NBA-Wochenrückblick

Endspurt auf der Zielgeraden

Die Liga rüstet sich für den Sprung in die Playoffs, doch die Vergabe der Plätze ist alles andere als besiegelt. In der vorletzten Woche der regulären Spielzeit gingen die Positionskämpfe (Derrick Rose, Foto) erbittert weiter.

Von Maximilian Selow
 09.04.2010 |

„NBA – where Drama happens!”

Sechs Tage vor dem Abschluss der regulären NBA-Spielzeit 2009/2010 wissen die Teams der Western Conference und ihre Anhänger lediglich eine Sache ganz sicher: Die Playoff-Teilnehmer sind gesetzt, doch wer gegen wen in etwas mehr als einer Woche antreten muss, ist noch längst nicht abzusehen.

Mit den Los Angeles Lakers, Denver Nuggets, Dallas Mavericks, Phoenix Suns, Utah Jazz, Portland Trail Blazers, den San Antonio Spurs und den Oklahoma City Thunders sind die acht Playoff-Teilnehmer im Westen zwar nun bekannt, doch ein Blick auf die Tabelle verrät die Brisanz der letzten Wochen, in der sich im Kampf um die aussichtsreichen Playoff-Plätze und dem Heimvorteil kein Team einen Ausrutscher erlauben darf.

Den besten Eindruck lieferten letzte Woche die Nuggets ab, die nicht nur die Los Angeles Clippers ausschalteten, sondern sich auch mit einem 98:94-Sieg über die Oklahoma City Thunders und einem 98:96-Erfolg über die L.A. Lakers Respekt bei den zukünftigen Playoff-Konkurrenten verschafften. Mit 52 Siegen und 27 Niederlagen auf dem Konto haben sich die Nuggets einen kleinen Vorsprung auf ihrem zweiten Platz in der Conference erarbeitet und sind auch dem weiterhin nach seiner Form suchenden amtierenden Meister aus Los Angeles auf die Pelle gerückt.

Der musste in der vergangenen Woche nicht nur weiterhin auf Center Andrew Bynum (Foto) verzichten, sondern auch den angeschlagenen Kobe Bryant schonen und neben der Niederlage gegen Denver eine empfindliche Klatsche gegen die San Antonio Spurs einstecken. So richtig ins Rollen kam der amtierende Meister also auch in der letzten Woche nicht, atmete aber dank der Nachricht, dass Bynum wohl zum ersten Playoff-Spiel der Franchise wieder fit sein könnte, zumindest ein wenig auf.

Auf den Plätzen dahinter liegen die Dallas Mavericks, Phoenix Suns und die Utah Jazz allesamt mit jeweils 51 Siegen gleichauf und streiten sich um die letzten beiden verbliebenen Plätze, die ihnen zumindest in der ersten Runde den Heimvorteil sichern würden. Die Suns ließen nach Siegen gegen Detroit und San Antonio ein Spiel durch eine 98:107-Niederlage gegen die Milwaukee Bucks liegen. Dank des Duos um Steve Nash und Amare Stoudemire präsentierten sie sich aber besser als der Konkurrent aus Salt Lake City, der sowohl gegen die Lakers, als auch in Houston zwei Klatschen einstecken musste.

Das Bild wird abgerundet durch Oklahoma City, die Portland Trailblazers und San Antonio, die mit jeweils 48 Siegen und 30 Niederlagen um die verbleibenden drei Playoff-Plätze kämpfen.

Noch einen Tick spannender geht es derweil im Osten des Landes zu, wo der achte und damit letzte Playoff-Platz nach wie vor zur Vergabe bereit steht. Die Kontrahenten im Kampf darum sind die Chicago Bulls und die Toronto Raptors, die beide jeweils eine Bilanz von 38 Siegen bei 40 Niederlagen aufweisen und eher schlecht als recht in Richtung Postseason stolpern. Für die Saurier aus Kanada hatte die Woche zwar mit einem 128:123-Erfolg über die Philadelphia 76ers durchaus positiv begonnen, doch die Hiobsbotschaft folgte im Spiel gegen die erstplatzierten Cleveland Cavaliers, als Antawn Jamison Chris Bosh mit voller Wucht im Gesicht traf und dem Franchise-Player Torontos damit einen Jochbeinbruch zufügte. Bosh wurde anschließend sofort operiert, wird aber mindestens bis zum Ende der regulären Saison ausfallen.

Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Ein Umstand, der das für Chicago schon geschlossen scheinende Tor zur Postseason wieder aufstoßen könnte. Denn während Bosh den Raptors verloren ging, sahen die Bulls mit Luol Deng einen ihrer Schlüsselspieler am Anfang der Woche wieder ins Team zurückkehren. Dieser half an der Seite des wiedererstarkten Derrick Rose dabei, gegen die Washington Wizards und die Charlotte Bobcats zwei wichtige Siege einzufahren. Nach einer Niederlage gegen Milwaukee war dann auch das Glück auf Seiten der Bullen, als sich die Cleveland Cavaliers dazu entschieden, LeBron James zumindest für eine Nacht zu schonen. Mit insgesamt 47 Punkten legte das Backcourt-Duo Rose/Hinrich den Grundstein zum 109:108-Sieg der Bulls, bei denen sich zumindest Center Joakim Noah wohl bereits auf ein Playoff-Duell mit James und den Cavaliers einzuschießen scheint. Unter der Woche bezeichnete er den amtierenden MVP als momentanes Feindbild und gab bereits die Devise für die etwaige Playoff-Teilnahme aus: „Wir wollen in den Playoffs spielen – gegen sie spielen. Und den Ton angeben!“

Randnotizen

Manu Ginobili und Kobe Bryant bleiben ihren Teams jeweils für drei weitere Jahre erhalten. Beide Spieler einigten sich in der letzten Woche auf Vertragsverlängerungen mit ihren Franchises und könnten ihre Karrieren 2014 somit dort beenden, wo sie angefangen haben. Während Ginobili rund 39 Millionen Dollar kassieren wird, wird Bryant zum ersten Spieler seit Michael Jordan aufsteigen, der mehr als 30 Millionen Dollar in einer Saison verdienen wird. Insgesamt streicht der amtierende Finals-MVP dank seiner Vertragsverlängerung rund 90 Millionen Dollar ein.

Warriors-Coach Don Nelson verdient zwar nicht annähernd so viel, darf sich ab sofort aber trotzdem als siegreichster Coach der NBA-Geschichte bezeichnen. Der 116:107-Sieg seiner Krieger über die Minnesota Timberwolves bedeutete für „Nellie“ den 1333. Sieg seiner Coaching-Laufbahn und damit Platz eins auf der Rangliste der siegreichsten NBA-Übungsleiter.

Ein anderer Head Coach, der sich zukünftig nicht in dieser Liste eintragen wird, ist Mike Krzyzewski. „Coach K“, der mit den Duke Blue Devils letzte Woche seine vierte College-Meisterschaft feiern konnte und auch als Head Coach des Team USA fungiert, schlug ein Angebot des russischen Milliardärs Mikhail Prokhorov aus, für ein Jahressalär von zwölf bis 15 Millionen Dollar jährlich den Coaching-Stuhl der New Jersey Nets zu übernehmen. Nach einem Angebot der Los Angeles Lakers vor drei Jahren ist es bereits das zweite Angebot aus der Profi-Liga, dass der legendäre College-Coach ausschlug.

„Lowlight“ der Woche

Nach allen Diskussionen um die Befangenheit von NBA-Schiedsrichtern, die Ex-Referee Tim Donaughy vor gut zwei Jahren mit seinen Aussagen über den Wettskandal in der nordamerikanischen Profiliga loslöste, dürfte diese Entscheidung den Skeptikern neues Futter geben:



Stat Lines der Woche

Pünktlich zu den Playoffs läuft Manu Ginobili zur Höchstform auf und schickte dem Titelkandidaten aus Orlando beim 112:100-Heimsieg mit seinen 43 Punkten, sechs Rebounds und fünf Assists gleich das Memo, dass die Spurs noch lange nicht tot sind.

Im Western-Shootout zwischen den Utah Jazz und den Oklahoma City Thunder ging es vor allem auch um das Privatduell zwischen den beiden All-Stars Kevin Durant und Deron Williams. Während Durant 45 Punkte und sieben Rebounds in der Overtime-Partie auflegte, setzte Point Guard Williams mit seinen 42 Punkten, zehn Assists und dem Gamewinner beim 140:139-Sieg der Jazz den fulminanten Schlusspunkt.

Für eben diese fulminanten Schlusspunkte sorgt sonst in schöner Regelmäßigkeit auch Carmelo Anthony, der mit seinen 31 Punkten, jeweils vier Rebounds und Assists und diesmal mit einem Block gegen Derek Fisher für den Sieg seiner Nuggets gegen die L.A. Lakers sorgte.

Anthony Tolliver war der ungewöhnliche Held in Don Nelsons Einzug in die Geschichtsbücher. Mit 34 Punkten und acht Rebounds zeichnete der Power Forward der Golden State Warriors maßgeblich für den 116:107-Sieg über die Minnesota Timberwolves mitverantwortlich.

Weniger ungewöhnlich ist die Form, in der sich Dwyane Wade derzeit befindet. Gegen die Indiana Pacers legte er 43 Punkte, neun Rebounds und sechs Assists auf, um einen Tag später die Minnesota Timberwolves mit 39 Punkten, acht Rebounds und sechs Assists abzukochen.

Zitat der Woche

„Ich dachte, ich hätte es geschafft. Ich dachte, ich hätte es geschafft. Mein eigener Mitspieler hat mich bestohlen, mein eigener Mitspieler. Ich war geschockt und entsetzt.“ (Das gab Andray Blatche etwas scherzhaft zu Protokoll, nachdem ihm Mitspieler Cartier Martin in den peinlichen, an Ricky Davis erinnernden Schlussminuten des 109:99-Sieges der Wizards über die Nets den Rebound aus der Hand riss, der für Blatche das erste Triple-Double seiner NBA-Karriere bedeutet hätte.)




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Kommentare

(10 Kommentare bisher)

von eightch 09.04.10 um 14:47:07


wer im westen am ende wo stehen wird läßt sich wirklich nicht vorraussagen...
denke aber das das finale hier la gg den/mav sein wird...

im osten wäre es schon krass wenn sich die bulls da nicht in die po drücken könnten vor allem weil eine teilnahme der raptors ohne bosh und mit angeschlagenem hedo eh reizlos ist (selbiges gilt für die bucks)
hier steht wohl ein finale zwischen den cavs und den magic an - es sei dem die treffen schon früher aufeinander, dann heißt das finale cavs gg boston... ich denke nicht das eines der anderen teams (miami inbegriffen) denen die butter vom brot nimmt...

finale dann la (die werden die mavs wohl leider rauskegeln) gg cavs
und hier sehe ich cleveland deutlich vorn... vielleicht nicht unbedingt vom talent aber mitsicherheit vom siegeshunger her...

so die vorraussagung der lottozahlen folgt in kürze ;)

und weil wir grad dabei sind:
indy - ich habs euch ja gesagt,
spurs - hab ich auch gesagt,
t-mach auch... so jetzt kann ich beruhigt ins we starten ;)



von wintermute19 09.04.10 um 16:06:21


Meiner Meinung nach läuft im Osten alles auf ein Duell zwischen den Cavs und den Magic hinaus. Die Chancen sind hierbei ziemlich ausgelichen, wie ich finde.

Dagegen kann im Westen so ziemlich jeder jeden schlagen. Die von mir am stärksten eingeschätzten Teams - Lakers, Jazz und Nuggets - haben allesamt mit Verletzungen entscheidender Spieler zu kämpfen (Bynum, Kirilenko und Martin), während die von mir am schwächsten eingeschätzen Playoff-Teams - Phoenix und Portland - in recht guter Form sind und mit ziemlichen Serien wuchern können (9:1 und 8:2). Hier ist alles drin, so dass ich mein Geld nicht unbedingt auf die wahrscheinlichste Conference-Finals-Paarung (LA gg. Dallas) setzen würde.



von eightch 09.04.10 um 16:25:52


@wintermute...
so jetzt widersprichst du mir hier auch noch! ;)



von RUN & GUN 09.04.10 um 16:26:18


geht man von einer begegnung im eastern conference final zwischen den cavs und den magic aus, wird es meiner meinung nach entscheidend sein, welches team spieler hat, die in den playoffs über sich hinauswachsen und damit meine ich nicht lebron oder howard. könnte mir vorstellen, dass es bei den magic redick sein könnte und bei den cavs parker.



von Suck My Diktiergerät 09.04.10 um 16:51:01


warum nicht stephen currys statline vom spiel gegen minnie mit reinnehmen?!

27 punkte bei 12-22 shooting (3-5 3fg), 14 assists, 8 rebounds, 7 steals bei 4 tos.
beeindruckender auf jeden fall als tollivers statline.



von wintermute19 09.04.10 um 17:01:22


@ eightch: DIE bezahlen mich gut dafür, Dir zu widersprechen ;-)



von chn7rocket 09.04.10 um 21:16:35


haha was macht blatche da fürn theater XD



von Ana.Lyzer 12.04.10 um 00:20:32


Häh, was hat denn so ne ganz normale Wurfsituation mit einer knappen Foulentscheidung jetzt mit einem Schiedsrichterskandal zu tun?? "Lowlight der Woche" - Unsinn; man kann auch überall irgendwas besser wissen.



von Cabalios 14.04.10 um 23:44:30


Blatche ist so ein Penner. Ich hasse es wenn Spieler nur für ihre Stats spielen!



von KingCrunch 15.04.10 um 00:01:10


Boah, das von Blatche hab ich ja jetzt erst gesehen. Geht ja gar nicht!!! Bissl auf die Stats zu schauen: OK. Aber Martin anzumachen, dass er nicht ausm Weg geht? Geht mal gar nicht! Und dann dem Freiwerfer die High5 verweigern? Was ne Attention Whore!

Aus so jemanden wird kein Star und Schlüsselspieler einer Franchise, auch wenn seine Stats seit Trade-Deadline darauf schließen lassen hätten können!



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