NBA-Saisonrückblick
Vormachtstellung
In der Central Division konnte den Cleveland Cavaliers um „König“ LeBron James (Foto) keine Mannschaft das Wasser reichen. Dies hatte auch mit der enttäuschenden Vorstellung der Detroit Pistons zu tun. Während diese und die Chicago Bulls in der ersten Playoff-Runde standen, hatte Indiana und Milwaukee mit der Endrunde nichts zu tun.
Von Manuel Baraniak (mb), Christian Gerne (cge), Christian Guse (cgu), Nikolaus Raab (nik) |
16.06.2009 | |
Cleveland Cavaliers (66-16): Zu früh ausgestiegen
(cgu). Auf der Suche nach Unterstützung für Superstar LeBron James wurde der General Manager der Cleveland Cavaliers, Danny Ferry, vor der Saison in Milwaukee fündig. Er war bereit, mehr Gehalt aufzunehmen, um dem Team mehr Durchschlagskraft zu verleihen. Es bedurfte nur eines Joe Smiths, der im Februar aber wieder zur Mannschaft stieß, und Damon Jones’, um Point Guard Maurice Williams von den Bucks loszueisen. Die Cavs stellten die Weichen in Cleveland mit diesem Trade auf Sieg.
Ferry nahm kaum weitere nennenswerte Änderungen im Kader vor. Es kam Rookie J.J. Hickson hinzu, ebenso wie Tarence Kinsey, Darnell Jackson und Lorenzen Wright, die aber allesamt nur wenig Einsatzzeit sahen. Neben den vorher schon angesprochenen Smith und Jones verließ nur Devin Brown die Cavaliers. Aleksandar Pavlovic und Anderson Varejao nahmen vor der Saison an der kompletten Vorbereitung teil, nachdem sie im Jahr zuvor auf Grund von Vertragsstreitigkeiten erst später zum Team gestoßen waren. Das ist sicherlich auch als Verstärkung zu betrachten.
Gleich im ersten Saisonspiel bekam Cleveland die Chance, sich für das Ausscheiden im siebten Spiel der Eastern Conference Semifinals gegen die Boston Celtics aus dem Vorjahr zu revanchieren. Nach einer Sieben-Punkte-Führung zur Halbzeit brachen sie allerdings im dritten Viertel ein und verloren das Spiel am Ende mit fünf Punkten. Zwei Spieltage später setzte es, nach einem Sieg gegen die Charlotte Bobcats, die zweite Saisonniederlage, diesmal gegen die New Orleans Hornets.
Verlief der Saisonstart als nicht nach Maß, folgte danach allerdings die pure Dominanz. Von den nächsten 20 Spielen gewannen die Cavs 19, LeBron James erhielt ob seiner herausragenden Leistungen die Auszeichnung zum Spieler des Monats im November und Maurice Williams (Foto) zeigte, dass er tatsächlich die erhoffte Verstärkung auf dem Weg zum möglichen Titelgewinn sein könnte.
Vor allem wussten die Cavaliers durch geschlossenes Auftreten zu überzeugen. Sie zelebrierten beispielsweise fiktive Foto-Shootings vor den Tip-offs, auch um die Aufmerksamkeit mehr auf das Team zu lenken und weg von den ewigen Diskussionen um 2010 und James. Immer wieder wurde das Thema von außen angesprochen, aber Cleveland ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und eilte von einem Sieg zum nächsten. Zur All-Star-Pause standen ihren 40 Siegen nur elf Niederlagen gegenüber. Einer dieser Erfolge kam Anfang Februar hinzu, als James im Madison Square Garden zu New York mit 52 Punkten, elf Vorlagen und neun Rebounds nur knapp ein Triple-Double verpasste. Zuvor durfte er noch die erneute Auszeichnung zum Spieler des Monats im Januar in Empfang nehmen. Zum All-Star-Spiel nach Phoenix fuhr James dann nicht allein, denn auch Neuzugang Williams durfte sein Ticket, wenn auch nur als Ersatz, lösen.
Auch nach der All-Star-Pause ging „LeShow“ weiter. In beeindruckender Manier fertigten die Cavs so ziemlich jedes Team in der heimischen Quicken Loans Arena ab. Ausnahmen machte das drittbeste Defensivteam der Liga da eher keine. Ob nun die Dallas Mavericks, San Antonio Spurs oder Titelverteidiger Boston – alle wurden mit 20 oder mehr Punkten Unterschied wieder nach Hause geschickt. Vor dem letzten Heimspiel am letzten Spieltag der regulären Saison wiesen die Cleveland Cavaliers eine Heimbilanz von 39-1 auf, insgesamt gewannen sie bis dahin 66 Spiele und verloren nur 15.
Doch gegen die Philadelphia 76ers, die selbst noch um eine bessere Platzierung für die Playoffs kämpften, verzichtete Coach Mike Brown auf seine beiden All-Stars Williams und James, der auch im März und April noch einmal Spieler des Monats wurde, und die Cavaliers verloren das Spiel in der Nachspielzeit. Damit konnte die Franchise aus Ohio nicht den Rekord von Heimsiegen in einer Saison, aufgestellt von den Boston Celtics 1985/86, einstellen. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Cleveland Cavaliers die reguläre Saison als bestes Team abschlossen, LeBron James verdientermaßen zum MVP ernannt und eben jener Coach Brown als bester Coach der Saison ausgezeichnet wurde.
Aber für die Mannen aus Ohio sollte die Fahrt erst jetzt richtig losgehen, zumindest sah so der Fahrplan aus. Mit LeBron James in absoluter Höchstform überrollten sie die Detroit Pistons und die Atlanta Hawks in den ersten beiden Playoff-Runden. Im Schnitt gewannen sie die acht Spiele mit fast 17 Punkten Vorsprung. Es bestand kaum Zweifel daran, dass die Cavaliers ihren Teil des propagierten Showdowns in den Finals zwischen Kobe Bryants Los Angeles Lakers und eben LeBron James’ Cavaliers erfüllen würden.

LeBron James bei seinem Ritual vor jedem Spiel.
Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
In den Eastern Conference Finals warteten dann aber die Orlando Magic, die sich schon in der regulären Saison als ein unangenehmer Gegner herausstellten. Gerade gegen den Star-Center Dwight Howard hatte der Cavs-Frontcourt wenig bis gar keine Antworten parat. Und so kam es im ersten Spiel auch gleich zu einer mehr oder minder großen Überraschung. Trotz eines überragend aufgelegten LeBron James (49 Punkte bei 20 von 30 Treffern aus dem Feld), verloren die Cavaliers in eigener Halle mit einem Punkt Unterschied. Rashard Lewis traf 14 Sekunden vor dem Ende den entscheidenden Drei-Punkte-Wurf, der auch in Hinsicht auf den Ausgang der Serie immense Wichtigkeit besaß. Zwar gewann Cleveland die zweite Partie, musste dann aber zweimal in Folge in Orlando antreten, wo sie in der regulären Saison schon beide Spiele deutlich verloren. Auch in den Playoffs gab es nichts zu holen, sodass Cleveland trotz des Heimsieges in Spiel fünf, die Segel nach sechs Begegnungen streichen musste. Die Schwachstelle war primär der Frontcourt der Cavaliers, der zu keinem Zeitpunkt Dwight Howard in den Griff bekam und selbst in der Offensive blass blieb. Da halfen auch die durchschnittlich fast 39 Punkte, acht Rebounds und acht Assists durch James nichts. Für den besten Spieler der Liga und das beste Team der regulären Saison war der Meisterschaftszug abgefahren.
Was bleibt ist die ernüchternde Erkenntnis, dass der beste Spieler allein mit einem weiteren All-Star in dieser Liga nicht ausreichend ist, um am Ende das allerletzte Spiel der Saison auch bestreiten und gewinnen zu können. General Manager Danny Ferry darf sich im Sommer erneut darum kümmern, seinem Superstar Hilfe zur Seite zu stellen. Auch gerade deshalb, weil die Vertragssituation und der Anreiz, in einem der großen Fernsehmärkte der USA (allen voran New York) zu spielen, es nicht unwahrscheinlich machen, dass die kommende Saison die letzte Saison für LeBron James im Cavaliers-Trikot sein könnte. Viel Handlungsspielraum bleibt Ferry allerdings nicht. Neben dem auslaufenden Vertrag von Ben Wallace fehlt es an geeigneten Talenten, um anderen Teams einen Trade schmackhaft zu machen. Das galt freilich auch vor dem letztjährigen Trade für Mo Williams. Man darf also gespannt sein, was im Sommer in Cleveland passiert.
Team-MVP: LeBron James (28,4 PpG, 7,6 RpG, 7,2 ApG, 1,7 SpG, 1,2 BpG)






von Waldy 17.06.09 um 23:08:39
wieder mal interessanter artikel.. aber bucks werden, glaub ich nächste saison wieder nichts reißen, genauso wie die pacers, bei denen es an gute lange leute fehlt