NBA-Wochenrückblick
Wochen der Wahrheit am Horizont
Das All-Star-Wochenende, die Trading Deadline und Spielerentlassungen sind vorüber, die Kader der meisten Teams stehen. Diesmal sei auf einige Top-Franchises, eine Flop-Franchise, sowie einen Lichtblick aus der Hauptstadt (Andray Blatche, Foto) geblickt.
Von Johannes Käfer |
05.03.2010 | |
Sehr gut gerüstet gehen die alleinigen Spitzenreiter ihrer jeweiligen Conference in die heiße Schlussphase der regulären Spielrunde. Während die Cleveland Cavaliers Antawn Jamison erfolgreich als Starter integrieren konnten (diese Woche zwei Double-Doubles in drei Siegen), werden sie aller Voraussicht nach ebenfalls den getradeten Zydrunas Ilgauskas (Foto) Ende März zurückerhalten. Dieser muss 30 Tage warten, bis er zur alten Franchise zurückkehren darf. Da Shaquille O’Neal allerdings sechs bis acht Wochen mit einer Fingerverletzung ausfällt, klafft bis zur Ankunft von „Big Z“ ein kleines Loch unterm Korb der Cavs. Dieser personelle Engpass kann allerdings nicht allzu stark ins Gewicht fallen, war die bewegendste Nachricht abseits des Platzes doch der angekündigte Wechsel LeBron James’ von der Trikotnummer 23 (zu Ehren von Michael Jordan) zur Nummer 6 für die kommende Saison.
Nahezu verletzungsfrei sind hingegen die Los Angeles Lakers, deutlicher Spitzenreiter der Western Conference. Nachdem Kobe Bryant nach seiner Knöchelverletzung und der Pause über das All-Star-Wochenende hinaus wieder spielt, läuft es bei den Kaliforniern auch weiterhin über weite Strecken sehr rund, weshalb das Team auf dem Markt der Spielerwechsel bis auf eine Ausnahme (siehe Zitat der Woche) ebenfalls nicht aktiv wurde. Am vergangenen Freitag konnte sogar der „Angstgegner“ aus Denver erstmals in dieser Saison geschlagen werden, obwohl ein immer noch leicht angeschlagener Bryant nur drei seiner 17 Feldwürfe (14 Punkte) traf. Mit zwölf Assists hielt er allerdings den Lakers-Express am Rollen. Erst zum Ende der Woche gab es gegen die Miami Heat eine Niederlage nach Verlängerung, die auch die 39 Punkte vom wiedererstarkten Bryant nicht verhinderten.
Zum Vergessen ist die Saison hingegen beispielsweise für die Philadelphia 76ers. Mit dem 10. Platz in der Eastern Conference haben sie keine ernsthaften Ambitionen auf einen echten Top-Pick im kommenden NBA-Draft, für den ein Platz unter den schlechtesten Franchises des Jahres hilfreich wäre. Mit acht Spielen Rückstand auf den achten Platz (derzeit die Miami Heat) ist allerdings auch eine Teilnahme an den Playoffs höchstens nur noch theoretisch möglich. Nur eine scheinheilige Begründung für die Misere in der „City of brotherly love“ sind die fast wöchentlich kursierenden Nachrichten über den verlorenen Sohn Allen Iverson (Foto). Wurde er erst während der Saison nach seiner Entlassung bei den Memphis Grizzlies für das Minimum für Veteranen nachverpflichtet, nahm er nur an 25 Partien der Sixers teil und fiel durch Abwesenheit auf, um bei seiner kranken Tochter sein zu können. Wie nun bekannt wurde, reichte seine Frau zudem kürzlich die Scheidung ein und beantragte das alleinige Sorgerecht für ihre fünf gemeinsamen Kinder, sodass zu hoffen bleibt, dass dem (ehemaligen) Liebling vieler Fans nicht der Boden unter den Füßen verloren geht. (UPDATE: Dies scheint der Fall, wie die ihm brandaktuell nachgesagten Alkoholprobleme zu verdeutlichen scheinen.)
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| Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic) |
Das Team der Stunde sind nach wie vor die Dallas Mavericks. Mit vier Siegen in der abgelaufenen Woche konnten die Texaner ihre Siegesserie auf neun Spiele ausbauen und Dirk Nowitzki zum Spieler der Woche der NBA verhelfen. Der eigentliche Garant für diese Serie, vor allem für den Erfolg nach zweistelligem Rückstand im vierten Viertel gegen die Atlanta Hawks, ist neben wiedererstarkter Verteidigung der ewig junge Jason Kidd: 19 Punkte, 17 Assists, 16 Rebounds, so seine Werte beim Sieg gegen die Hawks – davon elf Punkte, zwölf Rebounds und acht Assists in den letzten 13 Spielminuten (inklusive Overtime) – sind eine beeindruckende Leistung, nicht nur für einen fast 37-Jährigen.
Randnotizen
Bis Anfang des Monats mussten Spieler aus ihren Verträgen entlassen werden, um dennoch für andere Teams noch in den kommenden Saisonspielen und den Playoffs spielberechtigt zu sein. Die prominentesten Free Agents sind aktuell der bereits erwähnte Ilgauskas, Larry Hughes, Mike James, Wally Szczerbiak oder Desmond Mason.
Eine neue Franchise, mit Chance auf einen Ring, scheint dabei bisher lediglich Michael Finley gefunden zu haben, der bei den Boston Celtics unterschreiben wird. Ob er dort allerdings über die Statistenrolle, die er zuletzt bei den San Antonio Spurs inne hatte, hinaus kommt, bleibt abzuwarten.
Offiziell „tanken“, also mit vielen Niederlagen in Hinblick auf die bevorstehende Draft-Lottery sich eine gute Ausgangsposition schaffen, das tun seit einigen Partien die Minnesota Timberwolves. Verteidigung wurde aus dem Repertoire gestrichen, zudem spielte gegen die Thunder und die Blazers die Starting Five mit durchschnittlich unter 23 Minuten weniger als zwei komplette Viertel. Aber wer will es ihnen verübeln?
Stat Lines der Woche
In seinem ersten Triple-Double der Saison stellte Jason Kidd gleich eine besonders hohe Hausmarke auf. Seine 17 Korbvorlagen und 16 Rebounds bedeuteten jeweils eine Saisonbestleistung und gesellten sich zu seinen 19 Punkten. Mit Wilt Chamberlain, Magic Johnson, Oscar Robertson und Guy Rodgers hatten in der Ligageschichte bisher nur vier weitere Akteure ein Triple-Double mit solchen Werten erzielt.
Deron Willams kam beim Erfolg über die Houston Rockets nicht ganz an eine solche statistische Meisterleistung heran, mit 35 Punkten, 13 Assists und sieben Rebounds war er dennoch der dominante Akteur. Der Point Guard verwandelte 13 seiner 17 Wurfversuche aus dem Feld und stellte mit 20 Zählern in den ersten zwölf Minuten eine persönliche Karrierebestleistung für Punkte in einem Viertel auf.
Auch David Lee schnupperte an einem Triple-Double, als der Big Man in Diensten der New York Knicks beim Sieg gegen die Detroit Pistons 21 Zähler, 18 Rebounds und acht Korbvorlagen in den Statistikbogen schreiben konnte. Dazu sammelte der 26-Jährige drei Steals. Es war das 38. Double-Double für Lee in der laufenden Saison.
Fünf Partien mit zweistelligen Werten mehr kann Zach Randolph (Foto) aufweisen. Beim Auswärtserfolg in New York gelang dem Power Forward der Memphis Grizzlies mit 31 Punkten und 25 Rebounds ein besonders nett anzusehendes Double-Double. Zehn seiner abgefangenen Bälle kamen dabei am offensiven Brett. Nicht seine eigene Leistung, aber die seines direkten Gegenspielers David Lee, kommentierte er folgendermaßen: „Er ist ein großes Talent. Der Himmel ist die Grenze für ihn. Er ist Linkshänder. Er ist wie ich. Er erinnert mich an mich. Sie nennen ihn auch den weißen Ich."
Dwyane Wade musste zuletzt mit einer Wadenverletzung zehn Tage aussetzen, doch schon in seinem zweiten Spiel nach seiner Verletzungspause war er wieder der Alte: Beim Erfolg über die Golden State Warriors markierte der Shooting Guard 35 Zähler, zwölf Korbvorlagen, sechs Rebounds und vier Ballgewinne.
Missgeschick der Woche
Gab es in der vergangenen Woche keinen spielentscheidenden Wurf mit Abschluss der Sirene, war Jason Richardson immerhin für eine spielentscheidende Szene kurz vor Ende der Begegnung seiner Phoenix Suns gegen die San Antonio Spurs verantwortlich - im negativen Sinne. Gut 40 Sekunden vor Ende sprintete der Shooting Guard alleine auf den gegnerischen Korb zu, um per Dunking die Partie auszugleichen. Dann passierte dem zweimaligen Slam-Dunk-Gewinner aber Folgendes:
Die Suns ließen sodann zwar nicht locker, in den letzten 14 Sekunden verwandelten die Spurs aber jeden ihrer sechs Freiwurfversuche und sicherten sich damit einen 113:110-Heimerfolg.
Zitat der Woche:
„Ich dachte, dass alle anderen so viele Trades gemacht haben und wir während der Saison nicht getradet haben. Also wollte ich sicherstellen, dass ich nach der Trading Deadline eine völlig neue Person sei. So wie ein neuer Trade. Ron Artest zweimal bekommen, ein großartiger Deal." (Bei Auswärtsspielen soll „RonRon“ seit dem All-Star-Wochenende bis drei Uhr in der Nacht wach geblieben und in den Fitnessbereichen der jeweiligen Hotels joggen gewesen sein. Zudem achtete er besonders auf seine Ernährung am Abend, was ihm geholfen hat, rund sechs Kilo abzunehmen und wieder, wie zu besten Zeiten, die gegnerischen Stars zu verteidigen.)







von kortac 05.03.10 um 14:39:58
"Sie nennen ihn auch den weißen Ich."
:-)
von TheMainIngredigent 05.03.10 um 21:26:48
guter spruch
"Der Himmel ist die Grenze" hört sich komisch an
bei crossover online ist mir schon häufiger ein umständlicher satzbau aufgefallen. ich weiß nicht wie es den anderen geht, aber ich mag solche Sätze nich:
"War schon dededet der Fall, traf dann auch noch dededet zu":
"Gab es in der vergangenen Woche keinen spielentscheidenden Wurf mit Abschluss der Sirene, war Jason Richardson immerhin..."
Liest sich für mich halt irgendwie umständlich und klingt in meinen Ohren kosmisch.
Oder "Ein Subjekt tat dededet, NUR UM daraufhin..."
Ansonsten gewohnt guter Überblick.
von KingCrunch 05.03.10 um 22:18:12
Wie würdest du denn "Sky is the limit" übersetzen?
Ich finde es auch teilweise schade, dass wir Zitate nicht in Original auf englisch bringen können, aber wir sind nunmal in Good old Germany, und da spricht man halt deutsch... "they say he is the white me" mag ich auch lieber als das geschriebene, geht aber halt nicht. ;)
von Hurricane 07.03.10 um 00:47:11
Destotrotz ist das Zitat irgend wie bescheuert, typischer Sportler Kommentar :D.
von almaen 08.03.10 um 11:30:00
D. Williams: Kaum zu fassen, dass er erst einmlaiger All-Star ist.
A. Iverson: Da kommt ja eineiges zusammen. Dass ihm die Frau wegläuft (wenn es so ist), schlimm. Aber vom Alkhol sollte er auf jeden Fall die Finger lassen.
A. Blatche: Was für ein Idiot. Spielt jahrelang unter seinen Möglichkeiten und jetzt lässt er es raus. Wenn er das eher gemacht hätte, hätte die Wizards statt dem Ausverkauf für die Playoffs gerüstet. (Ich weiß, Arenas hat auch damit zu tun. Aber wer weiß, wie die Teamchemie der Wizards gwesen wäre, wenn sie Erfolg gehabt hätten.)
LeBron James und siene Trikotnummer: Hat er sich denn nun schon mal zu Bill Russell geäußert? Sorry, er mag zwar "gut" sein :-), aber er sein durch-und-durch-Marketing-Denken macht ihn unsympathisch. Das ganze Jahr ein Gelalle nur wegen seiner Trikotnummer... Wenn er wirklich was in der Birne hätte, hätte er die als Rookie geändert. Er wusste ja damals schon, dass er der Auserwählte ist (de reine eigene Nummer haben sollte), schließlich geht das Gerücht, er hat sich den Namen selber gegeben.
von eightch 08.03.10 um 13:55:36
ich glaube gar nicht das die cavs so sehr von shaq abhängig sind... es reicht wenn er ihnen 2-3 gute playoffspiele gibt und sonst schön mitläuft... und dafür wird es auch nach seiner zwangspause reichen...
ai hat irgendwo mal den punkt verpasst erwachsen zu werden - ganz ehrlich. jordan hatte doch auch so ne scheidungsgeschichte am karriereende - ich denke das da auch gerade in den usa viel druck durch die medien aufgebaut wird und jeder seine (mehr oder weniger) weiße weste halten will/muß...
big z (nein nicht illgauskas) ist defninitiv zusammen mit dem ganzen team (ebenso wie die rockets) ein positiver punkt in dieser saison wirklich größten respekt für die erbrachte leistung...
und wegen blatche hättet ihr einfach mich fragen können... als ich noch live (spiel ja nur noch 2K) gezockt habe, hab ich mir immer blatche ins team geholt, für ein paar dollar fünfzig an mein team gebunden und dann die komplette offense über ihn laufen lassen... der hat alle weggemacht ;)
von eightch 08.03.10 um 13:56:03
ah und cooles neues design und sehr praktisch noch dazu...
von sev da chef 08.03.10 um 14:18:16
wieso praktisch?
habe mal ne Frage zu nem anderen Thema, die mir gestern in den Sinn gekommen ist.
Turnover werden ja statistisch erfasst. hat dann ein Spieler mit 23Pkt, 14Ass. und 10 TO nen Triple Double? :)
nur so aus Interesse...
von eightch 08.03.10 um 14:31:53
weil ich mit der menüleiste sehr gut zurecht komme und in der regel änderungen an altbewährten designs erstmal gewöhnungsbedürftig sind - in diesem fall aber nicht... und bisserl lob an die macher hier muß eben auch mal sein...
von sev da chef 08.03.10 um 15:48:04
na das lob stand außer Frage. grfällt mir auch gut, hatte nur das praktische im Vgl zum anderen Design nicht gesehn
von almaen 09.03.10 um 14:50:21
@eigtch
Tjaja, und letztes Jahr habe ich bei 2k9 mit Gerald Green gerockt, aber der ist ja nicht mal mehr NBA-würdig. (J.R. Smith geht virtuell auch gut ab.) Ich versteh' auch nicht, warum die GMs sich so schwer tun, mal ein Meisterfähiges Team für low-budget hinzustellen.
:-))))
von Hurricane 09.03.10 um 17:47:42
Naja, damals als ich noch live gezockt habe im jahre 05 habe, bin ich mit jonatahn bander abgegangen der hatte eine overall von 60 :D
von eightch 16.03.10 um 13:11:34
@almaen und hurricane
vielleicht sollten wir uns den posten bei den clippers teilen (jetzt wo dunleavy ja weg ist) und einen allstarkader zusammenstellen der 20mio unterm sallariecap liegt und dann free-agents einkaufen und diese so traden das wir am ende einen 12-mann monsterkader und 7 erstrundenpicks für nächstes jahr haben...
wäre ja nicht das erste mal das sowas funktioniert... jetzt muß man es eben noch auf die welt außerhalb der ps3 übertragen ;)