NBA-Wochenrückblick

Nächste Ausfahrt: Playoffs

Eine längere Reise war es für die Indiana Pacers (Foto, Roy Hibbert) und die New York Knicks. Doch die beiden Franchises aus der Eastern Conference stehen nach ein paar Jahren Playoff-Abstinenz endlich wieder in der Endrunde. Auch die Memphis Grizzlies könnten bald das Ticket für die Postseason lösen.

Von Manuel Baraniak
 08.04.2011 |

Lange Zeit hatten sich die Indiana Pacers (36 Siege, 43 Niederlagen) beim Kampf um den achten und letzten Playoff-Platz des Ostens mit den Milwaukee Bucks und Charlotte Bobcats behakt. Nun hat die Franchise aus Indianapolis den Kampf gewonnen. Damit beendet das Team aus dem College-Basketball-verrückten US-Bundesstaat eine Durststrecke von vier Jahren.

Zuletzt standen die Pacers (Foto oben, Roy Hibbert (rechts), Brandon Rush (Mitte)) in der Saison 2005/06 in den Playoffs und mussten nach der ersten Runde schon wieder die Segel streichen. Zwar ist das in diesem Jahr nicht anders zu erwarten, doch die alleinige Endrundenteilnahme kann als klarer Erfolg angesehen werden. Allen voran, da die Franchise im Laufe der Spielzeit einen Coaching-Wechsel vollzogen hatte.

Der neue Übungsleiter Frank Vogel setzt dabei zu großen Teilen auf junge Kräfte. Vor allem für diese Jungspunde werden die Playoffs eine neue Erfahrung darstellen; doch mit den Aufgaben steigt auch manchmal das Niveau. „Einige der jungen Spieler haben über das Jahr gezeigt, dass sie sich entwickelt haben. Wir hatten einige Höhen, einige Tiefen. Aber dies ist die Zeit des Jahres, an dem man, wie Reggie Miller gesagt hat, sein Geld verdient“, weiß Veteran Jeff Foster, was die Stunde geschlagen hat.

Die Pacers sicherten sich letztlich mit einem Sieg über die Washington Wizards die Endrundenteilnahme. Profitieren konnte die Mannschaft aus dem Norden der USA auch von der Schwächephase der Charlotte Bobcats, die ohne den verletzten Stephen Jackson die letzten vier Partien verloren hatten. Entscheidend war aber vor allem der knappe 89:88-Sieg gegen die direkte Konkurrenz aus Milwaukee. Dabei war es die mannschaftliche Geschlossenheit und die Verteidigung, die den Mannen von Coach Vogel den Sieg bescherte. „Man lernt viel über seine Spieler, wenn man solche Partien wie heute, bei denen es um eine Menge geht, absolviert. Ich bin stolz auf unseren defensiven Einsatz“, lobte Vogel seine Mannschaft nach dem Erfolg.

Noch öfter als die Pacers waren in der Vergangenheit die New York Knicks gezwungen, nach der regulären Saison an der Ostküste angeln zu gehen. Nach sechs Jahren dürfen nun aber auch die „Knickerbockers“ wieder Playoff-Luft schnuppern. Nach einer Niederlagenserie von sechs Partien haben sich die Blau-Orangen wieder gefangen und konnten in der vergangenen Woche jede ihrer drei Begegnungen für sich entscheiden. Von großer Bedeutung war dabei der 97:92-Erfolg über die Philadelphia 76ers. Die Knicks (40-38) schoben sich dadurch nämlich an den Sixers (40-39) vorbei auf den sechsten Platz der Eastern Conference.

Gegen „Philly“ war es erneut Carmelo Anthony (Foto), der die Knicks zum Sieg führte. Mit 31 Punkten und elf Rebounds markierte der Small Forward ein Double-Double. Elf Sekunden vor Schluss netzte er den vorentscheidenden Drei-Punkte-Wurf ein. Mit durchschnittlich 32,2 Punkten und 8,2 Rebounds in den letzten sechs Partien befindet sich „Melo“ in exzellenter Form für die Playoffs. Dies gilt laut ihm aber auch generell für das Team: „Wir haben das Momentum weiter auf unserer Seite; unsere Serie [von fünf Siege in Folge] hält an.“ Da dürfte es aus Sicht der Knicks auch fast egal sein, ob sie in der ersten Runde auf die Miami Heat oder Boston Celtics treffen. Egal ist aber nicht, in welchem Zustand sich die Top-Spieler befinden. Denn sowohl Amare Stoudemire (linkes Sprunggelenk) als auch Chauncey Billups (rechter Oberschenkel) zogen sich beim Erfolg in Philadelphia leichte Blessuren zu.

Wie die Pacers standen auch die Memphis Grizzlies zuletzt in der Spielzeit 2005/06 in der Postseason. Zwar ist es rechnerisch noch möglich, dass die Grizzlies (44-34) von den Houston Rockets (41-38) eingeholt werden; dies dürfte aber nicht eintreten. Zwar setzte es für die Franchise aus Tennessee zuletzt eine knappe Niederlage gegen die Los Angeles Clippers; wichtig war aber vor allem ein Auswärtssieg bei den New Orleans Hornets (45-33), sodass die Grizzlybären sogar noch die Hornissen vom siebten Platz verdrängen könnten. Das Steckenpferd der Mannschaft von Head Coach Lionel Hollins (Foto) ist dabei weiter die Verteidigung: Bei allen drei Begegnungen der vergangenen Woche hielten die Grizzlies ihren Gegner unter 90 Zähler.

Dabei waren auch die Minnesota Timberwolves ein Opfer Memphis’. Die Wolves warten ihrerseits seit sechs Spielzeiten auf eine Playoff-Teilnahme. Doch die Franchise aus Minneapolis steht nicht kurz vor der Ausfahrt zu den Playoffs, sondern eher im Stau. Durch eine Niederlageserie von mittlerweile zwölf Schlappen in Folge haben die Wolves (17-62) die rote Laterne der Cleveland Cavaliers übernommen.

Spielverderber

„Hauptsächlich [geht es darum, ihnen] die Saison zu ruinieren. Wenn wir schon nicht um die Playoffs spielen können, warum das andere Mannschaften tun lassen?“ So die Worte von DeMarcus Cousins (Foto). Für die Sacramento Kings geht es in dieser Saison um nichts mehr. So könnte man meinen, sie würden eventuell absichtlich verlieren, um sich einen besseren Platz in der Draft-Reihenfolge zu ermöglichen. Doch weit gefehlt: Mit der Umbenennung in „The Spoilers“ wollen es die Kings der Konkurrenz so schwer wie möglich machen. Nachdem Sacramento kürzlich die Teams aus Philadelphia, Indiana, Milwaukee und Phoenix ärgern konnte, bezwangen die Kings in der vergangenen Woche auch die Houston Rockets, die bei ihrer Aufholjagd auf den achten Platz einen herben Dämpfer einstecken mussten.

Auch in anderen Arenen der nordamerikanischen Profiliga mimte zuletzt die eine oder andere Mannschaft den Spielverderber. Obwohl die Bucks selbst im Playoff-Kampf zurück stecken mussten, verdarben sie den Miami Heat den Heimspielabend und bezwangen die Dwyane Wade-lose Franchise vom South Beach mit 90:85. Die Heat liegen damit gleich auf mit den Boston Celtics (54-24); die Chicago Bulls (58-20) werden beide Mannschaften aber wohl nicht mehr einholen.

Die Gefahr, selbst noch eingeholt zu werden, besteht bei den Dallas Mavericks. In der vergangenen Woche setzte es nicht nur Niederlagen gegen die Playoff-Teams aus Portland und Denver; darunter war auch eine unnötige Schlappe bei den Golden State Warriors. Die letzten vier Begegnungen mussten die Texaner (53-25) somit abgeben, sodass die Oklahoma City Thunder (52-26) immer näher rücken.

Die Krieger aus Oakland versalzten auch den Los Angeles Lakers die Suppe. Der 95:87-Sieg der Warriors bedeutete die dritte Niederlage des amtierenden Meisters in Serie. Damit mussten die Gold-Violetten (55-23) auch ihre Hoffnungen begraben, die San Antonio Spurs (60-19) noch von der Spitze zu verdrängen. Für Guard Shannon Brown aber kein Grund zur Sorge: „Wir hatten eine verrückte Siegesserie gestartet. Nun haben wir ein paar Mal einen vor den Kopf bekommen. Wir kommen wieder zurück.“ Wenn es einer Mannschaft zuzutrauen ist, dann dem Champion der letzten beiden Jahre.

Randnotizen

Einige Titel konnte auch Dennis Rodman während seiner Karriere sammeln, insgesamt fünf an der Zahl mit den Detroit Pistons und den Chicago Bulls. Der extravagante Rebound- und Defensivspezialist wurde nun in die Hall of Fame aufgenommen. Unter anderem Chris Mullin, Artis Gilmore und Arvydas Sabonis werden der Klasse von 2011 ebenfalls angehören. Auf die Frage, wer ihm dabei geholfen habe, in die Ruhmeshalle aufgenommen zu werden, antwortete Rodman lapidar: „Ich.“

Bis LeBron James (Foto) ein Hall-of-Famer ist, wird es noch einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, dauern. Denn der 26-Jährige plant anscheinend noch einige Zeit auf dem Parkett zu stehen. Im Zuge eines Marketing-Deals besitzt James nun auch Anteile am englischen Fußballverein FC Liverpool, der mit Manchester United Rekordmeister der Premier League. „18 Meisterschaften. Ich möchte das versuchen, was sie erreicht haben“, gab der amtierende MVP zu Protokoll.

Im Zuge der grünen Woche für ein stärkeres Bewusstsein dem Energieverbrauch gegenüber, die die Liga zuletzt veranstaltet hat, trugen die Spieler eigens dafür entworfene Shooting Shirts mit dem grünen Aufdruck „NBA Green“. Für Cavs-Coach Byron Scott, der als Spieler das Trikot der Los Angeles Lakers getragen hatte, ist alles (celtics-) Grünfarbene jedoch ein Gräuel. „Die Spieler können dieses Zeug tragen. Ich trage dieses Ding nicht. Ich werde es höchstens mit nach Hause nehmen, um damit mein Auto zu waschen“, witzelte Scott. Schön, dass manch einer nach Jahren immer noch seine Ideale behalten hat.

Statistiken der Woche


Für gewöhnlich gehört Andray Blatche (Foto) nicht gerade zu Double-Double-Maschinen. Was der Power Forward der Washington Wizards gegen die Cleveland Cavaliers abgeliefert hat, ist aber aller Ehren wert: Mit 16 Offensiv-Rebounds stellte der 24-Jährige einen Franchise-Rekord und eine neue Ligasaisonbestleistung auf. Seine insgesamt 19 Rebounds und 36 Punkte bedeuteten neue persönliche „Career-Highs“.

In der gleichen Partie überzeugte noch ein zweiter Wizard: Rookie Jordan Crawford markierte mit 21 Punkten, zehn Rebounds und elf Assists ein Triple-Double. Da Crawfords Mannschaftskollege John Wall schon zu Beginn der Saison in einer Partie zweistellige Werte in drei Kategorien aufstellen konnte, sind die Wizards die erste Franchise der Ligageschichte, bei denen zwei Rookies innerhalb einer Spielzeit Triple-Doubles erzielen konnten.

Sein bereits 40. Double-Double in der laufenden Saison markierte David Lee (Foto) beim Sieg bei den Portland Trail Blazers. Die 20 Rebounds sind eine neue Bestmarke für den Big Man der Golden State Warriors. Zudem benötigte Lee nur 17 Würfe (13 Treffer), um auf 29 Punkte zu kommen.

Auf das erste Double-Double überhaupt in seiner zweijährigen Laufbahn kam DeMar DeRozan bei der Niederlage gegen die New York Knicks. 36 Zähler und zehn Rebounds hatte der Swingman insgesamt gesammelt.

Ähnlich treffsicher wie Lee zeigte sich in der vergangenen Woche auch Blake Griffin. 15 seiner 20 Versuche aus dem Feld verwandelte der Rookie der Los Angeles Clippers. Doch auch seine letztlich 35 Punkte sowie elf Rebounds und sechs Korbvorlagen konnten die Niederlage nicht verhindern.

Hinter Kobe Bryant kann Derrick Rose auf 40 Minuten hochgerechnet die meisten Ballbesitze sein eigen nennen (Usage Rate von 31,6). Dies zeigte sich auch beim Erfolg der Chicago Bulls über die Toronto Raptors: 36 Punkte (13/14 FT) und zehn Korbvorlagen sowie je drei Rebounds und Blocks standen letztlich für den Aufbauspieler im Statistikbogen.

Gamewinner der Woche

Handgelenksverletzung hin, mögliches vorzeitiges Saisonende her, Deron Williams weiß immer noch, wie man ein Spiel entscheidet. So auch in der Partie gegen die Minnesota Timberwolves, in der der Aufbauspieler der New Jersey Nets den siegbringenden Wurf einnetzte. Mit 21 Assists stellte Williams zudem seine persönliche Karrierebestleistung ein.



Zitat der Woche

„Ich weiß, dass Mark Leute gerne anstachelt. Aber er ist kein Spieler. Er sitzt nur hinter der Bank mit seinem sonnengebräunten Gesicht und muss derartige Kommentare loswerden. […] Ich weiß, dass er einen großartigen Kader zusammengestellt hat, der fast so gut ist, wie man ihn mit Geld kaufen kann. Aber eben nur fast.“ (Lakers-Coach Phil Jackson setzte mit diesem Kommentar die Sticheleien zwischen den Lakers und Dallas Mavericks fort. Mavs-Besitzer Mark Cuban hatte davor gesagt, dass es, für den Gegner, immer gut sei, wenn Ron Artest den Ball in den Händen halte.)




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Kommentare

(8 Kommentare bisher)

von Raquel 08.04.11 um 16:41:49


Was ist das denn für eine Audio-Qualität bei dem Video??? :D
Achja, Cousins ist schon ziemlich cool.
Das war´s.



von xax 08.04.11 um 17:01:07


mist, die bucks haben es nicht geschafft. habe das spiel gegen miami gesehen, gut gespielt, ball gepasst u. verteidigt. hat spaß gemacht ihnen zuzusehen.

die wolves waren ja bis
zur mitte der saison verhältnismäßig gut und jetzt hinter den cavs... was sind jetzt die wahren wolves?

grizzlies spielen auch nen sehr guten ball z.Z., waren gegen die clips sehr mannschaftsdienlich und haben nur durch eine etwas kuriose entscheidung am ende das nachsehen.
by the way: was ist eigentlich ein doublefoul???

die ganzen highlight statistiken zum ende der saison sind für mich nahezu gegenstandslos, in den spielen gehts um nix mehr und es werden die jungen reingeworfen und diese sich austoben gelassen.



von KB-24 08.04.11 um 20:32:43


Hatte von den bucks dieses jahr auch mehr erwartet,grade nach dem traumjahr letzte saison.mag die jungs.
Vllt naechstes jahr mit einem fitten michael redd der noch einen festen platz in der starting five erhascht.zu wuenschn waers ihm ja.
Viele vergessen das er einer der besten shooter der nba is,grade in der crunchtime.neben manu wenn fit wohl der skillbepakteste sg auf links dens gibt.

Dazu young buck als lefty,das hat was.
Plus bogut und corey,bloss verletzungsfrei bleibn naechste saison.



von Suck My Diktiergerät 08.04.11 um 21:49:52


schonmal drüber nachgedacht, dass die mavs vielleicht nur mit halber kraft spielen, damit sie in der 2.runde nicht gegen die lakers ranmüssen? denn man kanns drehen wie man will, 90% der fans sehen die lakers stärker als die spurs...



von Eastcoast 08.04.11 um 22:10:04


Hoffe so sehr auf eine Playoffserie zwischen Miami und New York!! Das hätte doch echt was: James, Wade und Bosh vs. Melo, Stoudemire und Billups!! LECKERBISSEN!!! BITTE BITTE BITTE!! Die Serie würde zumindest vom Papier her alles in den Schatten stellen!!



von KB-24 08.04.11 um 22:52:35


schon witzig wenn man drüber nachdenkt das miami geg eigt jeden contender mind 2 mal verloren hat.nyc,boston und chicago.letztere sogar mit sweep.
Jeff van Gundy muss sich doch so dermaßen den arsch abgehakt haben mit seinen dämlichen predictions...



von Suck My Diktiergerät 08.04.11 um 23:30:58


aber wenn man die spiele schaut, die jeff van gundy kommentiert stellt man fest: er provoziert gern ein wenig, aber in meinen augen einer der smartesten dort draussen, der über die nba redet.



von KB-24 08.04.11 um 23:33:09


jaja manche kommentare von ihm,da sitzte einfahc nur da und schüttelst den kopf...aber schätze ohne solche typen wärs zu grau von daher...
war allerdings einfach zu krass wie man gemekrt hat das er als bandwagoner sofort auf diesen abgefuckten heat train gesprung is/war.



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