NBA-Saisonvorschau

Griff nach mehr

In der fünften und vorletzten NBA-Saisonvorschau steht die Southeast Division im Mittelpunkt. Darin gilt der Vizemeister aus Orlando (Dwight Howard, Foto) als klarer Favorit; die Magic wollen nach der Finals-Niederlage mehr. Die Teams aus Atlanta, Charlotte, Miami und Washington streben ebenso nach Fortschritt.

Von Dennis Amedovski (dam), Sebastian Eickhoff (sei), Lukas Oldenburg (old), Joshua Wiedmann (jw), Conrad Ziesch (cz)
 23.10.2009 |

Washington Wizards: Letzte Chance für das Arenas-Team

Vergangene Saison: 19-63; keine Playoffs

(old). Drei lange Jahre konnten die Washington Wizards ihr Versagen auf die Verletzungen ihrer Leistungsträger schieben – vor allem auf die Knie von Gilbert Arenas, der in den letzten zwei Spielzeiten nur 15 von 164 Begegnungen bestritt. Zum Start dieser Saison sind alle Leistungsträger wieder gesund. Doch Verletzungen hin oder her: Es erwartet uns die wohl letzte Saison, in der die Wizards versuchen, aus dem „Arenas-Team“ doch noch einen Finals-Kandidaten zu schmieden.

Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

Man glaubt es ja kaum: Erstmals seit 2006 soll der Star-Point-Guard zum Saisonstart fit sein wie ein Turnschuh: Arenas (Foto) hat abgenommen, im Training dunkt er ohne Probleme, und er trifft seine wilden Dreier wie früher. Aber kann „Agent Zero“ es wirklich noch wie früher, wenn es drauf ankommt?

Unterstützung sollte er ausnahmsweise genug haben: Auch in diesem Sommer erhielt Ernie Grunfeld von allen Seiten Applaus für einen gelungenen Schachzug: Der General Manager holte Swingman Mike Miller und Combo Guard Randy Foye von Minnesota nach Washington. Abgeben mussten die Wizards dafür ihren fünften Draft-Pick, die Power Forwards Oleksiy Pecherov und Darius Songaila sowie Center Etan Thomas. Letzteren wird keiner vermissen, denn schon seit Jahren hatten die Wizards versucht, seinen dicken Vertrag loszuwerden. Miller hat zwar, was den Punkteschnitt betrifft (9,9 PpG), seine schwächste Saison hinter sich, doch er ist noch immer mehr als nur eine Gefahr von der Dreierlinie (40,1% 3FG über seine Karriere). Wahrscheinlich wird er als Shooting Guard neben Arenas starten, Randy Foye wird ihn und Arenas von der Bank unterstützen.

Apropos Bank: Im Backcourt sitzen dort noch Nick Young, Super-Verteidiger Dominic McGuire, der sich letztes Jahr in die Herzen der Fans spielte, der athletische junge Spielmacher Javaris Crittenton, Point-Guard-Veteran Mike James und DeShawn Stevenson. Letztgenannter, früher ein Eckpfeiler, hat eine Albtraumsaison hinter sich (6,6 PpG, 31,2% FG, 27,1% 3FG). Fraglich, ob er mit so vielen Mannen vor der Nase noch mal zu seiner früheren Leistung zurückfindet.

Doch eins ist deutlich: Die Wizards haben erstmals seit Langem echte Tiefe im Backcourt. Da stellt sich nur die Frage, wann die Jungs alle spielen sollen. Eventuell werden kurz vor der Saison noch einige Guards aus dem Kader geschmissen oder getradet. Mike James ist hier ein heißer Kandidat. Zweitrunden-Draft-Pick Jermaine Taylor, ebenfalls ein Shooting Guard, wurde beispielsweise gar nicht erst unter Vertrag genommen.

Ein fetter und tiefer Backcourt also – wie sieht es im Frontcourt aus? Nicht ganz so dick, aber auch alles andere als dünn: Caron Butler wird wieder auf Small Forward starten, neben ihm können mit Neuzugang Miller und McGuire zwei weitere solide Spieler eingesetzt werden.

Antawn Jamison (Foto) ist gesetzt auf der Vier, und auf der Center-Position ist der schwer vermisste Brendan Haywood (letztes Jahr nur sechs Spiele) zurück – endlich räumt in der Zone wieder jemand auf. Als Backup und Songaila-Ersatz wurde Fabricio Oberto verpflichtet – ein zuverlässiger Mann, der die Basics beherrscht, aber niemanden vom Hocker reißt.

Dass Power Forward Andray Blatche irgendwann noch mal jemanden vom Hocker reißt, glaubt fast keiner mehr. Letztes Jahr sollte mal wieder Blatches „Breakout“-Jahr werden, doch bei durchschnittlich zehn Punkten und fünf Rebounds kann man allerhöchstens von „Break-Even“ sprechen. Vergleichsweise spektakulär zeigte sich letztes Jahr Rookie-Center JaVale McGee. Seine krachenden Slam Dunks werden die Wizards-Fans auch in dieser Saison aus den Sitzen holen.

Und dann ist da noch die wichtigste Veränderung: Der neue Head Coach Flip Saunders (Foto). Er will Arenas für sein System gewinnen und ihm daher mehr Freiheiten geben: „Arenas wird den Ball 80 Prozent der Zeit in seinen Händen halten. Er wird Entscheidungen treffen“, so Saunders. Gestrichen hat er dafür die seit Jahren praktizierte Princeton-Offensive seiner Vorgänger Eddie Jordan und Ed Tapscott. Trotzdem: Ob sich die beiden vertragen? Schließlich ist gerade die Defense stets ein Steckenpferd von Saunders gewesen, allerdings nie eines von Arenas.

Optimum: Saunders’ Spielsystem funktioniert, Arenas und Haywood spielen wie früher, Jamison und Butler wie immer, es gibt keinen Spielzeitknatsch im Backcourt, und Mike Miller und Randy Foye entpuppen sich als die Tiefe, die die Wizards immer gesucht haben. Ein Ausritt bis in die Eastern Conference Finals ist drin.

Floptimum (Verletzungen ausgenommen): Arenas' Hibachi-Grill kommt nicht mehr auf Höchsttemperaturen. Den Schuldigen hat Arenas schnell ausgemacht: Saunders’ Spielsystem. Beide verstehen sich nicht. Im Training geraten Foye und Stevenson wegen subjektiven Spielzeitmangels aneinander, und unter den Brettern haben die Wizards den bulligeren Teams nicht genug entgegenzusetzen. Sie verpassen die Playoffs knapp und starten den Neuaufbau.

Jeder rechnet damit, dass es früher oder später zu Spielzeit-Streit im Backcourt kommen wird. Arenas, Miller, Foye, Stevenson, Young, James, Crittenton – das ist nun einmal fast ein bisschen zu viel Tiefe.

US-Managerspiel-Tipp: Gilbert Arenas. Sollte er auch nur annähernd so gut spielen wie früher, wird er seinen Startwert von 6,35 Millionen Dollar schnell steigern.




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Kommentare

(6 Kommentare bisher)

von rüdi 24.10.09 um 12:40:51


Der Polish-Hammer ist für die Magic jeden Cent wert! Bei mind. 15 Teams wäre er der Start-Center und würde Double-Doubles am Fließband liefern.



von justuskoch 25.10.09 um 20:18:21


hmm da bin ich nicht deiner meinung..was kann gortat den außer eine mittelmäßig-gute athletik und einer soliden arbeitseinstellung?
für mich so ein typischer fall von "ich hab 2 gute spiele in den playoffs gemacht, los hyped mich in den himmel!!"



von Suck My Diktiergerät 25.10.09 um 20:46:39


gortat ist ein sehr überdurchschnittlicher verteidiger. dazu athletisch. in nem team mit kreatieven leuten wie orlando der perfekte backupcenter.



von justuskoch 25.10.09 um 22:56:26


aber double doubles am fließband und start center bei 15 teams?
ich denke nicht wie suck m d schon gesagt hat ein solider backupcenter, genauso wie dj mbenga ;-) (ironie)



von TheGlide 26.10.09 um 10:46:42


Denke auch, dass er "lediglich" ein backup ist, wenn auch ein sehr guter.

Wenn er in dallas gelandet wäre, hätte er aber durchaus gute chancen auf die erste fünf gehabt...



von Webocat 26.10.09 um 11:15:13


naja er hat in der saison auch gut gespielt, nur halt nicht viel, wegen superman howard. denke auch, dass gortat besser ist als einige NBA-Starter auf der 5



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