NBA-Wochenrückblick

Unter dem Radar

Im Vorfeld der noch jungen NBA-Saison waren mit den Cavaliers, Lakers, Magic und Spurs vor allem vier Teams im Mittelpunkt gestanden, wenn es um die Favoriten und die bedeutendsten Transaktionen ging. Nun sind es aber zwei andere Mannschaften, die bisher als einzige noch ungeschlagen sind: die Boston Celtics (Kevin Garnett, Foto) und Denver Nuggets.

Von Manuel Baraniak
 06.11.2009 |

Mit der Ankunft Chauncey Billups’ im November 2008 hatte sich bei den Denver Nuggets ein Wandel vollzogen. Der Aufbauspieler brachte die so oft zitierte Siegermentalität mit nach Colorado, die sich auch auf Carmelo Anthony übertrug. Die Negativschlagzeilen, die sich über die ersten vier Spielzeiten „Melos“ in der Liga gezogen hatten, sind nach dem Olympia-Sommer 2008 und der darauffolgenden erfolgreichen NBA-Spielzeit vergessen. Und so war es laut Head Coach George Karl auch Anthony, der sich als der entscheidende Anführer während der Saisonvorbereitung gezeigt hatte.

Und dies scheint der Small Forward auch auf die reguläre Saison übertragen zu können. Mit durchschnittlich 32 Zählern und einem treffsicheren Distanzwurf (46,7% 3FG) führte Anthony (Foto) seine Mannschaft zu fünf Siegen aus fünf Spielen. Seinen 41 Punkten gegen die Portland Trail Blazers am zweiten Spieltag ließ er drei Tage später 42 Punkte gegen die Memphis Grizzlies folgen und wurde verdient zum Spieler der Woche der Western Conference gekürt.

Nach einem relativ ruhigen Sommer auf dem Transfermarkt hatten nicht ganz so viele die Nuggets auf der Rechnung, auch, da sie mit Dahntay Jones einen wichtigen Defensivakteur verloren hatten. Durch die Sperre von J.R. Smith in den ersten sechs Begegnungen war die Position neben Billups im Backcourt noch vakanter. Während dort mit Anthony Carter ein weiterer Aufbauspieler startet, konnte auch Rookie-Point-Guard Ty Lawson bisher überzeugen. Seinen 17 Zählern zum Saisonauftakt ließ er zuletzt 23 Punkte gegen die New Jersey Nets folgen. Nicht nur der Liganeuling, das gesamte Nuggets-Team konnte bisher mit einer starken Trefferquote aufwarten, und steht mit seinem Offensivbasketball an der Spitze der Western Conference. Einen 5-0-Start legte die Franchise aus Colorado zuletzt in der Saison 1985/86 hin.

Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Das Pendant der Nuggets im Osten sind die Boston Celtics. Auch die Kelten stehen noch ungeschlagen auf dem ersten Platz ihrer Conference und auch sie waren, im Gegensatz zu der Konkurrenz aus Cleveland und Orlando, nicht ganz so im Munde der Experten. Mit der Rückkehr Kevin Garnetts (Foto beim Rebound) kann der Meister von 2008 auch wieder auf sein Steckenpferd zurückgreifen. Mit gut 87 zugelassenen Punkten pro 100 Ballbesitze stellen die Celtics bisher die mit Abstand effizienteste Verteidigung aller Teams.

Läuft es in der Defense dann doch nicht mal so gut, wie zuletzt im Spiel gegen die Minnesota Timberwolves, so kann Head Coach Doc Rivers immer noch auf die Erfahrung seiner Akteure bauen. „Es ist toll. An einem Abend, an dem wir überhaupt nicht gut gespielt haben, konnten wir auf unsere Erfahrung zurückgreifen. Keine geriet in Panik. Wir haben einfach durchgehalten“, so Rivers, nachdem seine Mannen viereinhalb Minuten vor Schluss mit einem Zähler in Rückstand lagen, aber sodann nur noch einen Feldkorb gewährten.

Ein weiterer Pluspunkt scheint auch die verstärkte Bank zu sein. Neben Eddie House wissen dabei vor allem die Neuzugänge Marquis Daniels, Rasheed Wallace (11,2 PpG; 42,5% 3FG) und Shelden Williams (5,7 RpG) zu überzeugen. Nachdem sich zudem das Management und Rajon Rondo auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung geeinigt haben, scheint auch ein potentieller Störfaktor bereinigt zu sein.

In der Verfolgung


Die Phoenix Suns werden die meisten in dieser Saison wohl auch nicht auf der Rechnung haben. Wurde die Franchise über den Sommer erwähnt, dann meist im Zusammenhang mit dem Wechsel Shaquille O'Neals zu den Cleveland Cavaliers. Doch ohne das 37-jährige Schwergewicht kann Head Coach Alvin Gentry wieder den Offensivbasketball zelebrieren lassen, der nicht nur den Akteuren so Spaß macht. Nach den Golden State Warriors spielt die Franchise aus Arizona am schnellsten und schenkte in der vergangenen Woche den Warriors und Wolves auch 123 respektive 120 Zähler ein. Nach einem Auswärtssieg bei den Miami Heat musste sich das Team um Aufbauspieler Steve Nash (Foto) in der darauffolgenden Nacht aber den Orlando Magic geschlagen geben und somit die erste Saisonniederlage einstecken.

Die Franchise aus Florida musste bei jenem Erfolg über die Suns ein weiteres Male auf Vince Carter verzichten, der auf Grund einer Sprunggelenksverletzung schon beim Sieg gegen die Toronto Raptors nicht zum Einsatz gekommen war. Zudem muss der Vorjahresfinalist ja immer noch auf Rashard Lewis verzichten, der wegen einer Sperre erst Ende kommender Woche auflaufen wird. Doch Head Coach Stan Van Gundy kann auf eine der qualitativ und quantitativ besten Rotationen zurückgreifen. So verzeichneten die Magic während der vier Spiele der vergangenen Woche drei verschiedene Topscorer.

Vier Siege und eine Niederlage weisen derzeit auch die Atlanta Hawks und Miami Heat auf. Dabei konnten die Habichte ihren kurzen Westküsten-Trip noch erfolgreich gestalten, als sie nach einer Niederlage bei den Los Angeles Lakers jeweils einen Sieg aus Portland und Sacramento entführten. Neben Franchise-Spieler Joe Johnson konnte dabei vor allem Jamal Crawford (Foto) überzeugen, der seinen Job als punktete Entlastung von der Bank mit Freude zu erfüllen scheint. „Ich habe in der NBA noch nicht so viel Spaß gehabt. Ich habe bisher noch nicht mit solchen Athleten zusammenspielen können. Das fühlt sich gut an“, so der Shooting Guard nach dem Erfolg in Portland, als er mit 27 Zählern die meisten Punkte sammelte.

Während die bisher genannten Teams deutlich mehr Siege als Niederlagen auf dem Konto haben, konnte eine Mannschaft bisher noch kein einziges Mal das Parkett als Sieger verlassen: die New Jersey Nets. Während Devin Harris verletzungsbedingt immer noch auf sein Saisondebüt warten muss, fällt nun auch Yi Jianlian mit einer Innenbanddehnung im rechten Knie für zwei bis sechs Wochen aus. Head Coach Lawrence Frank kann derzeit auch nicht auf Tony Battie, Keyon Dooling und Jarvis Hayes zurückgreifen. So setzte es für die Nets in der vergangenen Woche Schlappen gegen die Magic, Wizards, Bobcats und Nuggets, sodass die Franchise mit fünf Niederlagen zu Saisonbeginn sogar den Negativ-Rekord eingestellt hat.

Duelle unterschiedlicher Art


Bei der Neuauflage des Western Conference Halbfinals der diesjährigen Playoffs zwischen den Houston Rockets und Los Angeles Lakers wurde im Vorfeld das Duell der Neuzugänge diskutiert. Während Trevor Ariza den Meister Richtung Texas verlassen hatte, wechselte Ron Artest im Sommer nach Los Angeles. Nach kleinen Nicklichkeiten, Trash-Talk inklusive, trafen beide Akteure mit Distanzwürfen in den letzten Spielsekunden zwar entscheidende Würfe, letztendlich hoben sie sich mit jeweils 15 Zählern auf. Am Ende war es dann doch der amtierende Finals-MVP Kobe Bryant, der mit 41 Punkten – sechs davon in der Verlängerung – das Spiel zu Gunsten der Gold-Violetten entscheiden konnte. Bereits einen Tag zuvor behielt das Team von Head Coach Phil Jackson bei den Oklahoma City Thunder erst nach zusätzlichen fünf Minuten die Oberhand. Dabei muss die Franchise aus Kalifornien immer noch auf das Saisondebüt von Pau Gasol warten, der noch an den Folgen einer Oberschenkelverletzung laboriert. Für die heutige Partie gegen die Memphis Grizzlies ist zudem Andrew Bynum fraglich, der sich an den Schulter verletzt hat.

Bei der Franchise aus Tennessee läuft es hingegen nicht so rund. Seit zwei Spielen kann Übungsleiter Lionel Hollins zwar auf die Neuverpflichtung Allen Iverson (Foto) zurückgreifen, der gab aber gleich nach seinem Auftakt bei den Sacramento Kings zu Protokoll, was er von seiner derzeitigen Bankrolle halte: „Ich hatte keine Probleme [mit meiner Oberschenkelmuskulatur]. Ich hatte Probleme mit meinem Hintern, nachdem ich so lange auf der Bank sitzen musste. Das ist das einzige, womit ich ein Problem habe.“ Nach der zweiten Niederlage mit Iverson bei den Golden State Warriors wurde der Ton des Scoring-Guards noch schärfer, als er unter anderem fragte, ob beim Team die Entwicklung der Nachwuchskräfte oder das Gewinnen von Basketballspiele im Vordergrund stehe. Nach fünf Partien und vier Schlappen scheint es also schon jetzt in Memphis’ Kabine zu brodeln.

Die Sportanhänger in New York geben derzeit wohl wenig auf die ansässigen Knicks oder Nets, vielmehr steht derzeit der Baseball im Vordergrund, gewannen die New York Yankess doch nach neun Jahren wieder die World Series. Sollte die Franchise oder ein anderes MLB-Team über den Sommer nach einer Verpflichtung eines Catchers Ausschau halten, sollten sie mal einen Blick in die NBA, genauer nach San Antonio werfen. Spurs-Akteur Manu Ginobili bewies bei der Begegnung gegen die Kings an Halloween seine Fängerqualitäten, als er eine umher fliegende Fledermaus zum Stoppen, letztendlich aber auch zum Ableben, brachte. Während Ginobili ohne Angst zugriff, achte man noch auf den Spurs-Spieler mit der Nummer 45, Rookie DeJuan Blair, der wohl Angst hatte, das Tier könne sich in seinen Haaren verfangen.



Stat Lines der Woche

Es war die Woche der Scorer: Ganze neunmal standen in einem Spielberichtsbogen 40 oder mehr Punkte hinter einem Spieler. Dabei konnte Kobe Bryant gleich in zwei Partien jene Marken übertreffen, als er gegen Atlanta und Houston jeweils 41 Zähler markierte. Dieses Kunststück gelang auch Al Harrington (42 vs, Philadelphia), Brandon Roy (42 vs, Houston), Carmelo Anthony (42 vs, Memphis), O.J. Mayo (40 vs. Denver) und Dwyane Wade (40 vs. Washington).

Die meisten Zähler in der vergangenen Woche erzielte Kevin Martin, der mit 48 Punkten beim Erfolg über Memphis nur zwei Zähler unter seinem Karrierebestwert lag. Der Shooting Guard traf 14 seiner 27 Feldwürfe und schrieb sich zudem noch fünf Rebounds und jeweils vier Assists und Steals in den Statistikbogen.

Auch Dirk Nowitzki (Foto) knackte die 40-Punkte-Marke, als der Deutsche die Dallas Mavericks zum Erfolg gegen die Utah Jazz führte. Dabei stellte der Power Forward mit 29 Zählern im letzten Viertel einen neuen Franchise-Rekord auf. Dabei dreht der 31-Jährige praktisch alleine das Spiel und erzielte zwischen Spielminute 41 (63:76) und 47 (87:73) 23 Zähler. Am Ende hatte der Würzburger auch noch elf Rebounds, fünf Korbvorlagen und fünf Blocks auf seinem Konto.

Chris Paul schrammte mit 39 Zählern zwar nur knapp an jener Marke vorbei, der Point Guard der New Orleans Hornets führte damit, und mit sieben Korbvorlagen und fünf Rebounds, seine Mannschaft zu einem Erfolg über die Mavs nach Verlängerung. Die Franchise aus Louisiana gewann damit vor heimischem Publikum ihr zehntes Spiel, das in die Extrazeit ging, in Folge. Das ist der drittlängste Lauf der NBA-Geschichte.

Ein Lauf nahm in der vergangenen Woche sein Ende. Nach 496 Begegnungen in Folge verpasste Tayshaun Prince auf Grund einer Rückenverletzung zum ersten Mal seit April 2003 wieder eine Partie seiner Detroit Pistons. Dabei lief er während dieser Zeit in 439 Spielen in Folge von Beginn an auf, was einen Rekord unter aktiven NBA-Akteuren bedeutet. Der Rekord von aufeinanderfolgenden Partien ohne Pause wird von Andre Miller gehalten (535 Partien).

Buzzerbeater der Woche


Während des vergangenen All-Star-Wochenendes wurde das Kunstwerfen namens „H.O.R.S.E.“ wieder ins Programm genommen. Rajon Rondo wäre mit seinem Wurf während des Auswärtssieges bei den Philadelphia 76ers auch ein Kandidat für das Teilnehmerfeld. Am Ende des ersten Viertels gelang dem Point Guard der Boston Celtics dieser Treffer:



Zitat der Woche


„Wenn du nicht mehr dunken kannst, musst du einen anderen Weg finden, um in die Nachrichten zu kommen. Das habe ich getan. Ich habe eine Fledermaus gefangen. Meiner Meinung war das keine große Sache.“ (Manu Ginobili, der an Halloween den Batman mimte)




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Kommentare

(9 Kommentare bisher)

von schlund 06.11.09 um 15:35:41


Das was dirk da geleistet hat is echt wahnsinn. So eine komplette statsline gibt es nicht so oft. Nochmal hie rzum zunge schnalzen: 40 Punkte, 11 Rebounds, 5 Assists, 5 Blocks, 2 Steals, 0 Turnover, 12/22 aus dem feld 15/16 freiwürfen. HAMMER!!

achja die cavs stinken...egoshow wie früher



von Suck My Diktiergerät 06.11.09 um 20:31:24


alter schwede ^^ ich dachte schon die aktion von ginobili wäre geil, aber das kommentar is ja wohl der könig der kommentare ^^



von nicoquanz 08.11.09 um 13:07:32


ich les nur den artikel und denke mir was soll das??? alle redeten vor der saison von den magic lakers und cavs????
die celtics hatte niemand auf der rechnung was so ein schwachsinn die 3 erwähnten celtics waren vor der saison die topteams und somit keine überraschung denver war auch in den conference finals der western conference........... netter artikel also über teams die unter dem radar fliegen und plötzlich gut sind.........



von chn7rocket 09.11.09 um 14:21:28


???
Was is denn das für ein Satz von meinem Vorredner ab Zeile 4?!



von Oxymoron 09.11.09 um 16:30:11


@nicoquanz: Dass die Celtics niemand auf der Rechnung hatte, wird doch nirgends geschrieben. Les dir nochmal den Teaser durch, da werden die Favoriten und die bedeutendsten Transaktionen genannt.
Und die Wechsel von Shaquille O'Neal, Vince Carter, Ron Artest oder auch Richard Jefferson machten nunmal mehr Schlagzeilen - darum geht es hierbei.

Dass die Celtics dennoch ein Top-Favorit auf den Titel sind und sich als "Team" vielleicht ebenso oder mehr verstärkt haben, ist wieder eine andere Sache.



von Cabalios 10.11.09 um 00:30:42


"Dabei lief er während dieser Zeit in 439 Spielen in Folge von Beginn an auf, was einen Rekord unter aktiven NBA-Akteuren bedeutet. Der Rekord von aufeinanderfolgenden Partien ohne Pause wird von Andre Miller gehalten"

-Hää?



von Oxymoron 10.11.09 um 14:21:36


Andre Miller lief während seines Rekords von aufeinanderfolgenden Spielen eben nicht immer von Beginn an auf.

Princes Rekord bezieht sich allein auf aufeinanderfolgende Spiele, in denen er auch gestartet war.



von chn7rocket 10.11.09 um 14:54:51


?Ich habe in der NBA noch nicht so viel Spaß gehabt." - Jamal C.
Hat er bisher keine Freude gehabt oder meint er er habe noch NIE so viel Spaß gehabt als zur Zeit.



von Cabalios 11.11.09 um 15:46:13


danke, jetzt hab ichs gecheckt



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