NBA-Wochenrückblick
Kampf um die Plätze
Der reguläre Teil der NBA-Saison geht in die entscheidende Phase über. Die Teams, die überhaupt in die Playoffs kommen oder dort um den Titel mitspielen wollen, müssen sich jetzt in Bestform präsentieren. Der heiße Kampf um die einzelnen Playoff-Positionen hat begonnen.
Von Johannes Hübner |
19.03.2010 | |
Den Chicago Bulls fehlten vier Spieler bei ihrer Partie gegen die Memphis Grizzlies in der letzten Woche. Dabei handelte es sich ausgerechnet um die vier besten Punktesammler in Reihen der Bullen. Derrick Rose (Foto), der erfolgreichste Werfer, fehlte weiterhin mit einer Verletzung am Handgelenk. Der Aufbauspieler zog sich jene Blessur bei einer Aktion gegen die Orlando Magic zu, als Rose gegen Dwight Howard zum Korb gezogen und ganz unglücklich zu Boden gekommen war. Des Weiteren fehlte Joakim Noah wegen Beschwerden am linken Fuß, Luol Deng laboriert weiter an einer Wadenverletzung und Kirk Hinrich war wegen eines Disputs mit den Schiedsrichtern gesperrt.
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| Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic) |
Eben diese zuvor genannten Bobcats befinden sich gerade erneut auf einem kleinen Höhenflug. Sieben der letzten acht Partien konnten sich die Rotuchse unter den Nagel reißen. Dabei bringt sie auch die Verletzungspause von Gerald Wallace (Sprunggelenk) nicht aus der Bahn. Stephen Graham startet seitdem und vertritt den Highflyer souverän. Ohne Wallace erzielte Graham in diesen drei Begegnungen von Beginn an im Schnitt 16,7 Punkte und 6,3 Rebounds. Dabei traf der Swingman überragende 70 Prozent aus dem Feld. Gegen die Oklahoma City Thunder steuerte der Flügel 19 Zähler bei und half seinem Team dabei, einen 19-Punkte-Rückstand aufzuholen und am Ende mit 100:92 zu gewinnen.
Mittlerweile befinden sich die Bobcats (35-32) schon relativ sicher unter den ersten acht Plätzen in der Eastern Conference. Momentan steht die Mannschaft von Head Coach Larry Brown auf dem sechsten Rang. Da die Bobcats gerade einen Lauf haben und mit ihrer harten Verteidigung wie für die Playoffs gemacht sind, werden die weiter oben platzierten Mannschaften Interesse daran haben, nicht in ersten Runde auf die Bobcats zu treffen. Stephen Jackson weiß auf jeden Fall, wie ein vermeintlicher Außenseiter in der Meisterschaftsrunde für eine Überraschung sorgen kann, gelang ihm doch in den Playoffs 2007 mit den Golden State Warriors ein Sieg über die erstplatzierten Dallas Mavericks.
Im Westen scheinen momentan die ersten acht Plätze fast schon sicher vorgeben zu sein. Die Portland Trail Blazers (41-28) stehen dabei auf dem letzten Platz, der zur Teilnahme an der Postseason berechtigt. Außenseiterchancen haben noch die Memphis Grizzlies (36-33) und die Houston Rockets (35-31). Sollte Chris Paul am Wochenende zurückkehren und eine furiose Aufholjagd mit seinen New Orleans Hornets starten, haben die Hornissen zumindest theoretisch auch noch eine minimale Chance, Playoff-Luft zu schnuppern.
Interessanter ist in der Western Conference vor allem der Kampf um den zweiten Platz. Die Dallas Mavericks (46-22) und die Denver Nuggets (47-22) liefern sich gerade ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide Teams mussten sich unter der Woche von ihren Siegesserien verabschieden. Die Mavs unterlagen doch sehr überraschend den New York Knicks in eigener Halle mit 94:128. Damit beendeten die Knickerbockers die Siegesserie der Texaner von 13 Begegnungen. Die Nuggets hingegen konnten sechs Erfolge hintereinander aufweisen, mussten sich aber dann in der Folge knapp den Rockets geschlagen geben. Beide Mannschaften spielen aber auf einer Welle der Euphorie und werden vermutlich gestärkt in die Playoffs gehen, um dort den Los Angeles Lakers einen heißen Tanz zu bescheren. Eben die Lakers haben noch vier Spiele Vorsprung vor den beiden Verfolgern. Sollte sich der amtierende Meister noch eine längere Schwächephase genehmigen, lauern schon zwei Spitzenteams im Nacken des amtierenden Titelträgers.
Randnotizen
Steve Nash spielt jetzt schon seit vielen Jahren in der NBA. Vergangene Woche erreichte der kleine Kanadier einen Meilenstein. In der Partie gegen die Memphis Grizzlies bestritt Nash seine 1000. Partie in der nordamerikanischen Profiliga.
Wie wichtig ist der Heimvorteil in der NBA allgemein, oder in den Playoffs? Wenn man den Spieltag am 17. März als Gradmesser nimmt, ist der Heimvorteil immens wichtig. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag fanden gleich elf NBA-Partien statt und in jeder einzelnen ging die Heimmannschaft als Sieger vom Feld. Daher ist es so wichtiger, in der Postseason die heimischen Fans in einer entscheidenden Begegnung hinter sich zu wissen.
Die Phoenix Suns sind immer noch eine der offensivkräftigsten Mannschaften der NBA. Dies bewies die Franchise aus Arizona gegen die Minnesota Timberwolves beim 152:114-Erfolg mit Nachdruck. Alleine in den ersten 24 Minuten erzielte die Mannschaft von Head Coach Alvin Gentry 79 Zähler. Die 152 Punkte bedeuteten am Ende einen neuen NBA-Saisonrekord. Erfolgreichster Werfer war dabei Jason Richardson (Foto) mit 27 Punkten, während gleich acht Akteure eine zweistellige Ausbeute für sich verzeichnen konnten.
Josh Howard von den Washington Wizards wurde unter der Woche operiert, nachdem er sich das Kreuzband in einer seiner ersten Partien für die Wizards gerissen hatte. Der operative Eingriff verlief gut, doch der verletzungsgeplagte Howard wird erneut mindestens ein halbes Jahr aussetzen müssen.
Stat Lines der Woche
Das Rennen um den Titel zum Rookie des Jahres scheint mittlerweile ein Zwei-Mann-Rennen zu sein, allerdings mit einem klaren Favoriten: Tyreke Evans (Foto) wird den momentan stark aufspielenden Stephen Curry wohl doch in die Schranken weisen. Beide legten letzte Woche unglaubliche Zahlen auf. Evans schrammte gleich zweimal nur knapp am Triple-Double vorbei. Gegen die Lakers lieferte der Aufbau zum Beispiel 25 Zähler, elf Rebounds und neun Vorlagen. Curry ließ ein Spiel mit 35 Punkten und zehn Assists sowie eine Begegnung mit 29 Zählern und neun Vorlagen folgen.
Carmelo Anthony zeigte bei der denkbar knappen 123:125-Niederlage gegen die Houston Rockets erneut seine Scoring-Fähigkeiten. 45 Punkte gekrönt mit zehn Rebounds und drei Assists rundeten einen individuell gesehen erfolgreichen Abend ab.
LeBron James flirtete vergangene Woche auch das ein oder andere Mal mit einem Triple-Double. Gegen die Detroit Pistons gelang dem König mit 29 Zählern und je zwölf Assists und gefangenen Abprallern der Ritterschlag der Vielseitigkeit.
Beim 107:94-Erfolg der Rockets gegen die Memphis Grizzlies zeigte sich Aaron Brooks besonders treffsicher aus der Distanz. 31 Punkte standen am Ende für den Kandidat auf den Titel des Most Improved Player zu Buche; dabei traf Brooks alle sieben seiner Dreipunkteversuche. Dies bedeutete einen Franchise-Rekord für die meisten erfolgreichen Treffer von Downtown ohne einen Fehlversuch.
Brooks' Kollege, Luis Scola, markierte gegen die New Jersey Nets mit 44 Zählern eine neue Karrierebestmarke. Die überragende Vorstellung des Argentiniers wurde mit zwölf eingesammelten Abprallern vervollständigt. Bemerkenswert war dabei auch die Treffersicherheit des Big Men, der 20 seiner 25 Würfe aus dem Feld verwandeln konnte.
Auch Amare Stoudemire hat starke sieben Tage hinter sich gebracht. Beim 120:106-Erfolg steuerte der Big Man 36 Punkte und zwölf Rebounds zum souveränen Heimerfolg seiner Suns bei. Dabei verwandelte der 27-Jährige jeden seiner 14 Freiwurfversuche.
Buzzerbeater der Woche
Auch die Toronto Raptors befinden sich mitten im Kampf um die Playoffs und versuchen ihrerseits, die Chicago Bulls auf Distanz zu halten. Nach fünf Niederlagen in Folge gelang den Kanadiern ein wichtiger Heimsieg über die Atlanta Hawks, den Chris Bosh mit folgendem Wurf perfekt machte:
Boshs kritische Worte an seine Mannschaft nach der Niederlage gegen die Warriors scheinen also Früchte getragen zu haben. Nachdem die Kanadier im dritten Viertel 41 Zähler zugelassen hatten, bemängelte der All-Star die Einstellung seiner Mannschaftskollegen, ginge es doch um den Kampf um die Playoffs. Bosh hatte beim Sieg über die Hawks derweil auch wieder persönlichen Grund zur Freude, ist der 25-Jährige doch der erste Spieler in Reihen der Raptors, der in seiner Karriere über 10.000 Punkte für die Franchise erzielen konnte.
Zitat der Woche
"
Insbesondere bin ich glücklich, dass ich in meinem Heimatstaat, North Carolina, ein erfolgreiches Team aufbauen kann. Ich plane eine Franchise, auf die Charlotte stolz sein kann und ich werde alles tun, um dieses Ziel zu erreichen." (Michael Jordan über die Zukunft der Charlotte Bobcats, nachdem MJ in der vergangenen Woche offiziell als neuer Besitzer der Franchise bestätigt wurde.)







von KD35 19.03.10 um 12:33:08
Ritterschlag der Vielseitigkeit :)
Sehr schöne Vormulierung
von TheGlide 19.03.10 um 13:06:58
auf die entwicklung der bobcats unter jordan bin ich auch sehr gespannt... wenn die es schaffen würden noch einen hochkaräter zu bekommen sieht das doch schon sehr gut aus...
von C.Anthony 19.03.10 um 14:44:30
hab ihr schon bemerkt wie die cats aufeinmal abgehn seit dem jordan sie besitz...???
von Webocat 19.03.10 um 14:49:24
schlimm ist das wirklich mit den bulls, durch verletzungen so geschwächt, durch trades die konkurrenz verstärkt (bucks, bobcats). noah und rose sollen ja kurzfristig wieder am start sein, wäre toll wenn die dann noch nen lauf starten...
von potterbande 19.03.10 um 15:51:27
@ C.Anthony
Die Bobcats gehen aber nicht wegen Michael "Ich gamble mit Adam Morrison" Jordan ab, sondern wegen der rigiden Personal-Politik von Coach Larry Brown.
von Hurricane 19.03.10 um 16:55:14
Der aber nur wegen Jordan da ist, so schließt sich der Kreis :D
von ca$hmoney 19.03.10 um 17:29:00
Wünsch Mike ein glücklicheres Händchen als bei den Wizz - hab wegen ihm lange Zeit an Kwame geglaubt:(. Steht ja ein guter Draftjahrgang bevor, weiss jemand bescheid wieviele Picks die Cats haben und wie liquide sie am Ende der season sein werden?
von Cabalios 19.03.10 um 17:46:03
och, den bulls ist das doch gar nicht so unrecht, dass sie zum lottery team werden ;-)
schöner überblick übrigens!