NBA-Wochenrückblick

Frust und Lust

Zum Auftakt der NBA-Saison 2009/10 wurde deutlich, dass Teamplay mehr bringt als nur ein Superstar. Das musste auch LeBron James (Foto) einsehen, der mit seinen Cavaliers mit zwei Niederlagen gestartet ist, wobei die Lakers, Celtics, Nuggets und Magic bislang furios aufspielten.

Von Thomas Käckenmeister
 30.10.2009 |

Ist LeBron James zu bedauern? Trotz zweier großartiger Vorstellungen in den ersten beiden Partien der Saison 2009/10 steht der Megastar mit seinen Cleveland Cavaliers noch sieglos da. “Ich bin an einem Punkt in meiner Karriere, an dem ich weiß, dass zwei Niederlagen nicht viel bedeuten. Man lernt aus den Fehlern und versucht, besser zu werden”, beruhige James sein Gewissen. Zur Beruhigung: Die Orlando Magic starteten letzte Saison ebenfalls mit zwei Pleiten, standen am Ende aber im Finale.

Zum Auftakt brach James 38 Punkte, acht Assists und vier Blocks von der Stange, sein neuer Hofnarr Shaquille O’Neal debütierte im Cavs-Trikot mit einem Double Double (10 Punkte, 10 Rebounds). Am Ende reichte es aber nicht gegen die schlagfertigen Boston Celtics (89:95).

Einen Abend später griff James dann tiefer in seinen Werkzeugkasten und präsentierte das 25. Triple Double seiner Karriere (23 Punkte, 11 Rebounds, 12 Assists) gegen die Toronto Raptors. Doch wieder wurde es nichts mit einem Erfolg. Der Grund lag – natürlich – am Gegner. Der Frontcourt der Kanadier, genauer gesagt Chris Bosh und Andrea Bargnani (Foto), zerbröselte Shaq und Anderson Varejao mit 49 Punkten und 21 Rebounds gegenüber mageren 14 Zählern und elf Boards. Aber so ist das eben, wenn zwei Spiele an zwei Tage anstehen. Oder doch nicht?

Die Boston Celtics bewiesen das Gegenteil: Nach dem Auswärtserfolg in Cleveland zerlegten sie beim Heimdebüt in Beantown die Charlotte Bobcats in ihre Einzelteile. Getreu dem Motto der Cavaliers aus dem Vorjahr, in der ersten Hälfte ordentlich Brennholz in den Ofen zu feuern, sprich: einen hohen Vorsprung herauszuspielen, um dann ab Mitte des dritten Viertels gemütlich an den Feierabend zu denken. Was fällt einem auch anderes ein, wenn die Bobcats nur 59 Zähler zustande bringen, die Kelten diesen Wert aber schon nach knapp 30 Minuten auf den Scoreboard verzeichnen? Am Ende hatte Boston übrigens 92 Zähler erzielt. „Je mehr wir uns ausruhen können, umso besser“, sagte Paul Pierce nach dem deutlichen Sieg. „Das bedeutet, dass wir sehr gut spielen, insbesondere die Starter.“

Derart überlegen zeigten sich auch die Vize-Champions aus Orlando. Die Magic feierten einen gelungenen Einstand von Vince Carter, Brandon Bass, Matt Barnes, Jason Williams und Co. Carter fühle sich bei seinem neuen Arbeitgeber „wie im Himmel“ – kein Wunder, wenn die 76ers zur Halbzeit bereits mit 23 Punkten zurückliegen. Sechs Orlando-Spieler punkteten zweistellig, zehn Akteure von Coach Van Gundy sammelten mindestens sieben Zähler! Bei solchem Teamplay ist es erschreckend, wenn Rashard Lewis auch noch in neun Spielen zurückkehrt.

Auch die Lakers gewannen ihr erstes Spiel der neuen Saison. Mit 99:92 bezwangen sie die Blake Griffin-losen Clippers im Stadtduell. Phil Jacksons Team, das vor der Partie seine Meisterschaftsringe übereicht bekam, zeigte sich in bestechender Spiellaune. Kobe Bryant markierte 33 Zähler und acht Boards, Andrew Bynum und Lamar Odom kompensierten das Fehlen von Pau Gasol mit gemeinsamen 42 Punkten und 26 Rebounds.

Ebenfalls mit starkem Kollektiv präsentierten sich die Chicago Bulls zum Auftakt gegen die San Antonio Spurs. Derrick Rose (Foto) zeigte sich trotz angeblicher Knöchelverletzung in glänzender Verfassung, erzielte 13 Punkte, sieben Rebounds und sieben Assists. Sechs Spieler von Vinny Del Negro punkteten beim 92:85-Sieg zweistellig, bei den Spurs erreichte nur Tim Duncan Normalform (28 Punkte, 16 Rebounds, 3 Blocks).

Doch auch die Texaner mussten binnen 24 Stunden zwei Partien abreißen, sodass bei manchem Rookie schonmal der Frust einsetzt. So geschehen beim wohl größten Draft-Steal aller Zeiten, DeJuan Blair. Der "Büffel" kam bei seinem ersten Profispiel (113:96 gegen New Orleans) auf übermächtige 14 Punkte, elf Rebounds und drei Assists in lediglich 23 Minuten. Bryon Scott nannte ihn nach der Vorstellung „ein Monster“, Crossover nennt ihn fortan den "Jeff Gibbs der NBA".

Der 2,01 Meter große Blair legte bereits in der Vorbereitung Wahnsinnszahlen auf (13,9 PpG, 7,9 RpG in knapp 18 MpG). Aber der 20-Jährige Kämper kam im Spiel gegen die Bulls nicht über sechs Zähler und vier Rebounds in 13 Minuten hinaus. Nach vier Fouls setzte ihn Coach Popovich wieder auf die Bank und Antonio McDyess meinte dazu: „Er war frustriert, weil er nicht richtig ins Spiel kam. Aber ich sagte zu ihm, dass er das hinter sich lassen müsse. ‚Das ist dein zweites Spiel. Es gibt noch 80 weitere.‘“

Neben Blair zeigten sich bisher weitere Rookies in Spiellaune. Ty Lawson legte 17 Punkte bei seiner Premiere für die Nuggets hin und hatte damit neben Billups und Anthony maßgeblichen Anteil am Auftaktsieg über Utah. Israeli Omri Casspi und Tyreke Evans erzielten zusammen 25 Punkte beim ersten Saisonspiel gegen Oklahoma City, während Jonny Flynn in Minnesota sein Team mit 13 seiner insgesamt 18 Zähler im Schlussviertel in Richtung Siegerstraße führte (siehe auch Buzzerbeater der Woche).

Buzzerbeater der Woche

Am Ende suchte Flynn zwar die Entscheidung im Spiel gegen New Jersey herbeizuführen, doch sein Sprungwurf landete nicht im Korb. Glücklicherweise stand aber Damien Wilkins goldrichtig und netzte einen Last-Second-Bankshot zum 95:93-Sieg der Timberwolves ein.

Stat Lines der Woche

Carmelo Anthony ist heißer Anwärter auf die erste Auszeichnung zum Spieler der Woche. Zuerst 30 Punkte gegen Utah, eine Nacht später dann 41 Zähler, sechs Rebounds und drei Assists gegen Portland, inklusive den spielentscheidenden Freiwürfen.

Das dreiköpfige Monster namens Kevin Durant (Foto), Jeff Green und Russell Westbrook hat die Sacramento Kings auseinander genommen. Beim 102:89-Erfolg sammelten die drei Säulen der Thunder zusammen 63 Punkte, 26 Rebounds und 19 Assists.

Brook Lopez, Center der New Jersey Nets, zeigte bereits in seinem Rookie-Jahr seine Klasse. Gegen Minnesota lieferte er 27 Punkte, 15 Rebounds und fünf Blocks ab, blieb aber punktlos im Schlussviertel.

LeBron James darf trotz Niederlage nicht fehlen. 38 Punkte, vier Rebounds, acht Assists und vier Blocks – darunter eine Demütigung von Rajon Rondo – bringen zwar viele Managerspielpunkte, aber nichts Zählbares in der Cavs-Bilanz.

Gilbert Arenas ist zurück. Und wie! Gegen die Dallas Mavericks schaltete Agent Zero nach Belieben und führte seine Wizards mit 29 Punkten und neun Assists zum 102:91-Erfolg. Übrigens: Zuletzt erzielte Arenas derart viele Punkte am 14. November 2007.

Zitat der Woche

„Er wäre zu Weihnachten tot, wenn wir über ihn den ganzen Angriff laufen lassen“, witzelte Jason Kidd in Anspielung auf Dirk Nowitzkis 34 Punkte, die der Deutsche zum Auftakt gegen die Wizards eintütete. Am Ende reichte es trotzdem nicht zum Sieg.




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Kommentare

(15 Kommentare bisher)

von ynnoc23 30.10.09 um 15:23:34


blair der größte draft steal aller zeiten???



von Pete Air 30.10.09 um 16:07:03


Vor the Worm ?



von cologne's finest 30.10.09 um 17:01:11


ginobili??!



von xax 30.10.09 um 17:12:44


oder T.Parker?



von Smokey2020 30.10.09 um 18:03:44


Ist einfach noch ein bisschen früh, um ihn zu bewerten....



von Lemms 30.10.09 um 18:06:07


wohl so zu begründen, das er eig. als sicherer top15 pick galt und man von den von euch genannten, nie wirklich etwas gehört hat...



von Tomdawg 30.10.09 um 18:06:59


Schön, dass hier die Namen purzeln. Im Text steht nichts davon, dass Blair der größte Steal aller Zeiten ist, sondern es wird die Vermutung geäußert, ob er es sein könnte: "So geschehen beim wohl größten Draft-Steal aller Zeiten, DeJuan Blair."
Ob nun Dennis Rodman (1986, 27. Pick), Manu Ginobili (1999, 57. Pick), Michael Redd (2000, 43. Pick), Tony Parker (2001, 28. Pick) oder eben DeJuan Blair (2009, 37. Pick) - darüber lässt sich wirklich streiten.Auf jeden Fall zählt Blair zu den größten Steals der letzten Jahre.



von Suck My Diktiergerät 31.10.09 um 05:45:13


dazu könnte man noch arenas (#31), carlos boozer (#34) und rashard lewis (#32) ins spiel werfen...



von chn7rocket 31.10.09 um 12:12:44


... wenn er nicht nur von der Bank double-doubles bringt, sondern auch mal als Starter konstant All-Star-Spiele abliefert, darf man ihn als Sleeper bezeichnen.



von chn7rocket 31.10.09 um 12:13:18


ich meine Steal, nicht sleeper.



von Suck My Diktiergerät 31.10.09 um 12:53:56


oh man...das war ein gutes spiel. ich hab das spiel gegen die bulls gesehen (das mit schlechteren stats)...der war total unscheinbar.

hat denn jemand das spiel gegen die hornets gesehen? wären die rebounds auf seinen kopf gefallen wenn er nicht zugepackt hätte? waren die punkte alle perfekt rausgespielt von anderen, so dass er nur noch reinlegen musste?

etcetc...nach 2 spielen, von denen eines eher unspektakulär war, gleich von (möglicherweise) dem größten draft steal zu reden...oh man...blasphemie! ^^



von chn7rocket 31.10.09 um 14:10:56


Fragt sich nur, ob jemand ein steal ist, der einfach nur weit besser spielt als die draft pick stelle es vermuten lässt oder einer, der "aus dem nichts" zum all-star aufspielt...



von SamSemiLia 02.11.09 um 10:53:03


Also nach der Leistung heute Nacht MUSS Anthony eigentlich Spieler der Woche werden...



von chn7rocket 02.11.09 um 11:27:32


Joa, die auszeichnung bringt aber nicht viel, bis auf ein wenig aufmerksamkeit ;P



von almaen 03.11.09 um 15:31:59


Sorry, aber "So geschehen beim wohl größten Draft-Steal aller Zeiten, DeJuan Blair." klingt schon strak nach "er ist es". Da hilft das eingeschobene Wörtchen "wohl" nicht viel, auch wenn es jetzt der Notausgang sein soll. So viel Kritik an der Formulierung muss gestattet sein. Wäre vielleicht besser gewesen, gleich hinzuschreiben: "vielleicht einer der größten Draft-Steals aller Zeiten - zumindest aber dieses Jahr". Aber dann hättet ihr auch ein Dutzend Kommentare weniger und das Leben wäre nur halb so spannend :-)



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