Vertrag (5 Jahre, $99,7 Mio.) aus Phoenix, in den Big Apple gelockt. Zudem konnten für Forward David Lee per Sign-and-Trade die Youngsters Kelenna Azubuike und Anthony Randolph sowie der französische Center Ronny Turiaf von den Golden State Warriors an die andere US-Küste geholt werden.

landry fieldsNeue Energie gibt es für die Knicks auch von ihren Rookies Landry Fields (Foto) und Center Timofey Mozgov, die sich immer besser in das Team und die NBA einfügen. Zuletzt wurde Raymond Felton für einen mit knapp 16 Millionen Dollar dotierten Zweijahresvertrag als Starting-Point-Guard verpflichtet. Insgesamt beläuft sich der Spielerwert des diesjährigen Teams auf über 655 Millionen Dollar, was den ersten Platz in der NBA-Rangliste bedeutet.

Auf Playoff-Kurs

Vor Saisonbeginn hatte den New York Knicks niemand so recht etwas zutrauen wollen. Im „Basket Ranking“ landeten die Knicks beispielsweise auf dem 8. Platz, noch hinter den Charlotte Bobcats und den Milwaukee Bucks, und auch in den meisten anderen Power Rankings war nicht mehr als ein vorsichtiger siebter Rang drin – wenn überhaupt. In vielen Saisonvorschauen schwang sogar ein enorm kritischer Unterton mit, etwa beim kanadischen Sportsender TSN: „Die Knicks sind auf dem Feld nur ein Hauch besser als über die vergangenen beiden Jahre. Sie haben David Lee mit [Amare] Stoudemire ersetzt, Chris Duhon mit Raymond Felton und überwältigende Hoffnung mit unzufriedener Gegenwart. New York hat letztes Jahr 29 Spiele gewonnen und könnte nun vielleicht den achten Platz im Osten erreichen. Aber ist dies wirklich die Antwort auf eine miserable Dekade, die die Fanbasis ertragen musste?“

So waren die Knicks vor allem zu Saisonbeginn eine der großen Überraschungen, als sie in der Eastern Conference Anschluss an die Spitze hielten. Es schien, als hätte das Team Mike D'Antonis Spielweise angenommen und Amare Stoudemire den Verlust David Lees unterm Korb mehr als kompensiert. Die Leistungen der Knicks waren in der Folge zwar sehr wechselhaft, was nicht zuletzt an der offensiven Spielart von Coach D'Antonis System und den daraus resultierenden 106 zugelassenen Punkten pro Spiel liegt. Doch beim Ritt gen Playoffs scheint New York zum Allstar-Break fest im Sattel und wie die New York Times kürzlich schrieb: „Sogar die Beendung der sechsjährigen Playoff-Abstinenz ist ein wichtiger Fortschritt.“

„Verletzungsanfällig und Sauteuer?“

Im Gegenteil! Amare Stoudemire überzeugt diese Saison, als zweitbester Scorer der Liga, mit 26 Punkten pro Spiel, bei knapp 37 Minuten Spielzeit. Das letzte Mal erzielte „STAT“ vergleichbare Zahlen in der Saison 2007/2008. Ganze neun Spiele in Folge erzielte der Power Forward über 30 Punkte, darunter waren vier Double-Doubles. Als Bestätigung seiner Leistungen wird Stoudemire im All-Stare Game in Los Angeles in der Starting-Five der Auswahl des Ostens auflaufen.

lebron jamesVergessen scheint der Titel „schlechtester Neuzugang des Sommers“, den Stoudemire vor der Saison von 93 NBA-Experten von ESPN verliehen bekam. Statt Kritik hagelt es Lob. Etwa von ESPN-Experte Marc Stein, der Stoudemire am 9. Januar zum MVP des ersten Trimesters wählte. „Stoudemire kam als Trostpreis für LeBron James (Foto), vollkommen zuversichtlich, dass er New York zurück an die Spitze führen könnte. Dies gelingt ihm nun schneller als es irgendjemand erwarten konnte. Er hat uns Medienexperten zum Schweigen gebracht!“

Der Gepriesene selbst gibt sich bescheiden und stellt statt seiner eigenen Leistungen lieber die Fortschritte seiner neuen Mannschaft in den Vordergrund. So gab er der New York Times vergangene Woche – nach dem 102:90 Sieg über die Atlanta Hawks – zu Protokoll: Wir haben in diesem Jahr einen riesigen Schritt nach vorne gemacht! Natürlich hätten wir [in den letzten Wochen] einen besseren Job machen können, aber wir wissen jetzt was wir zum siegen benötigen.“

Stoudemire genießt im Stillen, dass er nicht mehr gefragt wird ob er auch ohne Ex-Mitspieler Steve Nash auf hohem Niveau spielen kann. Er kann! Das ist nun klar. Jetzt bleibt nur noch die Frage: Macht Stoudemire sich unsterblich in New York, indem er das Knicks-Boot als Kapitän an die Tabellenspitze lenkt, oder ist der Kahn trotz allem zum Sinken verdammt?

Die Starting-Five

Natürlich hängt die Beantwortung dieser Frage nicht nur von Käpt’n Stoudemire ab, sondern auch von seinen Adjutanten. Einer dieser Co-Stars ist Point Guard Raymond Felton, der ebenfalls hervorragend in Mike D'Antonis System zu passen scheint. Der Neuzugang aus Charlotte verbucht neun Assists und über 17 Punkte pro Spiel, wobei er Gebrauch von der schnellen Offensive seiner Mannschaft macht.

Die jungen Forwards Danilo Gallinari und Wilson Chandler und Rookie-Guard Landry Fields ergänzen und unterstützen den erfahrenen Kapitän bislang ebenfalls sehr gut. Chandler und Gallinari erzielen zusammen über 30 Punkte pro Spiel und zeigen auch von jenseits der Dreipunktelinie ihre Qualitäten. Landry Fields stand bislang in jedem Spiel von Anfang an auf dem Parkett und legt dabei mit 10 Punkten pro Spiel und über 50 Prozent Feldwurfquote stabile Statistiken auf. Von allen drei Rookies spielt Fields eindeutig die beste Saison und gehört im „Rookie Ranking“ auf NBA.com zu den Top-5.

Insgesamt ist die erste Fünf der Knicks, was das Punkten angeht, sehr gefährlich und durchaus ausgeglichen. In der Defensive kassieren sie deutlich zu viele Körbe, was auch an der Unterlegenheit beim Rebound liegt. Hier können lediglich Stoudemire (8,6 RpG) und Fields (7,1 RpG) gute Zahlen aufweisen.

Die Bank

anthony randolphVon der Bank erhalten Toney Douglas (22,5 MpG), Shawne Williams (18 MpG) und Center Ronny Turiaf (18 MpG) die meisten Spielanteile in der Rotation der Knicks. Für Anthony Randolph (Foto) läuft diese Saison hingegen noch nicht nach Plan. Galt der Forward vor der Saison noch als Hoffnungsträger, guckt er sich momentan das Spiel meist nur von der Bank aus an. Von Verletzungspech geplagt, wurde Randolph überhaupt nur 17 Mal eingesetzt und bleibt somit weit hinter den Erwartungen der meisten Experten zurück. Magere zwei Punkte pro Spiel bei unter acht Minuten Spielzeit stehen bisher zu Buche.

Timofey Mozgov etabliert sich immer besser im Spiel am Brett und bringt es momentan auf 13 Minuten pro Spiel bei über 30 Einsätzen. Die erhoffte Unterstützung beim Rebound stellt jedoch auch der lange Russe bislang nicht wirklich dar. Der dritte Rookie im Bunde ist der kanadische Nationalspieler Andy Rautins, ein Shooting Guard und Lokalmatador (er spielte für die nahe gelegene Syracuse University), der bisher allerdings erst viermal für wenige Minuten auflaufen durfte. Noch keinen Einsatz konnte Kelenna Azubuike in diesem Jahr verbuchen. Aufgrund einer Knieverletzung muss der Neuzugang bis mindestens Ende Februar, statt dem Trikot mit der Nummer 7, im Anzug auf der Bank Platz nehmen.

Zusammenfassend lässt sich aufführen, dass die Bank vor allem offensiv durchaus für Entlastung sorgen kann und mit einigen Talenten bestückt ist. Den Knickerbockers fehlt jedoch – wie bereits im Fall Mozgov erwähnt – ein effektiver Rebounder und Defender von der Bank. Zudem sind Douglas, Williams und Co. alles gute Spieler, es ist jedoch nicht gesagt, dass sie den Knicks in den entscheidenden (Playoff-)Momenten weiterhelfen können.

„Wenn es ein guter Trade ist, würde ich es machen“

carmelo anthonyDies sind die Worte von Knicks-Manager Donnie Walsh, geäußert vergangenen Mittwoch in einer Pressekonferenz. Damit bezieht er sich auf die Diskussion um Forward Carmelo Anthony (Foto; Denver Nuggets), der seit Wochen als potentieller Co-Star im Gespräch ist. Die Diskussionen tragen der Erkenntnis Rechnung, dass Stoudemire mehr Hilfe braucht um die Knicks an die Spitze der Liga zu bringen, d.h. einen weiteren Spieler, der den Unterschied zwischen Mittelmaß und Top-Team ausmacht. Fest steht: Auch wenn das Team viel Potential besitzt, muss sich in New York etwas tun um nicht wieder abzurutschen.

Vielleicht könnte Anthony sich innerhalb der nächsten Wochen tatsächlich noch das Knicks-Trikot überstreifen und zusammen mit Stoudemire auf Korbjagd gehen. Er wäre der angesprochene gleichwertige Star-Spieler an der Seite von „STAT“. Vielleicht! Denn obwohl laut „The New York Daily News“ für das All-Star-Wochenende ein Treffen zwischen den Knicks-Verantwortlichen und Anthony geplant ist, ist ein solcher Transfer von der Zustimmung aus Denver abhängig. Und allem Anschein nach konnte Walsh den Nuggets noch nicht das richtige Angebot unterbreiten, um sein Team mit Anthony zu vervollständigen.

Wenn ein Trade-Angebot, das Anthony Randolph, Eddy Curry und Wilson Chandler beinhaltet, nicht genügt, stellt sich die Frage, was die Knicks noch tun können um das Management in Denver zu überzeugen. ESPN.com berichtete kürzlich, dass Denver als Gegenwert für Anthony und Point Guard Chauncey Billups unter anderem Chandler, Fields, Mozgov und Felton fordert. Zu viel Talent sollte Walsh allerdings nicht an die Nuggets abgeben und es erscheint fraglich, ob „Melo“ einen zusätzlichen Verlust von Gallinari und/oder Fields wert wäre. Beide haben sich als äußerst wertvoll erwiesen. Ein Abgang von Anthony Randolph wäre hingegen in dieser Saison zu verkraften.

Die Zukunft

Toney Douglas, Landry Fields, Anthony Randolph, Kelenna Azubuike, Danilo Gallinari, Wilson Chandler: An Talenten mangelt es den New York Knicks in diesem Jahr nicht. Was Mike D'Antoni aus diesem Kader macht und inwiefern die erfahrenen Spieler, Felton und Stoudemire, ihre Leistungen bringen, wird entscheidend für den Verlauf der Zukunft sein. Für die aktuelle Saison scheinen folgende Szenarien möglich:

Optimum
Vor der Trade Deadline fädelt Walsh mit den Denver Nuggets einen Trade ein, der Carmelo Anthony in den Big Apple holt, Currys fetten Vertrag in die Rockies verschifft und bei dem nicht allzu viel Talent geopfert werden muss. Die Knicks erholen sich von ihrer Negativ-Serie und können sich für die erste Playoff-Runde sogar noch den Heimvorteil sichern. Dort winkt zwar noch nicht die Meisterschaft, doch ein Einzug in die zweite Runde der Playoffs gelingt.

Realistisch
Der Trade, der „Melo“ zu den Knicks bringen soll, kann nicht realisiert werden. New York spielt zwar solide und beendet die „Regular Season“ auf dem 6. Platz; in der 1. Runde scheiden die Knicks allerdings gegen die Chicago Bulls aus. Amare Stoudemire allein reicht nicht, um Derrick Rose und Co. genug entgegenzusetzen.

Floptimum
Die Philadelphia 76ers werden immer stärker und der Abstand zum 9. Platz in der Eastern Conference immer geringer. Der Kampf um die Playoff-Plätze wird zum Krimi und eine harte Probe für die junge Knicks-Mannschaft. Die Hochstimmung vom Saisonbeginn ist verflogen und die Goldenen Zeiten der Traditionsmannschaft aus New York City lassen weiter auf sich warten.




Artikel-Funktionen

Bewerte diesen Artikel:
4.40
(10 Bewertungen bisher)
 

Speichere diesen Artikel:


Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von mcheath78 22.02.11 um 06:42:52


"Wenn es ein guter Trade ist..." Ist es aber nicht. Falls der Tausch, den David Aldrige bei nba.com angekündigt hat, haben die Knicks sich verzockt. Galinari, Chandler und vor allem Felton abzugeben, ist in meinen Augen zuviel Gegenwert für Carmelo und einen zu alten Billups.



von Dickson 22.02.11 um 08:20:54


Meine Worte...

Wars das jetzt mit den "Goldenen Zeiten"?

Irgendwie erinnert mich das ganze an die Stephon Marbury-Geschichte, den wollten die Knicks auch unbedingt haben...



von Wizardsfanvier 22.02.11 um 17:00:42


Konnte im ersten Moment nicht glauben wie dämlich die Knicksverantwortlichen sind. Felton UND Gallinari UND Chandler weg? Gut gemacht! Zwei von denen wären schon ein herber Verlust, aber alle 3? Das macht einen Bigman-Shooter, einen Shawn-Marion-Klon und nen ASG-würdigen Playmaker weniger, und das für einen Spieler, der außer ein super Scorer nix ist. Zudem ist er damit der 2. Superstar im Team, bei dem Defense unten auf der To-do-Liste steht. Aber wenn sie es so wollen müssen sie damit leben.



Du benötigst einen myCrossover-Account um Artikel kommentieren zu können!

 Registrieren oder  Einloggen

 





Du bist nicht eingeloggt. Jetzt bei myCrossover registrieren.
  •  
    Passwort vergessen?