NBA-Wochenrückblick
Tauziehen um Anthony
Neben den alltäglichen Trade-Gerüchten um Carmelo Anthony wurde vergangene Woche auch Basketball gespielt. Und wie! Dabei rissen sowohl Serien als auch Sehnen, Rekorde wurden eingestellt und Selbstvertrauen genommen. Eine typisch absurde Woche in der NBA.
Von Dennis Klammer |
14.01.2011 | |
Jeden Tag nichts Neues. Berichte über Carmelo Anthonys möglichen Trade (Foto)
bestimmen seit Wochen die Basketballpresse. Ob für die New Jersey Nets oder New York Knicks, derzeit sehen viele Fans den Small Forward eher gestern als heute für ein Ostteam auflaufen. Dass Melo am liebsten im Big Apple auflaufen würde, ist kein Geheimnis. Neben möglichen Trade-Partnern wie den Detroit Pistons hat New York nun auch die Memphis Grizzlies ins Trade-Karussell eingeladen. Doch da Anthonys Vertrag (noch) in Denver liegt, läuft er vorerst weiterhin für die Nuggets auf. Und dies äußerst erfolgreich: Erst jagten die Nuggets die Phoenix Suns mit 132:98 zurück in die Wüste, dann bescherte die Franchise aus Colorado den LeBron James-losen Miami Heat deren höchste Saisonniederlage (102:130). 28 und 21 Punkte gönnte Melo sich dabei; J.R. Smith hielt ihm mit acht von 14 Dreiern den Rücken frei. Vielleicht ist Denver doch gar kein so schlechter Ort für den unter Fernweh Leidenden?
Schlimmer ginge es allemal. Zum Beispiel in Cleveland, dem Superlativ von „bitter“: Freitag gegen die Golden State Warriors verloren, am Sonntag in Phoenix. Den traurigen Höhepunkt ihrer seit elf Spielen anhaltenden Niederlagenserie hoben sich die Cavaliers jedoch für die Begegnung gegen die Los Angeles Lakers auf. 57:112 verlor das derzeit schlechteste Team der NBA (8-30) im Staples Center. 55 Punkte Differenz. Damit stellten die Cavs einen unrühmlichen Rekord auf: Der niedrigste offensive Output der Franchise-Geschichte, was gleichzeitig die wenigsten zugelassenen Zähler für die Lakers bedeutete. Als wäre das nicht schon genug, sandte Ex-Cavalier LeBron James via Twitter seine hämischen Grüße nach Cleveland, auch wenn er beteuerte, nicht der Verfasser folgender Nachricht gewesen zu sein (jugendfreie Version, Anm. d. Red.): „Verrückt. Karma […] schlägt zurück!“ Zu allem Überfluss verabschiedete sich zudem Anderson Varejao in den verlängerten Frühjahrsurlaub. Ein Sehnenriss im rechten Fuß zwingt den Power Forward zum vorzeitigen Saisonende.
Deutlich besser lief es für eben jene kaltblütigen Lakers aus Los Angeles. Neben dem Gemetzel gegen Cleveland fuhren sie auch Siege über New York, Golden State und New Orleans ein. Gegen die Hornets überholte Kobe Bryant mit nunmehr 26.759 Punkten Oscar „The Big O“ Robertson (26.710) auf der Liste der besten Punktesammler aller Zeiten. Sollte Bryant seinen jetzigen Schnitt halten (24,9 PpG), könnte er diese Saison noch auf Platz sechs vorrücken (derzeit: Moses Malone, 27.409 Punkte) und dabei verdiente Größen wie Hakeem Olajuwon, Elvin Hayes und eben Malone auf die Plätze verweisen.

Große Überraschungen trugen sich unter der Woche im Südosten der Vereinigten Staaten zu. Bis vergangenen Mittwoch lief es noch für die Southeast Divison: Die Miami Heat und Orlando Magic marschierten mit jeweils neun Siegen in Folge geradewegs in Richtung Playoffs, während auch die Atlanta Hawks und Charlotte Bobcats in Floridas Schatten heimlich, still und leise ihre Siege (Atlanta fünf Erfolge in Serie, Charlotte liegt derzeit bei Siegen hintereinander) einfuhren. Doch nach zwei engen Siegen in der Verlängerung für Miami gegen Milwaukee und Portland zogen die Heat sowohl gegen die Nuggets als auch gegen die Clippers den Kürzeren. Gegen die verletzungsgeplagten Trail Blazers aus Portland präsentierte sich der Wochenbeste LeBron James (44 Punkte) noch in einer Form, die ihn zu Recht zum heißesten MVP-Kandidaten macht. Wie wichtig James für die Heat ist, konnte man gegen Denver registrieren.
In Sachen MVP-Wahl möchte jedoch auch Kevin Durant (Foto) ein Wörtchen mitreden und legte beim 109:100-Sieg gegen Memphis mit 40 Zählern zum 14. Mal in Folge die beste Punkteausbeute seiner Oklahoma City Thunder an den Tag. Auch gegen die Orlando Magic glänzte er mit 36 Punkten (13/17 FG). Tatkräftige Unterstützung erfuhr er durch Aufbau Russell Westbrook. Astreine 32 Punkte, 13 direkte Korbvorlagen und zehn Rebounds bedeuteten das zweite Triple-Double in den vergangenen sieben Spielen.
Randnotizen
Carmelo Anthony wurde nicht getradet.
Yao Ming ist All-Star! Welch tolle Überraschung. Ärgerlich nur, dass er verletzungsbedingt nicht spielen kann. Etwas mehr freuen dürften sich aber Derrick Rose (24,1 PpG, 8,1 ApG) und Amare Stoudemire (26,1 PpG, 8,9 Rpg), die ihre guten Leistungen der vergangenen Zeit angemessen gewürdigt sehen dürften. Die beiden Leistungsträger verdrängten laut den neuesten Zwischenständen. Rajon Rondo und Kevin Garnett aus der Starting Five des Ostens.
Brandon Roy (Foto) macht es sich noch eine Weile länger im bereits überfüllten Lazarett der Trail Blazers gemütlich. In der kommenden Woche stehen gleich zwei Operationen an: Sowohl für das linke als auch für das rechte Knie wird sich Roy unter das Messer legen müssen. Mindestens bis zum All-Star-Wochenende (18. bis 20. Februar) werden die Blazers auf Roy verzichten müssen, der bereits die vergangenen 16 Spiele wegen eben jener Kniebeschwerden pausieren musste. Auch Bostons Jermaine O’Neal hat Beschwerden am Knie. 21 Spiele hat der Center bereits verpasst, nach einer möglichen Operation werden sich weitere dazu gesellen.
1.000 Zuschauer: Während sich so manches ProA-Team hierzulande über eine solche Zuschauerzahl freuen wurde, sorgte die wetterbedingte Leere auf den Rängen in Charlotte für Unmut. So verhinderte ein Schneesturm, dass ein Großteil der Bobcats-Anhänger den 96:82-Sieg über die Memphis Grizzlies in der Halle verfolgen konnten. Dabei hätte es sich gelohnt: 27 Punkte von Stephen Jackson bei einer Teamwurfquote von 51,4 Prozent bedeuteten den dritten Sieg in Folge.
Sacramentos Arco Arena erhält einen neuen Namen. Ab dem 1. März lautet der Name der Spielstätte der Kings Power Balance Pavilion, benannt nach dem Sportartikelhersteller Power Balance, zu dessen Werbeträgern auch Shaquille O’Neal und Fußballer und Modeikone David Beckham zählen.
Fünf Technische Fouls in einem Spiel werden nicht häufig gepfiffen. Die Tatsache, dass dies innerhalb von zehn Sekunden passierte, macht die Sache umso kurioser. Der Schiedsrichter Ken Mauer hatte offensichtlich viel Kraft in der Lunge und pfiff, was das Zeug hielt, alles gegen die Minnesota Timberwolves. „So etwas habe ich noch nie gesehen. Fünf in Folge, das muss das erste Mal gewesen sein“, wunderte sich Kevin Love nach der Partie. Auch San Antonios Manu Ginobli, der die fünf Freiwürfe für die Spurs schoss, war irritiert. „Ich war froh, dass wir schießen durften. Das war irgendwie eigenartig; ja, nahezu verrückt.“
Statistiken der Woche
Neben den bereits angesprochenen technischen Fouls gönnte sich Kevin Love erneut ein 20 Punkte/ 20 Rebound-Spiel; zum sechsten Mal in dieser Saison. Vergangene Spielzeit legte Dwight Howard als Ligabester drei solcher „20/20“-Spiele auf. Zudem netzte Love beim 109:97-Sieg über Washington fünf seiner sechs Dreierversuche ein (35 Pkt, 11 Reb). Dieser Mann ist heiß (27,6 PpG, 16,4 RpG in den vergangenen fünf Spielen).

Nick Young (Foto) beweist unterdessen, dass er Gilbert Arenas nicht vermisst. Young trifft wie ein alter Hase und legte starke 43 Punkte (7/10 3FG) beim 136:133 -Erfolg nach Verlängerung über Sacramento auf. Auch ohne Overtime (drei Punkte von Young) lassen sich diese Zahlen (13/21 FG) sehen. Zumindest auf des Gegners Platz kann auch Young seinem Team nicht viel helfen; 0-19 lautet die Auswärtsbilanz für Washington.
Bei New York gibt es derzeit ähnlich viel Licht wie Schatten. Durch vier Siege aus den vergangenen sechs Spielen können die Fans neben der Melo-Thematik auch Basketball genießen. Ein weiterer Höhepunkt: Raymond Felton erzielte sein erstes Triple-Double. Bei der 97:109-Niederlage gegen Los Angeles glänzte er dennoch mit 23 Punkten, elf Assists und zehn Rebounds.
Gegen Minnesota stellte Portlands Guard Wes Matthews mit 29 Punkten in Halbzeit eins einen neuen Franchise-Rekord auf. 36 Punkte erzielte er insgesamt und traf sieben seiner acht Versuche jenseits von Downtown.
Auch Andrew Boguts 20 Defensiv-Rebounds (27 gesamt) bedeuten eine Einstellung des Franchise-Rekords bei den Milwaukee Bucks, den Kareem Abdul-Jabbar zwei Mal in den 70ern auflegte. Den Rekord für die meisten Rebounds in einem Spiel der Bucks hält bis dato Swen Nater, der sich 1976 gegen Atlanta 33 Bälle von den Brettern griff.
Buzzerbeater der Woche
Bei den Lakers will aber auch alles fallen. Shannon Brown setzt zum entspannten Mittellinien-Jumper an. Nichts als Nylon.
Zitat der Woche
"New York spielt gerade sehr gut. Ich glaube nicht, dass sie mich beachten. Sie würden nicht wollen, dass ich nun zu dem Team stoße und alles durcheinander bringe." Dies gab das Objekt der Begierde, Carmelo Anthony, unter der Woche gegenüber ESPN zu Protokoll. "Zumindest habe ich das gelesen."






von GoB13 14.01.11 um 17:59:34
geile erste randnotiz!! hab herrlich gelachtXD
von xax 14.01.11 um 18:33:34
Anthony will weg???Habe ich gar nicht mitbekommen, da könnte man ja ruhig mal drüber schreiben.
Mir gefällt das Zitat der Woche.
von andru12 14.01.11 um 18:57:27
@xax
man wo lebst du denn??? das anthony weg will ist bereits seit sommer bekannt... nba.com hat da manchmal noch coole news...
von Treffnix 14.01.11 um 19:13:23
Ich glaube Xax lebt auf dem Plante Ironie !
von Indiana 14.01.11 um 21:59:34
@treffnix
XD
Jetzt ist nur noch die Frage ob andru12 auf den Ironischen Post von xax auch mit Ironie geantwortet hat und er auf dem Planeten Doppelte Ironie wohnt !!!
wir werden es wohl nie erfahren XD
von Frank Drebin 15.01.11 um 01:16:40
"Yao Ming ist All-Star! Welch tolle Überraschung. Ärgerlich nur, dass er verletzungsbedingt nicht spielen kann."
Soll das jetzt witzig sein? Sorry, das ist einfach nur peinlich. Das mit Yao ist eine verdammt tragische Geschichte und es sollte jedem NBA Fan im Herzen weh tun, dass der Kerl immer noch nicht spielen kann und vielleicht seine gesamte Karriere an den Nagel hängen kann. Ziemlich taktlos von dir...
von mkay 15.01.11 um 01:46:34
Geht. Es ist jedoch lediglich Kritik an dem Auswahlverfahren für All Stars, mehr nicht. Schade für Yao, eindeutig, keine Frage.
von lb1 18.01.11 um 14:01:55
klar ist es traurig für ming... aber noch trauriger für die nba! ist doch lächerlich dass ein verletzter center der definitiv länger ausfällt überhaupt zur wahl steht! aber vielleicht besser so. sonst würden wir womöglich noch yi starten sehen...