NBA-Saisonvorschau
Im Big Apple will man Großes
In der letzten Saisonvorschau steht die Atlantic Division im Mittelpunkt. Nach vier Divisionstiteln in Folge könnte die Vormachtstellung der Boston Celtics am Atlantik bald eine Ende haben: Die New York Knicks wollen wieder zuück zu alter Stärke. Philadelphia, New Jersey und Toronto komplettieren die Division.
Von Christian Gerne (cge), Thomas Käckenmeister (tk), Dennis Klammer (dk), Marc Lehmkühler (ml) |
24.12.2011 | |

Boston Celtics: In der Ruhe liegt die Kraft
Vergangene Saison: 56 Siege, 26 Niederlagen (Siegquote: 68,%); zweite Playoff-Runde
(dk). Das ligaweite Wettrüsten war bis kurz vor dem Saisonstart noch im vollen Gange; überall liegt der Hauch von etwas Neuem in der Luft. Doch während sich andernorts viele Franchises ihre Startformation adäquat mit Topspielern verstärken und ihre Lücken zu füllen versuchen, üben sich die Boston Celtics in Geduld. Sie vertrauen offensichtlich in ihren buchstäblich alten Kader und haben die Ruhe weg. Warum auch nicht? Die „Meisterschaft jetzt“-Attitüde ist spätestens seit vergangener Saison passé, der mittelfristige Neuaufbau steht auf der Agenda. Eine durchschnittliche Spielzeit ohne große Aufreger steht bevor.
In der Startformation bleibt alles beim Alten, erst auf der Bank zeigen sich die Veränderungen. Die nennenswerteste Transaktion der Offseason war der Tausch des von Head Coach Doc Rivers ungeliebten „Big Baby“ Glen Davis gegen Orlandos Brandon Bass (Foto links), für den angesichts der alternden Brettspieler Jermaine O’Neal und Kevin Garnett mehr Spielzeit abfallen dürfte. Doch obwohl Boston verletzungsbedingte Pausen von Glasknochen O’Neal eingeplant haben wird, sind die Kelten trotz Bass nach dem Karriereende von Shaquille O’Neal unterm Korb dünn besetzt.
Die Veteranen Troy Murphy und Nenad Kristic sind weg; sowohl Nachwuchs-Center Greg Stiemsma als auch Rookie JaJuan Johnson fallen eher in die Kategorie „Bankspieler“ als zur Sorte „sichere Bank“. Neben Bass sollte ursprünglich Jeff Green der zweiten, jungen Garde Tiefe verleihen, doch aufgrund eines Aortenaneurysmas muss sich der Forward einer Operation unterziehen, die ihn mindestens eine Saison ausfallen lassen wird. So profitiert letztlich Weltenbummler Chris Wilcox womöglich von diesem Umstand, der ihm einige Minuten bringen wird. Für eine kurze Übergangszeit vertretbar, große Sprünge können die Celtics damit aber – vor allem in den Playoffs – nicht machen. Eine Nachverpflichtung eines Pivoten ist daher durchaus wahrscheinlich, zudem die Kelten durch die Entlassung des Kurz-Würzburgers Gilbert Brown, Jamal Sampson und Michael Sweetney erst 14 statt der erlaubten 15 Spieler im Kader haben. Jedoch schien zuletzt mit dem von den Phoenix Suns entlassenden Mickael Pietrus auch ein weiterer Swingman im Gespräch zu sein.
Auf den kleineren Positionen hat sich hinter dem Startertrio Rajon Rondo (Foto links)/ Ray Allen (Foto oben)/ Paul Pierce wenig getan. Marquis Daniels und Keyon Dooling ersetzen Carlos Arroyo und Delonte West, der gern in Boston geblieben wäre, zukünftig aber für Dallas auflaufen wird. Vor allem Dooling scheint es Doc Rivers, der Mitte des Jahres seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert hatte, angetan zu haben. „Ich liebe ihn. Wir hätten keinen besseren Backup für Rondo finden können“, sagte Rivers dem Boston Herald. „Mit seinem Einsatz, seiner Erfahrung und seinem Wissen. Er trifft die offenen Schüsse – zudem fordert er Rondo im Training alles ab“, freut sich der Coach. Neben Rondo wird auch Rookie E'Twaun Moore (55. Draft-Pick) von seinem Wissen profitieren, allerdings wohl nur im Training.
Denn das Überangebot auf der Eins gibt es auch auf der Zwei. Hinter Allen streiten sich Daniels und Talent Avery Bradley um die Minuten, einer der wenigen Athleten im Team. Er gilt als die Zukunft des Teams und soll den Generationswechsel kaum spürbar werden lassen.
Prognose: Obwohl Boston auf den ersten Blick nur an kleinen Rädchen gedreht hat, sollten die mittelfristigen Auswirkungen auf das Getriebe spürbar sein. Ob die Änderungen an der Feinmotorik helfen, zeigt sich vor allem, wenn einer der Leistungsträger ausfällt. Auf der Fünf dürfte noch ein Veteran anheuern. Für den unangefochtenen Divisionstitel wird es diese Saison durch New Yorks Auferstehung erstmalig wieder eng werden. Aber angesichts des immer noch starken Kaders und der Erfahrung sollte das Playoff-Heimrecht drin sein.
US-Managerspiel-Tipp: Brandon Bass (3,85 Mio.). Kevin Garnett ist 35 Jahre alt, Jermaine O’Neal 33. Als erster Backup des Frontcourts sollte der 26-jährige Bass in einer verkürzten Saison genug Spielanteile sehen.
Depth Chart (Stand: 24. Dezember 2011):
| Erste Fünf | Bank | Bank | |
| PG: | R.Rondo | K.Dooling | |
| SG: | R.Allen | A.Bradley | |
| SF: | P.Pierce | M.Daniels | S.Pavlovic |
| PF: | K.Garnett | B.Bass | J.Johnson |
| C: | J.O’Neal | C.Wilcox |
Erweiterter Kader: E'Twaun Moore (SG), Greg Stiemsma (C)






von Landry 24.12.11 um 16:44:44
Bibby wird nicht starten. Douglas wird bis zur Genesung von Davis starten.