NBA-Wochenrückblick

Schwerer Gang

Für die Boston Celtics und New York Knicks lief es zuletzt nicht besonders gut. Allen voran die Knicks (Amare Stoudemire, Foto) ließen in der jüngsten Vergangenheit immer wieder die Köpfe hängen. Im Staples Center gab es in der vergangenen Woche derweil einiges an Aufregung und Spannung.

Von Manuel Baraniak
 25.03.2011 |



„Von der Ostküste komme ich her. Ich muss euch sagen, es brechen die Wellen dort sehr.“ Dies könnten die Worte Knecht Ruprechts sein, hätte er in den letzten Tagen und Wochen die Städte Boston oder New York besucht. Denn sowohl bei den Boston Celtics als auch bei den New York Knicks verläuft die Fahrt gen Playoffs zur Zeit alles andere als ruhig und windstill.

Allen voran die Knicks schaukelten eher durch die letzten Tage als dass sie sich auf festem Kurs befinden würden. Seit längerem weist die Franchise aktuell mal wieder eine Siegquote von unter 50 Prozent auf (35 Siege, 36 Niederlagen). Aus den letzten acht Spielen setzte es für die Mannschaft von Head Coach Mike D’Antoni sieben Schlappen. Seit Carmelo Anthonys Ankunft steht für die Knickerbockers eine Bilanz von sieben Siegen und zehn Niederlagen zu Buche.

Doch das ist für die Truppe kein Grund zur Panik. Eher gehe es darum, bis zur Endrunde fit zu sein und sich weiter einzuspielen. Zudem schiebt die Mannschaft die derzeitige Schwächephase auf den voll bepackten März mit insgesamt 18 Spielen und der daraus resultierenden Müdigkeit. „Es sind viele Spiele innerhalb weniger Nächte. Das holt einen manchmal ein. Ich denke, bei uns allen hat sich so etwas wie ein Müdigkeitsfaktor eingestellt,“ gibt Amare Stoudemire die Gründe für die Schwächephase an. So führten die Knicks in der letzten Woche sowohl gegen die Orlando Magic (59:55; Endergebnis: 99:111) als auch gegen die Celtics (51:37; Endergebnis: 86:96) zur Halbzeit, nur um in der zweiten Hälfte noch einzubrechen.

Allen voran bei Stoudemire selbst scheint sich die Müdigkeit bemerkbar zu machen. Während der aktuellen Niederlagenserie trifft der Power Forward nur 43 Prozent seiner Feldwürfe. Gegen Orlando verfehlte er sogar 15 seiner 20 Versuche aus dem Feld für einen Saisontiefstwert von 13 Punkten. Des Weiteren präsentiert sich die Defensive New Yorks mehr als löchrig. Gewährt man den Gegnern eine Wurfquote von 49 Prozent, wie die Knicks das in den letzten acht Partien getan haben, wird es mit dem Siegen schwer. Doch die Mannen D’Antonis sind eigentlich erfahren genug, um in der entscheidenden Phase, oder spätestens zu den Playoffs, eine Schippe draufzulegen.

Viel Schweiß und grünes Blut

Auch bei den Boston Celtics (50-20) hat der gewünschte Erfolg seit den Trades noch nicht eingesetzt. Mit neun Siegen aus den 15 Spielen mit den neuen Akteuren müssen die Kelten derzeit den Chicago Bulls (51-19) den Vorrang lassen und sich mit Platz zwei in der Eastern Conference begnügen. Immer noch fehlt der Name O’Neal im Spielberichtsbogen: der von Jermaine O’Neal seit dem 10. Januar, der von Shaquille O’Neal seit dem 1. Februar. Immerhin scheint Rajon Rondo (Foto) seine Schwächephase überstanden zu haben. In den letzten beiden Partien konnte der Aufbauspieler wieder zweistellige Assist-Werte aufweisen, nachdem Rondo in den fünf Begegnungen davor mit durchschnittlich 2,8 Punkten (21,6% FG) und 6,2 Assists sehr blass geblieben und entgegen den Aussagen von Head Coach Doc Rivers von einer Blessur am rechten kleinen Finger wohl doch geschwächt gewesen war.

Zudem fehlt den Celtics auch Tony Allen. Tony Allen? Spielt der nicht bei den Memphis Grizzlies? Dies konnte man nach seinem Kommentar nach dem überraschenden Sieg der Franchise aus Tennessee im TD Banknorth Garden jedoch in Frage stellen. „Ich bin ein Celtic. Aber unglücklicherweise trage ich derzeit ein Grizzlies-Trikot,“ gab Allen zu Protokoll. Dabei sollte sich der Shooting Guard, der die ersten sechs Jahre seiner Karriere in Boston verbracht hatte und auf Grund dessen noch grünes Blut in seinen Adern hat, auch in Memphis wohl fühlen. Alle drei Partien der vergangenen Woche konnte Allen mit den Grizzlies für sich entscheiden. Allen voran die Verteidigung ist erfolgsversprechend. Und so können die Grizzlybären (40-32) weiterhin den achten und letzten Playoff-Rang vor den Houston Rockets (38-34), Phoenix Suns (36-34) und Utah Jazz (36-37) verteidigen. Jedoch wird Head Coach Lionel Hollins nicht mehr auf Rudy Gay zurückgreifen können.

Da kommt der Lauf der Houston Rockets, die ihre letzten fünf Begegnungen gewinnen konnten, aus der Sicht Memphis’ alles andere als gerufen. Was die Texaner betrifft, ist es schon aller Ehren wert, was die Führung unter Coach Rick Adelman erneut aus einem Großteil von Rollenspielern herausholen kann. Dahinter konnten auch die Phoenix Suns eine kleine Schwächperiode vergessen machen und geben sich mit drei Siegen aus vier Spielen im Kampf um eine Endrundenteilnahme noch nicht geschlagen.

Für das größte Aufsehen sorgte in der vergangene Woche aber die einzige Niederlage Phoenix’. Die setzte es bei den Los Angeles Lakers nach dreifacher Verlängerung. Zum ersten Mal erlebte ein Publikum im Staples Center 63 Minuten NBA-Basketball. Tags darauf gab es in der gleichen Arena beim Spiel der Clippers gegen die Washington Wizards übrigens immerhin zwei Extra-Spieleinheiten.

Doch zurück zum Aufeinandertreffen der Lakers und Suns. Es war ein passender Rahmen für ein Duell, das in den letzten sechs Jahren eine gewisse Rivalität entwickelte. So grandios die Spielübersicht Steve Nashs (Foto), so wichtig die Dreier Channing Fryes, so kalt Kobe Bryant oder so küsssehnsüchtig Ron Artests Bizeps sein mögen, so ist dennoch fraglich, inwieweit diese Rivalität Bestand halten wird. Denn Rivalität kann nur durch Playoff-Serien gedeihen und wachsen. Und ob die Suns in dieser Saison und in naher Zukunft überhaupt in die Endrunde einziehen werden, ist fraglich. Und wer weiß, vielleicht wird Steve Nash samt seines in der nächsten Spielzeit auslaufenden Vertrages dann vom Management auch als Trade-Baustein im Zuge eines Neuaufbaus genutzt werden. Und Rivalitäten brauchen nunmal auch Figuren und Aushängeschilder, die für eine Franchise stehen.



Randnotizen

Von Kings zu Royals? Der Umzug der Sacramento Kings nach Anaheim scheint immer wahrscheinlicher zu werden. Nachdem der Anwalt des Besitzer-Brüderpaars Maloof unter anderem den Namen „Anaheim Royals“ beim Patentamt beantragt hat, sprach Sacramentos Bürgermeister und ehemaliger NBA-Akteur Kevin Johnson bezüglich des möglichen Umzugs von einem „langsamen Tod“. Ein Teil Johnsons wünsche sich, dass dieses „schmerzhafte Drama“ einfach ein Ende fände. Jedoch machte er den Bewohnern der kalifornischen Hauptstadt in seinem Blog-Eintrag auch Mut, da ein neuer Anfang bevor stehe.

Ein Witz über einen langsamen Tod hätten die Zuschauer im Staples Center zu Los Angeles vor der Partie der heimischen Clippers gegen die Cleveland Cavaliers am vergangenen Samstag sicherlich nicht lustig gefunden. Ein Mann hatte ohne scheinbares Motiv mit einem Steakmesser das Spielfeld betreten und knapp 30 Minuten die Sicherheitskräfte in Atem gehalten, ehe die Polizei den Unruhestifter mit einem mit Bohnensäckchen gefüllten Schrotgewehr überwältigen konnte. Zuschauer wurden währenddessen in Sicherheit gebracht; Spieler und Coaches hatten sich noch nicht nahe des Parketts befunden.

Von „trop vieux“ zu „blessé vraiment“: Hatte Tony Parker im Vorbericht zur Partie gegen die Charlotte Bobcats noch gescherzt, Tim Duncan (Foto) würde fehlen, weil er zu alt sei, mögen den San Antonio Spurs die Scherze nun vergangen sein. Head Coach Gregg Popovich hatte Duncan gegen die Rotluchse noch bewusst eine Verschnaufpause gegönnt, jetzt ist der Big Man mit einer Sprunggelenksverletzung wirklich außer Gefecht. Wie lange Duncan fehlen wird, steht noch nicht fest; nach anfänglich schlimmeren Vermutung machte Popovich nun den texanischen Anhängern Mut, Duncan könne nach einer Abstinenz von vier bis fünf Begegnungen womöglich wieder auf das Parkett zurückkehren.

Statistiken der Woche

Ein Ausbeute von drei Korbvorlagen und zwei Rebounds ist für LeBron James zwar sehr mager, aber seine 43 Punkte (16/21 FG) beim Erfolg bei den Atlanta Hawks bedeuteten den ligaweiten Höchstwert in der vergangenen Woche. Der Small Forward führte die Miami Heat mit allein 23 Zählern im dritten Abschnitt auf die Siegerstraße.

Erfolglos blieben die Chicago Bulls hingegen bei ihrem Spiel bei den Indiana Pacers. Es war die erste Niederlage der Bullen nach acht Siegen in Folge. An Derrick Rose (Foto) lag es nicht: Der Point Guard stellte mit 42 Zählern eine neue persönliche Karrierebestleistung auf und kompensierte seine schwache Feldwurfquote (11/27 FG) mit einem starken Auftritt an der Linie (18/21 FT). Jedoch musste Rose in der Schlussphase zum zweiten Mal in dieser Saison mit sechs Fouls vorzeitig auf der Bank Platz nehmen.

Auf eine gleiche Punkteanzahl wie Rose kam zuletzt auch Kobe Bryant. Der Shooting Guard der Lakers benötigte dafür aber immerhin genau 48 Minuten, die er beim Verlängerungskrimi gegen die Suns auf dem Parkett stand. Mit zwölf Rebounds und neun Assists schrammte der 32-Jährige zudem nur knapp an seinem zweiten Triple-Double der Saison vorbei.

Das erste Triple-Double überhaupt in seiner Karriere konnte Chuck Hayes (Foto) erzielen. Für den Big Man der Houston Rockets standen nach der Partie gegen die Golden State Warriors 13 Punkte, 14 Rebounds und elf Assists zu Buche. Die elf Korbvorlagen sind ein „Career-High“.

Auch Blake Griffin konnte zum ersten Mal zweistellige Werte in drei Kategorien aufstellen. Mit 33 Zählern, 17 Rebounds und zehn Assists bewies der Liganeuling der Los Angeles Clippers beim Erfolg über die Washington Wizards seine Vielseitigkeit. 14 seiner 19 Wurfversuche aus dem Feld fanden dabei ihr Ziel.

Warum legt Brook Lopez so unwürdige Rebound-Werte für einen Center auf? Vielleicht, weil Kris Humphries dem Big Man der New Jersey Nets einige Bälle wegschnappt. Seiner starken Vorstellung mit 23 Rebounds im Spiel bei den Cleveland Cavaliers fügte Humphries 18 Punkte, vier Assists und je zwei Steals und Blocks hinzu.

Es war eine „Career-Week“ für Carlos Delfino. Acht getroffene Dreier (gegen New Jersey), 30 Zähler (gegen New York und Sacramento) und elf Rebounds (gegen New York) sind allesamt neue Bestwerte für den Argentinier in Diensten der Milwaukee Bucks.

Buzzerbeater der Woche

Auch wenn der Buzzerbeater von Jameer Nelson das Spiel für die Orlando Magic entschied, so hat hier Emeka Okafor einen audiovisuellen Auftritt verdient. Sein unorthodoxer halber Hakenwurf bescherte seinen New Orleans Hornets in der Partie bei den Utah Jazz die Verlängerung, in der die Hornissen den Sieg einfuhren:

Die Hornets mussten den letztlichen 121:117-Auswärtserfolg aber teuer bezahlen. Beim Stand von 103:103 verletzte sich David West nach einem Dunk am linken Knie und musste mit einem Rollstuhl vom Parkett gefahren werden. Eine Kernspintomographie für die genaue Diagnose steht noch aus.

Zitat der Woche

„Ich bin müde. Ich will nach Hause. Ich bin in der Stimmung für Pfannkuchen.“ (Lamar Odom nach dem Spiel der Lakers gegen die Suns, das über drei Verlängerungen ging. Der Lakers-Forward stand insgesamt 55 Minuten auf dem Feld.)




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Kommentare

(8 Kommentare bisher)

von Eastcoast 25.03.11 um 11:03:39


Was soll der Kack-Kommentar von Tony Allen???



von eightch 25.03.11 um 11:10:13


wenn noch mal die worte chuck hayes und "big"man in einem satz fallen schmeiß ich mich weg ;)
aber der kerl wühlt seit jahren unter den brettern das man es kaum glauben kann (zumindest für einen rollenspieler sind die boards die er holt auf die spielzeit gesehen wahnsinn... vor allem dafür das er als c aufläuft und nur 1,50 ist...)

die knicks werden wohl erst nächste saison wirklich zusammen finden und was allen äußert ist mit sicherheit nicht schlechter wie das was melo abgeliefert hat - zudem ist es ehrlich und mal was anderes als die typischen floskeln auf reporterfragen... aber das thema hatten wir ja neulich erst ;)



von Raquel 25.03.11 um 12:23:43


Chuck ist der beste:

[youtube.com]



von eightch 25.03.11 um 12:45:46


^^ist ab er nix gegen das (vor allem wenn man die vorgeschichte kennt):
[youtube.com]



von Raquel 25.03.11 um 12:57:15


Die da wäre?



von eightch 25.03.11 um 14:04:08


andrew hat sich (womit er mir ja praktisch aus der seele gesprochen hat) vor dem spiel darüber geäußert, das die nba-spieler eh alle millionäre sind und sich deswegen auch mal über ihr gejammere und ihr verhalten bezüglich der wirtschaftskriese lockout etc überdenken sollten - vor allem ging es darum und dafür bekommt er meinen vollsten respekt - das er endlich mal ausgesprochen hat, das sie fürs basketball spielen so viel kohle bekommen und immer noch so gierig sind und man das ganze mal in relation zu nem normalsterblichen stellen sollte...
du verstehst worauf er/ich hinauswollten... naja und als dankeschön haben seine teamkameraden rumgenöld ihm keine high fives nach den freiwurf gegeben ;)



von Raquel 25.03.11 um 14:16:27


Bogut ist so eine coole Socke?! :D



von nicoquanz 28.03.11 um 22:40:08


der kommentar ist ja wohl absolut berechtigt ich meine es kann jedem nba spieler doch scheiss egal sein ob er am ende der saison 5 oder 7 millionen verdient die sollen froh sein, dass sie den geilsten job der welt haben und mit ihrem hobby ein traumleben führen können andererseits das die teambesitzer so rummachen ost genauso lächerlich das sind alles milliardäre und wenn sie meinen sie können es sich net leisten sollen sie ihr team verkaufen gibt genug milliardäre auf der welt die ein nba team überteuert kaufen würden um sportlich dort was zu erreichen und nicht aufs geld schauen.... und wenn es darum geht das nba spieler und verantwortliche nicht wollen das der andere reicher wird dann macht einen kompromiss der für beide seiten zwar nicht gut ist aber spendet einen großteil des unterschiedes den ihr habt dann tut ihr was gutes spielt weiter basketball und alles ist in ordnung meine güte das problem hät ich auch gerne ob ich 5 oder 7 mio fürs basketball kriege...............



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