NBA-Wochenrückblick

Vogelwild und -frei

Während die Indiana Pacers (Roy Hibbert, Foto) durch einen neuen Coach neue Freiheiten erleben, wurde der Siegesflug der Dallas Mavericks in der vergangenen Nacht gestoppt. Ein Spieler beherrscht weiter die Lüfte um die Bretter; ein anderer schießt mit einem Werbevideo mit seiner Freundin hingegen den Vogel ab.

Von Manuel Baraniak
 11.02.2011 |

Die Indiana Pacers haben einen Vogel. Einige werden sich diesen Scherz erlaubt haben, als die Franchise aus Indianapolis vor gut einer Woche Head Coach Jim O’Brien entlassen und mit Frank Vogel einen 37-jährigen Assistant Coach als Interimslösung präsentiert hatte. Doch nach sechs Spielen im Amt ist es der ehemalige Aufbauspieler der Kentucky Wildcats, der zuletzt lacht.

Die Pacers gewannen unter der Regie von Vogel fünf ihrer sechs Begegnungen. In der vergangenen Woche mussten sie sich nach deutlichen Erfolgen über die Portland Trail Blazers und New Jersey Nets nur den Miami Heat geschlagen geben. Dem Top-Team vom South Beach bot Indiana aber ordentlich Paroli und verdiente sich durch eine zwischenzeitliche 14-Punkte-Führung auch von Seiten des Gegners Respekt.

Vogel scheint dabei vor allem durch seine positive Einstellung die Spieler beeinflussen und verbessern zu können. Dahntay Jones, der durch die klare neue Rollenverteilung im Team mit einer Zehn-Mann-Rotation (zur Depth Chart) wieder mehr Minuten bekommt, erklärt einen Teil des Erfolgsrezepts: „Er hat immer positive Dinge zu sagen. Er versucht, dass du dich besser fühlst. Er gibt einigen Jungs Selbstvertrauen. Es herrscht eine starke Parallele zwischen ihm und Doc [Rivers, Coach der Boston Celtics, Anm. d. Red.] was die Persönlichkeit und die Liebe zum Spiel betrifft. Frank macht folgendes: Er stellt sicher, dass jeder Tag mit einem Kompliment beginnt. Und genau das brauchen wir.“

Hibbert blüht unter Vogel auf. Ein Anruf bei Ron Artest sollte vorerst kein Thema mehr sein.
Einer, der in der jungen Schar der Pacers vor allem davon profitieren zu scheint, ist Roy Hibbert (Foto). Dem Indianapolis Star hatte der Center anvertraut, dass er einen Sportpsychologen zu Rate ziehen wollte, da er nicht mit seinen Spielanteilen unter O’Brien zurecht gekommen war. Durch die vereinfachte Offensivstruktur von Vogel bekommt Hibbert nun öfter den Ball im Low-Post; unter anderem auch durch Pick-and-Rolls mit Point Guard Darren Collison. Der 24-jährige Hibbert dankt es Vogel mit durchschnittlich 18,7 Punkten, 8,3 Rebounds und einer Feldwurfquote von 51,1% FG (Saisonwerte: 12,9 PpG; 7,8 RpG; 44,8 FG).

Natürlich wird es sich erst noch zeigen müssen, ob Vogel nicht nur ein Strohfeuer, sondern einen Flächenbrand entzündet hat, und ob die Pacers weiterhin so heiß bleiben. Durch folgende Aussagen könnte es dem jüngsten Coach der Liga aber gelingen: „Wir ändern die Identität unserer Basketballmannschaft – und zwar dramatisch. Wir sind ein Team mit Power im Post. Blut und Mut. Old-school. Worten Taten folgend. Ein Team, das mit Größe, Stärke, Schnelligkeit und Athletik spielt. Wir attackieren den Korb.“ Durch diese Aggressivität stehen die Pacers mit 22 Siegen und 28 Niederlagen mittlerweile auf dem letzten Playoff-Rang der Eastern Conference. Knapp dahinter liegen die Charlotte Bobcats (22-30), gegen die Indiana aber zuletzt gewinnen konnte und so das direkte Duell für sich entschied.

Vor den Pacers rangieren derzeit die Philadelphia 76ers (24-28). Die Sixers weisen zwar „nur“ eine ausgeglichene Wochenbilanz auf, von den letzten zehn Begegnungen entschieden sie aber sieben Partien für sich. Dabei bekommt die Franchise von ihrem 28-Millionen-Dollar-Duo um Andre Iguodala (Foto) und Elton Brand endlich das, was sie schon lange erhofft hat. Während Jrue Holidays kleiner Krise mimt Iguodala den Point Forward. Aus den letzten sieben Spielen nennt der athletische Flügelspieler ein Assist-Turnover-Verhältnis von 5,36:1 sein Eigen. Brand markierte beim 100:98-Erfolg über die New York Knicks das erste Mal im Sixers-Trikot über 30 Punkte. Mit 18 Double-Doubles in dieser Saison hat der 31-Jährige schon jetzt einmal mehr solche statistischen Werte aufgestellt als in den beiden vorherigen Jahren zusammen. Neben einer modifizierten Offensive kann Head Coach Doug Collins auch auf eine solide Bank zurückgreifen.

Nicht nur zuletzt konnten auch die Dallas Mavericks auf ihre Reservisten um Jose Barea, Shawn Marion und Jason Terry setzen. Zehn Spiele lang wehrte der Siegesflug der Texaner, ehe sie in der vergangenen Nacht unglücklich gegen die Denver Nuggets verloren (siehe Buzzerbeater der Woche). Die Krise davor mit sechs Niederlagen in Folge ist vergessen; mit den Los Angeles Lakers (beide 37-16) streiten sie sich um den zweiten Platz. Auch wenn die Mavs gegen die Nuggts mit der Sirene eine Niederlage hinnehmen mussten, so ist es die Nervenstärke Dallas’, die bei Siegen gegen die Boston Celtics (101:97), Cleveland Cavaliers (99:96) und Sacramento Kings (102:100) den Unterschied machte. Wie Ian Levy im Mavs-Blog The Two Man Game beschreibt, dreht vor allem das Quartett um Dirk Nowitzki, Jason Kidd, Tyson Chandler und Terry in der Crunchtime auf.

Dennoch ist nicht alles eitel Sonnenschein in Texas: Nowitzki (Foto) ist auf Grund einer Verletzung am Handgelenk angeschlagen; Dominique Jones wird mit einer Stressfraktur in seinem rechten Bein auf unbestimmte Zeit ausfallen. Immerhin ist Rodrigue Beaubois ins Training eingestiegen und Neuverpflichtung Peja Stojakovic konnte sein Debüt im Mavs-Trikot geben.

Vor kurzem noch in Dallas aktiv, unterzeichnete Sasha Pavlovic einen Zehn-Tages-Vertrag bei den New Orleans Hornets. Die Hornissen müssen nämlich nicht nur auf Emeka Okafor verzichten, auch Small Forward Trevor Ariza muss mit einer Sprunggelenksverletzung derzeit pausieren. Die Folge: Das Team von Head Coach Monty Williams verließ in den letzten vier Partien das Parkett als Verlierer. Zuvor waren es noch die Hornets, die die Liga mit einer Zehn-Sieges-Serie anführten.

Eine Schlappe setzte es für „N’Awlins“ unter anderem gegen die Minnesota Timberwolves. Nachdem die Wölfe auch in Houston erfolgreich ihre Zähne zeigten, konnten die Wolves zum ersten Mal seit dem April 2009 zwei Auswärtsspiele in Folge für sich entscheiden. Dabei präsentierte sich das junge Rudel um Muttertier Kurt Rambis wie alte Hasen: Gegen die Hornets trafen die Wolves jeden ihrer 25 Freiwurfversuche; bei den Rockets leistete sich Minnesota im Schlussabschnitt keinen einzigen Ballverlust.

Überragend ist weiterhin Kevin Love (Foto). Der 22-Jährige hat nunmehr 38 Double-Doubles in Folge erzielt und damit den Franchise-Rekord von Kevin Garnett gebrochen. In den vergangenen 30 Jahren sammelte nur Moses Malone häufiger zwei zweistellige Werte in Serie. Folglich wurde Love von Commissioner David Stern als Ersatz für den verletzten Yao Ming als All-Star nachnominiert. Dies kam für den Power Forward sehr überraschend: „Ich sah ihn [Kurt Rambis, der ihm die Nachricht überbracht hatte] an, als würde ich sagen, ,von was redest du?’. Ich sah umher wie ,platzt Ashton Kutcher hier gleich rein?’.“

Randnotizen

Vielleicht hat Loves Bewerbungsvideo doch etwas gebracht. Eine echte Duftmarke wird auch Lamar Odom setzen. Der Power Forward der Los Angeles Lakers wird mit seiner Freundin Khloé Kardashian zwei Tage vor dem Valentinstag ein Parfum präsentieren, das sowohl Frauen als auch Männer tragen sollen. Im dazugehörigen Video zeigen sich beide als einen „perfekten Mix aus Maskulinem und Femininem“:



Unzerbrechlich ist auch Ray Allens Wurfarm. Im Spiel gegen die Los Angeles Lakers brach der Shooting Guard der Boston Celtics den Rekord von getroffenen Dreiern von Reggie Miller. Folglich wird „Ray-Ray“ auch beim Drei-Punkte-Wettbewerb des All-Star-Wochenendes antreten, unter anderem gegen seinen Teamkollegen Paul Pierce.

Unzerbrechlich schien lange Zeit auch Jerry Sloan. Nach 23 Jahren bei den Utah Jazz ist der dienstälteste Head Coach der Geschichte aber gestern überraschend zurückgetreten. Derzeit wird spekuliert, ob Konfrontationen mit Point Guard Deron Williams und/ oder General Manaager Kevin O’Connor der Grund für Sloans Rücktritt gewesen sein sollen. Trotz seiner erfolgreichen Karriere gewann der 68-Jährige nie die Auszeichnung des Head Coaches des Jahres.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern sich derzeit Amare Stoudemire und Dwight Howard – bei den technischen Fouls. Stoudemire liegt mit 14 „T“s knapp vor Howard (13). Auch Stephen Jackson (Foto) scheint sich noch in das Rennen einmischen zu wollen, schließlich gab er am Sonntag folgendes zu Protokoll: „Ich bekomme technische Fouls, weil ich es will. Ich bekomme technische Fouls nicht ohne Grund.“ Bisher musste der Small Forward der Charlotte Bobcats deswegen 172.000 Dollar an die Liga abtreten. Fünf technische Fouls mehr, und Jackson wird eine Sperre absitzen müssen. Die Bobcats werden sich beim Kampf um die Playoffs ob solcher Worte freuen.

Statistiken der Woche

Ist LeBron James wirklich auf dem Weg zum nächsten MVP-Titel? Beim Sieg über die Pacers brachte er mit 41 Punkten, 13 Rebounds, acht Assists und drei Steals gute Argumente dafür vor. James legte dabei im jeweils ersten Viertel der letzten vier Partien in Manier eines Feuerwehrhauptmannes los: 21 seiner 27 Feldwürfe fanden ihr Ziel.

In James’ Schatten hat Dwyane Wade im Februar zwar noch nicht die 30-Punkte-Marke erreicht, beim Auswärtssieg in Charlotte stellte er aber seine Allround-Fähigkeiten unter Beweis. 22 Punkte, zwölf Rebounds und zehn Assists standen am Ende hinter seinem Name im Statistikbogen. Zum ersten Mal seit fünf Jahren kam der Shooting Guard wieder auf ein Triple-Double.

Für die dickste Ausbeute sorgte in der vergangenen Woche Carmelo Anthony (Foto). Nicht, dass der Small Forward der Denver Nuggets durch (erneute) Trade-Gerüchte um die Los Angeles Lakers und New York Knicks wieder Schlagzeilen erntete. Bei der Niederlage gegen die Rockets überzeugte „Melo“ statistisch mit 50 Punkten (16/24 FG; 16/18 FT), elf Rebounds und drei Blocks.

Anthonys potentieller neuer Frontcourt-Partner, Amare Stoudemire, glänzte beim Erfolg über die Sixers mit 41 Zählern, sieben Rebounds sowie je vier Assists und Blocks. Dabei verwandelte der Big Man 17 seiner 21 Versuche aus dem Feld.

„A“ wie „All-Star-Snub“ oder LaMarcus Aldridge. Wenige Spiele nach der Nichtberücksichtigung für das All-Star Game antwortete der Power Forward mit neuen Karrierebestleistungen: Den Chicago Bulls schenkte Aldridge 42 Punkte und zwölf verwandelte Freiwürfe ein. Hinzu kamen acht Rebounds und eine Feldwerfquote von 65 Prozent.

Die Talfahrt der Cleveland Cavaliers geht weiter: Seit 26 Partien ist das Team aus Ohio ohne Sieg. Mit dieser Niederlagenserie haben die Cavs den Negativrekord unter den vier großen US-amerikanischen Sportarten der Tampa Bay Buccaneers (NFL, 1976/77) und Louisville Colonels (MLB, 1889) eingestellt. Einen Wermutstropfen gibt es am Sonntag, wenn die Washington Wizards in Cleveland gastieren. Die Franchise aus Hauptstadt hat jedes ihrer 25 Auswärtsspiele bisher verloren. Quicken Loans Arena: Welcome to the Hall of Shame.

Buzzerbeater der Woche

Steht das Spiel in Denver auf des Messers Schneide, ist es für gewöhnlich Carmelo Anthony, der den Balanceakt verübt. Der 26-Jährige überzeugte gegen die Mavs zwar mit 42 Punkten und sieben Rebounds, musste aber beim Stand von 119:119 und noch 19 Sekunden zu spielen mit sechs Fouls auf der Bank Platz nehmen. Nachdem Dirk Nowitzki einen Freiwurf getroffen hat, entschied sich Arron Afflalo dazu, die Partie zu entscheiden:



Zitat der Woche

„Ich habe ihm nur gesagt, dass er wie meine Großmama schlägt.“ (Eduardo Najera, nachdem ihm Kevin Garnett beim Spiel der Charlotte Bobcats gegen die Boston Celtics einen Ellbogenschlag verpasst hatte)




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Kommentare

(5 Kommentare bisher)

von Webocat 11.02.11 um 13:53:15


Eduardo Najera, einfach zu geil...!



von xax 11.02.11 um 16:09:50


kann mich meinem vorredner nur anschliessen, das Zitat ist der Knaller, allerdings ist die Werbung von Lamar auch einfach nur super... erinnert an diese hier: [youtube.com]
Maskulin=Feminin

@manuel
schön das du mal zwei Teams in den Fokus gestellt hast die eher der unteren Playoffkategorie angehören.
Anbei: ich fordere einen Artikel über Sloan und seinen Weggang von den Jazz.

Das man allerdings mit einer Bilanz v. (24-28, als Ostteam) in der Nähe der PO ist, ist einfach lachhaft.

Schöner Buzzer aber sehr schlechte D. von Marion (?)



von TNT 11.02.11 um 17:56:51


Wieso ist es lächerlich, mit einer Bilanz von 24 zu 28 fast in den Playoffs zu sein? Das ist eine Siegquote von 46 %. Und wieviel Prozent aller Teams schaffen es nicht in die Playoffs? 47 %! Ansonsten schöner Artikel, mal schaun welche Serie in Cleveland beendet wird.



von RedWater 11.02.11 um 19:12:01


als langjähriger Jazzfan bin ich schockiert, dass Sloan so plötzlich aufhört. Für mich waren die Jazz immer Sloan, sicherlich nicht die ansehnlichste Mannschaft der NBA aber dafür eine der konstant Mannschaften der letzten 15 Jahre. So einen Abgang hat Sloan nicht verdient.



von xax 12.02.11 um 10:13:27


@tnt
genaud DAS meine ich, in den PO sollten die besten teams spielen und nicht die- am- wenigsten- schlechten-die- zufällig im Osten spielen.
Portland hat als 8 im westen ne bessere Bilanz als NY (6. im Osten) und das obwohl sie in derschwereren (west) Conference spielen.
Ich bin für eine Reform der PO-Platzierungen.



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