NBA-Saisonrückblick

Wenig Sonne im Südwesten

Die in den letzten Jahren so starke Southwest Division schickte mit Dallas und San Antonio nur zwei Teams in die Playoffs. Doch auch die Texaner konnten nicht von einer erfolgreichen Saison sprechen. Houston, Memphis und New Orleans mussten derweil unterschiedliche Turbulenzen meistern.

Von Manuel Baraniak (mb), Johannes Goedeking (jg), Johannes Käfer (jkä), Jan Karon (jka), Michael Stuhldreier (mst)
 14.06.2010 |

Dallas Mavericks (55-27): Definitiv kein Sommermärchen

(jkä). Wenn man sich die Arbeit sehr leicht machen wollen würde, müsste man nur den Saisonrückblick aus dem Sommer 2009 übernehmen und einige Namen und Daten tauschen – schon wäre auch die Saison 2009/10 der Dallas Mavericks passend beschrieben. „Jährlich grüßt das Murmeltier“ – so auch der Titel des Erstrunden-Rückblicks gegen die San Antonio Spurs, als die Dallas Mavericks wieder einmal früh die Segel streichen mussten.

Vor allem zu Beginn der Saison war Nowitzki kaum zu stoppen.
Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Dabei fing die reguläre Saison so vielversprechend an. In Absprache mit Mavs-Besitzer Mark Cuban löste Dirk Nowitzki sein Versprechen aus dem Olympia-Sommer 2008 ein und verzichtete erstmals in seiner langen Karriere auf einen Einsatz für die Nationalmannschaft in der NBA-Pause. Sichtlich erholt und nach seinem Beziehungsdrama seiner Ex-Freundin Christal Taylor mental wieder frei, spielte Nowitzki den besten Basketball, den er jemals im November oder Dezember gezeigt hat. Von den ersten 26 Saisonspielen gewannen die Mavs 19 Partien. Darunter waren das legendäre vierte Saisonspiel gegen die Utah Jazz, in dem der Deutsche 29 Zähler im Schlussabschnitt markierte (Franchise-Rekord) oder der Buzzerbeater gegen die Milwaukee Bucks.

Doch nach einigen NBA-Monaten auf dem Rücken, gab der bald 32-jährige Superstar zu Protokoll, sich nun nicht mehr wie zu Beginn der Saison frischer als sonst zu fühlen. Vielmehr mache es für ihn keinen Unterschied mehr, im Sommer nicht gespielt zu haben; die Anstrengungen einer langen NBA-Saison merke er wieder unverändert. Diese Aussage schien auch auf all seine Teamkameraden zuzutreffen.

Während die Stadt Dallas voller Vorfreude dem All-Star-Wochenende, samt All-Star-Spiel mit über 100.000 Zuschauern im Stadion der Dallas Cowboys, entgegenfieberte, schlidderten die Mavs durch die Wochen vor dem 12. Februar. Nach dem guten Saisonstart konnten die Texaner während einer Spanne von eineinhalb Monaten nur die Hälfte ihrer Spiele gewinnen. Nachträglich kam die Frage auf, ob auch eine gewisse Absicht die Begründung für die schlechten Leistungen sein könne.

Folge aus den schwachen Wochen war nämlich ein Trade, um den Besitzer Mark Cuban und General Manager Donnie Nelson nicht mehr umher kamen. Josh Howard musste, für viele Fans „endlich“, die Franchise verlassen. Für ihn kam mit Caron Butler ein zweimaliger All-Star, der allerdings seine Form suchte, und in Brendan Haywood ein Center, der von vielen zu den deutlich besseren Big Men der Liga gezählt wird. Die Siegesserie von 13 Siegen in Serie schien Management, Fans und Spielern Recht zu geben.

Das Glück währte allerdings nur kurz. Zwar spielte Dirk Nowitzki weiterhin auf MVP-Niveau, Jason Kidd warf (Foto) Dreier wie ein geborener Scharfschütze (Karrierebestleistung von 42,5 Prozent über den Saisoverlauf) und auch Caron Butler und Jason Terry zeigten passable Leistungen. All das genügte zu Platz zwei im Westen; doch in den entscheidenden Momenten kam vom gesamten Team zu wenig Leistung.

Wie jedes Jahr versteckte sich Scharfschütze und Fanliebling Jason Terry pünktlich, als die Playoffs in greifbare Nähe kamen. Zudem schaffte es Coach Rick Carlisle nicht, Caron Butler und Shawn Marion, die beiden besten Verteidiger des Teams, erfolgreich nebeneinander zu installieren. Brendan Haywoods Kommentar „I just work here“ ließen zudem fehlende Einstellung und Aggressivität vermuten.

All das wäre kein Problem gewesen, hätten die Mavericks die San Antonio Spurs in der ersten Playoff-Runde besiegen können. Doch die Niederlage fiel mit 2-4 deutlicher aus, als das Serienergebnis vermuten lässt. Daher ist das Management zum Handeln gezwungen, um nicht auch im kommenden Jahr „Jährlich grüßt das Murmeltier, x-ter Teil“ lesen zu müssen.

Dass zahlreiche Szenarien möglich sind, zeigt der Free-Agent-Sommer deutlich. Neben LeBron James können sich auch beispielsweise Joe Johnson, Dwyane Wade, Amare Stoudemire, Chris Bosh oder David Lee neue Vertragspartner aussuchen. Und auch Dirk Nowitzki ist aus seinem Vertrag ausgestiegen; Gerüchten zufolge aber nur, um die Mavericks entweder flexibler zu machen oder aber mit einem vierjährigen Vertrag noch einmal groß abzukassieren, bevor 2011 der Salary Cap neu bemessen wird.

Die Möglichkeiten sind also da, um im Sommer die Dallas Mavericks mit einem tiefen Griff in die Gesäßtasche des Mark Cuban signifikant zu verstärken. Alles andere als eine bedeutende Änderung wäre in Dallas, Texas auch ein Schritt auf der Stelle und daher ein Rückschritt und ein weiteres verschenktes Jahr. Oder, um in der Sprache der Echten Erdhörnchen zu bleiben, ein verlängerter Winterschlaf.

Team-MVP: Dirk Nowitzki (25,0 PpG, 7,7 RpG, 2,7 ApG, 42,1% 3FG)




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Kommentare

(8 Kommentare bisher)

von Daniel Otto 14.06.10 um 23:17:19


Also Nowitzki hat den Vertrag schon gekündigt, obwohl er das erst zum 1. Juli darf? Das gibt bestimmt Ärger!



von Quis41 15.06.10 um 07:47:32


Wieso, er darf es zum 1. Juli, nicht erst am 1. Juli!



von mustard 15.06.10 um 13:20:38


Beim Team MVP von New Orleans ist euch ein Fehler unterlaufen, Marren Thornisson ist mir unbekannt



von KingCrunch 15.06.10 um 14:46:24


@mustard:

Schonmal was von dem Rookie-Duo Darren Collison und Marcus Thornton gehört? ;)



von mustard 16.06.10 um 15:09:48


:D da hatte ich ein Brett vor dem Kopf



von Bob!!! 21.06.10 um 17:21:33


"Team-MVP: Marc Gasol"?
ich weiß ja nicht wie der titel team-mvp hier ausgelegt wird, aber der wertvollste spieler des teams ist Zach Randolph (bombige allstar saison) und danach swingman rudy gay. gasol hatte echt 'ne beachtliche saison, aber wieso sollte er bitte team-mvp sein?
ansonsten toller artikel. es wäre echt verdient gewesen, hätte memphis die PO's geschafft. die meiste zeit sah es nach einer 50-siege-saison aus, die halle hat sich endlich wieder gefüllt und man hatte mal wieder einen allstar. mit mayo, gasol, thabeet etc. ist natürlich megaviel talent vorhanden. zum schluss dann etwas nachlässigkeit + ausfall von gasol.
auch der geilen truppe von houston kann man nur wünschen wieder in die playoffs zu ziehen. aber bei der harten konkurrenz scheint das sehr schwierig zu werden...



von oxymoron (x-over) 22.06.10 um 14:52:36


Sicherlich hätte Randolph den Titel auch verdient. In der Offensive (Punkte & Rebounds) spielte er wirklich eine All-Star-Saison. Nur sind die Grizzlies allgemein ein offensiv potentes Team, das seine Punktelast auf mehreren Personen schultern kann. Gasol, so schien, war aber in weit mehr Bereichen präsent; wie wichtig er ist, sah man dann in der Schlussphase der Saison, als die Grizzlies sich ohne hin ganz aus dem Playoff-Kampf zurückziehen mussten.



von Bob!!! 22.06.10 um 23:57:00


naja ich sehe gasol als megatalent, aber er ist nur rollenspieler und vielleicht 3. oder 4. option. daher kann er kein team-mvp sein, auch wenn sein game echt auf ein hohes level gekommen ist und er ein echter allrounder geworden ist.
allerdings profitiert er ja stark davon, dass sich die defense auf zach und rudy konzentriert. defensiv ist er natürlich deutlich besser als sein kollege im frontcourt.
die 21 + 12 stats von z-bo sind einfach zu stark und seine entwicklung zum good fella/teamplayer sehr nice.
und joakim noah ist ja auch nicht team-mvp weil die bulls ohne ihn verkackt haben ;)
aber wie auch immer, go memphis!



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