NBA-Wochenrückblick

Aus den Tiefen des Westens

Mit den Portland Trail Blazers (LaMarcus Aldridge, Foto) und Memphis Grizzlies spielen derzeit zwei Mannschaften im Westen auf, die keiner mehr auf der Rechnung hatte. Während die Bulls und Derrick Rose Ausrufezeichen setzen, steht hinter den Los Angeles Lakers ein Fragezeichen.

Von Manuel Baraniak
 18.02.2011 |

Enttäuschung

Wer hat eigentlich wen enttäuscht?
Das Trugbild den Unwissenden?
Der Träumer seine Illusionen?
Oder eine Realität die andere?

lamarcus_aldridge_10_11Jenes Gedicht Thomas Wehners scheint gut auf die letzten Tage von LaMarcus Aldridge (Foto) zu passen. Der Power Forward der Portland Trail Blazers wurde nicht für das am Sonntag stattfindende All-Star Game nominiert und scheint seitdem die Existenz von Parelleluniversen beweisen zu wollen: Eine Realität, in der die Blazers weiter unter ferner Liefen laufen und in der Aldridges Leistungssteigerung auf die Freiheiten auf Grund des großen Lazaretts zurückgeführt wird. Eine andere Realität, in der Aldridge zum Anführer mutiert ist und mit seinem offensiven Output die Blazers auf Playoff-Kurs (fünfter Platz; 32 Siege, 24 Niederlagen) hält.

Die Offensive ist es auch, die der Franchise aus Oregon Siege beschert. In der jüngeren Vergangenheit stets als Mannschaft mit Fokus auf die Verteidigung angesehen, punkteten die Blazers während ihrer Siegesserie von sechs Partien immer im dreistelligen Bereich. In der vergangenen Woche verwandelten sie als Team 51 Prozent ihrer Würfe aus dem Feld. Neben Andre Miller, Wesley Matthews und Rudy Fernandez besticht vor allem Aldridge. Vier 30-Punkte-Spiel samt neuer Karrierebestleistung kann der Big Man aufweisen. Dabei bewegt er sich in Sphären eines Cylde Drexlers (siehe Statistiken der Woche).

Doch wie wird sich Aldridges (Offensiv)Spiel ändern, wenn Brandon Roy zurückkehren wird, der nach der All-Star-Pause wieder auflaufen will? Und wird das Management in Oregon doch noch via Trades nachbessern? Derzeit steht ein Trade mit den New Jersey Nets um Andre Miller und Nets-Aufbauspieler Devin Harris im Raum.

mike conleyEin Spieler, der auf Grund seiner College-Zeit mit Greg Oden öfter mit den Blazers in Verbindung gebracht wurde, ist Mike Conley (Foto). Doch auf den 23-jährigen Aufbauspieler wird das Front Office in Tennessee nicht mehr verzichten wollen. Mit Karrierebestleistungen bei der Feldwurfquote, den Punkten, Assists und Steals reiht sich Conley in das erstarkte Kollektiv der Grizzlies ein. In der vergangenen Woche behauptete sich die Mannschaft von Head Coach Lionel Collins unter anderem gegen die Denver Nuggets und die stark aufspielenden Philadelphia 76ers. Nimmt man die Begegnungen seit dem 7. Dezember als Maßstab, sind die Grizzlies die siebtbeste Mannschaft der Liga.

Getrübt wird der Angriff auf die Playoffs durch die Schulterverletzung von Topscorer Rudy Gay. Der Small Forward soll erst in rund einem Monat auf das Parkett zurückkehren können. In jenem Spiel gegen die Sixers, in dem sich Gay verletzt hatte, lief O.J. Mayo nach einer Sperre von zehn Begegnungen erstmals wieder auf. Der Shooting Guard vergaß bei seiner Einwechslung dann auch gleich, sein Trainingsshirt auszuziehen. Wie oft sich Mayo während Gays Abstinenz dem Shooting Shirt entledigen darf, wird sich zeigen. Denn zuletzt spielten auf seiner Position vor allem Sam Young und Tony Allen stark auf. Beide Swingmen erzielten erst kürzlich ein „Career-High“ bei den Punkten.

blazers grizzlies diagramm dezember 2010

Ihr Statement, bitte

Durch ein starkes neues Jahr haben die Grizzlies nun sogar auf die achtplatzierten Utah Jazz (beide 31-26) aufgeschlossen. Die Franchise aus Salt Lake City ist seit dem Rücktritt von Jerry Sloan ohne Sieg und verlor jedes ihrer vier Spiele, darunter zwei Partien gegen die direkte Konkurrenz aus Phoenix. Wie war das noch mit Karma und Schlampe?

In der Western Conference schwächelten neben den New Orleans Hornets zuletzt vor allem die Los Angeles Lakers (38-19). Nach dem guten Start ihres Auswärtstrips beendete der amtierende Meister seine Reise im Osten mit drei Niederlagen. Besonders peinlich: eine Schlappe bei den Cleveland Cavaliers und eine 20-Punkte-Niederlage gegen die Charlotte Bobcats. Neben den Boston Celtics sind die Rotluchse die einzige Franchise der NBA, die eine positive Bilanz gegen die Gold-Violetten aufweisen kann. „Ich bin beschämt darüber, was wir getan haben. Das ist alles. Danke.“ Das waren die wenigen Worte von Head Coach Phil Jackson nach der Niederlage, der gleich danach von dannen schritt.

derrick_roseZuvor mussten sich die Lakers auch den Orlando Magic geschlagen geben. Ein sogenanntes „Statement Game“, wie es in den US-Medien zuletzt oft zu lesen war, konnte die Franchise aus Florida für sich entscheiden. Ein Ausrufezeichen setzten auch die Chicago Bulls gegen Ligakrösus San Antonio. Mit 109:99 behielten die Bullen in der vergangenen Nacht die Oberhand. In einer bis dahin schon grandiosen Spielzeit lieferte Derrick Rose (Foto) seine womöglich beste Partie ab (siehe Statistiken der Woche) und untermauerte seinen Status als MVP-Kandidat.

Durch zehn Siege aus den letzten zwölf Begegnungen liegen die Bulls (38-16) nur jeweils zwei Spiele hinter den Boston Celtics und Miami Heat. Unter Head Coach Tom Thibodeau stellt Chicago in dieser Spielzeit die effizienteste Verteidigung der Liga (97,4 gegnerische Punkte bei 100 Ballbesitzen) und schnappt sich prozentual die meisten Rebounds. Dabei müssen die Bulls immer noch auf Joakim Noah verzichten. Am kommenden Mittwoch soll der Center nach zweimonatiger Verletzungspause zurückkehren. Die Bullen scharren mit den Hufen.

Auch wenn die Golden State Warriors mit dem elften Platz im Westen (26-29) ganz woanders stehen, so haben sich die Krieger in der vergangenen Woche durch drei respektabel erkämpfte Siege ebenso Lob verdient. Schließlich bezwangen sie die besser platzierten Oklahoma City Thunder, New Orleans Hornets und Utah Jazz. Die Zahlen von Monta Ellis dabei: 29,7 Punkte, 5,7 Assists und eine Feldwurfquote von 51 Prozent. Auch Ellis könnte die Anfangszeilen dieses Artikels aufmerksam lesen.

Randnotizen


carmelo anthonyNoch knapp eine Woche, dann wird das Theater um Carmelo Anthony (Foto) spätestens seine (vorerst) letzte Vorstellung geben. Wenige Tage vor der Trading Deadline sollen die New Jersey Nets wieder die erste Option darstellen – wenn Anthony bereit wäre, dort eine Vertragsverlängerung zu unterzeichnen. Derzeit könnte ein Tauschgeschäft wie folgt aussehen: Anthony, Chauncey Billups, Renaldo Balkman und Melvin Ely zu den Nets; Derrick Favors, Devin Harris, Troy Murphy, Ben Uzoh und vier Erstrunden-Picks nach Denver. Sowohl Nets-Besitzer Mikhail Prokhorov als auch Knicks-Vorsitzender James Dolan sollen während des All-Star-Wochenendes eine Audienz bei Anthony erhalten.

Nicht nur Brandon Roy und Joakim Noah stehen vor einer Rückkehr, auch Michael Redd soll bald wieder für die Milwaukee Bucks auflaufen. Nach einer schweren Knieverletzung würde der Shooting Guard sein Saisondebüt geben. Es wäre wohl der letzte Versuch Redds, seine Karriere fortzusetzen. Sein erstes Spiel in dieser Spielzeit absolvierte in der vergangenen Woche auch Rodrigue Beaubois. Der Franzose in Diensten der Dallas Mavericks stand gegen die Sacramento Kings 21 Minuten auf dem Feld und hatte letztlich vor allem durch seinen Zug zum Korb 13 Zähler sowie sechs Assists und drei Steals auf seinem Konto.

Wird Kanada bald doch wieder eine zweite NBA-Franchise neben den Toronto Raptors beheimaten? Commissioner David Stern gab kürzlich bekannt, dass Vancouver einer mehrerer potentieller Märkte einer Franchise sei. Francesco Aquilini, Vorsitzender von Canucks Sports and Entertainment, schielt dabei auf die Hornets, die derzeit in Besitz der NBA sind. Im Jahre 2001 waren die Grizzlies von Vancouver nach Memphis umgesiedelt.

Statistiken der Woche


Mit 42 Punkten gegen die Spurs stellte Derrick Rose eine persönliche Saisonbestleistung auf. Der Point Guard traf 18 seiner 28 Wurfversuche aus dem Feld, holte sich fünf Rebounds und gab acht Korbvorlagen bei nur einem Ballverlust.

Einen Punkt weniger erzielte Dwyane Wade beim Auswärtssieg gegen die Indiana Pacers. Neben den 41 Zählern standen zudem noch zwölf Rebounds, drei Assists und zwei Steals hinter seinem Namen im Statistikbogen. Der Shooting Guard hatte wohl noch den Super Bowl vor Augen und mimte den Quarterback:



LaMarcus Aldridge beendete die Partie bei den Detroit Pistons mit 36 Punkten, vier Rebounds, drei Korbvorlagen und zwei Ballgewinnen. Damit markierte der Power Forward zum dritten Mal in Folge mindestens 35 Zähler. Einzig Clyde Drexler war dies in der Blazers-Geschichte bisher gelungen.

Mit 36 Zählern stemmte sich Kyle Lowry gegen die Niederlage gegen die Sixers, vergeblich. Seine Punkteausbeute bedeutete aber immerhin eine neue persönliche Karrierebestleistung. Der Aufbauspieler der Houston Rockets gab außerdem sieben direkte Pässe zu Korbvorlagen, holte sich vier Rebounds und traf 15 seiner 18 Wurfversuche aus dem Feld (6/9 3FG).

Nach 25 Auswärtsniederlagen gewannen Washington Wizards in dieser Saison zum ersten Mal bei den Cavs eine Partie auf des Gegners Platz. Die 68:46-Halbzeitführung bedeutete sogar den höchsten Vorsprung zur Pause in einer Auswärtspartie seit über sechs Jahren.

Buzzerbeater der Woche

Stephen Jackson mag ein Spieler sein, der oftmals eine große Klappe hat (siehe vergangener Wochenrückblick), doch es steckt bei ihm auch etwas dahinter. Der 32-Jährige Swingman bescherte seinen Charlotte Bobcats einen 88:86-Auswärtssieg bei den Atlanta Hawks. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Rotluchse entschied die Franchise ein Spiel mit der Schlusssirene. Hawks-Guard Maurice Evans liegt Jackson auf Grund dessen auch zu Füßen:



Zitat der Woche


„Denvers Verhandlungsphilosophie scheint bisher aus den Seiten des Kinderbuchbestsellers ‚If you give a mouse a cookie’ zu stammen.“ (Alan Hahn von der US-amerikanischen Zeitung Newsday über das Hin und her der Nuggets bei den Verhandlungen um einen Trade von Carmelo Anthony)




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Kommentare

(6 Kommentare bisher)

von Eastcoast 18.02.11 um 17:56:17


Will hier nicht wieder eine "Andrew Bynum Diskussion" auslösen, aber die Lakers hätten glaube ich tatsächlich Handlungsbedarf, wenn das was mit dem erneuten Titel werden soll! Bin zwar sicher, dass sie in den Playoffs wieder megastark auftreten, aber momentan hätten sie in einer Best-of-7 weder gegen die Spurs noch die Celtics oder die Heat eine Chance!



von nicoquanz 18.02.11 um 18:06:30


du träumer haha die heat haben gegen die celtics keine chance und die spurs gegen die lakers auch nicht fianls la vs boston bin la fan mit leib und seele aber sehe boston ein klein bisschen stärker an es sei denn kobe dreht so richtig krass auf



von rosi.bo 18.02.11 um 20:13:23


oder dallas?...für dirk wohl die letzte chance.
ich hoffe sie bekommen noch was für butler.
die lakers, bulls und heat werden nächstes jahr noch stärker sein.



von Eastcoast 18.02.11 um 20:17:22


@nicoquanz:
Na "Träumer" halte ich für eine mutige Ansage! ;-) Ich hasse die Heat wie die Pest, aber wenn Haslem wieder fit ist und die noch die restliche Saison Zeit haben sich einzuspielen, werden die schwer zu schlagen sein! Hoffe Boston siegt im Osten, aber das wird eng! Und die Spurs sind gegen die Lakers chancenlos???? GUTEN MORGEN!!!!!



von Treffnix 18.02.11 um 23:29:32


Ich sehe bei den Heat Miller noch längst nicht bei 100 % und auch Haslem fehlt schmerzlich. Aber mit einem voll einsatzfähigen Kader können sie die Celtics schlagen. Ob sie es dann auch schaffen steht auf nem anderen Blatt. Bin mal gespannt ob RIP möglicherweise noch in Boston landet.(gibt ja Gerüchte)



von KB-24 19.02.11 um 00:20:42


naja miami nimmt ja mittlerweile wie boston alles was bei drei nich auf baum is,die setzn auchn typen wie rip auf die bank,klar...-.-

und haslem fehlt ja nun seit monaten bestätigt offizell die ganze saison,weshalb mir das ja schon son bisschen runter geht wie öl das die da im post so lacken...



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