NBA-Wochenrückblick
Land in Sicht
Die NBA bewegt sich mit großen Schritten auf die Playoffs zu. Gut die Hälfte aller Teilnehmer steht fest; besonders im Osten herrscht ein erbitterter Kampf um die verbleibenden Plätze. Wer dabei in der vergangenen Woche wichtige Erfolge feiern konnte, ist im Wochenrückblick zu lesen.
Von Dennis Klammer |
02.04.2010 | |
Neben den Atlanta Hawks befinden sich auch die „Big Three“ in Form der Cleveland Cavaliers, Orlando Magic und Boston Celtics wie erwartet sicher in der Postseason. Zu dieser illustren Runde darf sich wohl auch bald eine Mannschaft zählen, mit der vor der Saison mit Sicherheit nur echte Fans gerechnet hätten: die Milwaukee Bucks. Derzeit auf Platz fünf rangierend, sorgt das Team um Brandon Jennings (Foto) für Furore. Nach Siegen über die Memphis Grizzlies und die Los Angeles Clippers mussten sich die Bucks in der vergangenen Woche noch über eine 98:101-Niederlage gegen die Cleveland Cavaliers ärgern, die Zydrunas Ilgauskas wieder in ihren Reihen wissen. Ein Verhältnis von 45:9 Freiwürfen für die Cavs brachte letztlich die Entscheidung. Für die Bucks (41 Siege, 33 Niederlagen) ist eine Teilnahme an den Playoffs zwar noch nicht sicher, jedoch ist der Vorsprung auf die Chicago Bulls (35-39) bereits enorm.
Diese ließen durch Sprachrohr Derrick Rose verkünden, dass sie sich noch den achten Platz sichern. „Wer werden es noch schaffen. […] Je näher die Playoffs rücken, desto mehr denke ich, dass wir es packen. […] Unser größtes Ziel sind die Playoffs und die werden wir erreichen.“ Das war am Dienstag. Eine 105:111-Niederlage gegen die Phoenix Suns später dürfte die Welt anders aussehen, zumal der ärgste Konkurrent aus Kanada zuletzt gegen Charlotte und die Clippers gewinnen konnte. Zwei Siege Vorsprung bei acht verbleibenden Partien sind hier Gold wert. Vor allem für die Toronto Raptors.
Mit einem Bein in den Playoffs stehen auch die Miami Heat. Und dies haben sie, ohne Übertreibung, nur Dwyane Wade zu verdanken. Sechs Siege in Folge, dazu die Auszeichnung als Spieler der Woche mit 25,3 Punkten sowie 8,8 direkten Korbvorlagen bei 65 Prozent aus dem Feld in den letzten vier Spielen. Knapp drei Steals und zwei Blocks obendrauf machen mächtig Eindruck. Dieser Mann ist heiß auf die Playoffs.
Wades Pendant hört auf den Namen Manu Ginobili (Foto), dessen Bedeutung für die San Antonio Spurs bei seiner verletzungsbedingten Abstinenz gegen die New Jersey Nets wieder zum Vorschein kam. Mit Ginobili und seinen 25 Punkten gewann die Spurs gegen Cleveland, Boston und Houston. Ohne ihn setzt es eine Niederlage gegen die Nets. Eindeutiger geht es kaum.
Im Westen ist es weniger die Playoff-Frage nach dem „Wer?“, sondern mehr nach dem „Wo?“. Neben den üblichen Verdächtigen sind nur Oklahoma City und San Antonio noch nicht sicher drin, während New Orleans definitiv draußen ist. Ganz vorsichtig dürfte sich noch Memphis die Hoffnung machen; bei sieben Spielen Vorsprung für San Antonio ist dies jedoch äußerst utopisch.
Die Dallas Mavericks belegen unterdessen mit einem Dirk Nowitzki in bestechender Form (siehe Stat Lines der Woche) derzeit Rang drei im Westen, hinter den Los Angeles Lakers und den Utah Jazz. Zwar verloren sie zuletzt gegen Orlando mit 82:97, dies dürfte die Texaner jedoch nicht sonderlich stören; gehen sie doch bei den jetzigen Ständen den Portland Trail Blazers aus den Playoff-Weg. Die Blazers gewannen als einziges Team alle drei Partien in der laufenden Saison gegen die Mavs; ein Spiel in Portland steht noch aus. Entwickelt sich da ein neuer Angstgegner? Etwas Ablenkung dürfte derweil die Vorfreude auf Oktober machen, denn dann spielt Dallas gegen Phoenix das dritte „Outdoor“-Spiel der jüngeren NBA-Vergangenheit, wie am Donnerstag bekannt gegeben wurde.
Auch die Phoenix Suns brennen mittlerweile ähnlich wie ihre Namensgeberin. Neun Siege in Folge lassen vom Heimrecht in der ersten Runde der Playoffs träumen. Die letzten fünf Siege waren zwar Pflichterfolge (New Jersey, Chicago, Minnesota, New York und Golden State), dies soll die Leistung jedoch nicht schmälern. Nur ein Sieg trennt die Jünger von Alvin Gentry (Foto) von Dallas und Utah. Die nächsten Partien (Detroit und Milwaukee) könnten die „Sonnen“ noch höher in der Tabelle klettern lassen, ein Sieg über San Antonio würde das Spektakel zur Kür abrunden. Ein kleiner Wehmutstropfen: Center Ropin Lopez muss vorerst mit einer Rückenverletzung pausieren. Anscheinend stört es die Suns aber nicht.
Ein gequältes Lächeln gab es schließlich auch in Washington und Minnesota zu sehen. Denn beide Mannschaften haben ihre unrühmliche Serie von 16 Niederlagen in Folge beendet. Minnesota wurde beim 108:99-Heimsieg über Sacramento erlöst, während die Wizards in New Orleans mit 96:91 erfolgreich waren. Mike Miller (27 Punkte, sieben Rebounds) und Al Jefferson (19 Zähler, zwölf Rebounds) führten ihre Teams zu den wichtigen Siegen. „Ich bin glücklich. Yeah, ich bin glücklich. Es ist ein gutes Gefühl“, sagte der sichtlich erleichterte Center der T-Wolves.
Randnotizen
Äußerst großzügig zeigte sich die NBA, als sie nun verkündete, dass zukünftig auch die Fans ein Mitbestimmungsrecht bei der Wahl des MVP haben werden. Die kombinierten Stimmabgaben aller Fans auf der Welt ergäben dann eine Stimme, die neben den 124 anderen der Medienvertreter mit Sicherheit stark ins Gewicht fallen. So erhält nun Yao Ming also doch noch die Chance, ins Rennen um die begehrte Auszeichnung einzusteigen.
Zudem wurde am 1. April in diversen Medien verkündet, dass LeBron James (Foto) im Sommer nicht an der WM in der Türkei teilnimmt. Er soll gesagt haben: „Ich werde wahrscheinlich nicht spielen. Ich hätte gerne die Möglichkeit und die Zeit für mein Land zu spielen, aber ich werde im Sommer sehr beschäftigt sein.“ Hierbei scheint es sich um einen Aprilscherz zu handeln. Ob es der MVP in der Offseason wirklich ruhiger angehen lässt, wird man sehen. Viel Wirbel um seine Person als Free Agent wird es dennoch geben.
Stat Lines der Woche
Dirk N. aus D. ist heiß. Neben seinen Scoring-Qualitäten packte der Blondschopf sein „A-Game“ aus und verzeichnete beim 109:93-Sieg über die Denver Nuggets das zweite Triple-Double seiner Karriere. 34 Punkte sowie zehn Assists und Rebounds versüßten „Uns Dirk“ den Tag. „Das hat schon Spaß gemacht“, freute sich der „Dirkster“.
Auch Rodrigue Beaubois stellte gegen die Golden State Warriors seine Qualität unter Beweis. Der kleine Mann trumpfte groß auf und legte imposante 40 Punkte aufs Parkett, davon neun verwandelte Dreier bei elf Versuchen.
Allen Grund zur Freude haben auch die „New Jay-Z Nets“. Mit atemberaubenden zehn Siegen werden die Spieler um Devin Harris nicht als das schlechteste Team der NBA-Historie eingehen. Ausgerechnet gegen die San Antonio Spurs gelang den Nets ein beachtlicher 90:84-Sieg, bei dem sich Brook Lopez mit 22 Punkten und zwölf Rebounds hervortat.
Kevin Love legte gegen Phoenix satte 23 Punkte und 22 Rebounds auf, acht davon am offensiven Brett. Gegen die 105:111-Niederlage hat es jedoch nicht gereicht. 15 Siege können die T-Wolves bisher nur aufweisen. Sollte Love zukünftig öfter solche Spiele hinlegen, dürften es in der nächsten Saison ein paar mehr werden.
Und schon wieder die Lopez-Familie: Gegen die desaströsen Pistons aus Detroit zeigte Brook Lopez (Foto) einmal mehr, wo der Hammer hängt. 37 Punkte (14/17 FG) und zehn Rebounds ließen die Herzen der noch verbleibenden NJ-Fans höher schlagen.
Auch Punktemaschine Kevin Durant hat wieder zugeschlagen: Seine 37 Punkte sicherten den wichtigen 109:104-Sieg über die Boston Celtics. Zehn seiner 20 Feldwürfe sowie alle neun Freiwürfe verwandelte der All-Star. Mit seiner Leistung schultert Durant den Löwenanteil zum voraussichtlichen Playoff-Einzug seiner Mannschaft, wesentlich früher als in Expertenkreisen erwartet.
Einen neuen Karriere-Bestwert hat sich wiederum Danny Granger beim 122:106 gegen die Utah Jazz erarbeitet. 44 Punkte (14/23 FG, dazu acht Rebounds und fünf Assists) meißelte der Pacer in den Statistikbogen. 7-3 lautet die Statistik der Pacers aus den letzten zehn Spielen; somit sind sie das fünftbeste Ostteam zurzeit. Wäre dieser Lauf früher oder öfter gekommen, hätte die Franchise aus dem „Hoosiers“-Staat noch ein Wörtchen in Sachen Playoffs mitzureden.
19 Assistenten sandte Deron Williams (Foto) gegen Golden State raus. 128:104 hieß es am Ende für die Männer aus dem Mormonenstaat, bei denen Williams seinen Fokus nur auf das Passen legte (acht Punkte). Somit verbesserte er seinen Saisonrekord um zwei Korbvorlagen.
Der Fast-Buzzerbeater der Woche
Einen Bruchteil einer Sekunde früher, und es wäre einer der besten Buzzer-Beater der Saison geworden. Ronald Murray a lá „White men can't jump“:
Zitat der Woche
„Ich will nicht mein Geld verlieren. Ich werde nicht darüber sprechen.“ (So gab sich John Salmons nach der Freiwurforgie gegen seine Milwaukee Bucks bei den Cleveland Cavaliers verschwiegen. Aus Angst vor monetären Sanktionen seitens der NBA äußerte er seine Bedenken zu der Schiedsrichterleistung, die den Bucks keinen Freiwurf im dritten Viertel gewährten, nicht öffentlich. „Donaghy, ick hör dir Trapsen“ soll er auf dem nach Hauseweg gesungen haben.)






von Irenicus 02.04.10 um 19:50:40
Thunder gewinnen innerhalb von wenigen Tagen zunächst gegen den Meister aus L.A., dominieren diesen sogar (80:47 nach 3 Vierteln!), dann gegen den Vorjahresmeister aus Boston, obwohl diese 60% treffen und es wird praktisch keine (Sieg über L.A.) oder auch nur wenige Worte (im kleinen Absatz bei Durants Leistung gegen Bston) verloren.
Gerade der beeindruckende Sieg gegen L.A. hätte mehr oder besagt überhaupt eine Aufmerksamkeit verdient. Da dies nicht mal am Rande erwähnt wurde, gibts von mir nur 3 Punkte, beim Rest gibst wenig auszusetzen.
von mkay 02.04.10 um 20:10:05
Das mit der Dominanz ist durchaus erwähnenswert, das stimmt. Ist mir nicht aufgefallen, sorry. Ich gehe davon aus, dass die Jungs das nun des Öftern abliefern; irgendwann findets bestimmt seinen Weg in einen Rückblick :)
Danke für den Hinweis!
von xax 03.04.10 um 01:48:03
Mir sind 2 kleine fehler aufgefallen:
"Die kombinierten Stimmabgaben aller Fans auf der Welt ergäben dann eine Stimme, die neben den 124 anderen der Medienvertreter mit Sicherheit stark ins Gewicht fallen."
Hier fehlt ein "würde".
"7-3 lautet die Statistik der Pacers aus den letzten zehn Spielen; somit sind sie das fünftbeste Ostteam zurzeit.
Dann wären sie aber in den PO :-) du meintest wohl die 5 schlechteste.
Kein Ding, ansonsten wieder mal ein guter Rückblick.
von sev da chef 03.04.10 um 10:19:20
"7-3 lautet die Statistik der Pacers aus den letzten zehn Spielen; somit sind sie das fünftbeste Ostteam zurzeit.
Dann wären sie aber in den PO :-) du meintest wohl die 5 schlechteste.
kann mir kaum vorstellen,dass man im Osten mit ner Bilanz von 7-3 das 5.schlechteste Team ist.
Da steht doch nur das sie zur Zeit das 5.beste sind und dafür müssen sie nicht auf nem PO-Platz sein.
von M&M 03.04.10 um 12:13:23
das fünftbeste team im osten wenn man die letzten 10 spiele betrachtet ;-)
von ca$hmoney 03.04.10 um 12:38:37
Inwieweit stellt die 125. Fanstimme zur MVP-Wahl ein "starkes" Gewicht dar? Scheint mehr ein nettes Gimmick zu sein als ein ernstzunehmendes Mitbestimmungsrecht. Ich lass mich gern eines besseren belehren. Daher geh ich trotzdem wählen;). WADE 4 MVP!!! "Dwayne Wade is Michael Jackson and the rest of the Miami Heat teams are a bunch of Tito Jackson's" - Danke Sir Charles:)
von Suck My Diktiergerät 03.04.10 um 13:05:52
hach, salmons du geile sau ^^
der mann hat eier :) freue mich schon auf die playoffs mit ihm, hat mir letztes jahr bei den bulls sehr gut gefallen.
von mkay 03.04.10 um 14:17:11
Die "Großzügigkeit" zum Mitbestimmungsrecht der MVP-Wahl darf gern mit einem Zwinkern betrachtet werden. 1 von 125 Stimmen ist quasi nichts. So hat die NBA nur einer weitere Möglichkei, Namenssponsoring - in diesem Fall Kia (Namenssponsor dieses Gimmicks)- zu platzieren.