NBA-Saisonvorschau

Die Rückkehrer

Während die Boston Celtics mit einem gesunden Kevin Garnett (Foto) nach einer enttäuschenden vergangenen Saison wieder nach dem Titel greifen wollen, möchten die Toronto Raptors nach einer einjährigen Pause zumindest wieder in die Playoffs einziehen. Die New Jersey Nets, New York Knicks und Philadelphia 76ers komplettieren die Atlantic Division.

Von Thomas Käckenmeister (tk), Johannes Käfer (jk), Dennis Klammer (dk), Björn Lehmkühler (bj), Nikolaus Raab (nik)
 18.10.2009 |

New York Knicks: Aufhübschen für den Bräutigam

Vergangene Saison: 32-50; keine Playoffs

(nik). Man könnte denken, eine Vorschau auf die nun anstehende Saison der New York Knicks ist vergebene Liebesmüh’. Schließlich schaut im Big Apple längst jeder zur nächsten Offseason statt auf das Parkett. Dann soll er nämlich endlich kommen – der Auserwählte. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Um ein oder sogar zwei Spielern vom Kaliber eines LeBron James oder Dwyane Wade das Ja-Wort abzuringen, muss die Braut in orange und blau erstmal aufgehübscht werden.

Sicher, die vergangene Saison der Knicks war zwar schön anzuschauen, sportlich jedoch kein Ruhmesblatt. Nur 32 Siege konnten die Mannen unter dem neuen Head Coach Mike D’Antoni erkämpfen. Das reichte für Platz 14 im Osten und sicherte den Spielern den gewohnten Urlaub pünktlich vor Beginn der Playoffs. Andererseits waren sie nicht tief genug gefallen, um wenigstens den Draft spannend zu machen. Die Auswahl an neuen Talenten war in diesem Jahr dünn. So blieb den Knicks ein solider siebter Pick mit Jordan Hill. Dieser ist ein sehr athletischer Forward, der allerdings noch Entwicklungszeit braucht. Aber Zeit haben die Knicks genug und außerdem auch endlich Entlastung für Chris Duhon (Foto) auf der Eins. Rookie Toney Douglas (29. Draft-Pick) wird in Zukunft die dünne Guard-Fraktion verstärken.

In der langen Wartezeit auf die neue Saison brodelte es heftig in der Gerüchteküche – ein jährliches Ritual bei den New Yorkern, spätestens seit Isiah Thomas das Ruder übernommen hatte. Doch der ist nun Geschichte und zwar eine sehr unrühmliche. Mit ihm verschwand die Unkultur der Geldverschwendung für ehemalige Stars und überbezahlte Ersatzspieler. Und so kamen auch in diesem Sommer wieder hochkarätige Namen wie Jason Kidd und Grant Hill am Verhandlungstisch vorbei. Der neue General Manager Donnie Walsh machte es solchen Akteuren jedoch nicht finanziell gemütlich genug, zu bleiben. Seine Strategie ist auf 2010 geeicht. Das wichtigste Ziel der Mannschaft ist ein möglichst großer Gehaltsspielraum für die Verhandlungen mit den großen Free Agents des kommenden Jahres.

Natürlich kann der Traum vom Auserwählten platzen wie eine Seifenblase. Niemand kann garantieren, dass ein Superstar sich tatsächlich für New York als neue Wahlheimat entscheidet. Auch sind die Knicks nicht die einzige Mannschaft, die auf große Namen schielt. Gleich nebenan in New Jersey stickt man ebenfalls schon eifrig die Nummer 23 auf die Trikots. Aber im Gegensatz zu früheren Versuchen, einen Überspieler in den Madison Square Garden zu locken, trägt die jetzige Sparpolitik bereits Früchte. Statt ohne Rücksicht auf die Zukunft die Gehaltsausgaben explodieren zu lassen und Draft-Picks als Währung einzusetzen, schrumpft sich die Mannschaft gesund. Und das gilt nicht nur für Eddy Curry, der in den letzten Monaten deutlich schlanker geworden ist.

Allein für den Verkauf von Jerome James und dessen Monstervertrag müsste Donnie Walsh den Nobelpreis für Basketball-Management erhalten. Der Tausch von Darko Milicic aus Memphis gegen Quentin Richardson aus Treffnichhausen ist ein weiterer Schritt in eine respektable Zukunft der Knickerbockers.

Die drastischen Sparmaßnahmen haben ihre Tücken. So konnte Walsh in diesem Sommer keinen guten Free Agent verpflichten. Die Verhandlungen mit Ramon Sessions zogen sich über Monate. Der Aufbauspieler wäre eine ausgezeichnete Verstärkung für den überlasteten Duhon gewesen und blieb in seinen Gehaltsvorstellungen überraschend moderat. Dennoch konnten die Knicks ihm mit Blick auf 2010 kein überzeugendes Angebot machen. Also wird Toney Douglas in die Bresche springen müssen.

Chris Duhon stieß im vergangenen Jahr an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Aus Mangel an Alternativen ließ D’Antoni ihn Überstunden auf der Eins schieben. Nach dem All-Star-Wochenende folgte der Einbruch. Der eigentlich solide Point Guard wurde fahrig und konnte mit der Konkurrenz nicht mehr Schritt halten. In diesem Jahr wird er mehr Ruhepausen haben, was dem Aufbauspiel der Knicks deutlich zu Gute kommen und ein paar mehr Siege einbringen wird.

Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)

David Lee und Nate Robinson (Foto) waren bisher die Glanzstücke der New Yorker – das Tafelsilber aus Isiahs Zeiten. Die ehemaligen Draft-Picks von Thomas mussten als Restricted Free Agents in diesem Sommer lange auf neue Verträge warten. Schließlich wurden beide nur für ein weiteres Jahr verpflichtet. Erstaunlicher Weise fand sich kein ernsthafter Interessent in der Liga, sodass Walsh um ihre Verlängerung pokern konnte. Lee und Robinson spielen also auch in der kommenden Saison um neue Verträge, was ihre Leistungen zumindest konstant halten sollte. Allerdings kann die Sorge um die Zukunft sie auch in egozentrische Problemkinder verwandeln. Mike D’Antonis Sieben-Sekunden-Offensive sollte dennoch für beide genügend Gelegenheit bieten, sich anderen Managern in einem positiven Licht zu zeigen.

Auch von Eddy Curry wird erwartet, dass er sich von seiner besten, sprich leichtesten, Seite zeigt. Und tatsächlich überrascht der ehemalige Gymnast(!) mit seinen Abspeckerfolgen. Bis er allerdings wieder als Center für die Knicks starten darf, wird noch etwas Zeit vergehen. Momentan fehlt ihm noch immer die nötige Fitness, um seine Minuten unverletzt zu überstehen. Deshalb ist die Ankunft von Darko Milicic eine gute Nachricht für die New Yorker Fans. Das ewige Talent wird reichlich Gelegenheit erhalten, an seiner Reputation zu arbeiten. Seine Verteidigung unter dem Korb ist ein Gewinn für die chronisch verteidigungsschwachen Knicks.

Die wirklichen Hoffungsträger sind allerdings Wilson Chandler und Danilo Gallinari. Während Chandler bereits im vergangenen Jahr sein Potenzial aufblitzen ließ, versauerte Gallinari mit einer Rückenverletzung auf der Bank. Nach einer Operation im Sommer ist er nun bereit, das hohe Lob seines Head Coachs zu rechtfertigen. Mike D’Antoni nannte ihn bereits einen der besten Schützen, die er je gesehen hat. Und der Mann hat unter anderem Steve Nash trainiert.

Wilson Chandler, Danilo Gallinari, Jordan Hill und Toney Douglas sind die einzigen langfristig an die Mannschaft gebundenen Spieler – sieht so ein attraktives Team aus? Hat New York sich verpokert? Welcher Superstar wird sich für dieses hässliche Entlein begeistern?

Die Antwort kann New York nur auf dem Feld geben. Deshalb ist die kommende Saison wichtiger als man vielleicht erwartet. Zum einen müssen Spieler wie Curry oder Al Harrington von ihrer besten Seite präsentiert werden, um potenzielle Abnehmer für ihre teuren Verträge zu finden. Zum anderen muss der junge Kern glänzen, damit zukünftige Free Agents Vertrauen fassen, genug Unterstützung im Big Apple zu erhalten. Die Playoffs wären die ideale Visitenkarte. Doch bleiben sie wahrscheinlich außer Reichweite. Verlieren lohnt sich auf keinen Fall, denn der Erstrunden-Draft-Pick 2010 gehört bereits den Utah Jazz. Also, gilt es volle Kraft voraus. Die New York Knicks müssen sich aufhübschen für den kommenden Retter.

Optimum: Obwohl nur wenige der Stammspieler eine Rolle in der Zukunft der Knicks spielen, ziehen alle an einem Strang. Die Knicks schaffen es in die erste Playoff-Runde und Utah schäumt über den unbrauchbaren Draft Pick.

Floptimum:
Danilo Gallinari verletzt sich erneut und kann die hochgesteckten Erwartungen an ihn nicht erfüllen. Eddy Curry verliert seine Motivation und frisst sich mit dem ebenfalls schwächelnden Darko Milicic neue Pfunde an. Utah jubelt über einen Top-Drei-Pick und Mike D’Antoni muss sich aufgrund einer verlorenen Wette den Pringels-Bart abrasieren.

Jeder rechnet damit, dass
Wilson Chandler und Danilo Gallinari die neuen Leistungsträger der Knicks werden.

US-Manager-Spiel-Tipp: Wer es gut und günstig mag, nimmt Wilson Chandler (5,23 Mio.). Er wird ausreichend Spielzeit erhalten und viele erwarten eine hervorragende Saison von ihm. Risikofreunden sei Gallinari (1,39 Mio.) mit großem Potenzial und zerbrechlichem Rücken empfohlen. Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt auf die Double-Double-Maschine David Lee (8,20 Mio.) oder den Sixth-Man-of-the-Year-Kandidaten Nate Robinson (6,36 Mio.).




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Kommentare

(7 Kommentare bisher)

von eightch 19.10.09 um 13:23:12


wieder spitzen vorschau - inhaltlich sogar noch besser als der erste teil... und das obohl das meiner meinung nach die gurgendivision der nba ist... also boston jetzt mal aussen vor



von KaiS 20.10.09 um 16:58:43


Wann kommen denn die restlichen Teile der Saisonvorschau? Bis jetzt sind ja nur die Hälfte aller Teams beschrieben worden.. Oder hab ich was verpasst?



von Oxymoron 20.10.09 um 17:19:56


@KaiS: Du hast nichts verpasst, die restlichen Saisonvorschauen erscheinen, wieder nach Divisionen gebündelt, in den kommenden Tagen. Als nächstes geht es mit der Southwest Division weiter.



von Cabalios 20.10.09 um 20:48:45


hehe, freu mich echt jedes Jahr wieder darauf wenn hier die Previews erscheinen :-)



von flipflop 20.10.09 um 23:28:45


Gefällt mir gut diese Vorschau. Allerdings liegt Toronto am Lake Ontario und nicht wirklich am Eriesee ;-)
@eightch. Also ich finde dass mit Boston, Toronto und Philly doch drei relativ starke Teams vertreten sind. Und New Jersey ist zumindest für die Zukunft auch ganz gut besetzt?!



von Indiana 21.10.09 um 01:01:37


Coole Vorschau vor wie jedes Jahr allerdings kommt Philly beim Optimum seeeeeehr gut weg.
Viele sogenannte "Experten" sehen Philly schon an der Playoff-Quali scheitern.



von mkay 21.10.09 um 01:15:37


Daher heißt es ja auch Optimum ;)
der PO-Einzug darf aber bezweifelt werden.. stimmt schon.



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