NBA-Saisonvorschau

Auf hoher See

Die einst als „Titanic Division“ verschriene Atlantic Division beheimatet mit Boston nicht nur den amtierenden Meister, auch Philadelphia und Toronto haben sehr gute Chancen, gen Playoffs zu segeln. New Jersey und New York sitzen dagegen erst noch in der Werft.

Von Manuel Baraniak (mb), Peter Bieg (bie), Thomas Käckenmeister (tk), Björn Lemkühler (bl), Nikolaus Raab (nik)
 24.10.2008 |

New York Knicks: Nüchtern macht sexy

(nik). Die New York Knicks wollen zurück an die Spitze der Liga. Nach der blamablen Saisonbilanz von 59 Niederlagen fegt der General Manager mit dem eisernen Besen durch die Umkleide. Der ewige Verlierer und Unruhegeist Stephon Marbury ist zu CSKA Sibirien getradet worden. Zwölf weitere seiner erfolglosen Mitspieler wurden zusammen mit zwei gepanzerten Koffern unbekannten Inhalts und einer Abordnung von einhundert Playmates nach Cleveland, Ohio geschickt. Nun spielt Lebron James im Madison Square Garden und wird sich auf die tatkräftige Unterstützung von zehn überbezahlten Reservisten verlassen können. Zusätzlich wird die spektakuläre Verpflichtung von Lisa Leslie und Candace Parker für „Showtime“ im Big Apple sorgen. Unter dem Korb wird in der kommenden Saison mit Sheryl Ford und Karl Malone das stärkste Vater-Tochter-Gespann der Ligageschichte die Ellenbogen ausfahren.

So oder ähnlich hätte eine Vorschau auf die kommende Spielzeit der Knicks aussehen können, wäre Isiah Thomas noch immer der General Manager und Coach jener Truppe, die er in den vergangenen Jahren von einer erfolglosen Mannschaft zur Lachnummer der Liga formte. Immer auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau, die die Knicks von heute auf morgen wieder zum Titelanwärter formen würde, verwandelte Thomas die Personalentscheidungen der Franchise in einer Art „Celebrity-Poker“. Die Offseasons der Knicks wurden zur Bühne für riskante Blockbuster-Trades, zweifelhafte und teure Neuverpflichtungen sowie einer nicht enden wollenden Serie von Skandalen abseits des Spielfeldes. Besser hätten es auch die Edel-Fans Spike Lee und Woody Allen nicht inszenieren können, die sich auf ihren VIP-Plätzen die Haare rauften.

Doch in diesem Jahr liegt die Verantwortung in den Händen von Donnie Walsh. Der langjährige Manager der Indiana Pacers ist alles andere als ein Liebhaber des Rampenlichts. Er wirkt eher wie ein trockener und seriöser Geschäftsmann. Nein, er ist ein seriöser Geschäftsmann, und das ist es, was New York jetzt braucht. Das neue Regime der Knicks ist so bieder, dass man sich fragt, was sich dort im Sommer eigentlich tat. Für manchen geplagten Fan ist schon allein das ein Zeichen der Besserung.

Natürlich war auch Walsh nicht untätig, aber statt sobald es ging den nächsten „Retter“ der Franchise per Trade in die Stadt zu holen, sorgte er zunächst für einen Coach, dessen offener und positiver Charakter sich prägend auf die zerrüttete Mannschaft auswirken soll. Mike D'Antoni (Foto) kann zudem eine herausragende Erfolgsbilanz mit den Phoenix Suns vorweisen und gilt trotz seinem Ruf als reiner Offensivdenker als flexibler Stratege, der sich gut auf die Stärken eines Teams einstellen kann.

Die Knicks leiden auf dem Feld an einer Art Persönlichkeitsspaltung. Der schizophrene Charakter prägt sowohl die Zusammenstellung der Spieler als auch ihre bisherige Bilanz. Letztere war zwar grundsätzlich mies, irritierte den leidenden Zuschauer jedoch durch gelegentliche David-Siege gegen Goliath-Mannschaften, die sich um die Meisterschaft bewarben. Und wie oft bei psychisch Kranken gab es nach diesen manischen Höhenflügen plötzlich depressive Zusammenbrüche von tragischen Ausmaßen, wie jene peinliche Niederlage gegen die Boston Celtics (am 29. November 2007 ging die Knicks mit 59:104 in Boston unter).

Auf den Guard-Positionen stießen Feuerköpfe wie Stephon Marbury und Nate Robinson aufeinander. Sie ließen das Angriffspiel der Knicks oft in egomanen Solovorstellungen ersticken, wobei Jamal Crawford dieses regelmäßige Eins-gegen-eins auf dem Parkett manchmal entgegenkam und ihn zum Topscorer werden ließ. In der Regel spielten die Knicks dadurch jedoch planlos und Eins-gegen-Fünf. Daran soll nun Chris Duhon etwas ändern. Der nüchterne Free Agent aus Chicago ist bisher die einzige Neuverpflichtung von Donnie Walsh. Er ersetzt Marbury auf der Eins und wird mit Crawford im Backcourt der Knicks starten. Robinson wird sein Ersatz sein, wobei Marbury, sollte er seinen Vertrag in New York ausspielen, oft als Shooting Guard agieren wird. Mardy Collins muss sich wohl weiterhin über die restlichen Minuten freuen, um sein Talent unter Beweis stellen zu können.

Auf der Drei gibt es Grund zur Freude für die Knicks. Wilson Chandler wird den strauchelnden Quentin Richardson wohl bald in der Startformation ersetzen. Das wird geschehen, sobald er nicht mehr regelmäßig auf der Vier aushelfen muss. Die Zukunftshoffnungen ruhen zudem auf dem diesjährigen Draft-Pick Danilo Gallinari. Der gebürtige Italiener gilt als Megatalent mit herausragendem Wurf und exellenter Größe für einen Small Forward. Manche erhoffen sich von ihm Leistungen à la Dirk Nowitzki und Co.. Vorerst wartet man jedoch noch auf seine ersten ernsthaften Spielminuten, da er mit Rückenproblemen zu kämpfen hat.

Nachdem er den ganzen Sommer über so gut wie jeder Mannschaft auf einem goldenen Tablett angeboten wurde, fand sich für Power Forward Zach Randolph und seine durchschnittlich 17,6 Punkte und 10,3 Rebounds dennoch kein Abnehmer. Walsh ließ die Offseason lieber tatenlos verstreichen, als seinen Big Man für einen Apfel und Ei zu verscherbeln. Überraschenderweise scheint sich Randolph in der neuen schnellen Offensive von Coach D'Antoni pudelwohl zu fühlen. Zudem kam er in erstklassiger körperlicher Verfassung ins Camp.

Das lässt sich vom ewigen Center-Talent Eddy Curry nun wirklich nicht sagen. Gerüchten zufolge platzte dem Schwergewicht vor ein paar Tagen sogar sein Gymnastikball unter dem Hintern. Curry ist deutlich außer Form und hechtet den eigenen Spielzügen hinterher. In der Defensive ist er eine Katastrophe, da er weder vom Boden hochkommt, noch überhaupt rechtzeitig wieder unter dem Korb ist – also keine Rebounds und keine Blocks vom Center. Das ist zum einen schade, weil er ein überdurchschnittlich guter Offensivspieler ist und zum anderen, weil sein Backup Jerome James heißt. James hat es tatsächlich geschafft, sich abermals genau vor der Saison zu verletzen und zum Anzugträger zu werden. Dabei hat Walsh in den letzten Monaten nachdrücklich versucht, ihm einen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen nahezulegen, was dem Team erhebliche finanzielle Erleichterung verschaffen würde.

Der einzige Mann mit makelloser Weste in New York bleibt David Lee (Foto). Seine Reboundstärke ist allseits bekannt und macht ihn zum Objekt der Begierde für viele Manager. Weniger bekannt ist seine löchrige Verteidigung. Die Knicks brauchen noch immer dringend Verstärkung durch einen defensiven Vierer oder Fünfer. Dafür hat sich Lee allerdings einen soliden Mitteldistanzwurf und einige Bewegungen unter dem Korb zugelegt, die ihn zu einer wichtigen Option im schnellen Angriffspiel der Knicks machen.

Die Knicks gehen zum ersten Mal seit Jahren mit einer fast unveränderten Mannschaft in die kommende Saison, und paradoxerweise gibt genau das Hoffnung. Die chaotischen Zeiten im Mekka der Basketballwelt sind vielleicht endlich vorbei. Es scheint die Zeit gekommen, in der man sogar im ungeduldigen New York mit nüchternem Verstand agiert. Das bedeutet noch ein oder zwei magere Jahre, aber spätestens 2010 wird man auch ohne Verpflichtung von LeBron James, Dwyane Wade oder Chris Bosh eine konkurrenzfähige Mannschaft aufgebaut haben. Und vielleicht fängt man sie ja gerade damit – die eierlegende Wollmilchsau.

Optimum: Eddy Curry wird plötzlich seine Vorliebe für gesunde Trennkost entdecken und mit den anderen Spielern in D'Antonis System um die Wette rennen. Über dem Korb wird sich eine goldene Kiste öffnen, und Defense wird herausfallen. Dann werden die Knicks eine Chance auf die erste Playoff-Runde haben.

Floptimum: Die New Yorker werden zu schnell die Geduld verlieren und sich von Walsh oder D'Antoni trennen, um wieder die eierlegende Wollmilchsau zu suchen.

Jeder rechnet damit, dass Eddy Curry oder Zach Randolph getradet werden oder Stephon Marbury oder...

US-Managerspiel-Tipp: David Lee (5,32) wird in dieser Saison wieder jede Menge Spielzeit bekommen. Während seine Reboundwerte konstant hoch sein werden, wird sich wohl auch seine Punktausbeute im neuen Angriff erhöhen. Das galt bisher für viele Spieler unter D'Antoni. Zudem ist er noch preiswert zu haben und spielt um einen großen Vertrag.




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Kommentare

(12 Kommentare bisher)

von crunchtime 24.10.08 um 17:08:52


die armen sixers müssen sich eine seite mit den raptors teilen :)



von Oxymoron 24.10.08 um 17:11:09


Dein Kommentar kam ja ziemlich schnell. Bei Günther Jauchs "Wer wird Millionär?" wärst du damit sicherlich auf den Stuhl gekommen. ;) Habe dies, ohne deine Beitrag zu lesen, schon wieder geändert.



von xax 24.10.08 um 17:57:38


Die Knicks... herrrrrlich diese Mannschaft.

- "James hat es tatsächlich geschafft, sich abermals genau vor der Saison zu verletzen und zum Anzugträger zu werden."

- platzte dem Schwergewicht vor ein paar Tagen sogar sein Gymnastikball unter dem Hintern

-In der Defensive ist er eine Katastrophe, da er weder vom Boden hochkommt, noch überhaupt rechtzeitig wieder unter dem Korb ist."

*WELTKLASSE*

ich denke Mr. Marbury hat auch noch das eine oder andere Stänker-"Ass" im Ärmel!!!

- Manche erhoffen sich von ihm Leistungen à la Dirk Nowitzki und Co... das habe ich auch schon öfters bei anderen Spielern gehört (Bargani,Biedrins)... Den Ball schön flach halten, bis zum MVP ist es ein weiter Weg!

Ach ja, ich denke das Randolph eine gute Saison spielt *jetztdarfgelachtwerden*, aber ich meine es ernst.

Wer bitte will d. Marbury o. Curry in seinem Team???Da bietet doch niemand ernsthaft einen Deal an, auch wenn Marbury BESTIMMT beteuert das er ALLES, aber auch ALLES, für den Erfolg seines neuen Teams tun wird...



von xax 24.10.08 um 18:03:52


Boston: FINALS (im Osten gibt es nichts besseres)
Raptors: erste Runde (Verletzte)/zweite Runde (ohen -viele- Verletzte)
76: Playoffs (erste Runde)
Nets: (schlechtestes Team)
Knicks: sie bekommen den Ring.
Marbury MVP, Curry (bester Defender/rundester Hintern-Ever), Richardson (MIP), Danilo Gallinari (ROY), James (Hustle-Player of the Year)
Alter ich schwör!



von schlund 25.10.08 um 02:08:20


curry is aber wirklich fett...damn ich denk ma die knicks werden gut spielen und im sommer, eventuell schon im februar, sich verbessern können, da man wieder in NY spielen möchte. vielleicht randolph gegen kaman/camby



von RedWater 25.10.08 um 12:45:38


richtig lustig in NY wird es 2010, wenn sie die Lottery gewinnen und den Pick an die Utah Jazz abtreten müssen (dank uraltem Gugliotta-Trade)

Wenn das passiert, hänge ich Thomas's Poträt in einen goldenen Rahmen :D



von xax 25.10.08 um 13:00:18


@ RedWater
NEIN... ist das echt so?
Die Knicks denken mit, die verbauen sich schon auf Jahre hinaus ihre Chancen um UNANGEFOCHTEN das Lachblatt zu bleiben.
Kluge Bande!!!



von RedWater 25.10.08 um 14:54:21


jep, Thomas hat einst für Marbury einen Pick nach Phoenix geschickt, später haben die Jazz im Austausch für Gugliotta den Pick erhalten. Er wird seit 2005 protected auf das nächst Jahr aufgeschoben. Ich glaube jetzt haben die Knicks bei den Drafts 2009 noch bis zum 22ten Pick geschützt, aber das die so gut in dieser Saison abschneiden, dass der Pick an Utah fällt, daran glauben nur Extremsoptimisten.

Das kann der beste Trade der Geschichte werden, wenn Utah tatsächlich mit Nr. 1, 2 oder 3 einen künftigen Allstar oder Hall Of Famer draften.



von RedWater 25.10.08 um 15:55:40


jep, Thomas hat einst für Marbury einen Pick nach Phoenix geschickt, später haben die Jazz im Austausch für Gugliotta den Pick erhalten. Er wird seit 2005 protected auf das nächst Jahr aufgeschoben. Ich glaube jetzt haben die Knicks bei den Drafts 2009 noch bis zum 22ten Pick geschützt, aber das die so gut in dieser Saison abschneiden, dass der Pick an Utah fällt, daran glauben nur Extremsoptimisten.

Das kann der beste Trade der Geschichte werden, wenn Utah tatsächlich mit Nr. 1, 2 oder 3 einen künftigen Allstar oder Hall Of Famer draften.



von schlund 26.10.08 um 01:52:26


hier einige prospects für die 2010-er draft...holy shit John Wall

[youtube.com]
[youtube.com]
[youtube.com]
[youtube.com]

und das hier

[youtube.com]



von jordan 27.10.08 um 10:54:30


"Das ist zum einen schade, weil er ein überdurchschnittlich guter Offensivspieler ist und zum anderen, weil sein Backup Jerome James heißt." - Einfach klasse der Satz ;) !



von RUN & GUN 28.10.08 um 13:04:59


celtics: finals
sixers: 2. runde playoffs
knicks: playoffs erst wieder wenn Patrick "meine-Knie-sind-so-kaputt" Ewing die Sneaker schnürt
nets: schrammen knapp an den playoffs vorbei
raptors: 1. runde playoffs



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