NBA-Wochenrückblick
Im Osten was Neues
Es tut sich was in der Eastern Conference. Die Indiana Pacers und vor allem die Philadelphia 76ers absolvieren bisher eine sehr gute Spielzeit. Derweil scheinen im Westen die San Antonio Spurs nicht tot zu kriegen. Rekordträchtige Spiele und dauerbrennende Spieler komplettieren die vergangene Woche.
Von Manuel Baraniak |
13.01.2012 | |

Bedient man sich derzeit den Statistiken von ESPNs John Hollinger, dann müssen die Philadelphia 76ers als die Mannschaft der ersten Saisonwochen angesehen werden. In Hollingers erstem Power Ranking der Spielzeit belegen die Sixers den ersten Rang. Auf dem obersten Platz thront Philly auch bei der defensiven Effizienz mit einem überragenden Wert von 89,7 kassierten Punkten pro 100 Ballbesitzen. Kein Team hat zudem eine größere Punktedifferenz aufzuweisen als die Mannen von Head Coach Doug Collins.
Und so zeigte sich die Franchise aus der Stadt der brüderlichen Liebe auch in der vergangenen Woche alles andere als brüderlich was das Korbteilen betrifft und zerlegte die Detroit Pistons (Sieg mit 23 Punkten Differenz), Toronto Raptors (+35) und Sacramento Kings (+27). Teilweise konnten sich die Kontrahenten nur mit der Zerstörung der Spielbekleidung Philadelphias helfen.
Einem weiteren Erfolg über die Indiana Pacers folgte das Ende der sechs Spiele währenden Erfolgsserie, als sich die New York Knicks gegen Philly behaupten konnten. Es war aber auch die dritte Partie am dritten Abend in Folge für die Sixers.
Schon in der vergangenen Saison war Collins’ Mantra von guter Defensive erkennbar; dieses Augenmerk auf die Verteidigung setzt sich nun fort. Doch Fortschritte haben die Sixers vor allem in der Offensive gemacht und sind vom 17. auf den fünften Platz geklettert. Zach Lowe erklärt, wie die Sixers es schaffen, trotz fehlendem erstklassigen Scorer auf dem Flügel sowie Zonenbrecher im Angriff zu bestehen: durch viele Cuts, Blocks und immer in Bewegung bleibend.
Aus dem hervorragenden Kollektiv Philadelphias (sieben Spieler punkten zwischen 9,7 und 15 Zählern) hat derweil vor allem Spencer Hawes (Foto, 11,1 PpG, 9,1 RpG, 2,9 ApG, 1,8 BpG, 61,8% FG) einen Schritt nach vorne gemacht, den Doug Collins gar als den besten Passgeber seiner Mannschaft ansieht. Zu Saisonbeginn schrammte der Center nur um einen Assist am Triple-Double vorbei.
Ob die Sixers weiterhin nach oben schielen können, bleibt abzuwarten. Denn bis jetzt hatten die Sixers nicht gerade einen schweren Spielplan bzw. hatten das Glück, dass ihre Gegner oftmals auf wichtige Akteure verzichten mussten.
So geschehen bei den Indiana Pacers, die bei ihrer 86:96-Heimniederlage ohne Danny Granger und George Hill auskommen mussten. Dennoch ist auch in Indianapolis der bisherige Eindruck ein positiver: Wie die Sixers machen die Pacers dort weiter, wo sie in den vergangenen Playoffs aufgehört hatten. Und wie Philadelphia steht auch in Indiana das Kollektiv im Vordergrund: Sieben Spieler bewegen sich in einem Punkteschnitt zwischen 9,4 und 15,9 Punkten.
Die Gemeinsamkeiten hören hierbei nicht auf, da auch die Pacers mit defensivem Einsatz zu überzeugen wissen. Bei den drei Siegen der vergangenen Woche hielten die Pacers ihre Gegner bei einer Feldwurfquote von 36 Prozent. Head Coach Frank Vogel (Foto) gab den Ton nach dem Erfolg über die Boston Celtics wie folgt an: „Wir haben das Selbstvertrauen, dass wir jede Mannschaft in jeder Arena schlagen können. Bei diesem Spiel wussten wir: Um zu gewinnen, müssen wir es auf die Art eines Eastern Conference Playoff-Kampfes tun. Einfach es sich erkämpfen und defensiven Einsatz zeigen.“
Mit dem Erfolg über die Hawks beendeten die Pacers derweil die Serie von drei Siegen in Folge der Habichte. Diese konnten sich vor allem nach dem 109:94-Erfolg über die Chicago Bulls dennoch als Überflieger bezeichnen, handelte es sich doch um die dritte Partie am dritten Abend (siehe Randnotizen). Ein Überflieger ist zuletzt auch Josh Smith (Foto). Seine Zahlen (24 PpG, 8,8 RpG, 3,4 ApG, 2,4 SpG, 1,8 BpG) aus der vergangenen Woche verdeutlichen die Vielseitigkeit des athletischen Small Forwards (siehe Statistiken der Woche).
Wenig Neues gibt es hingegen vom Bodensatz der Liga. Dort liegen weiterhin die Washington Wizards, die aber immerhin ihren ersten Saisonsieg feiern konnten (93:78 gegen die Toronto Raptors). Dennoch: Änderungen bei den „Ballsäuen aus der Hauptstadt“ sind eigentlich unabdingbar. Wie berechenbar das nicht vorhandene Kollektiv bisher agiert, verdeutlichen die Worte Ricky Rubios zum Scouting-Report der Minnesota Timberwolves vor dem Aufeinandertreffen der beiden Teams, in dem stand: „Sie spielen viel Eins-gegen-Eins.“
Zumindest in der vergangenen Woche machten die Detroit Pistons der Hauptstadt-Franchise Konkurrenz um die rote Laterne. Die Franchise aus Michigan musste gegen die Milwaukee Bucks ihre sechste Niederlage in Folge einstecken. Nach drei Schlappen mit mindestens 23 Punkten Rückstand ließen sich die „Detroit Piston Seizures“ dabei immerhin nicht mehr ganz so stark demontiern. Die Franchise aus Michigan und die Wizards rangieren bei der offensiven Effizienz auf den letzten beiden Rängen.
Im Westen nichts Neues
Dass irgendwann eine altersbedingte Demontage der San Antonio Spurs einsetzen wird, darauf wartet eigentlich der gesamte NBA-Kosmos. Doch die Texaner können immer wieder überraschen. Zwar setzte es in der vergangenen Woche für das Team der 90er zwei Niederlagen, als einzige Mannschaft des Westens sind die Spurs aber zuhause noch ungeschlagen (7-0). Den Ausfall von Topscorer Manu Ginobili können bisher der genesene Gary Neal, Rookie Kawhi Leonard und Danny Green auffangen. Und trotz seiner 35 Jahre weiß auch Tim Duncan (Foto) noch seinen Mann zu stehen. Beim 101:95-Erfolg über die Rockets schob sich der Big Man in der All-Time Scoring-Liste an Larry Bird vorbei auf den 27. Platz. Wie Duncan das vollbrachte? Natürlich per Wurf mit Brett.
Nicht nur die Sixers mussten in der vergangenen Woche dreimal an drei aufeinanderfolgenden Abenden auf das Parkett treten. Die Oklahoma City Thunder schafften es dabei als erstes Team, alle drei Partien für sich zu entscheiden. Den Bulls gelang dieses Kunststück drei Tage danach. Beide Mannschaften belegen folgerichtig den ersten Platz ihrer jeweiligen Conference (jeweils 10 Siege, 2 Niederlagen).
Zwei weitere Auswärtssiege machten die perfekte Woche für Kevin Durant (Foto) und Co. klar. Der zweimalige Topscorer erzielte beim 98:95-Auswärtssieg in Houston die letzten 13 Punkte seiner Mannschaft und erklärte seine „Clutchness“ ganz lapidar wie folgt: „Es mag sich vielleicht seltsam anhören, aber in der Schlussphase eines Spiels mache ich mir einfach nichts mehr draus. Wenn man zu viel nachdenkt, übertreibt man es noch oder verfehlt. Deswegen ist es mir einfach egal.“
Randnotizen
Dauerbrenner: Während die Thunder ihre Siege stets nach der regulären Spielzeit sichern konnten, hatten sich die Atlanta Hawks eine besonders harte Version des „back-to-back-to-back“ ausgesucht. Gegen die Heat ging es in drei Verlängerungen, während das Spiel gegen die Charlotte Bobcats immerhin eine Extrazeit beinhaltete. Damit stand Joe Johnson innerhalb von rund 49 Stunden insgesamt 123 Minuten auf dem Parkett.
Zehn Mannschaften mussten bisher drei Begegnungen an drei Tagen absolvieren. Dabei ist die Bilanz jener Teams am dritten Spieltag (7 Siege, drei Niederlagen) gar die beste unter den drei Tagen (1.Tag: 6-4; 2.Tag: 5-5).
Verwechslungsgefahr: Ein Williams stand bei der Partie der Toronto Raptors gegen die New Jersey Nets gar viermal auf dem Parkett. Knapp zwei Minuten im zwei Viertel und knapp eine Minuten im dritten Abschnitt liefen Deron Williams, Shawne Williams, Shelden Williams und Jordan Williams für die Nets über das Feld.
Los Angeles All-Stars: Die NBA hat zum ersten Mal die aktuellen Wahlergebnisse für das All-Star Game in Orlando (26. Februar) bekannt gegeben. Vier der fünf Starter der Western Conference kämen derzeit aus Los Angeles. Kobe Bryant und Andrew Bynum in Diensten der Lakers sowie Chris Paul (Foto) und Blake Griffin in Reihen der Clippers würden aktuell mit Kevin Durant für den Westen starten. Mit 754.737 Stimmen hat derzeit Dwight Howard unter allen Spielern die Nase vor. Der Center würde in der Eastern Conference mit Miamis LeBron James und Dwyane Wade, Carmelo Anthony sowie Derrick Rose von Beginn an auflaufen. Dirk Nowitzki rangiert bei den Forwards des Westens derzeit auf dem dritten Platz.
Hoher Besuch: US-Präsident und Bulls-Fan Barack Obama hat am vergangenen Montag die Dallas Mavericks anlässlich deren jüngsten Meisterschaft ins Weiße Haus eingeladen. Den Texanern schien der Besuch beim US-amerikanischen Staatsoberhaupt zu beflügeln, folgten nach dem Erfolg über die New Orleans Hornets doch zwei weitere Siege über die Pistons und Boston Celtics.
Statistiken der Woche
Drei der vier besten Scoring-Leistungen der vergangenen Woche wurden von Kobe Bryant (Foto) aufgestellt. Besonders bemerkenswert war dabei seine Vorstellung gegen die Phoenix Suns: Mit einer NBA-Saisonbestleistung von 48 Punkten führte der Shooting Guard seine Los Angeles Lakers zum Sieg. Bryant markierte zudem fünf Rebounds sowie je drei Assists und Steals und verwandelte 18 seiner 31 Versuche aus dem Feld. Kein Spieler in der NBA-Geschichte, der sich mindestens in seinem 16. Ligajahr befunden hat, kam je auf eine höhere Punkteausbeute.
Auch Dwight Howard stellte einen NBA-Rekord auf: Beim Erfolg über die Warriors stand der Magic-Center 39 Mal an der Freiwurflinie. Die alte Bestmarke wurde von Wilt Chamberlain gehalten (34 FTA, 1962). Jedoch verfehlte Howard auch 18 Freiwürfe – nur Chamberlain vergab in der Ligageschichte mehr Versuche von der Linie. Dennoch: Howard markierte das erste „40/20“-Spiel seiner Karriere (45 Pkt, 23 Reb, 3 Ast, 4 Stl, 2 Blk) und ist der erste Akteur seit Shaquille O’Neal (2003), der wieder eine solche statistische Glanzleistung vollbracht hat.
Den Statistikbogen zu füllen wusste auch Josh Smith beim Sieg über die Chicago Bulls. Der Forward in Reihen der Atlanta Hawks erzielte 25 Punkte, fünf Rebounds, fünf Korbvorlagen, vier Ballgewinne und sechs Blocks. Das macht überragende 51 Fantasy-Punkte beim US-Managerspiel. Der 26-Jährige befindet sich klar auf All-Star-Kurs und dürfte nach der langen Verletzungspause von Al Horford noch mehr Verantwortung schultern.
Nicht weniger stark setzte sich Greg Monroe (Foto) für seine Fantasy-Manager ein. Der Big Man der Detroit Pistons markierte gegen die Milwaukee Bucks ein „Career-High“ von 32 Punkten, schnappte sich 16 Rebounds und traf äußerst sicher (12/16 FG, 8/8 FT).
Mit einem unrühmlichen Quadruple-Double flirtete LeBron James beim Auswärtssieg der Heat in New Jersey. Seinen 32 Zählern, sieben Rebounds und neun Assists standen auch acht Ballverluste gegenüber.
James Draft-Kollege von 2003, Carmelo Anthony, führte die New York Knicks zu einem knappen Sieg über die Wizards: 37 Punkte, sieben Rebounds und vier Assists standen für den Small Forward zu Buche.
Als Tom Thibodeau vor der Partie gegen Washington gefragt wurde, ob John Lucas III (Foto) für den verletzten Derrick Rose starten würde, bejahte der Bulls-Coach dies. Auf die Frage, wer der Backup von Lucas sein würde, antwortete Thibodeau: „Lucas“. Der 29-Jährige lief zum ersten Mal in seiner Karriere von Beginn an auf und stand gleich 46 Minuten auf dem Parkett. Seine 25 Punkte, acht Rebounds und acht Assists waren allesamt persönliche Bestleistungen.
Die Milwaukee Bucks (17/17 FT) und Detroit Pistons (24/24 FT) schafften es bei ihrem Aufeinandertreffen zum zweiten Mal in der NBA-Geschichte seit Einführung der Wurfuhr, dass es keine Fehlwürfe von der Freiwurflinie gab. Dwight Howard hätte sich dieses Spiel mal ansehen sollen.
Antonym-Buzzerbeater der Woche
In der vergangenen Woche konnte kein Akteur mit der Schlusssirene seine Mannschaft zum Sieg oder Ausgleich werfen. Das lag unter anderem an Kobe Bryant. Nachdem der Lakers-Guard gegen die Jazz in der Verlängerung zwei Freiwürfe zum 90:87 verwandelte hatte, stellte er sicher, dass es keine zweite Extrazeit geben würde (ab 2:48 Minuten).
Zitat der Woche
„Ich sehe sie [Assistant Coaches der Magic] wie folgt an: ,Wir werden keinen Spielzug laufen. Er wird ihn [Howard] foulen. Warum sollen wir uns bemühen, einen Spielzug aufzuzeichnen? Verwandele den Freiwurf und verteidige’.“ (Magic-Coach Stan Van Gundy, als er sich während der Auszeit in der ersten Hälfte der Partie gegen die Warriors zu einem Zeitpunkt auf seinen Stuhl setzte und keine Anweisungen mehr gab. Warriors-Coach Mark Jackson ließ Dwight Howard immer wieder absichtlich foulen und an die Linie treten)






von Crossover 30.05.2012 um 11:21:41
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