NBA-Wochenrückblick

Hitzewallungen

Die Miami Heat kassierten bereits ihre erste Niederlage, während die Los Angeles Lakers ein weiteres Meisterschaftsbanner enthüllen durften. Derweil wurden auch die Auftritte anderer Neuzugänge sowie Ligadebüts aufmerksam verfolgt.

Von Manuel Baraniak
 29.10.2010 |

So hatte sich LeBron James seinen Wechsel von den Cleveland Cavaliers zu den Miami Heat sicherlich nicht vorgestellt. Bei seinem letzten Spiel im Cavs-Trikot bei den Boston Celtics hatte er die Partie mit einer Wurfquote von 38 Prozent und neun Ballverlusten beendet sowie ein Playoff-Aus hinnehmen müssen. Nun hatte er im Dress der Miami Heat, erneut in Boston, nach dem ersten Viertel drei Ballverluste und vier Fehlwürfe auf dem Konto. Die Heat als Team hatten zudem, mit neun Zählern, seit eineinhalb Jahren nicht mehr so wenig gepunktet..

Am Ende sollten es zwar 31 Zähler auf James’ (Foto) Konto sein, aber auch acht Ballverluste und vor allem die erste Niederlage Miamis im ersten Spiel. Doch war das wirklich überraschend? Nach den ersten beiden Partien – die Heat gewannen tags darauf gegen die Philadelphia 76ers – hat sich deutlich gezeigt, dass die Franchise vom South Beach auf Grund der vielen Neuzugänge und der Verletzung von Dwyane Wade während der Preseason noch einige Wochen benötigen wird, um sich aufeinander einzustellen und vor allem einen Offensivrhythmus zu entwickeln. Da gerade im ersten Spiel mit den Celtics die Personifikation des Teamgedanken auf sie wartete, ist ihre Niederlage nicht überraschend. Die beiden Spiele zeigten aber auch, dass die Heat allein auf Grund der Qualität ihrer Einzelspieler in jeder Partie die Chance haben werden, zu gewinnen. Die Konkurrenz sollte sich ein erstes Lächeln also tunlichst verkneifen.

Ist gemeinhin der amtierende Meister stets der Gejagte, scheinen die Heat diese Rolle übernommen zu haben. Zum einen ist wohl jede Mannschaft um ein Stück mehr motiviert, diese Truppe samt Startrio zu schlagen, zum anderen überträgt sich dies auch auf die Zuschauerränge. So haben sich The Basketball Jones bereits daran gemacht, die Anti-LeBron-Schilder der Zuschauer zu bewerten. Doch letztendlich werden die Heat dies verkraften können. Schließlich schlossen sich unter anderem die Großen Drei aus ganz bestimmten Gründen zusammen. Oder, Chris Bosh? „Letzten Endes geht es wirklich darum, im Fernsehen zu sein. Im Ernst. Einer kann 20 [Punkte] und zehn [Rebounds] verbuchen, und niemand kümmert sich wirklich darum. Wenn man es nicht im [national empfangbarem Fernsehen in den USA] sieht, dann passiert es auch nicht wirklich“, erklärte Bosh Zeitungen aus Toronto gegenüber seine Beweggründe.

Show-Bühne Los Angeles

Ein solches Aufmerksamkeitsdefizit ist den Akteuren der Los Angeles Lakers sicherlich fremd. Der amtierende Meister aus Kalifornien enthüllte vor dem ersten Heimspiel gegen die Houston Rockets ein weiteres Meisterschaftsbanner. Dabei ließen sich die Lakers auch etwas Besonderes einfallen, als sich die einzelnen Akteure bei der Ringübergabe gegenseitig vorstellten. Aufsehen erregte dabei aber nicht Ron Artest, sondern am ehesten noch Phil Jackson, der Luke Walton als seinen Sohn ausgab, auch wenn Bill Walton dessen Vater sei.

Der Saisonauftakt für die Kalifornier war perfekt, als sie im Anschluss auch die Rockets schlagen konnten. Es war aber ein hartes Stück Arbeit, das Neuzugang Steve Blake mit dem entscheidenden Drei-Punkte-Wurf erfolgreich abschließen durfte. Auf Seiten der Texaner war dies der Beginn des „Experiment Yaos“. Yao Ming (Foto) stand genau das Maximum von 24 Minuten auf dem Parkett und wirkte bei der Partie gegen die Golden State Warriors tags darauf wie geplant nicht mit. Auch in Oakland setzte es für die Rockets eine Niederlage, als sie vor allem Monta Ellis nicht in den Griff bekamen (siehe Statistiken der Woche).

Neben den Rockets stehen auch die Utah Jazz bei 0-2. Sowohl bei den Denver Nuggets als auch gegen die Phoenix Suns musste sie eine zweistellige Schlappe hinnehmen. Vor allem bei der 88:110-Niederlage in Denver wirkte die Neuverpflichtung Al Jefferson (6 Pkt, 7 Reb, 2/6 FG) noch wie ein Fremdkörper. Und wieder einmal hat sich bestätigt, dass eine gute Saisonvorbereitung – die Jazz gewannen in der Preseason jede ihrer acht Partien – überhaupt nichts bedeutet.

Im Rampenlicht

Neben Jefferson hatte man auch andernorts das Debüt des einen oder anderen Neuzugangs mit Spannung erwartet. Mit einem Jahr Verspätung gab dabei der Nummer-eins-Pick von 2009, Blake Griffin, sein Saisondebüt. Zwar mussten sich die Los Angeles Clippers den Portland Trail Blazers geschlagen geben, Griffin beeindruckte aber vor allem in der ersten Hälfte durch seine Athletik. Mit seinem ersten Feldkorb in einem regulären NBA-Saisonspiel schloss der Big Man gleich mit Autorität ab. „Man könnte sagen, [ich habe] ein wenig Frustration am Ring ausgelassen“, erklärte Griffin nach der Partie zu folgendem Dunk:



Es war aber nicht nur der kraftvolle Abschluss, der die Clippers-Fans begeisterte. Der Rookie zeigte sich äußerst einsatzfreudig und aktiv an den Brettern und lief die Schnellangriffe nicht nur mit, sondern initiierte diese auch selbst als Passgeber. Am Ende hatte Griffin 20 Punkte, 14 Rebounds (neun davon offensiv) und vier Assists auf seinem Konto. ESPNs J.A. Adande meinte daraufhin, dass nicht mehr die „Lake Show“ das Ereignis in L.A. sei, zumindest zu Beginn der Saison, und man stattdessen ein „B“ vorne anfügen müsste.

Nicht ganz so spektakulär verlief das Saisondebüt des diesjährigen Top-Picks John Wall (Foto). Der Aufbauspieler der Washington Wizards ließ zwar ab und an seine Schnelligkeit und Athletik aufblitzen, jedoch hatte man ein wenig das Gefühl, dass er es zu Beginn der Partie gegen die Orlando Magic ein wenig erzwingen wollte: Wall nahm elf der ersten 24 Feldwürfe Washingtons und versenkte nur drei Versuche. Am Ende hatte er 14 Zähler und neun Korbvorlagen markiert, aber auch eine deutliche 83:112-Niederlage kassiert. Wizards-Coach Flip Saunders zeigte sich dennoch von der Herangehensweise seines Schützlings beeindruckt. Immerhin verzichtete Wall auf den obligatorischen Cheeseburger vor dem Spiel.

Im Gegensatz zu den Jazz setzten die Magic ihre Serie aus der Saisonvorbereitung ohne Niederlage und mit Siegen mit mehr als 25 Punkten fort. Für das Duell am heutigen Freitag gegen den Feind im eigenen Staat, den Miami Heat, sind sie also gewappnet.

Einen Sieg mit seinem neuen Arbeitgeber konnte Amare Stoudemire (Foto) feiern. Beim 98:93-Auswärtserfolg der New York Knicks bei den Toronto Raptors verbuchte der Power Forward ein Double-Double (18 Pkt, 10 Reb), mit seinen neun Ballverlusten schrammte er aber nur knapp am „Cripple-Double“, wie sein Coach Mike D’Antoni es nannte, vorbei. Vielleicht war Stoudemire auch nur nervös, weil er gegen Reggie Evans antreten musste. „Solange er mir nicht an die Gonaden fasst, ist alles gut“, soll er tags davor gesagt haben.

Randnotizen

Mit einem 110:88-Erfolg über die Jazz müsste George Karl, Head Coach der Denver Nuggets, eigentlich ein erster Stein vom Herzen gefallen sein. Schließlich würden sich die Abwanderungsgedanken von Carmelo Anthony (Foto) mit Erfolgen legen, so die Hoffnung Karls. Anthony scheint hingegen mit der Franchise aus Colorado abgeschlossen zu haben, wenn man sich die neuesten Kommentare des Small Forwards vor Ohren führt: „Sie [das Nuggets-Management] wollen sich hinsetzen und reden. Doch es ist für mich in diesem Jahr schon weit darüber hinaus. Es hat nichts mit dem neuen General Manager, Josh [Kroenke], den Spielern zu tun. Für mich ist es nur an der Zeit für Veränderung.“

Apropos Wechsel: Die Minnesota Timberwolves haben die NBA darum gebeten, zu untersuchen, ob die Portland Trail Blazers das Ausmaß der Verletzung Martell Websters kannten. Der Swingman war am Draft-Abend in einem Spielertausch von Portland nach Minneapolis gewechselt, musste sich aber kürzlich einer Rückenoperation unterziehen lassen und wird rund sechs Wochen ausfallen. Jene Verletzung soll aber bereits aus den vergangenen Playoffs stammen. Die Wolves würden als Entschädigung gerne einen Draft-Pick erhalten.

Am 10. Dezember werden die 13 von Basketballerfinder James Naismith aufgestellten und notierten Regeln zur Versteigerung angeboten. Der Erlös wird der „Naismith International Basketball Foundation“ zugute kommen. Es wird mit einem Verkauf von mindestens zwei Millionen US-Dollar gerechnet.

Statistiken der Woche

Mit einem Paukenschlag eröffnete Monta Ellis (Foto) die Saison der Golden State Warriors. Beim 132:128-Sieg über die Houston Rockets stellte der Shooting Guard mit 46 Zählern seine persönliche Karrierebestleistung ein. Allein im ersten Viertel markierte Ellis 17 Punkte. Insgesamt traf der 25-Jährige 18 seiner 24 Feldwürfe. Mit Wilt Chamberlain (1961: 48 Pkt; 1962: 56 Pkt) hat nur ein Warriors-Akteur zum Saisonauftakt mehr Punkte erzielt als Ellis.

Bei den Texanern versuchte vor allem Luis Scola, sich gegen die Niederlage zu stellen. 14 der letzten 16 Punkte der Rockets gingen auf das Konto des Argentiniers. Am Ende hatte der Power Forward 36 Zähler und 16 Rebounds markiert und kein einziges Mal den Ball verloren.

18, 17, 16. Dies soll kein Countdown werden, sondern sind die Assistwerte von Jason Kidd, Rajon Rondo und Chris Paul. Kidd verbuchte beim 101:86-Sieg Dallas’ gegen die Charlotte Bobcats zwölf Punkte, 18 Assists und drei Steals. Für Rondo waren es beim Auftakterfolg gegen Miami vier Zähler, fünf Rebounds und 17 Korbvorlagen. Paul führte die New Orleans Hornets mit 17 Punkten, 16 Assists und vier Rebounds zu einem 95:91-Sieg gegen die Milwaukee Bucks.

Dirk Nowitzki scheint seine Treffersicherheit aus der vergangenen Saison mit in die neue Spielzeit genommen zu haben. Der 32-Jährige traf gegen Charlotte jeden seiner sechs Freiwürfe und hat somit in regulären Saisonspielen seine letzten 78 Versuche von der Linie verwandelt. Nowitzki markierte zudem ein Double-Double (28 Pkt, 13 Reb, 11/13 FG).

Buzzerbeater der Woche

Es nahte zwar nur die Sirene, die die Halbzeitpause einläutet, dennoch bewies Brandon Roy erneut, dass er einer der besten „Crunchtime“-Spieler der Liga ist. Schloss er im Spiel gegen die Los Angeles Clippers schon das erste Viertel erfolgreich ab, gelang ihm dies auch im zweiten Abschnitt. Nicht nur dank ihm haben die Portland Trail Blazers ihre ersten beiden Partien für sich entschieden.



Zitat der Woche

„Wir sind momentan die beliebteste Mannschaft in Cleveland: Miami geschlagen und gegen die Cavs verloren. Das ist es, was die Cleveland-Fans sehen wollen.“ (Celtics-Coach Doc Rivers nach der überraschenden 87:95-Niederlage der Celtics in Cleveland. Viele halten die Cavaliers nach dem Abgang von LeBron James für tot, doch es gibt durchaus Lebenszeichen aus Ohio.)




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Kommentare

(11 Kommentare bisher)

von sev da chef 29.10.10 um 16:46:42


das Zitat ist schön :)



von Irenicus 29.10.10 um 16:51:56


Ich finde es schade, dass beim Wochenrückblick die Thunder häufig nie erwähnt werden, war letztes Jahr auch schon so. Eigentlich schade, denn am Mittwoch war die Partie Thunder vs. Bulls wirklich sehenswert. Das wird jeder bestätigen, der sie gesehen hat. ;) Die 28/10/6 von Russell Westbrook war bisher auch eine der besten Statslines. Hoffe in Zukunft werden die Thunder mehr berücksichtigt.



von xax 29.10.10 um 17:55:02


@irenicus

wie kann man den etwas häufig nie erwähnen *g*



von Irenicus 29.10.10 um 17:59:11


Das kommt davon wenn man mitten im Satz etwas umformulieren möchte. ;) Jedoch denke ich, dass der Inhalt klar ist. :)



von xax 29.10.10 um 18:31:18


Glasklar. Stimme dir auch manchmal immer zu.



von Durant44 29.10.10 um 23:06:23


@Irenicus:
Hab den Bericht gerade gelesen und genau dass gleiche Gedacht. Von der Thunder-Truppe hätte ich da auch gerne was gelesen. War ein absolut geniales Spiel, vor allem das Kindergarten-Trio um Durant, Westbrook und Ibaka hat ein rießen spiel gemacht.
Aber die werden die Liga schon noch Rocken da werden dann noch einige Berichte folgen!!
Thunder Rules!!



von oxymoron (x-over) 29.10.10 um 23:16:30


Nach gerade einmal drei Tagen ist die Entscheidung, welche Mannschaften man berücksichtigt, keine leichte, da die meisten Teams erst eine Partie absolviert haben. Da gab es in der bisher kurzen Saison andere Themen, die im Mittelpunkt standen. Zudem wollte ich das ein oder andere Debüt herausstellen. In der kommenden Woche sieht es vielleicht schon anders aus, wenn die Thunder weiterhin erfolgreich sein sollten.



von nicoquanz 30.10.10 um 07:26:48


gute zusammenfassung wenn man jeffersons schlechtes spiel geggen denver erwähnt hätte man fairerweise auch erwähnen können dAS ER im zweiten dann doch recht gut war denke die jazz warenso schwach da deron williams nicht seine leistung gezeigt hat wird aber schon kommen finde die jazz mit big alstärker LS MIT BOOOOOOOZEEER



von dr-gonzo7 30.10.10 um 12:33:52


Ich denke, dass auch die Statlines von Glen Davis nicht zu verachten sind...trotz durchschnittlicher Spielzeit ist Big Baby mal wieder ein Faktor bei den Celtics.
Schön, dass er da weitermacht, wo er Ende letzter Saison aufgehört hat.



von dr-gonzo7 30.10.10 um 12:37:28


P.S. wenn die Statiskiken so bleiben sollten, ist es auch nicht falsch ihn als Best Sixt Man auf dem Radar zu behalten. Aber mal sehen was passiert, wenn Perkins wieder da ist.



von timberwolves_der_echte 30.10.10 um 16:48:56


"schloss der Big Man gleich mit Autorität ab"

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