NBA-Wochenrückblick

Don’t cry for me Miami

Bei den Miami Heat bricht man nach einer weiteren Niederlagenserie in Tränen aus, doch der Optimismus reißt nicht ab. Vor allem, wenn der amtierende Meister, die Los Angeles Lakers, als Trostpflaster herhält. Grund zur Freude gab es in den letzten Tagen für europäische NBA-Fans. In Chicago wird derweil ein Aufbauspieler geadelt.

Von Sebastian Eickhoff
 11.03.2011 |

Ehrlichkeit ist die Basis zur Sportlichkeit. Eigentlich ein einfacher und plausibler Konsens. Doch Erik Spoelstra, Head Coach der Miami Heat, hat sich und seiner Mannschaft wohl kaum einen Gefallen damit getan. Er teilte der Presse mit, dass die Art und Weise, wie das Team die letzten Spiele verloren hat, einige Spieler zu Tränen trieb. Mit dieser Aussage löste Spoelstra „Crygate“ aus und erntet von allen gegnerischen Fronten Spott und Hohn. Zum Lachen waren die Leistungen der Heat wahrlich nicht.



Das Unheil nahm seinen Lauf, als die Mannen um LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh einen sicher geglaubten Sieg gegen die Orlando Magic vergeigten, obwohl sie schon mit 24 Punkten in Front lagen. Einen Tag später reisten die Heat zum Ligaspitzenreiter San Antonio, um sich bei den Spurs eine ordentliche 95:125-Packung abzuholen. Dass die Franchise vom South Beach am Sonntag gegen die Chicago Bulls, einem direkten Konkurrenten bei der Vergabe der vorderen Playoff-Plätze, mit 86:87 auch noch unterlegen war, schien einigen Spielern dann doch an die Nieren zu gehen. Eine Bilanz von einem Sieg aus zehn Begegnungen gegen die fünf besten Teams der aktuellen Saison sind kein Beleg für die Ambitionen, am Ende als Krösus dazustehen. Auch die Niederlage gegen die Portland Trail Blazers reihte sich in die Misere der Heat nahtlos ein.



Das Spiel gegen den Titelverteidiger aus Los Angeles stand also am gestrigen Donnerstag unter keinem guten Stern. Die Lakers hatten vor der Begegnung sieben Spiele in Folge seit dem All-Star-Wochenende gewonnen. Die Spielweise der Heat zeigte im Vergleich zu den vorangegangenen Partien kaum Unterschiede. Der Modus lief wieder klar über die großen Drei, nur dass sie zum Ende die Kontrolle behielten und so den ersten Sieg mit 94:88 in sechs Spielen feiern konnten. Die Heat sind berechenbar, und dieser Tatsache muss man sich in South Beach klar werden, möchte dieses Team in den Playoffs echtes Fürchten lehren.



Um derartige Probleme müssen sich die New Jersey Nets und die Toronto Raptors nicht kümmern, denn Meisterschaftspläne liegen bei beiden Vereinen in der fernen Zukunft. Kein Grund für die NBA, nicht auf Werbetour zu gehen und die beiden ersten regulären Saisonspiele auf europäischen Boden auszurichten. In der Londoner O2 Arena zeigten sich die beiden Teams von ihrer besten Seite und ließen sich es sich nicht nehmen, in der zweiten Begegnung sogar für drei Zugaben das Parkett zu betreten. Brook Lopez führte seine Nets zunächst in Partie eins zu einem ungefährdeten 116:103-Erfolg. Das zweite Spiel war vor allem in der Schlussphase ein offener Schlagabtausch, der das Publikum zu unterhalten wusste. Torontos Andrea Bargnani und DeMar DeRozan steuerten 35 bzw. 30 Punkte für ihre Raptors bei. Doch Nets-Forward Travis Outlaw (Foto) erzielte die letzten acht Zähler seiner Mannschaft und sicherte so in der dritten Verlängerung den knappen 137:136-Sieg.



Die Chicago Bulls ließen in den vergangenen Tagen nichts anbrennen und gehen mit einer Bilanz von 4-0 in das Wochenende. Der Staat Florida wurde Hurricane-artig überrannt: Die Magic und die Miami Heat konnten nur begrenzt Contra leisten. So konnten die Bulls sogar an den Heat in der Tabelle vorbeiziehen. Das Team von Head Coach Tim Thibodaeu tritt mit der nötigen Tiefe auf, so dass auch die verhältnismäßig schwachen Leistungen eines Carlos Boozer durch zum Beispiel Taj Gibson ausgeglichen werden.

Angeführt wird die Truppe durch Aufbauspieler Derrick Rose (Foto, links), der nach dem klaren 101:84-Sieg gegen die Charlotte Bobcats von Teameigner Michael Jordan als Favorit auf die MVP-Trophäe erkoren wurde. 23,8 Punkte und sechs Korbvorlagen in den vergangenen sieben Tagen lassen für diese Meinung kaum Zweifel.



Randnotizen



Als ob die Heat nicht schon Sorgen genug hätten, darf sich LeBron James derzeit mit einer Klage durch einen Nachtclub aus Atlanta herumärgern. Dieser verklagte James, da der Forward einer Vereinbarung nicht nachkam, sich im benannten Etablissement für eine Stunde sehen zu lassen. Für dieses kurze Intermezzo sollte James 25.000 Dollar kassieren. Dieser sagte jedoch seinen Auftritt ab, obwohl er schon rund 15.500 Dollar in Vorkasse gegangen waren.



Gegen die Cleveland Cavaliers erlitt Chris Paul eine Gehirnerschütterung, was die Diskussion zur Einführung klar formulierter Vorgehensweisen erneut entfachte. Das Thema Kopfverletzungen ist Gegenstand der Entscheidung der Teams. Vorgaben seitens der Liga existieren in der Form nicht, so dass der Ruf nach besserem Schutz der Spieler immer lauter wird.



Für hohen Arbeitseifer ist Kobe Bryant allgemein bekannt, aber eine einstündige Schuss-Trainingseinheit nach der Niederlage seiner Los Angeles Lakers gegen die Miami Heat ist für hart gesottene Experten auch überraschend. Die letzten Fehlwürfe in der Partie nahm Bryant zum Anlass, weiter an seinem Spiel zu feilen.



Statistiken der Woche



Kevin Love (Foto) von den Minnesota Timberwolves kann scheinbar nicht mehr einstellig punkten 
und rebounden. Kein Wunder, dass seine 52 Double-Doubles in Folge neuer NBA-Rekord seit der Fusion mit der ABA sind. Gegen die Dallas Mavericks kam er bereits in der ersten Halbzeit auf diesen Serienstand und beendete die Partie, die dennoch zugunsten der Mavs mit 108:105 ausging, mit 23 Punkten und 17 Rebounds. Alter Rekordhalter war Moses Malone, dem dieses Kunststück zwischen 1978 und 1979 51 Mal in Folge gelang.



Malone blieb es in dieser Woche noch ein zweites Mal nicht verwehrt, zuzusehen, wie jemand seine Statistiken der NBA-Geschichte übertrumpft. Lakers-Guard Kobe Bryant sammelte 
genügend Zähler, um in der ewigen Rangliste an Malone vorbei zu ziehen und den sechsten Platz für sich zu beanspruchen.



Die Zahl 16 ist für die erprobten Diskussionsteilnehmer bezüglich der Entscheidungsvorgaben durch die amtlich eingesetzten Spielexekutiven das Signal ihrer aktiven Limitierung – kurzum: Wer 16 hat, ist raus! Dwight Howard (Foto) von den Orlando Magic ereilte dieses „Schicksal“ in der Begegnung gegen die Chicago Bulls, so dass er nach seinen ersten 16 technischen Fouls in dieser Saison das Spiel gegen die Portland Trail Blazers pausieren musste. Amare Stoudemire (Foto, unten) scheut das Lamentieren ebenfalls nicht und kassierte gegen die Dallas Mavericks den Attest zur Spielpause.



Dennoch kann Stoudemire weniger mit Worten, sondern vielmehr mit Leistungen auch positiv auffallen. 41 Punkte und neun Rebounds beim 119:115-Sieg gegen die Cleveland Cavaliers sammelte der Foward im Dienste der New York Knicks.




 

Buzzerbeater der Woche



Zugegeben, da konnte man in der letzten Woche ordentlich über die Utah Jazz ablästern. Al Jefferson zeigt aber, dass die Jazz in Sachen Last-Second-Shots nicht ganz so unvermögend sind:

Zitat der Woche

Für was steht das Akronym „NBA“ noch gleich? Phil Jackson gibt die Antwort: „Das ist die NBA, dort haben Jungs nichts zu suchen (O-Ton: No Boys Allowed)! Und wenn Du das Bedürfnis hast, zu weinen, dann geh' bitte auf Toilette, damit es keiner sieht.“




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von classic 12.03.11 um 10:56:00


Das 16. technische Foul von Stoudemire wurde durch die NBA wieder aufgehoben, so dass der Forward vorerst nicht gesperrt wird.



von Short-E 12.03.11 um 14:15:29


Mal wieder Top, danke für die Mühe jede Woche =) Aber der Bulls Coach heißt meines Wissen Tom und nicht Tim ;)



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