NBA-Saisonvorschau

Florida infernale

In der Southeast Division dreht sich alles um das Duell zwischen den Orlando Magic und den Miami Heat (LeBron James, Foto). Während Atlanta und Charlotte einen Playoff-Einzug anstreben, weckt in Washington ein Rookie Hoffnungen.

Von Dennis Amedovski (da), Sebastian Eickhoff (sei), Lukas Oldenburg (old), Joshua Wiedmann (jwi), Conrad Ziesch (cz)
 24.10.2010 |

Orlando Magic: Der Feind im eigenen Staat

Vergangene Saison: 59 Siege, 23 Niederlagen; Conference-Finale

(sei). Als Schreiber dieses Artikels könnte man es sich einfach machen, die Saisonvorschau der Orlando Magic aus dem letzten Jahr kopieren und noch einmal als Preview für die kommende Saison verkaufen. Denn im Grunde genommen hat sich bei den Magic nur marginal etwas geändert. Gut, die Franchise ist in ein neues Zuhause eingezogen: Das neue Amway Center soll Zeitzeugen von neuen glorreichen Erfolgen beherbergen. Einige Spieler, wie Chris Duhon oder Quentin Richardson, sind ebenso dazugekommen. Der Kern ist aber der gleiche geblieben. Genauso wie die Ansprüche an die eigenen Leistungen und Ziele: eine Meisterschaft! Warum also nicht wirklich Copy and Paste? Die Antwort: Der neuformierte Nachbar.

Hat Howard sein Offensivarsenal erweitert und wird in dieser Saison vermehrt anders als per Dunking abschließen?
Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Seit der Ankunft Dwight Howards (Foto) in Disney World 2004 und einer dreijährigen Eingewöhnungszeit ernteten die Orlando Magic drei Division-Titel in den letzten drei Jahren und waren damit unangefochten die Nummer eins im Staate Florida. 2006 mussten sie zwar zusehen, wie die Miami Heat am Meisterschaftsschampus schlürften, aber dieses Team fand den Absturz so schnell wie diesen Erfolg. Aber genau dieses Szenario steht den Mannen von Head Coach Stan Van Gundy wieder bevor, wenn die Magic die erlernten Rückschläge speziell der letzten beiden Jahre nicht überwinden.

Vor allem wird dies in den Händen von Dwight Howard liegen, möchten die Magic die eigenen Prophezeiungen auch in Gegenständliches ummünzen. In den vergangenen Playoffs entdeckte der Center nicht nur seine Offensivqualitäten, sondern auch seine verbalen Führungsfähigkeiten. Howard verstand, dass er von Spielern umgeben ist, denen man eine Richtung in aller Deutlichkeit vorgeben muss, bevor sie auf die Idee kommen, eigene Wege einzuschlagen oder das Gesamtkonzept auf den Kopf zu stellen. Genau dieses Sprachrohr möchte Howard mit in die neue Saison nehmen, denn für ein weiteres Scheitern gäbe es nur ungenügende Ausreden.

Im Sommer hat General Manager Otis Smith den Kader in seiner gewohnten Manier so gut wie beibehalten, um darauf zu bauen, dass die Chemie erhalten bleibt und nicht wieder in Diskussion gerät wie noch bei der Verpflichtung Vince Carters ein Jahr zuvor. Chris Duhon soll dabei im Spielaufbau seine Kenntnisse zum Besten geben, während die Addition von Drei-Punkt-Schütze Quentin Richardson ein Versuch sein soll, Matt Barnes (wechselte zu den Los Angeles Lakers) zu ersetzen. Offensiv betrachtet eine gute Idee, da Richardson in die „Alles-was-geht-von-draußen-ballern“-Philosophie perfekt hineinpasst. Defensiv ist der ehemalige Heat-Guard im Vergleich zu Barnes sicherlich ein Rückschritt. Der gedraftete Daniel Orton gilt als großes Center-Talent, welches allerdings noch entwickelt werden muss und in dieser Saison zum beobachtenden Teil des Teams gehören wird – gesetz des Falles, dass sich die Magic nicht noch für einen Trade von Center Marcin Gortat entscheiden.

Im Gegensatz zum neuen Nachbarn, den Miami Heat, ist der große Vorteil Orlandos die eingeschworene Gemeinschaft und Tiefe, die über die letzten Jahre heranreifen konnte. Das Management ließ sich diesen Aspekt auch etwas kosten, in dem sie Reserve-Guard J.J. Redick einen lukrativen Vertrag unterschreiben ließ, nachdem die Chicago Bulls diesem noch ein Offer-Sheet angeboten hatten. Redick lässt es sich in seinen Ambitionen nicht nehmen, auch ein Auge auf die Startformation zu werfen. Sollte Vince Carter (Foto) auch in der kommenden Saison Schwierigkeiten haben, einem klaren Teamkonzept auch mal ohne Ball in der Hand zu folgen, steigen die Chancen für Reddick, dieses Ziel zu erreichen. Ansonsten sollte es gerade an Carter liegen, anstehende Altersschwächen zu überwinden, und vor allem dann aggressiv den Korb zu attackieren, wenn das Drei-Punkte-System nicht greift und wenn es dann auch tatsächlich erforderlich ist.

Die Orlando Magic wollen auch in diesem Jahr die Meisterschaft gewinnen. Und darin liegt der berühmte Hund begraben – sie müssen es wirklich wollen und dieser Wille muss in den entscheidenden Partien gezeigt und in die Tat umgesetzt werden. Es darf also kein „von Rashard Lewis war heute nichts zu sehen“, „der oder jener ist eben der bessere Point Guard als Jameer Nelson“ oder „die Magic haben sich durch Diskussionen mit den Schiedsrichtern nur selbst geschlagen“ mehr geben. Ziehen die Magic alle einem Strang, sollte der Titelgewinn auch in diesem Jahr realistisch sein. Aber den Satz hatte man ja schon im letzten Jahr gehört.

Optimum: Dass alle Blicke in Richtung Miami gehen, lässt vergessen, wie stark die Magic wirklich sind. Leider vergessen das die Heat ebenso und ziehen gegen die Magic in den Conference Finals den Kürzeren. Orlando marschiert in die Finals unnd nimmt dort die Revanche für 2009 an den Los Angeles Lakers. Dwight Howard heimst seine dritte „Defensive Player of the Year“-Trophäe in Folge ein und muss nur knapp die Auszeichnung des wertvollsten Spielers an Kevin Durant weiterreichen.

Floptimum: Bis zum Saisonende läuft alles nach Plan, die Magic halten sogar den Lokalrivalen in Schach und gehen mit breiten Schultern in die Playoffs. Doch dann das Debakel: Die Ticket-Inhaber des Amway Centers müssen mit ansehen, dass eine neue Halle nicht verhindern kann, dass auch ein Titelkandidat in der ersten Runde einpacken kann.

Jeder rechnet damit, dass die Orlando Magic eine weitere Bären-Saison hinlegen, aber bei der Vergabe des Titels wieder anderen den Vortritt lassen. Zum ganz großen Wurf fehlt dem Team dann doch der Spieler mit den Gewinner-Eiern. Im kommenden Sommer wird sich Orlando dann wohl auf die Suche nach dieser Grundeigenschaft machen.

US-Managerspiel-Tipp: Dwight Howard hat im Sommer mit Hakeem Olajuwon an seinem offensiven Können gearbeitet. Das sollte also seinen Punkteschnitt etwas anheben, sodass Howard auch bei hohem Gehalt (9,88 Mio.) eine gute Investition ist. Weniger bezahlen muss man für Marcin Gortat (1,60 Mio.9, der wohl sehr viel in Aktion zu erleben sein wird.




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von Oxymoron 24.10.10 um 18:29:25


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von bob-marley 26.10.10 um 11:32:36


Arenas als Altlast zu beschreiben, halte ich doch für mehr als falsch. Er ist im besten Basketballalter und hat als Guard genug Talent zum Allstar.



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