NBA-Wochenrückblick
Die Lin-Win-Situation
Wie schon in der letzten Woche dominiert Jeremy Lin (Foto) die Schlagzeilen wie den Basketball, den der Aufbau der New York Knicks momentan spielt. Während sich jeder nach der neuen Sensation bemüht, wandeln die San Antonio Spurs und die Miami Heat ihre Qualitäten fast unbeachtet in Siegeserien um.
Von Sebastian Eickhoff |
17.02.2012 | |

Der Aufstieg des Jeremy Lin ist DIE Geschichte in dieser NBA-Saison. Vergessen sind die Wartezeit auf das Ende des Lockouts, die Trade-Wünsche diverser Superstars und ja auch fast die spektakulären Dunks der üblichen Verdächtigen. Der Spieler mit der Nummer 17 ist zu einer Identifikationsfigur des gemeinen Sessel-Coaches geworden. Keine Tattoos, keine Starallüren, keine unmenschliche Athletik. Vielmehr ein nicht so ansehnlicher Schuss und ein noch weniger ansehnlicher Haarschnitt. Jeremy Lin ist in seinem Leben sicherlich nicht nur einmal viel Glück gewünscht wurden. Und dieses Glück hat nun den Jungen aus Kalifornien ereilt, das Glück im richtigen Moment, eine faire Chance zu bekommen. Und Jeremy Lin nutzte sie.
Die New York Knicks erhalten seit jeher ungehaltene Prügel, sobald sie die Erwartungen der Großstädter nicht erfüllen. Die Knüppel schwangen Fans und Medien schon recht früh in dieser Saison, quälten sich doch die beiden Superstars Carmelo Anthony und Amare Stoudemire ihren eigenen Ansprüchen hinterher. Wie eine Befreiung schien da der Ausfall der beiden vermeintlichen Leistungsträger. Der in die Kritik geratene Head Coach Mike D'Antoni konnte mit seiner Entscheidung, Lin in die Startaufstellung zu befördern, kaum mehr Schaden anrichten, als diese junge Saison nicht schon längst erlitten hatte. Sieben Spiele später, die alle samt in Siege umgemünzt wurden, ist das Wort "Krise" den zahllosen Wortspielen um Lins präpositionalen Namen gewichen.
"Linsanity" zeigte im Spiel gegen die Los Angeles Lakers kaum Erfurcht und präsentierte dem Publikum 38 Punkte, zehn Assists und zwei Steals. Lakers-Superstar Kobe Bryant, der sich im Vorfeld nur ironisch über Lin äußerte, bekam umgehend einen lebhaften Beweis für das Können des Emporkömmlings. Das New Yorker Publikum ließ sich zu "MVP, MVP!"-Chören verleiten, eine Auszeichnung, die Bryant vor zwei Jahren noch zugute kam. Lin konnte in den letzten zehn Begegnungen einen Schnitt von 19,7 Punkten, 7,7 Assists und 1,3 Steals zu Protokoll geben. Die allerdings Besorgnis erregenden knapp sechs Ballverluste pro Partie hinderten die Liga nicht, ihn für das Risng Stars All Star Game in Orlando zu nominieren.
Während Jeremy Lin wie ein neuer Sportwagen durch die Liga rast, kommen die San Antonio Spurs fast schon wie ein klassischer Oldtimer daher. In den letzten Jahren wurden zwar immer mal wieder Verschleißteile ausgetauscht, doch sowohl die Karosserie um Greg Poppovich, Tim Duncan und Tony Parker (Foto) als auch das Händchen der Verantwortlichen, verlässliche Bauteile passend zu machen, lassen den Motor der Spurs seit Jahren erfolgreich laufen. Seit nunmehr neun Spielen sind die Texaner ungeschlagen. In den vergangenen sieben Tagen konnten sie Siege gegen die New Jersey Nets (103:89), die Detroit Pistons (99:95) und die Toronto Raptors (113:106) verbuchen.
Auch Point Guard Tony Parker kam nicht um ein "Linterview": "Ich freue mich für ihn und die Stadt. Es beeindruckend und man möchte ihn fast anfeuern, jeden Schuss zu nehmen." In der Partie gegen die Raptors kam der Franzose auf 34 Punkte und 14 Assists. "Keiner redet über uns, aber das ist in Ordnung. Wir sind momentan sehr gut drauf, bewegen den Ball und spielen ausgezeichneten Basketball."
Nachdem die Spurs vor heimischen Publikum Schwierigkeiten hatten und mit fünf Niederlagen in die Saison gestartet waren, sorgte ihre anhaltende Auswärtsstärke (die Bilanz konnte dieser Tage auf 8-8 ausgeglichen werden) für die ernstzunehmende Verfolgungsjagd auf den Tabellenführer aus Oklahoma City.
Tabellenführer in der South East Divison sind die Miami Heat. Nach einigen Verletzungssorgen brachten die Heat in der letzten Woche Shooting Guard Dwyane Wade (Foto) wieder zurück in die Aufstellung. In den letzten vier Partien konnte das Team vom South Beach daraus einen Vorteil gewinnen. Siege gegen die Washington Wizards, Atlanta Hawks, die Bucks aus Milwaukee und die Indiana Pacers konnten innerhalb von fünf Tagen eingefahren werden. Somit sind die Heat das erste Team seit 33 Jahren, dass drei Auswärtserfolge innerhalb von drei Abenden für sich entscheiden konnte.
Gründe für den derzeitigen Erfolg Miamis sind unter anderem, dass das Scoring nicht nur von der Startformation ausgeht. Die Bank der Heat kam während der Siegesserie auf einen Schnitt von 35,0 Punkten, die im Vergleich zu den rund 20 Zählern bis dato stehen. Dadurch konnte auch gewährleistet werden, dass hohe Führungen nicht wie in der Vergangenheit wieder verspielt wurden. Head Coach Erik Spoelstra schaffte es außerdem, Möglichkeiten für Shane Battier und Mike Miller zu schaffen, dass beiden erlaubt, miteinander und nebeneinander auf dem Feld zu existieren. Ihre Wurfquote von jenseits der Drei-Punkte-Linie steigerte sich auf 56,0 Prozent. Genauso viel Selbstvertrauen erhalten auch Rookie-Aufbau Norris Cole, der die Vertretung des verletzten Mario Chalmers mit 20 Punkten gegen die Pacers honorierte, und auch Udonis Haslem, der oftmals neben sich stand und seine solide Arbeitskraft vermissen ließ, findet allmählich zu seiner Form zurück.
Power Forward Chris Bosh zeigte in den letzten Begegnungen seine Stärke am Brett. Nachdem Bosh sich zunehmend kritisch über seine offensiven Anteil äußerte, versuchte er seinen eigenen Ansprüchen mit engagierter Arbeit im Rebounding zu entgegnen. 10,2 Ernten pro Partie gaben dem Vorhaben ein hilfreiches Resultat. Während Dwyane Wade seine Feldwurfquote in der vergangenen Serie auf 55 Prozent steigern konnte und auf nunmehr neun Spiele mit mehr als 20 Punkten zurückschauen kann, ist es LeBron James, der die Heat auf seinen Schultern trägt.
Noch vor zwei Wochen sah man einen James (Foto), der an die Finals-Niederlagen erinnerte und der Probleme hatte, die Entscheidung zwischen Abschluss oder Pass zu finden. Innerhalb der vier Siege trumpfte jedoch ein MVP-Kandiat James auf. Im Spiel gegen die Milwaukee Bucks zeigte der Forward mit 35 Punkten, acht Rebounds und drei Steals seine Effizienz, die sich vor allem in der Quote von 16 Treffern aus 21 Versuchen verdeutlichte. Fast wie ein persönliches Anliegen führt James auf eine dominante Art seine Heat (Mit James auf dem Court, lag Miami in der Siegesspanne insgesamt mit 81 Punkten in Front.) an, und mit einer Bilanz von 23 Siegen bei nur sieben Niederlagen weisen die Heat ihren besten Saisonverlauf der Frachise-Historie vor.
Eine Leistungssteigerung konnte man auch beim NBA Champion Dallas Mavericks verzeichnen. Eine Siegesserie von fünf Spielen und eine Bilanz von 7-3-Siegen in den vergangenen Partien sind dafür Zeugnis. Defensiv zeigten die Mavs ihre Qualitäten in Form von durchschnittlich nur 92,4 zugelassenen Punkten und einer gegnerischen Feldwurfquote von 40,4 Prozent. Dem gegenüber stehen 100,8 Punkte im Schnitt in den Erfolgen gegen die Minnesota Timberwolves, Portland Trail Blazers, Los Angeles Clippers und das offensiv stärkste Team der Liga, die Denver Nuggets.
Randnotizen der Woche
Michael Jordan wird am heutigen Freitag 49 Jahre alt. So richtig alt sehen hingegen die Ergebnisse seiner Charlotte Bobcats aus. Die letzten 16 Arbeitsabende wurden mit einer Niederlage beendet. Die Planungen für die Draft sollten im vollsten Gange sein.
Der ehemalige Nuggets Shooting Guard J.R. Smith (Foto) wird neuer Shooting Guard bei den New York Knicks. Bis die Formalien geklärt sind, dauert es aber noch ein wenig, sodass sein Debüt nicht am Sonntag gegen die Dallas Mavericks stattfinden wird.
Allen Iverson gab bekannt, auch ein Engagement in der D-League anzunehmen, um den Bemühungen, wieder in die NBA zurückzukehren, einen Weg zu ebnen. Eine endgültige Entscheidung darüber soll nach dem All Star Game am 26. Februar 2012 fallen.
Chicago Bulls Head Coach Tom Thibodeau wird die All-Star-Auswahl des Ostens in Orlando betreuen. Obwohl er auf MVP Derrick Rose (Rückenentzündung) in den letzten vier Partien verzichten musste, konnte das Team aus Windy City acht der letzten 10 Spiele für sich entscheiden und den Platz an der Sonne mit 25-7 belegen.
Statistiken der Woche
Rajon Rondo (Foto) sorgte mit seinen 32 Punkten, 10 Rebounds und 15 Assists dafür, dass seine Nicht-Nominierung für die All-Star-Tage eine klare Fehlentscheidung sein mussten. Den Sieg gegen die Bulls vertiefte diese Ansicht zusätzlich.
Sein Ärgernis über die verpasste Chance, beim Spiel der Sterne teilzunehmen, machte auch Atlanta Hawks Forward Josh Smith öffentlich. Darunter leiden mussten die Phoenix Suns, die neben der 99:101-Niederlage im Anschreibebogen 30 Punkte, 17 Rebounds und sieben Assists durch Smith gegen sich lesen mussten.
Eigentlich saß Chris Kaman schon auf gepackten Koffern. Der Auswahl-Deutsche sah in den letzten Wochen verminderte Spielanteile, was seine Attraktivität für Tauschgeschäfte nicht gerade steigerte. Die Verletzungssorgen der New Orleans Hornets vertagten die Tranferverhandlungen, sodass sie Kaman wieder aktivierten, der es mit 27 Punkten und 13 Rebounds im Spiel gegen die Utah Jazz dankte. Der Sieg sprang außerdem für die Hornets heraus.
Game Winner der Woche
Dieser Artikel folgt einer inhaltlichen Linie.
Zitat der Woche
"Ich habe Fehler gemacht, aber ich war stets aufrichtig." Ach nee, falsche Stelle.






von KingKolibri 18.02.12 um 09:31:27
Lasst endlich diesen Lin Hype! Er ist ein offensiv talentierter PG, der im Durchschnitt gefühlte 600 TO´s im Schnitt verursacht! Oooooooverrated!
von KB-24 18.02.12 um 10:47:56
blödsinn.
von Pancho 18.02.12 um 11:41:28
HATER...
von TheBoss 18.02.12 um 14:10:55
jeremy lin with 45 turnovers in his 7 starts,7 of 24 3s
don't believe the hype
von Lee777 18.02.12 um 14:30:50
Immer diese Hater, Lin ist sieben Spiele Starter, New York gewinnen 6 davon, ohne Melo, believe the hype, natürlich wird er kein All Star, trotzdem, gibt dem Mann ein wenig Respekt
von Bob!!! 18.02.12 um 19:32:54
außerdem hat er vor seinem run kaum gespielt, danach spielt er plötzlich 40 min im schnitt und dann auch noch drölftausend spiele in zwei wochen. klar, dass man da viele to produziert, weil man iwann einfach mal im arsch ist.
darauf rumzureiten ist aber einfach nur mies, denn es ist seine einzige schwäche. sonst macht der kerl alles richtig...
von Silobeatle 18.02.12 um 19:47:21
das is so nicht ganz richtig... schließlich hat er immer in der D- League gespielt.
Dennoch macht er sein Zeug gut, ich hoffe es bleibt auch so, wenn Melo wieder spielt.
von justuskoch 19.02.12 um 09:33:52
aber lin ist bei nba.com in der MVP ladder....cmon
seine leistung in aller ehren, aber DAS ist jetzt echt zu früh!
von ali90 19.02.12 um 20:14:38
lin hin oder her, ich glaub was smith angeht ist der artikel nicht auf dem neuesten stand (oder ich hab probleme den nba boxscore zu lesen) denn so wie ich das seh hat der schon drei 3er gegen dallas reingehaun.. ach ja und wann ist er eigentlich im managerspiel zu finden?
von realbaum 22.02.12 um 14:37:16
naja die turnover sind bisher schon sehr schlecht. das ist jedoch eine sache die man mit erfahrung und praxis in den griff bekommen kann... und so wie es bisherausschaut bekommt er die jetzt auch :-)
von KB-24 22.02.12 um 18:11:10
man sollte nicht vergessen das die knicks ihre KOMPLETTE offense über den PG und dessen pick and roll und pick and pop spielchen mit den big men aufziehen.so hält lin neben wahnsinnigen minutenanteilen auch den ball zu über 85% in seinen händen.das bei einer spieldauer auf gut 48 minuten hochgerechnet gerne 5-6 mal die pille flöten geht ist dabei völlig human und ein GUTER wert!