NBA-Wochenrückblick
Saison-Bergfest
Das All-Star-Wochenende in Dallas klopft an die Tür und läutet damit die Halbzeit der Saison ein. Somit bestimmen auch immer mehr Trade-Gerüchte den Ligaalltag. Währenddessen wird am Wochenende auch ein Blick in die Zukunft geworfen, verhandeln doch Liga und Spielergewerkschaft um einen neuen Tarifvertrag.
Von Sebastian Eickhoff |
12.02.2010 | |
Eigentlich geht das All-Star-Wochenende immer mit Show und Spaß einher. Doch am heutigen Freitag, dem Auftakt des Schaulaufens in Dallas, wird man auch das ein oder andere ernste Gesicht in der Liga vernehmen können. Die Liga und die Spielergewerkschaft treffen sich nämlich zu Verhandlungen was den Tarifvertrag der NBA betrifft (CBA, Collective Bargaining Agreement), der am 1. Juli 2011 ausläuft. Den Folgen der Finanzkrise geschuldet, erhoffen sich die Team-Besitzer, zukünftig weniger tief in die Tasche greifen zu müssen, um ihre Spieler zu entlohnen. Neben deutlichen Gehaltseinsparungen – ein Maximalvertrag könnte unter die Summe von insgesamt 60 Millionen Dollar und auf die Länge von vier Jahren fallen – stehen noch andere Dinge zur Debatte. Ein „harter“ Salary Cap würde Ausnahmeregelungen wie die Mid-Level Exception verwerfen, zudem könnten Erstrunden-Draft-Picks mit lediglich zwei Jahre garantierten Verträgen rechnen. Dass die Spielergewerkschaft jedoch um ihre Rechte kämpfen wird, ist sicher. So gaben einige Spieler auch zu Protokoll, sie würden sich nicht wundern, sollte es erneut zu einem Lockout kommen, wie zuletzt vor der Saison 1998/99. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, der mit vielen Gesprächen und Verhandlungen beschritten werden wird, sodass das Spielerische nicht zu kurz kommen soll.
So langsam hat es Klick gemacht in Philadelphia. Ob dies an der Verpflichtung von Allen Iverson gelegen haben mag, sei einmal dahingestellt. Dennoch musste Sixers-Coach Eddie Jordan einiges umstellen, um Iverson zu integrieren. Dadurch wurde die Rollenverteilung im Team neu definiert, so dass zum Beispiel Thaddeus Young und Louis Williams von der Bank ins Spielgeschehen eingreifen. Der zunächst zum Bankspieler degradierte Elton Brand (Foto) wurde wieder seines Anspruchs entsprechend in die Startformation zurückgeholt. In Zahlen ausgedrückt schlossen die Sixers den Wochenverlauf mit einer positiven Bilanz ab und konnten sich mit Siegen gegen die Houston Rockets (102:95) auswärts und gegen die Timberwolves aus Minnesota mit 119:97 vor heimischer Kulisse brüsten. Einzig gegen die Toronto Raptors musste die Franchise aus Pennsylvania einsehen, dass der Aufwärtstrend noch nicht ganz so rund läuft. Der von Startschwierigkeiten geplagte Forward Andre Igoudala fand in dieser Spanne jedoch mehr und mehr zur alten Form zurück und sollte für andere Teams weiterhin extrem interessant sein. Auch kurz vor der Trade-Deadline nehmen die Gerüchte nicht ab, dass Igoudala das Jersey wechseln könnte.
![]() |
| Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic) |
Heftige Trade-Gerüchte um Big Man Amare Stoudemire (Foto) ließen in Phoenix die Sonne nicht untergehen. Fünf Spiele in Folge konnte die Franchise aus Arizona für sich entschieden, ehe sie erst wieder gegen die Portland Trail Blazers das Nachsehen hatte. Stoudemire – der zugeben musste, dass ihn die Mutmaßungen über seine Zukunft beeinflusst hatten – spielte während dieser Serie wieder in alter, starker Manier. Beim Sieg gegen die Sacramento Kings erspielte er sich 30 Punkte und neun Rebounds. Während der Siegesserie markierte der 27-Jährige durchschnittlich 26,6 Zähler und zehn Rebounds. Gerüchten zufolge soll der Forward davon absehen, seine Option, Free Agent zu werden, im Sommer zu ziehen, da ihm unter dem neuen CBA vermutlich weniger Gehalt zugesichert werden könnte. Dies schreckte einige Tauschpartner ab, noch in der laufenden Saison um Stoudemire zu buhlen. Die Umstellungen in der Aufstellung durch Head Coach Alvin Gentry und der daraus resultierende Erfolg sollten dem Forward allerdings auch sportlich eine Zukunft im Staate Arizona vor Augen halten.
An einer rosigen Zukunft basteln auch die Oklahoma City Thunder. Der frisch gebackene All-Star Kevin Durant trägt mit seinen Scorer-Qualitäten nicht nur dazu bei, dass die Thunder für Freude unter ihren Fans sorgen, sondern erhebt mit seinen Leistungen auch den Anspruch, in den engeren Kreis der MVP-Kandidaten aufgenommen zu werden. Mit 33 Punkten und elf Rebounds beim Sieg gegen die Portland Trail Blazers ließ er daran keine Zweifel. Es war das 16. Double-Double für den 2,06 Meter großen Forward in der laufenden Spielzeit. Noch beeindruckender ist aber sein Lauf von 25 Partien in Folge mit 25 Punkten oder mehr. Auch Point Guard Russell Westbrook, der zum Spieler der Woche in der Western Conference gewählt wurde, trägt Anteil an der mittlerweile sechs Siege andauernden Erfolgssserie. Im Spiel gegen die Golden State Warriors bewies er sein Allround-Können mit 21 Punkten, sieben Rebounds, zehn Korbvorlagen und einer persönlichen Bestleistung von acht Steals, die am Ende zum 104:95 führten.
Bären halten ja bekanntlich Winterruhe. Wenn man die Leistung der Memphis Grizzlies in der letzen Woche betrachtet, könnte man meinen, dass das Team aus Memphis ähnliches tut. Nachdem sich die Franchise aus Tennessee über die letzten Monate in die Playoff-Ränge gekämpft hatte, scheint ihnen momentan etwas die Puste zu fehlen. Drei finstere Niederlagen hagelte es in den letzten Tagen. Gegen Houston kamen die Grizzlies mit 83:101 unter die Räder, um sich am Folgetag von den Minnesota Timberwolves 102:109 fressen zu lassen. Eine Niederlage gegen die Atlanta Hawks schloss die sieglose Woche ab.
Was macht man, wenn sich in jeder Woche der Saison ein neuer Spieler in den Reihen deines Teams verletzt? Richtig! Einfach weitermachen. Große Alternativen besitzen die Golden State Warriors momentan nicht, außer die Mannschaft notdürftig zusammenzuhalten, nachdem sich zu Beginn der Woche nun auch Corey Maggette und Monta Ellis auf unbestimmte Zeit auf die Verletztenliste setzten. Man nehme also einen hoffnungsvollen Rookie wie Stephen Curry und ein paar D-League-Akteure wie Anthony Tolliver (Foto) – der beim Erfolg über die Clippers seine Karrierebestleistung mit 29 Punkten deutlich nach oben schraubte – oder Chris Hunter und versucht daraus das Beste zu machen. Das Beste ist es sicherlich nicht, wenn man Niederlagen gegen die Oklahoma City Thunder (104:95) und die Dallas Mavericks (127:117) einstecken muss. Ein deutlicher Sieg gegen die Los Angeles Clippers ließ aber dennoch die Verzweiflung in Oakland nicht all zu groß werden.
Stat Lines der Woche
Vince Carter ist nun endgültig aus dem „Totenreich“ erwacht. Nach miserablen Leistungen infolge einer Schulterverletzung meldete sich „Vinsanity“ gegen New Orleans Hornets zurück und verbuchte mit 48 Punkten die zweitbeste Leistung seiner Karriere. Der 32-Jährige traf 19 seiner 27 Versuche aus dem Feld und netzte sechs Drei-Punkte-Würfe ein.
Mit 47 Zählern löste LeBron James einmal mehr sein Abo für die wöchentlichen Höchstleistungen ein. Gegen die New York Knicks markierte er allein 23 Punkte im ersten Viertel und 35 Zähler in der ersten Halbzeit. Während einer Phase in der ersten Hälfte gingen 24 Punkte der Cavs in Folge auf sein Konto. Mit je acht Rebounds und Korbvorlagen liebäugelte James zudem mit einem Triple-Double.
Der Spitzname „Mister Big Shot“ kam bei Chauncey Billups im Spiel gegen die Los Angeles Lakers einmal mehr zum Tragen. 39 Punkte bedeuteten für den viel gewanderten Point Guard eine persönliche Bestmarke, was auch für die neun verwandelten Drei-Punkte-Würfe zutrifft. Mit acht Assists bewies der All-Star auch seine Augen für die Mitspieler.
Stephen Curry spielte gegen Los Angeles Clippers unter dem Motto „Lass mal zeigen, was du kannst!“. 36 Punkte, die unter anderem durch sieben Drei-Punkte-Treffern entstanden, ließen bei einer Feldwurfquote von 50 Prozent den Liga-Neuling vor heimischer Kulisse glänzen. Zehn Rebounds und 13 Assists kamen bei seiner noch kurzen Karriere als Bestleistungen zur Geltung. Mit diesem Abend klinkte sich der Guard auch wieder ins Gespräch um den besten Rookie der laufenden Saison ein. Sollten sich die Verletzungsverhältnisse in Kalifornien nicht verbessern, wird man sicherlich noch mehrere dieser Partien des Stephen Curry sehen.
Auch Josh Smith konnte in der vergangenen Woche in einer Partie zweistellige Werte in drei Kategorien aufweisen. Beim Erfolg über die Chicago Bulls bewies der Forward mit 18 Zähler, 14 Rebounds und zehn Korbvorlagen einmal mehr seine Vielseitigkeit. Für eine (Nach) Nominierung für das All-Star Game hat es dennoch nicht gereicht.
Buzzerbeater der Woche
Bei den Indiana Pacers läuft es in dieser Saison eher durchwachsen. Verständlich, dass man sich da auch um jeden Punkt bemüht und dabei auch mal die Grundregeln des Basketballs ausreizt. Earl Watson zum Halbzeitstand gegen die Chicago Bulls:
Zitat der Woche
„Einer von uns meinte ‚Wir sind besser als Orlando’, und ich entgegnete ihm: ‚Nein, seid ihr nicht. Das ist ein Haufen Mist! Sie haben euch schon dreimal geschlagen, zwei davon zuhause. Sie sind besser. Sie haben uns letztes Jahr aus den Playoffs geworfen. Orlando ist momentan besser als wir. Atlanta ist momentan besser als wir. L.A. ist besser als wir. Das sind die Teams, die uns geschlagen haben. Das soll nicht bedeuten, dass wir sie nicht irgendwann einmal besiegen können. Doch im Moment sind sie besser als wir!“ (Celtics-Coach Doc Rivers scheute nicht davor, nach der Heimniederlage gegen die Orlando Magic klare Worte zu finden. Die Kelten stehen derzeit nur auf dem vierten Rang im Osten und haben von den letzten 15 Begegnungen acht Partien verloren.)







von Suck My Diktiergerät 12.02.10 um 20:56:40
schöne wahre worte von rivers. anfangs konnte ich ihn nie leiden...aber mit jedem spiel was ich mehr von den celtics sehe merke ich jedesmal ein stückchen mehr: eigentlich schon ein ziemlich guter coach.
von tamarindenpulpe 12.02.10 um 21:44:46
doch nur wegen den worten "...atlanta ist besser als wir..." :D ;)
von Suck My Diktiergerät 12.02.10 um 22:51:20
neee ;) ganz ehrlich? objektiv betrachtet würde ich zwar sagen, dass atlanta boston in einer serie schlagen würde, aber atlanta hätte keine chance gegen orlando oder cleveland.
boston hingegen räume ich chancen gegen orlando und cleveland ein (wenn boston gesund ist). und allgemeinbetrachtet halte ich (objektiv natürlich ;) ) boston für stärker als atlanta.