NBA-Wochenrückblick

Einfach Wahnsinn

Eine weitere Woche in der besten Basketballliga der Welt ist verstrichen. Letztlich lassen sich die Ereignisse mit nur einem Wort zusammenfassen: Wahnsinn. Sowohl positiv (Dirk Nowitzki, Foto) als auch negativ, einfach nur Wahnsinn. Der Rückblick klärt euch auf.

Von Dennis Klammer
 12.03.2010 |

Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Wahnsinn. Wenn es läuft, dann läuft’s. Auch in der vergangenen Woche blieben die Dallas Mavericks ungeschlagen und unterstrichen somit ihre Ambitionen auf die Meisterschaft. Bereits 13 Siege in Folge konnte die Franchise aus Texas für sich verbuchen und stellte damit die drittbeste Marke der Team-Historie ein. Die Neuzugänge scheinen endgültig angekommen zu sein und auch Dirk Nowitzki (Foto) zeigte sich abermals in guter Verfassung. Neben Miamis Dwayne Wade wurde der „Dirkster“ mit knapp 27 Punkten, neun Rebounds und zwei Blocks zum Spieler der ersten März-Woche gekürt und trug maßgeblich am Erfolgsrausch der Texaner bei. Nur beim 96:85-Sieg über die New Jersey Nets blieb der Deutsche mit drei von 16 verwandelten Würfen unter seinen Möglichkeiten. Eine anhaltende Siegesserie der Mavs könnte den schwächelnden Los Angeles Lakers noch den Platz des Westernprimus streitig machen. Der amtierende Meister konnte von den letzten zehn Begegnungen nur fünf Spiele für sich entscheiden und musste zudem das erste Mal drei Niederlagen in Folge hinnehmen, seitdem Pau Gasol im Kader steht.

Während die Mavs im Westen das Maß aller Dinge sind, präsentieren sich im Osten die Milwaukee Bucks als das Team der Stunde. Zehn Siege aus den letzten zwölf Partien sprechen eine deutliche Sprache: Playoffs! Einzig gegen die Atlanta Hawks musste sich die Franchise aus Wisconsin knapp mit 102:106 verloren geben. Zuletzt brillierten die Mannen aus der Bierhauptstadt der USA gegen zwei Mannschaften der „Big Three“ im Osten – die Cleveland Cavaliers und Boston Celtics. Verantwortlich für diesen Erfolg ist eine ausgeglichene Teamleistung, die von starken Auftritten unterschiedlicher Akteure gekrönt wird. So protzte Center Andrew Bogut (Foto) beim 86:84-Sieg über Boston imposante 25 Punkte, 17 Rebounds und vier Blocks auf den Statistikbogen. Gegen die LeBron-James-losen Cavaliers aus Cleveland sorgte wiederum Aufbau Brandon Jennings mit 25 Punkten und sechs direkten Korbvorlagen für einen 92:85-Heimerfolg.

Zwei unrühmliche Serien fand nun auch in Memphis ein Ende. Zum einen gelang den Grizzlies nach acht Pleiten in Folge vor heimischem Publikum der ersehnte Sieg über den Titelanwärter auf den ersten Pick des kommenden Drafts, den New Jersey Nets. Rudy Gay, Mike Conley und Marc Gasol führten Memphis zu einem 107:101-Sieg und zurück auf die Erfolgsspur. Bei den Nets stemmte sich vor allem der Backcourt in Form von Devin Harris und Courtney Lee gegen den Misserfolg. Doch trotz der 58 Punkte beider konnte die 56. Niederlage im 63. Spiel nicht verhindert werden. Zum anderen war der 111:91-Triumph der Grizzlies über die Boston Celtics der erste Sieg seit vier Jahren über die Kelten. Auch hier tat sich Gay mit 28 Punkten hervor.

Eine noch unrühmlichere Serie will derzeit jedoch nicht in Portland abreißen. „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.“ Dies wusste schon Fußballer Andreas Brehme in den 90ern. Dass diese ehrenwerte Sportlerweisheit auch für Basketballer gilt, musste jüngst auch Portlands Center Joel Pryzbilla (Foto) unfreiwillig erfahren. Gerade am Knie operiert, rutschte der Big Man in der heimischen Dusche aus und riss sich die frisch geflickte Sehne im Knie erneut. Somit wird Pryzbilla, der vor seinem verletzungsbedingten Ausfall gut vier Punkte und acht Rebounds auflegte, seine Rehamaßnahmen nach einer erneuten Operation auf unbestimmte Zeit verlängern müssen. Böse Zungen behaupten, es gebe einen internen Wettstreit im Lazarett der Trail Blazers, wer es am längsten schaffen würde, dem Parkett fern zu bleiben. Die Quoten für Pryzbilla dürften pfeilartig nach oben schnellen.

Dies dürfte den Augenbrauen von Mike Dunleavy ähnlich ergangen sein, nachdem er beim Friseur war. Was dabei nicht alles passieren kann: Gerade eben ist man noch General Manager der Los Angeles Clippers, im nächsten Augenblick hat man die Haare schön und ist seinen Job los. So ist es Mike Dunleavy Sr. vor wenigen Tagen widerfahren. Dunleavy, der erst vor kurzer Zeit als Head Coach wegen eines Burn-Out-Syndroms zurückgetreten war, verlor nun auch seinen Posten als verantwortlicher Spielerrekrutierer. Dies erfuhr er jedoch erst von einem Bekannten, der es den Medien entnommen hatte. Seitens der Clippers hieß es: Das Team hatte unter Dunleavys siebenjähriger Amtszeit einfach nicht genügend Fortschritte gemacht. Die Clippers wollen nun gewinnen. Als Interims-Lösung wird der bisherige Assistent Dunleavys, Neil Olshey, eingesetzt.

Randnotizen

Auch die Tage von Eddie Jordan (Foto) als Head Coach der Philadelphia 76ers scheinen gezählt. Dies berichtet der Philadelphia Inquirer aufgrund von Informationen aus dem näheren Umfeld der Sixers. Der Besitzer der Franchise, Comcast-Spectator, sei unzufrieden mit der Arbeit von Jordan. Dieser übernahm das Amt erst im vergangenen Jahr von Toni DiLeo, der zurück ins Management gewechselt war. Das Brisante an der Geschichte: der Zeitpunkt, zu dem Jordan gefeuert werden soll, ist ungewiss. Comcast-Spectator, die mit den Philadelphia Flyers auch ein Team in der NHL besitzen, haben erst im Dezember den dortigen Coach, John Stevens, gefeuert. Daher sei der Vorstand nun abgeschreckt, in nur kurzer Zeit bereits den zweiten Head Coach zu entlassen. Zudem soll auch der Posten von Ed Stefanski, dem General Manager der Sixers, diskutiert werden.

Auf die Dienste des ihres etatmäßigen Aufbaus müssen derzeit die San Antonio Spurs verzichten. Im Spiel gegen die Memphis Grizzlies brach sich Tony Parker die rechte Hand. Dennoch konnten die Spurs die Partie mit 102:92 für sich entscheiden. Bis zu den Playoffs wird der Franzose jedoch zurückerwartet.

Stat Lines der Woche

Während Parkers Abstinenz scheint vor allem Manu Ginobili das Ruder in San Antonio an sich zu nehmen. Die Texaner mussten sich zwar knapp den Cavs geschlagen geben (95:97), der Argentinier stellte mit 38 Zähler und sieben verwandelten Distanzwürfen jeweils eine persönliche Saisonbestleistung auf. Dazu griff sich der 32-Jährige sieben Rebounds und verteilte fünf Assists.

Auf eine ähnliche Punkteausbeute kam Dwyane Wade beim Erfolg über die Hawks. Der Shooting Guard der Miami Heat zeigte sich zwar nicht so treffsicher aus dem Feld (10/25 FG), jedoch markierte er zum dritten Mal in Folge mit zehn Assists einen zweistelligen Wert in jener Kategorie und leistete sich nur einen Ballverlust.

In zwei Partien verzichtete Cavs-Coach Mike Brown zuletzt auf seinen Schützling LeBron James (Foto). Davor präsentierte sich der amtierende MVP aber in einer umso wertvolleren Manier: Beim 99:92-Erfolg über die Detroit Pistons wusste James mit 40 Punkten, 13 Rebounds, sechs Assists, drei Steals und zwei Blocks den Statistikbogen ordentlich zu füllen. Auf der Gegenseite sorgte derweil Rodney Stuckey für Aufsehen, als der Point Guard in einer Auszeit zusammengesackt war und mit einer Liege aus der Halle transportiert werden musste. Nach einigen medizinischen Tests gab es aber Entwarnung, sodass Stuckey wohl bald wieder ins Training eingreifen wird.

Nach neun Niederlagen in Oakland in Folge gewannen die Portland Trail Blazers in der vergangenen Woche das erste Mal seit 2004 wieder bei den Golden State Warriors. Dabei war Brandon Roy der Erfolgsgarant: Der Shooting Guard erzielte 41 Zähler, acht Rebounds, drei Assists und zwei Steals und verwandelte 13 seiner 17 Freiwurfversuche.

Auch in der letzten Woche sicherte sich ein Aufbauspieler ein Triple-Double. Mit 19 Punkten, zehn Assists und zehn gefangenen Bällen von den Brettern unterstützte Sacramentos Tyreke Evans (Foto) seine Kings beim ungefährdeten 113:90-Heimerfolg über die Toronto Raptors. Nach der Halbzeit legten die Königlichen los wie die Feuerwehr und erzielten im dritten Viertel 43 Punkte, 20 mehr als die Kanadier. Es ist das erste Triple-Double von Evans’ junger Karriere in der NBA und das Dritte eines Rookies in dieser Spielzeit.

Das erste Mal ist immer etwas Besonderes. Dass es bei Dahntay Jones sage und schreibe 387 Spiele gedauert hat, ist besonders ungewohnt. Jones war es vergangene Woche beim Spiel seiner Indiana Pacers gegen die Philadelphia 76ers das erste Mal in seiner Karriere vergönnt, bei einem Sieg seiner Mannschaft mit 25 Punkten der erfolgreichste Punktesammler zu sein. Herzlichen Glückwunsch!

Buzzerbeater der Woche

Auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn befindet sich derzeit (mal wieder) Kobe Bryant. Bei der erneuten Auflage der letztjährigen Finals-Begegnung setzte es eine knappe 94:96-Niederlage gegen die Orlando Magic. Dabei vergab Bryant den spielentscheidenden Wurf rund eine Sekunde vor Schluss. Dass er es besser kann, bewies er bereits zwei Tage später im Spiel gegen seine Lieblingsgegner, den Toronto Raptors. Bei wenigen Zehntel Sekunden mehr auf der Uhr gönnte sich der 81-Punkte-Mann erneut den letzten Wurf und traf. 109:107 hieß es am Ende für die Lakers. Dies war bereits der sechste Wurf Bryants in dieser Saison, der das Spiel zu Gunsten der Gold-Violetten entschied.

Zitat der Woche

„Ich habe elf Jahre gespielt und ich hatte eine ordentliche Karriere. Vielleicht verließ ich Miami nicht auf die richtige Weise, aber auf jeden Fall aus dem richtigen Grund.“ (Diese Worte brachte Rafer Alston über die Lippen, als er vergangene Woche seinen vorläufigen Rücktritt von der NBA-Bühne bekannt gab. Nachdem seine Zwillingsschwester versucht hatte, sich das Leben zu nehmen, verließ er das Team in Miami und flog nach Texas, um sich um seine Schwester und Familie zu kümmern. Ein einjähriges Comeback würde „Skip to my Lou“ nicht ausschlagen, aber da er im Juli 34 Jahre alt werde, wäre er auch so zufrieden mit seiner Karriere und Entscheidung, räumte die Streetballlegende ein.)




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Kommentare

(3 Kommentare bisher)

von MVP4Nash 12.03.10 um 14:12:18


auf nba.com steht,dass alston mitgeteilt wurde,das er seinen platz in der starting 5 an arroyo verlieren würde und deswegen das team verlassen hat und von den heat suspendiert wurde...trotzdem guter artikel;)



von mkay 12.03.10 um 14:20:30


Seine Versetzung ins zweite Glied war einer der beiden Gründe, warum er sich entschied, die Heat zu verlassen. Der wichtigere Aspekt ist sicherlich der Zustand seiner Schwester.

Die Suspendierung ist die Folge dieser Entscheidungen. Alston gab dies auch unlängst bekannt.



von Dickson 15.03.10 um 09:57:08


ich dachte evans ist kein aufbau sondern mehr SG als PG.
Musste deswegen nicht auch martin gehen???

zu kobes buzzer:
was sich diese leute auf den teuren courtside-sitzen immer rausnehmen... ;-)



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