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12:00 Uhr Parzival Sporthalle, Amorbach




NBA-Wochenrückblick

Zweiklassengesellschaft

Kurz vor Ende der Saison ist die NBA traditionell in zwei Lager aufgespalten: Während in den höheren Tabellenbereichen um jeden Sieg gekämpft wird, sind die Teams aus dem Ligakeller oft schon halb in der Sommerpause. Dass die Liga trotzdem einiges zu bieten hat, stellten zum Beispiel die Atlanta Hawks unter Beweis.

Von Joshua Wiedmann
 26.03.2010 |

Die Phoenix Suns bleiben ein Mysterium. 68 Spiele hatte die Truppe aus dem Sonnenstaat New Texas bis vor dieser Woche absolviert, 68 Spiele lang waren sie in gewohnter Manier mit Tempo-Basketball durch die Liga gepflügt. Da ist es mehr als verwunderlich, dass die Suns gerade im Schlussteil der Saison noch über die nötigen Körner verfügen, um ihren Stil aufrecht zu erhalten. Alle drei seiner Spiele aus den vergangenen sieben Tagen konnte Phoenix gewinnen, so dass die eigene Siegesserie auf fünf Erfolge ausgebaut werden konnte. Noch gruseliger wird der Lauf der Suns in Anbetracht der Leistung von Steve Nash, der kürzlich sein 1.000 NBA-Spiel

Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
absolvierte, seine Mannschaft jedoch mit bekannter Effektivität nach vorne peitscht. Der ehemalige MVP bekam in der vergangenen Woche allerdings auch reichlich Unterstützung, vor allem Robin Lopez und Jason Richardson (Foto) hatten ihre großen Auftritte. Während der Center-Jüngling gegen Utah 19 Zähler und zehn Rebounds sammelte, schrieb sich Richardson beim 133:131-Spektakel gegen seinen Ex-Club aus Oakland 34 Punkte in die Statistik. "Wir hatten im Dezember und Januar eine Schwächephase. Er und Robin waren ein großer Faktor, dass wir nach diesen zwei schwachen Monaten die Wende geschafft haben", lobt Nash. Um eine weitere verrückte Zahl ins Spiel zu bringen: Wenn Richardson 20 Punkte oder mehr erzielt, haben die Suns eine Siegesbilanz von 86 Prozent. Der Formanstieg des "J-Rich" dürfte Phoenix also sehr gelegen kommen.

Mit ein wenig Abstand auf die Suns, die im Westen momentan den fünften Rang bekleiden, kämpfen die San Antonio Spurs, Oklahoma City Thunder und Portland Trail Blazers um die Positionen. In der aktuell besten Ausgangssituation befinden sich dabei die Spurs, die in der vergangenen Woche das direkte Duell gegen die Thunder für sich entscheiden konnten (99:96). "Ich finde, dass unser Team eine große Hartnäckigkeit an den Tag gelegt hat. Ich bin wirklich stolz auf die Jungs", meinte der sonst selten zu Lobhudeleien neigende Spurs-Head-Coach Gregg Popovich. Besonders für zwei seiner Spieler hatte "Pop" anerkennende Worte parat: Während Manu Ginobili schon in den letzten Wochen immer mehr Fahrt aufnahm (20,3 PpG im März) und gegen Atlanta u.a. 38 Punkte erzielte , erzielte Sophomore-Guard George Hill (Foto) gegen die Thunder mit 27 Punkten eine neue Karrierebestleistung. "Beide waren zuletzt großartig", so Popovich. Insbesondere der 24-jährige Hill durfte in Abwesenheit von Tony Parker zuletzt mehr Verantwortung tragen. "Wir wollen, dass er in wichtigen Situation übernimmt", bekundete der Spurs-Head-Coach. Da Parker wohl noch bis Playoff-Beginn verletzungsbedingt fehlt, wird es aus Spurs-Sicht im Saisonendspurt besonders auf Hill ankommen.

Das etwas andere Titelrennen

An der Spitze der Liga scheint die Rollenverteilung vor Playoff-Beginn indes relativ klar zu sein. Im Osten bewegen sich die Cleveland Cavaliers (57-15) weiterhin forschen Schrittes in Richtung Topplatzierung, wohingegen im Westen die Los Angeles Lakers auf dem Edelrang eins (53-18) thronen. Die Kalifornier konnten zuletzt sieben Siege in Serie einfahren und scheinen ihre Schwächephase vom Monatsbeginn endgültig überwunden zu haben.

Während sich die Oberschicht in der NBA allmählich auf die Mitte April beginnenden Playoffs vorbereitet, findet sich im Ligakeller eine Gattung von Mannschaften, denen zu dieser Zeit in der Saison kaum einer mehr große Aufmerksamkeit schenkt. Dabei ist in der Grauzone der NBA längst ein zweiter Titelkampf entbrannt: Eben jene Franchises, die frühzeitig ihre Playoff-Hoffnungen begraben mussten, schielen bereits in Richtung Sommer, wenn in New York der alljährliche Draft abgehalten wird. Um sich eine möglichst gute Chance auf die Top-Picks zu sichern, nehmen manche Teams gegen Saisonende durchaus mal den Fuß ein wenig vom Gas. Neben den New Jersey Nets (8-63) und Minnesota Timberwolves (14-58), die schon seit Monaten im Ligamorast feststecken, sind inzwischen auch die Washington Wizards (21-49) und Golden State Warriors (20-51) gekentert. Gerade die Wolves, die auf eine imposante Serie von 14 Pleiten zurückblicken können, laufen seit Wochen auf Sparflamme und wechseln während ihrer Partien fröhlich durch; dabei erhielten zuletzt auch Handtuchwedler wie Brian Cardinal regelmäßig Einsatzzeit. Auch wenn es in den Front Offices der Kellerkinder keiner zugeben will: Viel Wert wird auf das Siegen dieser Tage nicht mehr gelegt.

Mitunter kann das lange Leiden in den Abgründen der NBA jedoch auf für Konflikte und Unstimmigkeiten sorgen, besonders beim spielenden Personal und deren Coaches. So geschehen am vergangenen Dienstag beim Spiel der Wizards gegen die Charlotte Bobcats: Nach einer Verschnaufpause Mitte des ersten Viertels saß sich Forward Andray Blatche (Foto) bis Spielende den Hintern auf der Bank wund. Der 23-Jährige, der seit dem All-Star-Break regelmäßig 20 Punkte und zehn Rebounds markiert, hatte sich mit Wizards-Head-Coach Flip Saunders einige Wortwechsel über sein angeblich schwaches Defensiv-Verhalten geliefert und war von dem 55-Jährigen anschließend zum Sitzen verdonnert worden; auch, da Blatche selbst zunächst nicht mehr eingewechselt werden wollte. "Er wollte nicht zuhören", erklärte Saunders später und legte harten Tobak nach: "Wenn ein Coach dir etwas beibringen will, und du denkst, du bist dafür zu gut, nur weil du 16 gute Spiele gemacht hast. Ich hatte Kevin Garnett. Er hat nie solch eine Einstellung an den Tag gelegt. In 15 Jahren in der NBA habe ich so etwas noch nicht gesehen." "Ich soll wieder für ihn spielen, nach all den Geschichten die er nach dem Spiel und in den Zeitungen verbreitet hat? Das ist irgendwie verrückt!", entgegnete der Gescholtene. Einen Tag später lief Blatche dann trotzdem wieder auf und zauberte gegen die Indiana Pacers einmal mehr gute Zahlen in die Stats (21 Punkte, sechs Boards). Die 13. Wizards-Niederlage in Folge konnte er allerdings auch nicht verhindern.

Eng, enger, Hawks

Die Atlanta Hawks brachten sich in der vergangenen Woche, ob gewollt oder ungewollt , schon richtig in Playoff-Stimmung. Die Truppe aus dem US-Bundesstaat Georgia, die mit den Boston Celtics momentan noch um den dritten Rang im Osten rangelt, absolvierte zuletzt vier Spiele, die allesamt eine Vorschau auf enge Playoff-Schlachten hätten sein können. Gegen die San Antonio Spurs (119:114) brauchten die Habichte ebenso eine Verlängerung wie im Duell mit den Charlotte Bobcats (93:92). Gegen Letztere gab es zudem einen Buzzerbeater von All-Star Joe Johnson obendrauf. Bei den Milwaukee Bucks verlor Atlanta mit drei Zählern (95:98), ehe gegen die Orlando Magic das Spannungsbarometer erneut strapaziert wurde. Beim Gleichstand von 84:84 setzte Joe Johnson in der Schlusssekunde den Ball nur auf den Ring, ehe Forward Josh Smith (Foto) einflog und per Tomahawk-Dunk das Spielgerät mit der Schlusssirene in den Korb pfefferte.

"Ich weiß, dass Joe ein guter Werfer ist und ich wusste, dass der Ball nicht sonderlich weit weg vom Korb springen würde. Zum Glück sprang er genau so, dass ich ihn dunken konnte", erklärte Smith anschließend lapidar. Trotzdem: Glückwunsch zum Buzzerbeater der Woche und einem der Dunks des Jahres, J-Smoove!

Stat Lines der Woche

Dass Amare Stoudemire zu Höchstform auflaufen kann, ist nichts Neues. Die Utah Jazz hätten sich wohl trotzdem einen anderen Tag für "Stats" Heldentaten gewünscht: Gegen die Mannen vom Salzsee markierte der 27-Jährige schmale 44 Punkte bei 14/16 FG.

147 gegnerische Punkte und keiner wehrt sich? Doch, allerdings befand sich Monta Ellis (Foto) mit seinen 39 Zählern so ziemlich auf einsamem Posten bei der Horror-Pleite in San Antonio (111:147). Lediglich Corey Maggette (30 Punkte) stand dem athletischen Guard mit Zählbarem zur Seite.

Wenn nichts geht, dann geht immerhin noch Kevin Durant: Die Oklahoma City Thunder kamen gegen die Spurs nicht so richtig ins Rollen. Dass die aufstrebende Franchise dennoch nur knapp verlor (99:96), hatte sie der Ausnahmeleistung ihres Superstars zu verdanken, der 45 Punkte und acht Rebounds erzielte.

Apropos Superstar: Gegen die New Orleans Hornets untermauerte LeBron James seinen Status als bester Spieler der Liga. Der "King" packte nicht nur 38 Punkte in den Statistikbogen, sondern lieferte auch neun Assists und sechs Rebounds.

Apropos Superstar, die Zweite: Jason Kidd (Foto) mag zwar nicht mehr taufrisch sein und ein wenig der Klasse früherer Tage eingebüßt haben, doch was der Point Guard im hohen Profi-Alter noch leistet, ist aller Ehren wert. Vergangene Woche feierte "J-Kidd" seinen 37. Geburtstag und bewies eindrucksvoll, dass er immer noch die nötige Klasse hat: 26 Punkte, zwölf Assists und sechs Rebounds schüttelte der 1,93-Meter-Mann gegen die Los Angeles Clippers aus dem Ärmel. "Es war ein nettes Geburtstags-Geschenk", sagte Kidd später.

Zitat der Woche

"Ich musste mir die Minuten aufsparen, weil es sich anfühlte, als wär ich ein leeres Handy." (Chris Paul nach seinem 21-Minuten-Debüt gegen die Dallas Mavericks. Der Point Guard hatte zuvor anderthalb Monate mit einer Knieverletzung pausieren müssen.)




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Kommentare

(5 Kommentare bisher)

von eightch 26.03.10 um 13:56:45


ich finde es immer wieder schön zu lesen wie gut sich die suns machen und wer da schon alles gemeint hat wie immens wichtig er doch für das team wäre nur um dann zu sehen das es auch ohne ihn reibungslos läuft... hauptverantwortlich hierfür ist wohl ganz klar nash der viel leute reich gemacht hat - ähnlich wie kidd nur mit anderem stil - und wenn man nash lobt und auch kidd seinen respekt für das gute spiel im alter abbekommt sollte hill nicht vergessen werden... vom next jordan zum dauerverletzten zum edelrollenspieler der bessere stats auflegt als der großteil der mitzwanziger...

das mit blatche war klar - als ich noch nba live gezockt hab war der bei mir immer in der starting five und hat die spiele dominiert ;)



von druckkorbleger 26.03.10 um 14:02:03


"spielt" brian cardinal nicht inzwischen für die knicks?



von Sweet Minny 26.03.10 um 14:15:09


hab mich auch gewundert, er wurde zwar gewaivt und die Wolves wollten ihn zurück holen. Aber ich wüsste nicht, dass er dort schon wieder unter Vertrag steht?



von Sevent 26.03.10 um 14:43:51


Doch, Cardinal bereits wieder bei den T-Wolves unter Vertrag, siehe [usatoday.com]



von Cheezn 26.03.10 um 18:36:29


Uhh, J-Smoove eigentlicher Allstar 2010....Bin derzeit froh über eine kommende Serie gegen die Bucks als gegen die Bobcats.



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