NBA-Wochenrückblick
Gurten und Spurten
Der Kampf um die letzten Playoff-Plätze ist längst entbrannt. Während einigen Teams wie den Phoenix Suns so langsam der Saft ausgeht, scheuen zum Beispiel die Philadelphia 76ers nicht davor, auch den Großen Gegenwehr zu leisten. Auch der Klassenprimus, die San Antonio Spurs, kämpft mit einigen Problemen.
Von Sebastian Eickhoff |
01.04.2011 | |
Doug Collins, Coach der Philadelphia 76ers, gehört zu den alten Hasen des NBA-Geschäftes. Als TV-Kommentator konnte er sich fast täglich ein Bild über die Entwicklung von Spieler und Liga machen. Die Entscheidung, das Traineramt der Sixers zu übernehmen, brachte ihm Respekt aber auch Verwunderung. Einer großen Herausforderung stellte sich der Mann, der schon Michael Jordan die Taktiken aufzeichnete, in dem er dieses junge Team unter seine Fittiche nahm. Mit Elton Brand, der den Sprung durch zahlreiche Verletzungen und fragliche Charakterzüge zum Superstar von jeher verpasste, und Andre Igoudala, der das Label "Sau gut, aber nie allererste Option" vom ersten Tag seiner Karriere mit sich trug, konnte Collins wohl kaum auf feste Säulen einer Franchise setzen. Der restliche Kader setzte sich aus jungen und sehr jungen Talenten zusammen, der sich in den letzten Jahren kaum weiter entwickelte.
Angesichts dieser Tatsachen gestaltete sich der Anfang dieser Saison. Die Verbesserungen waren nur marginal und zu allem Überfluss enttäuschte der Nummer-zwei-Pick des Drafts 2010 Evan Turner. In den letzten sieben Spielen verbuchte der Neuling lediglich 16 Punkte und blieb auch bis heute hinter den hoch gesteckten Erwartungen.
Collins ließ jedoch kaum Zweifel an seinem Team zu und verweigerte zum Beispiel eine Geschäftsabwicklung zur Trading Deadline und schenkte so der weiteren Entwicklung sein Vertrauen.
Seitdem zeigten sich die Sixers von einer verbesserten Seite. Ein Parade-Beispiel war die Auswärtsbegegnung gegen die Chicago Bulls. Das Verteidigungskonzept von Collins zwang den Star-Point Guard Derrick Rose zu ganzen zehn Ballverlusten. Gleich sechs Spieler konnten zweistellig punkten, 21 an der Zahl kamen von Forward Thaddeus Young (Foto), der sein Team zum 97:85-Sieg gegen den Tabellenführer der Eastern Conference führte. Der folgende Sieg gegen die Houston Rockets ging nicht minder deutlich aus. Angeführt von Aufbau Jrue Holiday, der 24 Punkte und zwölf Assists zum Besten gab, setzte es für die Texaner eine 97:108-Niederlage.
Seit einigen Wochen halten sich die 76ers mit einer positiven Bilanz und rangieren derzeit auf Platz sechs im Osten. Collins hat es geschafft, aus einem talentierten Haufen eine Struktur zu bilden, die vielleicht in den Playoffs für ein wenig Unruhe sorgen könnte. Eine entsprechende Anerkennung in Form der Auszeichnung zum Coach des Jahres wäre ihm also ziemlich vergönnt.
Ein bisschen besser könnte es für die San Antonio Spurs auch laufen. Gegen die Boston Celtics setzte es bereits die fünfte Niederlage in Folge. Zwar konnte die verletzten Akteure Tim Duncan, Manu Ginobili und Tony Parker gegen den letztjährigen Finalisten wieder auflaufen, doch gegen das Grün war kaum ein Mittel gewachsen. Die Spurs sind derzeit das beste Team in verwandelten Dreipunktewürfen, kamen in den letzten Partien aber kaum über eine Quote von 26 Prozent, was zum Teil auch durch die Verletzungssorgen zu erklären ist. Niederlagen gegen die Memphis Grizzlies (104:111) und die Portland Trail Blazers (92:100) waren weitere Resultate im derzeitigen Formtief.
Nutznießer dieser Situation könnten die Los Angeles Lakers sein, die sich den Spurs im Kampf um die Westkrone mit großen Schritten nähern. Seit der All-Star-Pause weisen die Kalifornier eine Bilanz von 17 Siegen bei nur einer Niederlage auf, acht davon konnten zuletzt in Folge gewonnen werden. Den Titel der Pacific Division konnte sich das Team von Head Coach Phil Jackson schon in den letzten Wochen sichern, da der "ärgste" Verfolger, die Phoenix Suns, eine Leistungskurve nach unten eingeschlagen hat.
Vier Niederlagen in Serie mussten die Suns in den vergangenen Tagen hinnehmen. Kurzer Hand versuchte Übungsleiter Alvin Gentry seine Formation noch einmal für den Endspurt zu optimieren, in dem er Marcin Gortat in die Starting Five holte und neben Center Robin Lopez auch Vince Carter, erstmals taktisch geplant in seiner Karriere, für Jared Dudey auf die Bank verfrachtete. Carter, der die wandelnde Sinusleistung ist, seitdem er in Arizona ankam, und Lopez, dessen Arbeitsergebnisse nur für Kritik sorgten, zeigten dem Trainer kaum eine Alternative zu seinen Schritten. Das gewünschte Ergebnis konnte sich bis jetzt noch nicht einstellen. Die Niederlagen gegen die Dallas Mavericks (83:91), die weit aus schwächeren Sacramento Kings (113:116) und die Oklahoma City Thunder (98:116) führen der Chefetage vor, dass man vor dem großen Umbruch steht, wenn die Franchise an vergangene Erfolge anknüpfen möchte.
Randnotizen der Woche
Die Spekulationen um den Umzug der Sacramento Kings in Richtung Süden des kalifornischen Staates nehmen immer realistischere Züge an. Die Stadt Anaheim stimmt am Mittwoch einem 75 Millionen Dollar Finanzierungsplan zu, der die Grundlage für die Umsiedlung der Franchise finanziell decken soll. Der ehemalige Phoenix Suns Guard Kevin Johnson, seines Zeichens Bürgermeister von Sacramento, bezeichnete die angehende Situation als langsamen Sterbeprozess.

Den Boxkampf der gemischten Gewichtsklassen lieferten sich Washington Wizards Rookie John Wall und Miami Heat Center Zydrunas Ilgauskas (Foto oben). Die Ellenbogen des Litauers waren dem jungen Heißsporn Wall zu viel des Guten und er teilte deshalb einen Haken geradezu in die Hüfte von Ilgauskas. Die Ringrichter entschieden auf Unsportlichkeit und erteilten Wall eine Sperre für ein Spiel. Ilgauskas erhielt die Geldstrafe von 35.000 Dollar, die auch Team-Kollege Juwan Howard wegen Einmischens abdrücken darf.
Den zweiten Boxkampf der Woche erlebten die Zuschauer nach der Partie der Orlando Magic gegen die Atlanta Hawks. Der ehemalige NBA-Referree Rashan S. Michel fing mit Hawks-Legende Dominique Wilkins einen Disput an, der sich um den Verbleib von ausstehenden Zahlungen für gelieferte Anzüge drehte. Wilkins hatte von Michel Anzüge erhalten und soll davon ausgegangen sein, dass es sich um Geschenke handelt. Michel sah dies ein wenig anders und sah sich im Recht, auf sein Geld zu bestehen. Laut Zeugenaussagen soll es zum Handgemenge und einer ordentlichen Rechten seitens Wilkins gekommen sein. Michel wurde abgeführt und auf Kaution vorerst freigelassen.
Statistiken der Woche
Carmelo Anthony war in der vergangenen Woche gut drauf und lieferte nach einigen (Achtung: Überraschung) Kritiktiraden der New Yorker Pressewelt ein 39-Punkte-Doppelpaket ab. Gegen die Orlando Magic ( 113:106) sammelte er zudem noch zehn Rebounds und beendete die Niederlagenserie seiner New York Knicks nach sechs Partien. Gegen die New Jersey Nets (120:116) dann das gleiche Haben-Konto, auch bei den Rebounds. Der typische Wiederholungstäter eben.
Für 39 Punkte war auch Wizards-Rookie Jordan Crawford gut. Der musste nämlich in die Presche springen, als John Wall nach besagter Kampfeinlage das Spiel gegen die Miami Heat verlassen musste. Einen Sieg hat das Karrierehoch allerdings nicht gebracht. Die Wizards verloren das Spiel mit 107:123 und weisen eine Auswärtsbilanz von nur 2-35-Siegen auf - Ligatief.
Einen weiteren Sieg feierten die Miami Heat gegen die Houston Rockets (125:119). Die großen Drei machten ihrem Ruf alle Ehre und waren das erst dritte Trio in den letzten 14 Jahren, dass jeweils mehr als 30 Punkte von jedem Spieler einfuhr. Lebron James kam auf 33 Punkte, Chris Bosh auf 31 und Dwyane Wade auf 30 Zähler. Das Trio auf der Gegenseite ließ jedoch auch aufhorchen und verbuchte zusammen 82 Punkte (Kevin Martin (29), Kyle Lowry (28) und Luis Scola (25)).
Die meisten Punkte in der vergangenen Woche heimste Neu-Trail Blazers Gerald Wallace aus Portland ein, indem er den Oklahoma City Thunder 40 Punkte einschenkte. Gebracht es leider nichts, ging die Partie doch mit 90:99 verloren.
Buzzer Beater der Woche
Air France nimmt Sie mit auf Reise – Nicolas Batum gegen die San Antonio Spurs:
Zitat der Woche
Die New York Knicks befinden sich derzeit in einem Tief. Deswegen rief Carmelo Anthony für das Spiel gegen die Orlando Magic am vergangenen Montag einen "Fast-Muss-Sieg" für sein Team aus.






von Suck My Diktiergerät 01.04.11 um 23:12:46
ich liebe eure kurzen knackigen wochenrückblicke, aber hier haben sich ein paar fehler eingeschlichen.
1) oben auf dem bild ist nicht evan turner sondern thaddeus young zu sehen. turner spielte am college noch mit der 21, aber in phillie trägt young sie.
2) Doug Collins hat angeblich Jordan beim Wizards Comeback gecoacht. Aber da dieses Comeback nie existierte *lalalalalalfingerindieohrensteck* ist dies nur eine Erfindung der Medien.
3)Die Lakers sind in 9-1 in den letzten 10 spielen. Seit dem Allstarbreak sind sie jedoch 16-1 oder 17-1 ungefähr.
4) als Ergänzung ist das Heat Trio in dem Spiel (wenn twitter von john hollinger, nba oder sonstwem nicht lügt)das 2.duo überhaupt in der liga, was 3 spieler mit 30punkten und 10 rebounds gestellt hat. das erste war irgendwann zur zeit mit Oscar Robertson.
Ansonsten ein paar Gedanken:
- Kann es sein, dass Toney Douglas die geilste Ball-denial-Defense der Liga spielt? Hat mich immer wieder beeindruckt wie effektiv der das macht.
- was geht eigentlich mit Tony Allen ab? Den hätten die Celtics nie ziehen lassen dürfen. Wann immer ich Memphis Spiele schaue (also nicht nur die letzten wochen, seit Saisonbeginn) spielt der ne Defense die immer wieder Bombendicht ist. Würde nicht ein gewisser dwight Howard in der Liga spielen wäre er mein DPOY Favorit.
- Und sollten weder Howard, noch Allen in der Liga spielen käme wohl Ronnie Brewer als nächstes. der gefällt der Junge :)
- Go Memphis Go!
- Coach of the Year...is schwer. Anfangs dachte ich ja noch Spurs. Aber nee, dafür sind sie nicht mehr zu dominant, langsam einfach nur noch normal "gut" wie man es bei dem Kader erwarten kann. Meine aktuellen Favoriten: Lionel Hollins. Hat Zach Randolph gezähmt und sogar zum passen gebracht. Verliert seinen (zweit)besten Spieler. Erreicht die Playoffränge. Siegt. Und das mit purem Teamball.
Danach George Karl. Verliert die beiden besten Spieler, nur noch (mitunter bessere) Rollenspieler im Kader, verbessert Siegquote stetig, einfach unglaublich. Hoffentlich hält der Run.
Danach Jerry Sloan. Als Lebenswerk. ER HATS EINFACH VERDIENT!!!
Danach Nate Mcmillan. Wieder ohne Oden. Rollenspieler-Roy (wenn er denn mal spielt). und trotzdem ein Team gegen das keiner in der Western Conference in den Playoffs spielen will.
Rick Adelmann. Nonametruppe mit dem erdnahen Scola, Kevin Martin (auf immer ein Co-Star wie Joe Johnson, der trotzdem den Franchiseplayer mimen muss) und einem erstaunlich starken kyle lowry als stützen. und sie kämpfen um die playoffs. respekt.
Dann kommt bei mir auf der Liste erst Doug Collins ;) die Eastern Conference ist einfach zu schwach ;)
und nun darf gehated werden.
von Tomrock 02.04.11 um 00:30:58
Das mit Turner geht auf meine Kappe. Nun ist der Foto-Hinweis bei Young. Danke dafür.
Das mit der Lakers-Bilanz seit dem Allstar-Break ist auch korrigiert.
Doug Collins war nach Stan Albeck Jordans zweiter Coach in dessen Bulls-Karriere. Collins coachte in Chicago von 1986-1989. ... und bei den Wizards kam Herr Collins dann nochmal zum Einsatz, als der alte MJ dort an seiner Legende herumdokterte.
von xax 02.04.11 um 10:37:36
brief an suck
COY ist klat Tom T. aus der Bullenstadt. Beste Bilanz im Osten trotz Boozer- u. Noah Verletzung, beste (!) Defense im 1. Coaching Jahr, Rose zum "defensieren" und "schlau passen" gebracht und somit zum MVP, die Wahl ist durch.
zum haten: wie läufts den bei den Hawks?haben sie sich verbessert *g*
von xax 02.04.11 um 10:39:42
@ autor
"Collins ließ jedoch kaum Zweifel an seinem Team zu und verweigerte zum Beispiel eine Geschäftsabwicklung zur Trading Deadline und schenkte so der weiteren Entwicklung sein Vertrauen."
Welche Deals hat er denn abgelehnt?habe nichts mitbekommen?
von Suck My Diktiergerät 02.04.11 um 15:53:50
@xax oha, ja, herrn T. Aus C. hab ich irgendwie übersehen ^^ aber ich find ja COY und MVP ausm gleichen Team immer kritisch ;) und da die Magic gerade abstinken wird Rose MVP und somit nicht Herr T. COY ;)
zu den Hawks...könnt schon wieder heulen wenn ich sehe wie gut jordan crawford gerade spielt...
von Eastcoast 03.04.11 um 14:02:11
Ganz klar: Coach of the year darf nur Tom Thibodeau werden! Im Gegensatz zu den Sixers läuft es bei den Bulls bereits seit Saisonbeginn rund!! Und im Gegensatz zu den Sixers, sind die Bulls vor der Saison KOMPLETT neu zusammengewürfelt worden! Außer Rose, Noah, Deng, Gibson und J.Johnson (inzwischen bei Toronto) sind alle Spieler neu zum TEam gestoßen! Und Thibodeau hat daraufs umgehend ein Super Team aufs Parkett gezaubert!! BEEINDRUCKEND!!! Daher: T.T. for COY!!!!
von Eastcoast 03.04.11 um 14:05:42
@Suck my Diktiergerät: Sicher, Crawford spielt fantastisch, aber ist das bei den Wizards schwer?? Der Junge hat dort doch praktisch Narrenfreiheit, bei Washington gehts um nix mehr und daher bekommt er auch die Spielzeit! Ohne seine Leistung zu schmälern, die ist super! Aber bei den Hawks hätte er wohl nie diese Stats aufgelegt, da die Konkurrenz mit Johnson,k Bibby/Hinrich bzw. Jamal Crawford einfach riesig ist!!! Denke da kann man den Hawks keinen echten Vorwurf machen! Aber die Truppe steckt zweifelsohne seit Jahren fest und wird wohl den kompletten Umbruch benötigen!!
von xax 03.04.11 um 16:44:52
@ suck
ok, dann ist die sache ja klar. rose wird mvp und sloan coy.
find ich gut.