NBA-Saisonvorschau

Veränderung heißt Fortschritt

Das hoffen zumindest die Mannschaften der Atlantic Division. Über 30 Neuzugänge verzeichneten die Teams aus Boston, New Jersey, New York (Amare Stoudemire, Foto), Philadelphia und Toronto. Bei den Nets und Sixers steht zudem ein neuer Head Coach an der Seitenlinie.

Von Manuel Gonzalez (mg), Thomas Käckenmeister (tk), Dennis Klammer (dk), Florian Lindemann (flo), Nikolaus Raab (nr)
 18.10.2010 |

Boston Celtics: Oldies but Goldies

Vergangene Saison: 50 Siege, 32 Niederlagen; NBA Finals

(flo). Die Zeit läuft gegen die Boston Celtics. Im Schnitt sind deren Spieler über 28 Jahre alt. Die erste Fünf sogar 31,6 Jahre. Wären die Kelten in den letztjährigen Playoffs in der ersten Runde gescheitert, würde man jetzt vermutlich über ein ganz neues Team sprechen. Doch der Finaleinzug bestärkte General Manager Danny Ainge darin, den Neuaufbau noch ein paar Jahre nach hinten zu schieben, um mit der Veteranentruppe noch einmal anzugreifen.

Die wichtigsten Transaktionen der Offseason waren die Vertragsverlängerungen mit Paul Pierce (Foto) und Ray Allen. Der 33-jährige Pierce verlängerte für 61 Millionen Dollar über vier Jahre; Allen erhält in den kommenden zwei Spielzeiten je zehn Millionen Dollar. Vor allem der Vertrag von Pierce ist mit Vorsicht zu genießen, da er am Vertragsende bereits 37 Jahre alt sein wird. Offensiv dürfte er leicht abbauen; entscheidend wird allerdings sein, ob er noch Spieler wie Kobe Bryant verteidigen kann. Allen ist sein Geld definitiv wert. Er hat bewiesen, dass er auch im hohen Alter seine Leistungen abrufen kann.

Den Frontcourt verstärken zwei O'Neals: Jermanine O'Neal erhielt die komplette Mid-Level Exception in Höhe von elf Millionen Dollar über zwei Jahre. Er wird vor allem defensiv wichtig sein. Da Kendrick Perkins noch einige Monate ausfällt, muss Jermaine dessen Platz an Garnetts Seite einnehmen. Shaquille O'Neal (Foto) gab sich mit 2,8 Millionen für zwei Spielzeiten zufrieden. Der mittlerweile 38-Jährige zieht immer noch Double-Teams im Low-Post und generiert freie Würfe, jedoch ist fraglich, ob er die hohe defensive Intensität der Celtics mitgehen kann. Die beiden Center sollten die Pensionierung von Rasheed Wallace problemlos kompensieren können.

Ebenfalls einen neuen Vertrag erhielt Nate Robinson (neun Millionen über zwei Jahre). Er bewies vor allem in den Playoffs, dass er ein wichtiges, zuvor verzweifelt benötigtes, Element der Celtics-Offensive ist. Ohne ihn wäre die Serie gegen Orlando vermutlich verloren gegangen. In der kommenden Saison wird er als sechster Mann Firepower von der Bank bringen. Interessant wird zu sehen sein, ob er von Zeit zu Zeit auch mit Rondo im Backcourt harmonieren kann.

Wann wird Rondo sein Spiel noch variabler gestalten können, indem er sich einen Distanzwurf zulegt?
Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Rajan Rondo (Foto) kann in der kommenden Saison endgültig zum besten Spieler Bostons aufsteigen. Dafür muss der Aufbauspieler allerdings endlich einen akzeptablen Distanzwurf entwickeln. Ansonsten könnte seine Entwicklung stagnieren. Kevin Garnett ist offensiv nur noch ein Schatten seines jüngeren Ichs. Im Wesentlichen besteht sein Angriffsspiel nur noch aus Fade-Aways und Würfen aus der Halbdistanz. Defensiv ist er jedoch immer noch eine Macht. Er kann im Prinzip einen Big Man des Gegners komplett aus dem Spiel nehmen.

Der Abgang vom defensiven Stopper Tony Allen nach Memphis wiegt schwer. Dieser konnte Spieler wie Kobe Bryant wenigstens einigermaßen verteidigen. Rookie Avery Bradley hat das Potential, in dessen Fußstapfen zu treten, dies wird jedoch noch nicht in der ersten Saison geschehen. Marquis Daniels wird viel defensive Arbeit von Allen übernehmen müssen. Von Wafer wird offensiv ab und zu Akzente setzen können, aber letztendlich wenige Minuten sehen. Der türkische Center Semih Erden absolvierte eine ordentliche Weltmeisterschaft in der Türkei. Auch in der Preseason zeigte er gute Ansätze. Er wird sich gut in das Spiel der Celtics einfügen. Mit Luke Harangody wird noch ein weiterer Big Man in Massachusetts auf Korbjagd gehen. Der 52. Draft-Pick dieses Jahres könnte sich früher oder später noch als „Steal“ erweisen. Jedoch ist der Frontcourt Bostons, in dem Glen Davis nicht vergessen werden darf, nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ gut besetzt, sodass Minuten nur schwer abzugreifen sind. Delonte West wurde für das Veteranenminimum geholt und wird ein paar Minuten im Backcourt abgreifen.

Die reguläre Saison wird in Boston wenig Bedeutung haben, denn die Hauptsache ist, dass das Team von Doc Rivers die Playoffs erst einmal erreicht. Die konkrete Platzierung im Osten ist zweitrangig. Der Heimvorteil wäre lediglich ein Luxus, den die abgezockte Truppe aber nicht nötig haben wird. Entscheidend wird sein, ob alle Spieler zu den Playoffs fit sein werden.

Die Kelten haben unglaublich viele potentielle Streithähne und Trouble-Maker im Team. In der Vergangenheit gelang es Boston immer wieder, streitbare Charaktere in die Teamchemie zu integrieren. In dieser Saison muss dies erneut gelingen, sonst könnte Danny Ainge seine Entscheidungen des diesjährigen Sommers schnell bereuen.

Optimum: Die Kelten erreichen die Playoffs, in denen alle Spieler fit sind. Sie schalten einen Favoriten nach dem anderen aus und gewinnen nach 2008 erneut den Titel.

Floptimum: Es entwickelt sich keine wirkliche Teamchemie. Die Celtics scheitern knapp an den Playoffs, auch weil Allen und Pierce nicht ansatzweise so gut spielen, wie ihre Verträge versprechen. Danny Ainge wünscht sich einen „Rebuild“ herbei.

Jeder rechnet damit, dass die Celtics vor allem durch ihre Defensive Spiele gewinnen werden.

US-Managerspiel-Tipp: Für 3,1 Millionen Dollar ist Nate Robinson noch recht günstig zu haben. Er wird offensiv von der Bank wirbeln und sicher einige Fantasy-Punkte bringen.




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Kommentare

(9 Kommentare bisher)

von Clodewich 18.10.10 um 21:09:16


Und wieder werden alle sagen "Die Celtics sind doch alt." Und wieder wird es am Ende heißen "Die Erfahrung ist ihre große Stärke." ... Ich habe Boston auf dem Zettel.



von eightch 19.10.10 um 09:18:52


^^war ja bei den spurs auch immer so und dann haben sie jedes zweite jahr den titel abgegriffen - ich habs den celtics auch letztes jahr sooooo gewünscht und denke das sie es dieses jahr schaffen werden...
achtung prophezeiung: 52 siege in der regular season, dann ein harter kampf ins finale und gegen la 4:2 finals-mvp rondo... daran werde ich mich messen lassen ;)
danach wird kobe noch mal meister, dann bekommt dirk den ring und in den danach folgenden drei jahren holt miami die titel... bei fragen - fragen!



von cellardoor 19.10.10 um 15:01:46


Also die Spurs habe ich dieses Jahr nun ehrlich nicht mehr auf dem Schirm. Letzte Saison schon mit Ach und Krach in die Playoffs gekommen. Parker will weg. Der Rest wird alt.
In den Playoffs traue ich ihnen auf jeden Fall die 2te Runde zu. Aber erstmal bis dahin kommen...
Boston wird (leider) nicht jünger. Die O´Neals werden helfen, die reguläre Saison souveräner abzuschließen, aber in den Playoffs wird ihnen nicht nochmal so ein Run gelingen wie letztes Jahr.
Bin kein Fan der Heat, aber was die in der Preseason abliefern kann sich sehen lassen. Wade und James. Wenn da nur einer der beiden "Normalform" erreicht, der andere "ganz gut" spielt, plus Bosh und jeweils ein Rollenspieler der aufdreht, werden die Heat Boston in der ersten (oder 2ten) Runde rauskicken.
Im Osten ist die einzige Gefahr für die Heat Chicago. Orlando wird in der Saison besser abschneiden, aber Chicago hat den Vorteil des "ersten Jahres". Da is man noch hungrig und hochmotiviert. Kann für den einen oder anderen Überraschungssieg reichen.
Mein Tipp für die Finals: Chicago gegen Lakers. (1-4)
Ab nächstem Jahr is dann Miami-Time!!



von Hurricane 19.10.10 um 16:07:09


Mal gucken, ich würde mich ja freuen. Wenn mal wieder ein überaschungs team zu schlägt. Und zum Thema Spurs wird garantiert jetzt Magic Marco was dazu sagen, das Duncan niemalts alt wird od so ähnlich :D :D



von The Answer #3 19.10.10 um 18:31:49


Selbst bei einer miesen Team-Chemie und einer schlimmeren Verletzung von einem oder sogar zweier Stars sollte mindestens die 2. Runde für die Celtics drin sein. Alles andere wäre eine riesen Überraschung...
Oder in der NBA passiert was ähnliches wie in der Fussball Bundesliga und die Lakers, Heat und Celtics landen im Mittelmaß und die New Jersey Nets werden Champs, mit Anthony Morrow als Finals-MVP^^



von oxymoron (x-over) 19.10.10 um 21:22:05


Als weiteres Feature gibt es jetzt auch die Depth Charts, angefangen mit den Mannschaften der Atlantic Division: [crossover-online.de]



von luck-da 19.10.10 um 23:23:52


also ob des schlimm wäre wenn der Brand sich verletzt?
dann können se wenigstens ihren fastbreak basketball spielen was sie schon die letzten jahre auszeichent.



von xax 20.10.10 um 11:02:30


ihr schätzt die Raptors höher ein als die Nets?
Optimum:"Toronto sichert sich mit Ach und Krach den letzten Playoff-Platz im Osten, verliert dann aber in der ersten Runde."
Optimum:"Mit einem variablen Spiel und einem Fokus auf die Verteidigung erreichen die Nets immerhin rund 35 Siege und dürfen an den Playoff-Plätzen zumindest schnuppen."
Ich wette, dass die Nets deutlich besser seien werden als die raptors. Ich glaube ihr unterschätzt die "Defense-Intensität" der Raptors, die sollten mal schnell nellie holen...



von xax 20.10.10 um 11:04:04


Danke auch dafür: "Beim Blick auf den bisherigen Kader wird eines deutlich: Toronto ist kein Playoff-Team." Echt?



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