New Orleans Hornets

Turbulenter Hornissenflug

Vor rund einem Jahr noch als eine Mannschaft der Zukunft gehandelt, bleiben die New Orleans Hornets nach einem enttäuschenden vergangenen Jahr auch in dieser Saison noch hinter den Erwartungen zurück. Dabei ist es vor allem für Head Coach Byron Scott ein wegweisende Spielzeit.

Von Jan Karon
 12.11.2009 |

Wir schreiben den 29. April 2008, einen Dienstag. Bei der einberufenen Pressekonferenz wird die Wahl von Byron Scott, dem Head Coach der New Orleans Hornets, zum „Coach of the Year“ bekannt gegeben. Applaus, Schampusschlürfen, rührende Rede. Die Spielzeit spricht dabei für sich – und somit für Scott: Die Franchise aus Louisiana verbessert sich im Vergleich zum Vorjahr um 17 Siege, erreicht nach der regulären Saison den zweiten Platz in der Western Conference und somit die Playoffs (in denen die Hornets in der ersten Runde gerade 3-1 gegen die Mavericks führen), ist großteils verletzungsfrei durch die Saison gekommen und Point Guard Chris Paul wird in der MVP-Debatte in einem Atemzug mit Kobe Bryant und LeBron James genannt.

Später scheiden die Hornissen in der zweiten Runde zwar in sieben Spielen gegen die San Antonio Spurs aus, doch in New Orleans blickt jedermann zuversichtlich in die Zukunft. Man habe schließlich einen Coach, der aus einem Lottery Team innerhalb von drei Jahren ein mehr als solides Playoff-Team geschweißt hat, den besten Point Guard der Welt, eine mehr als solide Mannschaf und endlich wichtige Playoff-Erfahrung.

Wir schreiben den 29. Oktober 2009, einen Donnerstag. Die New Orleans Hornets eröffnen ihre Saison gegen die Spurs in San Antonio. Gegen dasselbe Team also, gegen das sie vor zwei Jahren nach einer dramatischen Serie aus den Playoffs ausgeschieden waren. In New Orleans ist längst nicht mehr alles so rosig wie vor ein, zwei Jahren. Nach der Erfolgssaison 2007/08 verlief die darauffolgende Spielzeit nicht mehr so erfolgreich: Die Hauptrunde war von Verletzungen Peja Stojakovics, David Wests und Tyson Chandlers gezeichnet. Folgerichtig hatten die Hornets „nur“ noch 49 Mal gewinnen können, waren auf Platz sieben im Westen gelandet und wurden in der ersten Playoff-Runde von den Denver Nuggets 1-4 demontiert.

Der Misserfolg brachte auch in New Orleans Byron Scott und Teambesitzer George Shinn ins Grübeln. Im Sommer beschloss die Führungsetage, den Kader umzuwerfen: Der Starter auf der Zwei, Rasual Butler, wurde aus finanziellen Gründen an die Los Angeles Clippers verschenkt, für den alternden Peja Stojakovic rückt das vermeintliche Großtalent Julian Wright in die Starting Five. Der verletzungsgeplagte Tyson Chandler wurde für Emeka Okafor (Foto) ausgetauscht und die Bank mit Ike Diogu (Sacramento Kings), Darren Collison und Marcus Thornton aus dem Draft sowie Bobby Brown (Minnesota Timberwolves) und Darius Songaila (Washington Wizards) grundsätzlich verändert. Man wolle mit den Maßnahmen die „Second Unit“ verbessern und sich somit nicht mehr so abhängig von den Startern machen, so Coach Scott.

Um jenen war es den Sommer über nach dem Playoff-Desaster ebenfalls nicht mehr so ruhig gewesen. Stimmen wurden laut, Scott sei der falsche Coach für die Hornets, spiele er doch eine sehr bewegungsarme Offensive, die sich auf die Stärken der Stützpfeiler des Teams, Chris Paul (Foto) und David West, verlasse. In der Tat war die Postseason-Blamage gegen die Nuggets durchaus darauf zurückzuführen, dass West und Paul viel alleine machen mussten und darüber hinaus nach der regulären Saison erschöpft waren (sowohl Paul, als auch West fanden sich unter den acht Akteuren wieder, die in der Saison die meisten Minuten verzeichneten); der Rest des Teams wurde in die Offensive nur partiell eingebunden, wodurch Denver leichtes Spiel hatte. Auch die (fehlgeschlagene) Förderung der Jugend wurde Scott angekreidet: Hoffnungsträger Julian Wright verbrachte den Großteil der Saison im sogenannten „Doghouse“ Scotts, Center-Talent Hilton Armstrong beging nach wie vor etliche Fehler und konnte nicht überzeugen und die restlichen Rookies aus den letzten Jahren – Darrell Arthur, Adam Haluska, Cedric Simmons, Brandon Bass oder Marcus Vinicius – wurden getradet, schafften es sodann teilweise, sich bei anderen Teams durchzusetzen.

Die Sattelfestigkeit und das Ansehen Scotts litt zweifellos in erster Linie an den zu hohen Erwartungen des Vorjahres – dass New Orleans eine solche Erfolgssaison noch einmal schaffen würde, war unwahrscheinlich –, nichtsdestotrotz ist das kürzlich angegangene Spieljahr für Scott eine wegweisendes Scheidejahr. Können die neuen Starter Peterson, Wright und Okafor die Lücken von Butler, Stojakovic und Chander schließen? Wird die Bank um die Rookies Collison und Thornton, die Neuverpflichtungen Brown, Songaila, Diogu und die Routiniers Sean Marks, Stojakovic, James Posey zu einer geschlossenen Einheit, die der Starting Five die nötigen Atempausen garantieren kann? Werden es die Hornets endlich schaffen, die mit Spielverantwortung überbelasteten Schultern von Paul und West zu entlasten? Schaffen es die jungen Spieler wie Thornton, Collison, Wright, Armstrong und Diogu, sich weiter zu entwickeln?

Scotts Vertrag läuft nach dieser Spielzeit aus und auch deswegen wird es bei einem entsprechenden Misserfolg Shinn leichter fallen, ihn zu feuern, muss er bei auslaufenden Verträgen doch weitaus weniger Abfindung zahlen. Scott (Foto) jedenfalls kommt an einen Kreuzungspunkt seiner Karriere: Hat sein Coaching Erfolg, kann New Orleans um einen tiefen Ritt in den Playoffs mitspielen. Schafft er es jedoch nicht, wird er schneller arbeitslos als er denken kann.

Die ersten neun Spiele sind alles andere als erfolgsversprechend verlaufen. Gegen San Antonio sahen die Hornissen zum Saisonauftakt kein Land und wurden an die Wand gespielt; die oftmals gescholtene Bank zeigte keinerlei Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr. Zur Halbzeit – San Antonio führte mit 18 Punkten Unterschied – hatte die zweite Garde New Orleans ganze null Zähler auf ihrem Konto. Die Spurs-Reserven trugen zum gleichen Zeitpunkt 30 Punkte zum Teamerfolg bei. Auch die Offensive agierte nach wie vor träge bis stillstehend, war in viele Isolationen verstrickt, und lief ohne Ballbewegung ab. Die Defensive samt Reboundarbeit glich über weite Phasen einem Offenbarungseid.

Die beiden Rookies Thornton und Collison, die als vielversprechende Talente gehandelt werden, bekamen anfangs keine Spielzeit – im besten Fall sogenannte „Garbage Time“. Mittlerweile hat Scott realisiert, dass die beiden Guards wichtig für das Team sind und gesteht ihnen Spielanteile zu. Dafür konnte der talentierte Julian Wright (Foto) die Erwartungen als startender Small Forward nicht erfüllen und landete, nachdem er anfangs von Beginn an aufgelaufen war, nach sechs Spielen wieder am Ende der Bank.

Gewiss sollte man den Teufel nicht zu früh an die Wand malen. Die Hornissen konnten auch überzeugende Ansätze aufweisen – so spielt Chris Paul erneut grandios auf, Neuzugang Emeka Okafor scheint gut integriert zu sein und die Bank hat sich trotz allen Querelen aus der Vergangenheit verbessert gezeigt –, trotzdem sind die Vorzeichen nach den ersten neun Partien (3-6) und der schwachen PreSeason (2-6) alles andere als gut.

Es scheint sich vieles getan zu haben in New Orleans und doch bleibt die Art und Weise, wie Scott sein Team einstellt, gleich. Täglich grüßt das Murmeltier, würde man im Volksmund sagen. Wenn Byron Scott es jedoch nicht schaffen sollte, die hohen Erwartungen von Fans, Franchise, ihm selbst und dem Team zu erfüllen, könnte das Murmeltier bald nicht mehr grüßen – und Scott arbeitslos sein.




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Kommentare

(9 Kommentare bisher)

von chn7rocket 12.11.09 um 14:32:10


tja so läuft nun mal das tagesgeschäft. mit dem achtungserfolg steigen die erwartungen, sodass man schneller als gedacht wieder auf den boden der tatsachen landet.
Wenn paar aufstrebende mannschaften wie Portland oder denver erfolg haben und über sie positiv berichtet werden, dann ist es klar, dass über die schlechtplatzierten kritisiert werden. vlt nicht gerade, weil sie sich verschlechtert haben, sondern weil die anderen so ungemein aufgeholt und sich verbessert haben. wer weiß, vlt trifft es irgendwann auch mal den blazers.



von N'Awlins 12.11.09 um 16:08:29


Sicherlich richtig. Es ist durch und durch bemerkenswert, dass man immer an der Erwartungshaltung gemessen wird - und die steigt nunmal bei zunehmenden Erfolg. Ein weiterer Aspekt ist sicherlich auch die Tatsache, dass Überraschungsteams diesen Black Horse-Effekt genießen und anfangs sicherlich durch das überraschend gute Aufspielen unterschätzt werden. Verfliegt dieser Effekt jedoch - und es war der Fall bei den Hornets nach der Erfolgssaison 06/07 -, ist jedes Team umso mehr motiviert gegen das plötzliche Erfolgsteam zu gewinnen.



von chn7rocket 12.11.09 um 20:45:13


janz groß crossover: Scott wurde entlassen. :(



von mkay 13.11.09 um 00:19:37


da können wir doch nix für :)



von xax 13.11.09 um 13:29:35


!Julian Wright verbrachte den Großteil der Saison im sogenannten ?Doghouse? Scotts[...]. was meinst du damit?kannmir das einer erklären.

"Hat sein Coaching Erfolg, kann New Orleans um einen tiefen Ritt in den Playoffs mitspielen. Schafft er es jedoch nicht, wird er schneller arbeitslos als er denken kann." Und schneller als crossover denkt :-)



von Suck My Diktiergerät 13.11.09 um 19:30:07


der autor meinte sicherlich den film doghouse.

"Um Ihren Kumpel Vince nach seiner Scheidung aufzumuntern packen ihn seine Freunde, Neil, Mickey, Matt, Patrick, Graham und Banksy, um mit ihm ein Wochenende in Moodly einem Dorf, in dem statistisch auf je einen männlichen Einwohner vier Frauen kommen. Doch dort angekommen merken sie recht schnell, dass das vermeintliche Paradies sich als bestialisches Höllenloch entpuppt. Ein von der Armee freigesetzter Virus hat alle Ladys in garstige Männer fressende Furien verwandelt. Verbarrikadiert im örtlichen Spielzeugladen nehmen die Männer den Geschlechterkampf auf - und dieser ist blutig."



von xax 13.11.09 um 19:39:03


@smd

ok, den kenn ich nicht. wirste recht haben.

danke.



von N'Awlins 13.11.09 um 19:57:44


"Im Doghouse zu sein" ist der gängige Ausdruck um zu sage, dass ein Spieler beim Coach unbeliebt ist und vorübergehend keine wirkliche Spielzeit zugestanden bekommt. Er hat sich quasi in die Missgunst des Coaches manövriert.



von N'Awlins 15.11.09 um 16:53:17


Hab ich Scotts Abschied wohl gejinxt. ;)



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