NBA-Wochenrückblick
Californian Bynumite
Das soll nicht der Titel der Fortsetzung von „Napoleon Dynamite“ sein, sondern die Bedeutung von Andrew Bynum (Foto) für die Los Angeles Lakers umschreiben. Neben dem amtierenden Meister zeigten sich zuletzt auch die Oklahoma City Thunder in explosiver Form. Währenddessen warf die vergangene Woche die Frage nach der freien Meinungsäußerung in der NBA auf und ob bald die San Antonio Bats in Texas spielen.
Von Manuel Baraniak |
18.03.2011 | |

Wie kurzlebig doch die Welt in der nordamerikanischen Profiliga sein kann. Noch vor der Trading Deadline wurde Andrew Bynum (Foto oben), zumindest von den Medien, als potentieller Trade-Kandidat gehandelt; derzeit ist der 23-jährige Center der womöglich größte Erfolgsgarant für den Lauf der Los Angeles Lakers nach dem All-Star-Wochenende.
Seit dem Show-Event hat der amtierende Meister zehn seiner elf Begegnungen für sich entschieden. Einzig eine Niederlage gegen die Miami Heat beschmutzte die ansonsten weiße Weste der Kalifornier. In der vergangenen Woche konnten sich die Lakers mit Siegen bei den Dallas Mavericks und gegen die Orlando Magic aber erneut gegen Top-Teams der Liga behaupten. Dabei hatte Kobe Bryant, wie schon seit der All-Star-Pause, mit seinem Wurf zu kämpfen und erzielte jeweils nur 16 Zähler (13/29 FG), was auch an seiner Sprunggelenksverletzung gelegen haben mag.
Nichtsdestotrotz ist es gerade die Präsenz Bynums, mit der die Lakers eine schwächere Phase Bryants kompensieren können. Dabei geht es nicht darum, dass der Center die Punktelast schultert. Stattdessen überzeugt der Jungspund mit starker Verteidigung und Rebound-Arbeit. Das weiß Bynum auch selbst: „Ich habe eine Rolle. Und diese ist leicht auszumachen. Ich kann sie sehen und das ist es, was die Coaches von mir wollen. […] Ich habe erkannt, dass dies ein Weg ist, ins Spiel zu kommen, ohne den Ball in der Offensive zu dominieren.“ Womöglich scheinen die vermeintlichen Trade-Gerüchte Bynum noch einmal motiviert zu haben (siehe folgende Tabelle).
| Spiele | MpG | FG% | PpG | RpG | BpG | |
| vor All-Star-Pause | 32 | 25,4 | 55,6 | 11,4 | 7,4 | 1,9 |
| nach All-Star-Pause | 11 | 31,1 | 62,0 | 11,9 | 12,9 | 2,6 |
Im Duell der Center-Hünen zwang Bynum seinen Kontrahenten Dwight Howard zu neun Ballverlusten. Zudem schnappte sich der Laker drei Rebounds mehr als Howard, obwohl Bynum 15 Minuten weniger auf dem Feld stand. Neben Bynum kann auch Ron Artest (Foto) mit einer Leistungssteigerung aufwarten. Dies mag zwar nicht auf die Wurfquote des Small Forwards zutreffen, doch gerade in der Verteidigung steht Artest seinen Mann. Während des Laufs der Lakers hielt der 31-Jährige die Topscorer-Riege um Kevin Durant, Stephen Jackson, LeBron James, Joe Johnson und Manu Ginobili durchschnittlich um über acht Punkte unter deren Saisonschnitte.
Doch es sind nicht nur die individuellen Verteidigungsleistungen Artests und Bynums, die Finals-würdig sind. Überhaupt agieren die Lakers zuletzt um einiges fokussierter in der Defensive als zuvor. Die Statistiken der Gegner seit dem All-Star-Wochenende lesen sich wie folgt: 87,7 PpG, 41,5% FG und 32,4% 3FG. Über die ganze Saison hin wären das jeweils ligaweite Bestwerte. Dass dieser Fokus auf die Defensive auch den Angriff der Lakers stärkt, erklärt Lamar Odom: „Jeder steckt viel Energie in die Defensive. Das führt dazu, dass du den Ball bewegen und teilen möchtest. Wir teilen einfach das Leder und jeder wird integriert.“ Mit dieser Einstellung liegen die Lakers nun gleichauf mit den Dallas Mavericks (jeweils 48 Siege, 20 Niederlagen).
Positionskämpfe
Profitieren konnten die Lakers dabei auch von einer kleineren Schwächephase der Texaner, die sich in der Crunchtime zeigte. Alle vier Niederlagen seit dem All-Star-Wochenende setzte es für die Mavericks mit einem Rückstand von fünf Zählern oder weniger. Sowohl gegen die New Orleans Hornets als auch gegen die Memphis Grizzlies führten die Mavs in der vorletzten Woche in der Schlussphase noch, um sich letztlich doch noch mit einem Zähler geschlagen geben zu müssen. Die letzten fünf Begegnungen gegen Mannschaften aus dem Westen, die derzeit in den Playoffs stehen, wurden allesamt verloren. Keine Wunde, dass der Partie gegen die San Antonio Spurs am heutigen Freitage eine besondere Bedeutung zukommt: „Jeder wird darüber sprechen, dass es einfach ein weiteres Spiel ist. Nicht für dieses Team, nicht für uns. Wir haben uns seit der All-Star-Pause gegen Mannschaften, die um den Titel kämpfen, schwer getan. Es ist ein Maßstab für uns“, räumt Jason Terry dem texanischen Duell enorme Relevanz bei.
Eine Mannschaft, die von den strauchelnden Mavericks profitieren wollen, sind die Oklahoma City Thunder. Die junge Truppe von Head Coach Scott Brooks hat derzeit dreieinhalb Partien Rückstand auf Dallas und die Lakers, aber immerhin die letzten fünf Begegnungen für sich entschieden. Seit zwei Spielen verstärkt dabei Kendrick Perkins (Foto) den Frontcourt der Thunder. Das Resultat? Sowohl die Washington Wizards als auch die Miami Heat mussten sich in der vergangenen Woche mit einer Wurfquote von unter 40 Prozent aus dem Feld begnügen. Mit Perkins und Serge Ibaka kann das Team aus dem mittleren Westen auf ein imposantes defensives Big Men-Duo bauen. Für Ibaka ist Perkins’ Präsenz eine Bereicherung: „Er weiß, wie er seinen Gegner [im Eins-gegen-eins] kontrolliert. Deswegen ist es für mich einfach, auszuhelfen und Würfe zu blocken.“ Nicht erst seit Perkins’ Ankunft scheint Ibaka „not in my house“ als Lebensmotto verinnerlicht zu haben: Im März wehrt der gebürtige Kongolese, der plant, für die spanische Nationalmannschaft aufzulaufen, bisher durchschnittlich vier Wurfversuche des Gegners ab.
Mit Perkins und dem starken Spiel der Bank hat Brooks erstmals eine Rotation von zehn Spielern installiert. Allen voran James Harden tut sich dabei als offensiver Anführer der zweiten Formation heraus. Eine Feldwurfquote von 50 Prozent und eine Punkteausbeute von 17,4 Zählern sind seine Werte seit dem All-Star-Wochenende. Mit der Qual der Wahl kann Brooks äußerst flexibel mit unterschiedlichen Formationen aufwarten. Das Highlight der vergangenen Woche war aus Sicht der Thunder natürlich der Auswärtssieg in Miami. Mit einer Allround-Leistung von 29 Zählern, sieben Rebounds und sechs Assists feierte Kevin Durant (Foto) dabei den ersten Sieg über LeBron James überhaupt.
Für die Heat (46-22) stoppte diese Niederlage vorzeitig den Befreiungsschlag, nachdem die Franchise aus Florida sowohl die Grizzlies als auch die Spurs deutlich in die Schranken gewiesen hatte. Besonders imposant war dabei der 30-Punkte-Sieg über die Texaner – vor allem im Hinblick dessen, dass sich die Heat zehn Tage davor noch mit 30 Zählern geschlagen geben mussten. Nach überraschenden Auswärtsschlappen der Boston Celtics (48-18) bei den Philadelphia 76ers und den New Jersey Nets gestaltet sich der Kampf in der Eastern Conference um den Thron äußerst spannend.
Mit der längsten Siegesserie (acht Erfolge hintereinander) seit sechs Jahren haben die Chicago Bulls (49-18) den ersten Platz des Ostens eingenommen. Zuletzt stand die Franchise aus der „Windy City“ in der Saison 1997/98 ganz oben. Dort könnten die Bullen auch nach Ende der regulären Spielzeit liegen: Von den verbleibenden 15 Begegnungen geht es für Chicago nur sechs Mal gegen Mannschaften mit einer positiven Bilanz.
Von einer positiven Bilanz ist der letzte Playoff-Teilnehmer des Ostens so weit entfernt wie ein Turniertag der March Madness von Langeweile geprägt sein kann. Die Indiana Pacers (29-39), Charlotte Bobcats (28-39) und Milwaukee Bucks (26-41) scheinen von den Schwächenphasen der jeweils anderen Mannschaft nicht so recht profitieren zu können. So versuchen die New Jersey Nets (22-44) die Gunst der Stunde zu nutzen und mit einem Schlussspurt ihre minimalen Chancen noch zu wahren. Zwar setzte es für die Nets in der vergangenen Nacht eine Niederlage gegen die Bulls, davor gewann die Mannschaft um Point Guard Deron Williams fünf Spiele in Serie. Darunter war ein 88:79-Erfolg gegen die Celtics. Bauen kann Coach Avery Johnson unter anderem auf den wieder erstarkten Brook Lopez, der in den letzten acht Partien mindestens 20 Punkte markierte und das Rebounden nicht ganz verlernt zu haben scheint. Dennoch wird es ein enorm schweres Unterfangen, sich noch in die Endrunde zu kämpfen; auch weil Deron Williams’ Probleme am linken Handgelenk nicht wirklich abklingen wollen.
Randnotizen
Mit einer Bilanz von gerade einmal 18 Siegen aus 67 Partien (Siegquote: 26,9%) liegen die Toronto Raptors abgeschlagen im unteren Tabellendrittel der Eastern Conference. Die Kanadier stehen damit kurz davor, die drittschlechteste Saison ihrer 16-jährigen Franchise-Geschichte abzuliefern. Nicht nur angesichts dessen ist es ungewiss, wie lange Bryon Colangelo seine Arbeit als General Manager noch ausführen darf. Der Vertrag des 45-Jährigen läuft nach dieser Saison aus, und derzeit scheint es zweifelhaft, dass er eine Verlängerung unterzeichnen wird. Ein Grund mag in der generell ungewissen Zukunft der Franchise liegen: Der Ontario Teachers’ Pension Plan, der 66 Prozent des Maple Leafs Sports and Entertainment besitzt und damit auch Hauptanteileigner der Raptors ist, möchte seine Anteile verkaufen. Er soll eine Bank beauftragt haben, potentielle Käufer zu finden. Im Raum steht ein Verkauf der Anteile in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar.
Apropos Geld: Dass Stan Van Gundy (Foto) eine Summe an die Liga würde überweisen müssen, hätte man nach den Kommentaren des Head Coaches der Orlando Magic aus der vorletzten Woche vermuten können. Van Gundy hatte nach dem 16. technischen Foul von Dwight Howard und seiner Meinung, der Center werde oft zu hart von Gegnern angegangen, die Führungstage der nordamerikanischen Profiliga, allen voran Commissioner David Stern, heftig kritisiert: „So ist das System von David Stern und seinen Gefolgsleuten. Ich kann freilich keine Meinung haben, da David Stern, wie viele Oberhäupter, die die Welt kürzlich gesehen hat, nicht wirklich die Meinung anderer und Redefreiheit oder dergleichen toleriert.“ In der vergangenen Woche nahm Stern zu den Vorwürfen Stellung und gab zu Protokoll, dass er ein privates Gespräch mit der Führung der Franchise aus Florida suchen werde. Einen kleinen Seitenhieb konnte sich dann auch Stern nicht verkneifen: „Es hat mich nicht auf persönlicher Ebene gestört. Ich sehe nur jemanden, dessen Mannschaft keine Leistung bringt, dessen Starspieler gesperrt wurde und der ein wenig Angst zu bekommen scheint.“
Wie es mit der freien Meinungsäußerung bestellt ist, wird sich die Tage auch Jon Krawczynski, Journalist der Associated Press, der unter anderem über die Minnesota Timberwolves berichtet, fragen. Krawczynski hatte am 25. Januar während des Spiels der Wolves gegen die Houston Rockets auf seiner Twitter-Seite geschrieben, dass Schiedsrichter Bill Spooner Wolves-Coach Kurt Rambis mitgeteilt habe, nach einem schlechten Pfiff dies zu kompensieren. Für Spooner sei dies aber eine verleumderische Anschuldigung, sodass der Unparteiische den Journalisten auf 75.000 Dollar verklagt.
Ob die San Antonio Spurs wohl bald einen Antrag zur Umbenennung in San Antonio Bats stellen werden? Nachdem schon zu Halloween 2009 eine Fledermaus im AT&T Center ausgebüchst worden war, schwirrte auch beim Spiel gegen die Kings in der vergangenen Woche ein solches Tier umher. Spurs-Guard Manu Ginobili wollte sich diesmal nicht von der PETA tadeln lassen und griff nicht ein. Stattdessen durfte die Fledermaus mit einem Zuschauer Vorlieb nehmen:
Statistiken der Woche
Wie gut sich eine neue Umgebung doch anfühlen kann, darf Marcus Thornton nach seinem Wechsel zu den Sacramento Kings sowie der Verletzungspause von Tyreke Evans erfahren: Der 23-jährige Shooting Guard stellte beim Sieg über die Golden State Warriors mit 42 Punkten eine neue Karrierebestleistung auf. Neben starken Wurfquoten (65% FG; 12/14 FT) markierte er mit vier Ballgewinnen ein weiteres„Career-High“.
Ebenfalls eine neue persönliche Bestmarke bei der Punkteausbeute gelang C.J. Miles beim Erfolg über die Minnesota Timberwolves. 40 Zähler standen am Ende für den Small Forward in Diensten der Utah Jazz im Statistikbogen. Miles traf 14 seiner 18 Versuche aus dem Feld und verwandelte sechs seiner sieben Drei-Punkte-Würfe.
„Career-High“, die Dritte: JaVale McGee (Foto) erzielte bei der Schlappe gegen die Chicago Bulls eine persönliche Höchstmarke von zwölf Blocks. Zuletzt hatte in der NBA Keon Clark vor rund zehn Jahren so viele Würfe an den Gegner zurückgeschickt. Mit elf Zähler und zwölf Rebounds markierte McGee zudem das erste Triple-Double seiner Karriere. Wie er zu seiner Punkteausbeute kam, war aber nicht wirklich glanzvoll, wie auch Kommentator Kevin McHale befand.
Während Kevin Loves Serie von Double-Doubles in Folge ein Ende fand, punktete und reboundete Dwight Howard beim Sieg über die Milwaukee Bucks zum 26. Mal in Folge zweistellig, was einen neuen Franchise-Rekord bedeutete. Der Center glänzte mit 31 Punkten und 22 Rebounds, zeigte sich aber miserabel von der Freiwurflinie (13/24 FT).
Ganz anders Dirk Nowitzki. Der Forward blieb auch beim Auswärtsspiel in Oakland perfekt von der Freiwurflinie (12/12 FT) und hat nunmehr 53 Versuche in Folge von der Linie verwandelt. In der letzten Saison markierte der Maverick sogar eine noch bessere Serie (74 verwandelte Freiwürfe hintereinander).
Wie sehr eine Gehirnerschütterung doch die Scoring-Mentalität in Schwung zu bringen scheint. Im ersten Spiel nach seiner Rückkehr stellte Chris Paul (Foto) mit 33 Punkten nicht nur eine persönliche Saisonbestleistung auf, er zeigte sich mit 15 Korbvorlagen auch weiterhin als Point Guard erster Klasse. Sieben Rebounds und fünf Ballgewinne rundeten die Glanzleistung des Aufbauspielers der New Orleans Hornets beim Erfolg über die Kings ab.
Auch Monta Ellis scheint die Wanderung auf dem Grat zwischen punkten und Ball verteilen zu beherrschen: Mit 39 Zählern (7/9 3FG) und elf Assists sowie sechs Rebounds und vier Steals war der Guard der Erfolgsgarant beim Sieg der Warriors gegen die Magic
Gamewinner der Woche
Nach sechs teilweise sehr deutlichen Niederlagen wollte Danny Granger sicherstellen, dass die Indiana Pacers beim Gleichstand von 117:117 gegen die New York Knicks die Chance ergreifen würden, wieder einen Sieg einzufahren:
Zitat der Woche
„Mit der Art, wie die Leute mir am gestrigen Abend geschrieben haben, hätte man denken können, ein Familienmitglied sei gestorben. Sie sagten: ,Es tut mir so leid. Wenn du mit jemandem sprechen musst...’ Von was reden die denn? Ich fühle mich toll. Ich bin in großartiger Stimmung.“ (Kevin Love, nachdem er gegen die Golden State Warriors nur sechs Punkte und zwölf Rebounds markiert hatte. Sein Lauf von 53 Double-Doubles in Folge nahm damit ein Ende)






von nicoquanz 21.03.11 um 17:51:11
wow dieses jahr ist es echt spannend im kampf um die plaayoffs letztes jahr war 12 spiele vorende ja quasi schon alles klar bnis auf ein spot im osten und bei 3 -4 teams die rheinfolge für die playoffs dieses jahr haben wir ja echt einen spanneden kampf im osten wie im westen
osten: wer wird erster wer wird zweiter 6 und 7 ist auch noch nicht klar und umden letzten platz kämpfen grad noch 3 teams.....
westen: kampf um platz 2 zwischen la und dallas ich sage la machts und um die letzten 4 playoffplätze kämpfen 7 teams sowie um die rheinfolge spannendes finale erwartet uns da wohl
von rigobert 22.03.11 um 22:08:39
Für die 12 Blocks hat er gewaltigen Respekt verdient, aber gibts in der NBA eigentlich noch einen dümmeren Spieler als JaVale McGee?