NBA-Wochenrückblick

Altes Eisen ohne Rost

Die All-Star-Reservisten sind in der vergangenen Nacht bekannt gegeben wurden. Und auch in diesem Jahr bilden die Entscheidungen einen gute Grundlage für rege Diskussionen.

Von Sebastian Eickhoff
 10.02.2012 |



„Wow!!!“ konnte eine Reaktion die Nominierung von Roy Hibbert (Foto links unten) als All-Star-Ersatzspieler kaum besser beschreiben. Ziemlich erstaunt zeigte sich der Center der Indiana Pacers über seinen Twitter-Account. Dennoch sollte diese Wahl keine wirkliche Überraschung sein, da die Indiana Pacers in diesem Jahr wieder auf einem guten Weg in Richtung Playoffs sind. Natürlich ist es der Tatsache geschuldet, dass es in der Eastern Conference kaum große Leute mit Hibberts Qualitäten gibt, doch seine Statistiken von 13,6 Punkten, 9,9 Rebounds und 1,8 Blocks im Schnitt tragen neben den der Leistungsträger Danny Granger und David West zum diesjährigen Erfolg der Franchise immens bei.

Nach den ersten 25 Saisonspielen können die Pacers eine Bilanz von 17 Siegen und acht Niederlagen vorweisen, was gleichbedeutend mit dem besten Saisonstart seit 2003/04 ist. Head Coach John Vogel betreut eine Truppe, die dem Teamgedanken und einem strikten, defensiven Konzept folgt. Derzeit belegen sie den vierten Rang, wenn es um die Feldwurfquote des Gegners (42,1% FG) geht. Dennoch gehören sie dort nicht zur Elite, belegen die Pacers doch nur den 23. Platz bei der defensiven Rebound-Arbeit. Ein Grund dafür ist, dass die Center-Position allein durch Hibbert bekleidet wird und er über keinen adäquaten Ersatzmann verfügt, so dass die Forwards oftmals gegen größere Konkurrenten aushelfen müssen.

Die Offensive ist durch ein ausgeglichenes, aber eher durchschnittliches Scoring geprägt. Zwar übt sich Indiana in wenigen Ballverlusten, doch viel ergibt sich durch zweite Chancen. Nur Paul George, George Hill und Jeff Foster können Quoten jenseits der 60 Prozent in Korbnähe vorweisen. Tyler Hansbrough (57,1% FG am Korb), David West (56,9%), Danny Granger (55,7%), Hibbert (54,8%) und Darren Collison (54,3%) können sich in dieser Hinsicht kaum mit Ruhm bekleckern.

Granger, West, Hibbert und Collison sind Spieler, die zu einer überragenden Partie fähig sind. Von der Bank sorgt Tyler Hansbrough für regelmäßige Impulse. Mit der Entwicklung von Paul George als offensive Kraft jedoch, sind die Pacers in ihrer Startformation breit aufgestellt und bleiben so unberechenbar in ihren Matchups. Aufgrund eines optimistischen Spielplans mit weniger „back-to-back-to-back“-Ansetzungen kann Indiana bei gleich bleibender Leistung ein Kandidat für die Playoffs samt Heimvorteil in der ersten Runde sein. Da ist es nur legitim, dass man einen All-Star in seinen Reihen weiß.

Neben Hibbert gibt auch Chicagos Luol Deng (Foto) sein All-Star-Debüt. Kaum ein anderer Spieler in den Reihen der Bulls verfolgt die Verteidigungsphilosophie von Head Coach Tim Thibodeau so stark und setzt die Rolle des „Mädchens für alles“ besser um als der englische Nationalspieler. Ein defensiver Motor ist ebenfalls Andre Igoudala von den Philadelphia 76ers, der auch seine Premiere im All-Star-Dress geben wird. Im Westen gibt es derweil drei Neulinge: Nach Andrew Bynum, der von den Fans in die Startformation gewählt worden war, stellen die Portland Trail Blazers LaMarcus Aldrige nach Orlando ab, während Marc Gasol von den Memphis Grizzlies den Vorzug vor seinem Lakers-Bruder Pau erhalten hatte.

In diesem Jahr sind es aber weniger die Neustars oder Spieler, die nicht in die Auswahl gekommen sind, die für den Gesprächsstoff sorgen, sondern vielmehr Akteure, deren Sterne im Absinken scheinen. Dirk Nowitzki hatte noch zu Wochenbeginn eine eigene Nominierung für nicht gerecht erklärt, freut sich natürlich dennoch, in Orlando mit dabei sein zu können. „Ich bin stolz, die Mavericks repräsentieren zu können und ich bedanke mich dafür“, gab der amtierende Finals-MVP bekannt. Auch Paul Pierce (Foto oben) hatte ähnlich wie Nowitzki große Probleme, in gewohnter Manier die Saison zu starten. Eine Fußverletzung machte dem Celtic sehr zu schaffen, jedoch war er zuletzt für den starken Lauf Bostons (neun Siege aus den letzten elf Partien) hauptverantwortlich. Für allem in Nowitzkis Falls kann die All-Star-Ernennung primär wie eine Verdienstbescheinigung der vergangenen Monate denn als eine Leistungsbelohnung interpretiert werden.

Einen guten Misch aus Beidem wird sicherlich Phoenix Suns-Ikone Steve Nash (Foto) zuteil, der Entroster in seinem Speiseplan aufgenommen haben muss. Der „alte“ Mann, der am Dienstag seinen 38. Geburtstag feierte, ist der Grund dafür, dass das Team aus Arizona nicht ganz in der Wüste untergeht. Wenn man die Statistiken seiner beiden MVP-Saisons (17,2 PpG, 11,0 ApG, 22,6 PER) mit den aktuellen Zahlen (15,0 PpG, 10,1 ApG, 20,0 PER) vergleicht, kann man kaum von einem Leistungsgefälle sprechen. Nach Kareem Abdul-Jabbar, Karl Malone und Michael Jordan ist Nash erst der vierte Spieler, dem eine All-Star-Nominierung in einem so hohen Alter zuteil wird.

Außerdem lösen Tony Parker aus San Antonio, Russell Westbrook (Oklahma City Thunder), Kevin Love (Minnesota Timberwolves), Chris Bosh (Miami Heat), Atlantas Joe Johnson und Deron Williams von den New Jersey Nets ihre Flugtickets nach Florida.

Statistiken der Woche

Vom Orthopäden direkt zum Franchise-Rekord. Wege sind manchmal kürzer als erwartet. In der vergangenen Woche verweilte Portland Trail Blazers’ Nicolas Batum (Foto) noch im Wartezimmer, und schon machten die ersten Gerüchte den Umlauf, dass er sich einer saisonbeendenden Operation am Knie unterziehen müsste. Dennoch trat er gegen die Denver Nuggets zum Dienstbeginn an. 48 Spielminuten später hatte der Franzose einen neuen Rekord mit neun versenkten Drei-Punkte-Würfen in die Teamannalen eintragen lassen. Die daraus resultierenden 33 Punkte waren ein wesentlicher Anteil zum deutlichen 117:97-Erfolg Portlands.

Ziemlich gut von außen meinte es auch der Shooting Guard der New Jersey Nets, Anthony Morrow. Noch kurz vor der Begegnung gegen die Minnesota Timberwolves war noch nicht einmal klar, ob er aufgrund seiner Knöchelverletzung spielen könnte. Acht Treffer jenseits der Drei-Punkte-Line und insgesamt 42 Punkte attestierten dann jedoch wenig Grund für eine Krankschreibung.

Ein weiterer Franzose versuchte ebenfalls positiv Reden von sich zu machen. Tony Parker spielte in der Partie gegen die Oklahoma City Thunder groß auf und zeigte im Duell gegen Jungspund Russell Westbrook, dass der Spurs-Aufbau keineswegs schon zum alten Eisen gehört. Seine 42 Punkte und neun Assists trugen zum Sieg bei und dürften auch den NBA Coaches bei der Wahl der All-Star-Reservisten ein Argument gewesen sein.

Bei den New York Knicks ist man für jeden Lichtblick dankbar, da der bisherige Saisonverlauf kaum dem erwarteten Drehbuch entspricht. Vor allem die die Point Guard-Position wechselt seine Darsteller öfter als die Geliebte in einer Daily Soap. Iman Shumpert zeigt zwar primär seine defensiven Fähigkeiten, verfügt aber nicht über die nötige Erfahrung, eine Franchise zu dirigieren. Auch Toney Douglas lässt entsprechende Zuverlässigkeit derzeit vermissen. Als scheinbar Glücksfall entpuppt sich die Verpflichtung von Jeremy Lin (Foto), der vor einigen Wochen noch die Entlassungspapiere von den Golden State Warriors erhalten hatte. Head Coach Mike D’Antoni schenkte ihm das Vertrauen und der US-Amerikaner mit taiwanesischen Wurzeln bedankte sich mit 25 Punkten, fünf Rebounds und sieben Assists.

„My Shot is Fal“-Lin sah keinen Grund, diesen Abend zur Alltagsfliege verkommen zu lassen und belohnte sich schon in der nächsten Partie gegen die Utah Jazz mit einem erneuten Karrierehoch von 28 Punkten, die mit acht Korbvorlagen verziert wurden. Nach Amare Stoudemeire und Carmelo Anthony ist Lin damit erst der dritte Knickebocker in dieser Saison, der in zwei aufeinander folgenden Spielen auf mehr als 20 Punkte kam. Der „Lin’ing Streak“ ging dann auch gegen die Washington Wizards weiter, in der der Harvard-Absolvent auf 23 Punkte und zehn Assists (persönliche Bestmarke) beim 107:93-Erfolg kam. Damit ist er mit einem gewissen Lebron James der einzige Spieler, der in seinen ersten drei Spielen als Starter einen Schnitt von 20 Punkten und acht Assists vorzuweisen hat.

Monta Ellis (Foto) von den Golden State Warriors gehört zu den Artisten dieser Liga und ist ebenso als Scorer bekannt. Seine 48 Punkte gegen die Oklahoma City Thunder bedeuteten eine neue Bestleistung seines Portfolios. Auch David Lee zeigte an diesem Abend nicht minder Enthusiasmus und war mit seinem Triple-Double (25 Pkt, 11 Reb, 10 Ast) der erste Warrior seit Chris Webber im Jahr 1993, dem diese statistische Glanzleistung gelang. Genützt hat es dennoch nichts, denn die Thunder heimsten den 119:116-Sieg ein.

Einen Sieg hätte Lakers-Guard Kobe Bryant gegen die Philadelphia sicherlich auch gern gesehen. Doch gegen die 76ers ernteten die Mannen aus Los Angeles eine 90:95-Niederlage. Ein vermeintlicher Trost dieser Partie war, dass Bryant mit seinem 24. Punkt (insgesamt 29) seinen alten Freundfeind und ehemaligen Teamkollegen Shaquille O’Neal vom fünfen Platz der ewigen Scorer-Liste verdrängte. Mit seinen nunmehr 28.628 Zählern fehlen dem seit 1996 aktiven Guard bis Platz vier nur noch 2.791 Punkte. Dann würde er NBA-Legende Wilt Chamberlain hinter sich lassen.

Auch beim Erzrivalen aus Boston musste eine Legende einem aktuellen Akteur den Platz in den Franchise-Büchern zur Verfügung stellen. Paul Pierce ließ mit einem Dreier im Spiel gegen die Charlotte Bobcats keinen geringeren als Larry Bird (insgesamt 21.792 Zähler) hinter sich einsortieren und ist nun in der Celtics-Agenda auf dem zweiten Platz. Den Platz an der Sonne hält momentan John Havlicek mit einer Ausbeute von 26.395 Punkten.

Gamewinner der Woche



Und wir dachten, das Geburtstagskind verteilt keine Geschenke.

Zitat der Woche

„Ich sollte keine All-Star sein.“ (Dirk Nowitzki unterstreicht seine reflektive, ehrliche Art. Eine Meinung in Ehren, die die NBA Coaches allerdings nicht teilten.)




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Kommentare

(9 Kommentare bisher)

von AC 10.02.12 um 19:39:56


Wird das Spiel eigentlich im Free-TV übertragen?



von superman12 11.02.12 um 07:04:33


Hat Curry für die Warriors nie ein Triple Double gemacht, kann ich mir kaum vorstellen???



von Eastcoast 11.02.12 um 11:23:39


LINsanity goes on!!!! 38 Punkte gegen die Lakers, Hammer! Der Junge macht echt Spaß!!! Endlich mal ein Lichtblick im Big Apple! Bin gespannt, wie lange er auf diesem Level weiterspielt!!



von ca$hmoney 11.02.12 um 11:46:02


J-Lin ist hamma! Keep up the good work young fella!



von Silobeatle 11.02.12 um 14:54:12


Das Ibaka innerhalb von wenigen Tagen in 2 Spielen mind. 10 Blocks gemacht hat scheint nicht interessant zu sein.



von Durant44 11.02.12 um 15:47:37


Ja, Lin ist wirklich krass!! Zum Glück habe ich den letzte Woche in Managerspiel aufgenommen!! ;-)
Aber was fällt auf bei den Knicks!? Kaum spielen die zwei Superstars nicht, schon gewinnen die Knicks ihre Spiele. So tragisch der Grund bei Amare auch ist, aber die Knicks gewinnen ihre Spiele nicht nur, sie spielen auch richtig gut und vor allem mit viel Herz und Leidenschaft. Es wird gefightet bis zum Umfallen, Hut ab. Hatte vor kurzem in einer anderen Diskussion erst behauptet, die Knicks haben eine schlechte Bank, das muss ich zur Zeit wohl revidieren.
Ibaka holt grad alles vom Himmel, echt übel wie der grad drauf ist.



von BC_Fan 11.02.12 um 22:28:22


Ohne Melo schlechtreden zu wollen, glaube ich, dass wenn Amare wiederkommt das Spiel der Knicks trotzdem gerade in der Offense so bleibt. Man hat ja gesehen, wie gut es vor dem Melo Trade lief. Wenn Melo zurück kommt glaube ich, dass gerade die Ballbewegung in der Offense wieder zurück geht.



von Wendy 12.02.12 um 18:17:55


....tired of the "ALT-Stars"......

wird langsam langweilig immer die selben "all-Stars" zu sehen,... was haben die denn eigentlich gegen monta, crawford, josh smith, jennings, lowry, jefferson, millsap, gay etc? also von josh smith oder monta kann man mehr show erwarten als von dirk, nash, pierce, oder chris bosh,
..und immer nur lebron vs kobe im wettstreit um den all-star mvp anzuschauen nervt langsam auch.


same procedure as every year,... rookie-soph-game wird mal wieder interessanter als die "hauptattraktion am sonntag...
sind die eigentlich schon nominiert?

Irgendwie erinnert mich das was der Lin gerade abzieht an Ramon Sessions vor ein paar Jahren,..glaub da hatte der auch ähnliche Stats in den letzten Begegnungen...aber ob die da 5 hintereinander gewonnen hatten bezweifle ich... endlich mal wieder frischer wind in new york... da kann melo ruhig noch n bisschen aussetzen...



von KB-24 15.02.12 um 20:51:08


kommt man jetz nur noch mit anmeldung ins five forum...?oO

pw,username usw?



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