NBA-Saisonrückblick

Zweiklassengesellschaft

In der Central Division sind mit Detroit und Cleveland zwei Conference-Halbfinalisten der Playoffs zu finden, während Chicago enttäuschte und sich zu Indiana und Milwaukee in die Lottery gesellt.

Von Manuel Baraniak (mb), Christian Guse (cg), Björn Lemkühler (bl), René Radoi (rad)
 14.06.2008 |

Detroit Pistons (59-23): Zeit für Veränderungen

(rad). In den vergangenen fünf Jahren waren die Detroit Pistons etwas ganz besonderes in der NBA: Als einzige Spitzenmannschaft ohne echten Superstar konnten sie in der Saison 2003/04 die Meisterschaft gewinnen und sich seitdem Jahr für Jahr mindestens zu den Mitfavoriten auf den Titel zählen. Der Kern des Teams, bestehend aus Chauncey Billups, Richard Hamilton, Tayshaun Prince und Rasheed Wallace, wurde in dieser Zeit nicht verändert und fuhr stets über 50 Siege ein und erreichte mindestens das Conference-Finale im Osten, zwei Mal sogar das NBA-Finale.

Auch in der abgelaufenen Spielzeit behaupteten die Pistons ihre Position an der Spitze der Liga: 59 gewonnene Partien in der regulären Saison bedeuteten Platz zwei hinter den auferstandenen Boston Celtics. In den ersten beiden Playoff-Runden konnten die Underdogs aus Philadelphia und Orlando nach einigem Nachjustieren recht souverän bezwungen werden und in den Conference Finals lieferte Detroit den Celtics einen gewohnt harten Kampf. Dennoch gelang es dem Team von Head Coach Flip Saunders wieder nicht, das gesteckte Ziel zu erreichen, obwohl man ? wie bereits im Vorjahr die Cleveland Cavaliers ? den Gegner schon fast mit dem Rücken zur Wand gedrängt hatte. Das erneute, vorzeitige Scheitern hat dieses Jahr einen mehr als negativen Beigeschmack, denn trotz der Oberschenkelverletzung von Billups war Rasheed Wallace (Foto) der wohl entscheidende Faktor für den Misserfolg. Der 33-jährige Forward, nach Ansicht vieler Experten einer der vielseitigsten und talentiertesten Spieler der Liga, schaffte es nicht, seine zweifelsohne vorhandene Energie positiv zu kanalisieren. Mit lustlosen Auftritten und unsachlichen Aussagen zog er sich nicht nur eine hohe Geldstrafe zu, sondern auch die öffentliche Kritik seiner Teamkollegen ? ein Novum!

Keineswegs ist Wallace der alleinige Schuldige für das Ausscheiden, doch mit seinem Auftreten ist er nicht nur bei den Fans in Detroit unten durch. Anders als nach dem letztjährigen Aus stellte sich General Manager Joe Dumars dieses Mal nicht demonstrativ hinter Wallace, was ein schlechtes Vorzeichen für dessen Verbleib in Michigan sein dürfte. Dass Dumars vor Veränderungen nicht zurückschreckt, zeigte er mit der Entlassung von Flip Saunders mehr als deutlich. Denn obwohl der Head Coach in seiner Amtszeit von drei Jahren mit einer Siegesquote von 71,5 Prozent die erfolgreichste Bilanz eines Pistons-Coaches in der regulären Saison überhaupt aufstellte, wurde er nur vier Tage nach dem Playoff-Ausscheiden gefeuert. Dessen Nachfolger kommt in Form vom bisherigen Assistant Coach Michael Curry übrigens aus den eigenen Reihen. So steht nach drei Jahren ohne Final-Teilnahme jeder Spieler auf dem Prüfstand, denn seinen Zenit hat das Team ? auch mental ? schon überschritten. Deutlicher Ausdruck dafür ist die ständige Berg- und Talfahrt, welche die Pistons ihren Fans immer wieder zugemutet hatten: Jedes Mal, wenn sie das Ruder scheinbar herumgerissen hatten, folgte prompt eine enttäuschende Niederlage, was letztendlich zum Scheitern verurteilte.

Die mit Abstand positivste Erkenntnis der abgelaufenen Saison stellen die jungen Wilden, die sogenannte ?Zoo Crew?, dar. Insbesondere Rodney Stuckey (Foto) und Jason Maxiell haben mit engagierten Auftritten auf sich und ihre Fähigkeiten aufmerksam gemacht. Stuckey wurde trotz verletzungsbedingtem Verpassen des Training-Camps schon in seiner Rookie-Saison zum wichtigsten Bankspieler ? vor allem in den Playoffs war er ein mehr als würdiger Ersatz für Billups ? und Maxiell erinnerte nicht nur Pistons-Veteranen mit seinem Auftreten und seiner Spielweise an den alten Haudegen Rick Mahorn.

Ein totaler Umbruch und der Absturz in die Kellerregionen der Liga steht Detroit mit Sicherheit nicht bevor, dazu handelte Dumars in seiner bisherigen Amtszeit zu besonnen. Das Aufgebot bietet jedoch genügend Optionen, um beispielsweise auch von der zuletzt gelebten Philosophie abzukehren und sich um einen absoluten Superstar zu bemühen. Nach Namen wie Billups, Hamilton, Prince oder Wallace leckt sich die Mehrheit der General Manager in der NBA die Finger, besonders wenn sie auf der Suche nach einer neuen Motivation sind. So ist es durchaus möglich, dass wir nach Jahren der Konstanz das Team der Detroit Pistons zu Beginn der Saison 2008/09 plötzlich nicht mehr wieder erkennen werden.

Team-MVP: Chauncey Billups (17,0 PpG, 6,8 ApG, 40,1% 3FG, 91,8% FT)




Artikel-Funktionen

Bewerte diesen Artikel:
4.75
(4 Bewertungen bisher)
 

Speichere diesen Artikel:


Kommentare

(1 Kommentar bisher)

von TimmyD21 15.06.08 um 17:06:51


o neal und tinsley müssen weg,am besten schon vor der nächsten saison!
diogu sollte länger spielen dürfen,dann bin ich überzeugt das er solide 10/10 bringen kann und
dunleavy hat mich echt überrascht,hätte nicht gedacht das die gurke nochmal was trifft ;)
ich trau den pacers nächste saison einiges zu mit einem granger als leader!



Du benötigst einen myCrossover-Account um Artikel kommentieren zu können!

 Registrieren oder  Einloggen

 





Du bist nicht eingeloggt. Jetzt bei myCrossover registrieren.
  •  
    Passwort vergessen?