NBA-Wochenrückblick
Boston gelingt Repeat
In der vergangenen Woche konnten die Boston Celtics (Rajon Rondo, Foto) auch das zweite Aufeinandertreffen mit den Miami Heat für sich entscheiden. Während die Utah Jazz Rückstand um Rückstand aufholen konnten, warfen sich die Indiana Pacers in die Geschichtsbücher.
Von Manuel Baraniak |
12.11.2010 | |
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| Mit 14,9 ApG führt Rondo die Liga derzeit deutlich an. Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic) |
Die Franchise aus Massachusetts kann zwar nicht annähernd auf ihre komplette Center-Riege zurückgreifen, da neben dem langzeitverletzten Kendrick Perkins die beiden O’Neals nicht zur gleichen Zeit fit zu sein scheinen. Doch durch ihre alt bekannten Tugenden und einer früh im Rhythmus befindenden Offensive können die Grünen dies kompensieren. Zwar setzte es für die Celtics in der vergangenen Woche gegen die Dallas Mavericks die zweite Niederlage, dennoch befinden sie sich nach einem weiteren Auswärtserfolg, bei den Oklahoma City Thunder, derzeit auf dem ersten Platz im Osten.
Dort wollen früher oder später natürlich auch die Miami Heat hin. Doch die Gegenwart sieht noch anders aus: In der letzten Woche setzte es für die Franchise drei Niederlagen in vier Spielen. Die letzten beiden Heimpartien mussten die Heat abgeben, als sie insgesamt 228 Zähler zuließen. Doch auch in der Offensive stimmt es noch nicht ganz. Zwar sind es vor allem LeBron James und Dwyane Wade, die den Takt bestimmen, doch ab und an wirkt der andere noch wie ein Fremdkörper, wenn der andere gerade heiß läuft. Und ist Chris Bosh (Foto) nur das dritte Rad am Fahrrad? Der Power Forward hatte zuletzt schon das Gespräch mit James gesucht, da er sich in der Offensive nicht so sehr integriert fühle. Doch nach lediglich neun Partien kann man sich noch im (Zweck-) Optimismus üben. „Ich denke, wir sind besser als 5-4. Wir sind das beste Team [mit einer Bilanz von] 5-4 der Liga. Wie wäre es damit?“, gab Wade nach der Schlappe zu Protokoll.
Eine der Niederlagen Miamis setzte es gegen die Utah Jazz. Und das, obwohl die Heat stellenweise schon mit 22 Punkten Vorsprung führten. Doch dank eines Karriereabends von Paul Millsap (Foto, siehe Statistiken der Woche) behielt die Franchise von den Salzseen nach Verlängerung die Oberhand. Dabei scheinen die Jazz reichlich Energie aus der heimischen Energy Solutions Arena mit nach Florida genommen zu haben. Denn schon am Tag nach dem Sieg in Miami gewann Utah auch bei den Orlando Magic. Dabei holten sie einen ähnlichen Rückstand auf, als sie im dritten Viertel mit 18 Punkten im Hintertreffen waren. Mit einer derartigen Differenz lagen die Jazz sogar im Heimspiel gegen die Los Angeles Clippers, das sie aber auch noch drehen konnten, in Rückstand. Auf die Antwort, was der Schlüssel zum Erfolg der Jazz sei, antwortete Millsap mit einem Lächeln: „Ich schätze, in Rückstand zu geraten. Anscheinend benötigen wir das, um all unser Talent vorzuführen.“Eine perfekte Woche wurde den Jazz aber durch die Golden State Warriors verwährt. Wurden die „Krieger“ aus Kalifornien unter Don Nelson noch als defensives schwarzes Loch belächelt, zeigt sich die Verteidigungsleistung unter dem neuen Head Coach Keith Smart schon weitaus stärker. Zwar verteidigen laut Statistik immer noch 19 Mannschaften besser als die Warriors; die Jazz kamen aber beispielsweise nicht über 78 Zähler hinaus. Die 85 Zähler, die die Warriors beim Erfolg erzielten, war die geringste Punkteausbeute bei einem Sieg seit fünf Jahren. Auch wenn sich die Warriors in der vergangenen Woche den Detroit Pistons und deutlich den Chicago Bulls geschlagen geben mussten, so hat die Franchise den Oakland mit vier Siegen aus fünf Spielen den besten Saisonstart seit 1990/91 hingelegt. Setzen kann Smart dabei vor allem auf den wohl offensiv potentesten Backcourt der Liga (Monta Ellis: 26,8 PpG; Stephen Curry: 21,0 PpG).
Im Westen machen neben den New Orleans Hornets, dem einzig noch ungeschlagenen Team der Liga, und den Los Angeles Lakers zuletzt aber vor allem die San Antonio Spurs von sich Reden. Die letzten sechs Spiele entschieden die Texaner für sich, sodass sie auch die vergangene Woche perfekt abschlossen. Erfreulich ist dabei vor allem die Leistungssteigerung von Richard Jefferson, bei gleichzeitiger Gehaltssenkung. In der Offseason war der Small Forward ja aus seinem Vertrag ausgestiegen, der ihm noch einmal 15 Millionen Dollar eingebracht hätte, nur um dann für ein weitaus geringeres Jahressalär zu verlängern. Derzeit ist der 30-Jährige der zweitbeste Punktesammler der Spurs und zeigt sich aus dem Feld am treffsichersten (58,7% FG; 53,3% FG).
Wurden im letzten Wochenrückblick die „Nullnummern der Liga“ präsentiert, steht nun nur noch bei den Hornets die null (in der Niederlagenspalte). Während sich die Lakers in der vergangenen Nacht den Denver Nuggets geschlagen geben mussten, setzte es für die Atlanta Hawks sogar drei Pleiten in Folge. Den Pistons gelang nicht nur gegen die Warriors ein Sieg; zwei Tage zuvor glückte ihnen gegen die Charlotte Bobcats der erste Saisonerfolg. Für die Houston Rockets gab es nach fünf Niederlagen gegen die Minnesota Timberwolves den ersten Sieg zu feiern.
Randnotizen
Diesen Sieg fuhren die Rockets dabei ohne Aaron Brooks ein, der auf Grund einer Sprunggelenksverletzung bis zu sechs Wochen pausieren wird. Dem nicht genug, hat es auch Yao Ming erwischt. Hatte man zuvor erst noch lesen können, dass der Chinese vielleicht länger als das vor der Saison angesetzte Maximum von 24 Minuten würde spielen können, hat sich dies zunächst erübrigt. Der Center verließ die Partie gegen die Washington Wizards bereits nach dem ersten Viertel und wird auf Grund einer leichten Sprunggelenksverletzung rund eine Woche inaktiv sein. Eine Stressfraktur, die Yao in der Vergangenheit immer wieder beschäftigt hatte, hat sich nun James Anderson zugezogen. Der Rookie der San Antonio Spurs wird sich einer Operation unterziehen lassen müssen und etwa zwei Monate ausfallen.
Ausfallend zeigte sich zuletzt laut Charlie Villanueva (Foto) auch Kevin Garnett. Villanueva gab auf seiner Twitter-Seite – wohl nicht die beste Plattform dafür – bekannt, dass der Forward der Boston Celtics ihn als Krebspatienten beschimpft habe. Garnett wies dies zwar von sich, Fragen bezüglich seines Charakters und Trash Talks bleiben aber. Da ließ es sich auch Joakim Noah nicht nehmen, die Gelegenheit zu ergreifen und Garnett als „schmutzigen Spieler“ und „gemeinen Typ“ in einer Talk-Show zu beschreiben. So könnte der Zickenkrieg 2.0 aussehen. Statistiken der Woche
„Ich weiß nicht, wieviele Dreier er in Folge getroffen hat, aber es war wie beim alten ,NBA Jam’.“ Denvers Ty Lawson verglich die Vorstellung von Mike Dunleavy (Foto) mit einem Videospiel. Denn der Small Forward der Indiana Pacers verwandelte jeden seiner fünf Drei-Punkte-Versuche im dritten Viertel, als die Pacers 20 Würfe in Folge trafen und den Spielabschnitt mit 54 Punkten abschlossen. Dies bedeutete einen neuen Franchise-Rekord sowie die vierthöchste Punkteausbeute in einem Viertel in der Ligageschichte.Einen persönlichen Rekord stellte auch Paul Millsap beim Sieg über die Heat auf. Mit 46 Punkten markierte der Power Forward ein neues „Career-High“ und sammelte zudem neun Rebounds. In den letzten 28 Sekunden der regulären Spielzeit traf Millsap drei Distanzwürfe und den Korbleger zum Ausgleich mit der Schlusssirene. Über seine fünfjährige Karriere hatte der 25-Jährige zuvor insgesamt nur zwei seine 20 Drei-Punkte-Versuche verwandeln können.
Ebenfalls eine neue persönliche Bestmarke stellte Michael Beasley (Foto) beim 98:89-Auswärtssieg seiner Minnesota Timberwolves in Sacramento auf. Der Forward traf 17 seiner 31 Wurfversuche für 42 Zähler und holte sich zudem neun Rebounds. Bereits nach zehn Minuten hatte der 21-Jährige 18 Punkte auf seinem Konto.John Wall wurde zum drittjüngsten Spieler der Geschichte, der ein Triple-Double verbuchen konnte. Der Liganeuling in Diensten Washingtons führte mit 19 Punkten, 13 Assists und zehn Rebounds (zudem sechs Steals) sein Team zum Sieg über Houston. Neben Lamar Odom ist zudem LeBron James ein Triple-Double noch früher gelungen. Der Heat-Forward bewies auch in der vergangenen Woche seine Vielseitigkeit und lieferte bei der Niederlage gegen die Jazz 20 Punkte, 14 Korbvorlagen und elf Rebounds ab. Zwei Tage später hätte er um einen Assists erneut ein Triple-Double erreicht.
Vielseitig zeigten sich auch Kevin Love und Zach Randolph: Beiden Big Men gelang ein „20/20“-Spiel. Während Love gegen die Lakers 23 Punkte und 24 Rebounds auflegte, konnte sich Randolph über seine 23 Zähler und 20 Rebounds gegen Phoenix mehr freuen, da er im Gegensatz zu Love mit den Grizzlies in jenem Spiel auch siegreich blieb.
Buzzerbeater der Woche
Sind in einer Partie, in der man in Rückstand liegt, noch 0,4 Sekunden auf der Uhr zu spielen und man hat nicht Derek Fisher im Team, so bleibt einem nichts anderes übrig, als den Ball hoffnungsvoll Richtung Korb zu spielen. Dies tat auch Grant Hill von den Phoenix Suns im Spiel gegen die Memphis Grizzlies, als er Jason Richardson fand, der das Spiel mit diesem Korbleger in der Verlängerung schickte.
Dort konnten sich die Suns mit 123:118 durchsetzen. Richardson glänzte dabei mit 38 Zählern (6/8 3FG), acht Rebounds, vier Ballgewinnen und drei Korbvorlagen.
Zitat der Woche
„Dirk hat seine Haare geschnitten. Er ist zurück zu seinem MVP-Status.“ (Jason Terry über die Vorstellung Dirk Nowitzkis beim Sieg über Boston. Der Anti-Samson führte mit kurz geschorenem Haar die Texaner mit 25 Zählern an, markierte zehn Punkte allein in den letzten fünf Minuten und traf den spielentscheidenden Wurf 18 Sekunden vor Schluss. Zwei Tage zuvor enttäuschte Nowitzki im Spiel gegen die Nuggets vor allem im letzten Viertel, als er sich fünf Ballverluste leistete und jeden seiner drei Feldwürfe daneben setzte.)







von Crossover 30.05.2012 um 11:21:00
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