NBA-Saisonrückblick
Von ganz unten nach ganz oben
In der Atlantic Division ließ Boston durch 42 mehr Siege als in der Vorsaison nicht nur die Teams aus Toronto, Philadelphia, New Jersey und New York hinter sich, sondern gewann auch die Meisterschaft.
Von Peter Bieg (bie), Thomas Käckenmeister (tk), Björn Lemkühler (bl), Florian Lindemann (flo), Nikolaus Raab (nik) |
20.06.2008 | |
Boston Celtics (66-16): Grüne Träume werden wahr
(bie). 82 Mal haben die Boston Celtics in der Saison 2007/08 das Parkett als Sieger verlassen. 66 Siege wurden in der regulären Saison eingefahren, 16 Erfolge in den Playoffs. Am 17. Juni 2008 sicherten die Männer aus ?Beantown? das 17. Meisterschaftsbanner für die erfolgreichste NBA-Franchise aller Zeiten. Nach einer indiskutablen Saison 2006/07, als man mit einer Bilanz von nur 24 Siegen bei 58 Niederlagen den absoluten Tiefpunkt erreicht zu haben schien, stieg das komplett neuformierte Team auf wie einst Phoenix aus der Asche.
General Manager Danny Ainge pokerte hoch, ja, setzte alles auf zwei Karten ? und gewann. Dieser Titelgewinn ist zu einem großen Teil auch der Verdienst eines Mannes, der als Spieler selbst am ? bis vor wenigen Tagen ? letzten Titelgewinn im Jahre 1986 beteiligt war. Ainge war es, der durch riskante Trades (wir berichteten) mit Kevin Garnett (Foto) und Ray Allen zwei zukünftige Hall-of-Famer und All-Stars in den TD Banknorth Garden lockte und den langjährigen Alleinunterhalter Paul Pierce mit der dringend benötigten hochkarätigen Unterstützung ausstattete. So wurde Ainge am Ende der regulären Saison auch mit der Auszeichnung des ?Executive of the Year? belohnt.
Das Ziel dieser gewaltigen Veränderungen war klar: Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre sollte mithilfe dieser drei Spieler und den dazu passenden Ergänzungen der Titel geholt werden. Dieses Vorhaben wurde bereits im ersten Jahr in die Tat umgesetzt, denn Boston erreichte nicht nur die beste Bilanz aller Mannschaften (66 Siege, 16 Niederlagen), sondern sicherte sich nach den wohl besten und spannendsten Playoffs der letzten Jahre auch die Meisterschaft, als im Klassiker die Los Angeles Lakers nach sechs Spielen bezwungen wurden.
Mit Garnett (18,8 PpG, 9,2 RpG, 3,4 ApG, 1,4 SpG, 1,3 BpG, bei 53,9% FG und 80,1% FT), Allen (17,4 PpG, 3,7 RpG, 3,1 ApG bei 39,8% 3FG und 90,7% FT) und Pierce (Foto, 19,6 PpG, 5,1 RpG, 4,5 ApG, 1,3 SpG bei 46,4% FG und 39,2% 3FG) verfügte man über das mit Abstand furchteinflößendste Trio der gesamten Liga. Alle drei wurden ins All-Star-Team gewählt (Allen rückte für seinen verletzten Mannschaftskameraden Garnett nach.) und mit Garnett als ?Defensive Player of the Year? und Pierce als ?Finals MVP? gingen auch zwei der wichtigsten individuellen Auszeichnungen nach Boston.
Was vor der Saison von vielen kritisch beäugt wurde, erwies sich als nahezu unschlagbare Waffe: Bostons ?Big Three? ergänzten sich hervorragend und harmonierten prächtig. Zwist um Entscheidungen oder Ballbesitz in der Crunchtime blieben ebenso aus wie schlimmere Verletzungen der Stars. Doch während einer längeren Verletzungspause Garnetts zur Mitte der Saison zeigten die Celtics eben auch, dass sie weit mehr sind, als ?nur? ihre drei brillanten Leitwölfe.
Rajon Rondo, der Point Guard von der University of Kentucky, wurde vor Beginn der Saison mit Skepsis geradezu bombardiert ? und bestand seine Feuertaufe zumeist glänzend. Bis er in etwa Werte wie seine 21 Punkte, acht Assists, sieben Rebounds und sechs Steals aus dem sechsten Spiel der Finals allabendlich auflegen wird, werden zwar vielleicht noch einige Jahre vergehen, aber dieser junge Mann hat das Potential, etwas ganz besonderes zu werden. Seine Statistiken (10,6 PpG, 4,2 RpG, 5,1 ApG, 1,7 SpG bei 49,2% FG) waren auch in der regulären Saison stark, doch noch viel wichtiger war, dass Rondo mit den Stars an seiner Seite nicht nur gut zusammen arbeitete, sondern es ihm auch immer wieder gelang, gezielt von ihnen und ihren Mismatches zu profitieren. Sobald er seinen wackligen Distanzwurf (26,3% 3FG in der regulären Saison) zuverlässig an den Mann bringen kann, könnte R
ondo (Foto) mit seiner Mischung aus Schnelligkeit, Athletik, Abgeklärtheit und Vielseitigkeit zu einem der besten fünf Point Guards der NBA werden. Unvergessen bleibt auch sein atemberaubender And-One-Dunk gegen Jason Maxiell von den Detroit Pistons, den er in der regulären Saison mit einem einhändigen Slam auf Hochglanzpapier bannte, nur um danach seinen Freiwurf zu versenken und in die Verteidigung zurück zu trotten.
Das verbleibende fünfte Fünftel der Startaufstellung der Männer in Grün, Center Kendrick Perkins, erfüllte die ihm zugedachte Rolle weitgehend tadellos. Der bullige Bigman (6,9 PpG, 6,1 RpG, 1,5 BpG bei starken 61,5% FG) hielt Garnett im Post den Rücken frei, ackerte in der Verteidigung und punktete nur, wenn es gar nicht anders ging. Doch selbst als Scorer hatte auch ?Perk? seine ganz großen Momente, etwa als er den New York Knicks im Januar 24 Punkte einschenkte, neun von 12 Versuchen aus dem Feld traf und diese Leistung mit acht Rebounds garnierte.
Ebenfalls unterschätzt und wenig beachtet wurde ? trotzt ihrer enormen Wichtigkeit für den Gewinn des Titels ? die zweite Garde, die Bankspieler des neuen Champions. Die Leistungen aller Beteiligter ? von Leon Powe und Rookie Glen Davis über Eddie House und James Posey, bis hin zu den extra für die Postseason verpflichteten Veteranen Sam Cassell und P.J. Brown ? zu analysieren und angemessen zu würdigen, würde hier den Rahmen eindeutig sprengen. Die entscheidende Tendenz war ohnehin bei allen die gleiche: Sobald Lücken, in Form von schwächeren Tagen der Leistungsträger, zu füllen waren, standen diese Jungs bereit. Ob in Sachen Firepower (House und Posey), Defense und Hustle (Brown, Posey, Davis, Powe) oder Scoring und Abgeklärtheit (Cassell): Meist brauchte Head Coach Doc Rivers nicht lange zu suchen, um auf seiner Auswechselbank die passende Lösung für im Spielverlauf entstehende Probleme zu finden.
Die größte Überraschung stellte hierbei der nur wirklichen Insidern bekannte Power Forward Leon Powe (7,9 PpG, 4,1 RpG, 57,2% FG) dar. Das introvertierte Arbeitstier von der University of California lieferte auf seine Einsatzzeit (14,4 MpG in der regulären Saison, 11,7 MpG in den Playoffs) gerechnet einen der höchsten Effektivitätswerte der gesamten Liga und hatte schon während der regulären Saison mehrere bärenstarke Spiele, die andeuteten, wieso Powe vor mehreren Knieverletzungen als Lottery-Pick gehandelt wurde. Seit der bullige Powe den Lakers in Spiel zwei der Finalserie 21 Punkte in gerade einmal 15 Minuten Einsatzzeit einschenkte, ist sein Bekanntheitsgrad allerdings drastisch gestiegen und nicht nur Experten freuen sich auf die weitere Entwicklung des sympathischen Vierers.
Rekonvaleszent Tony Allen sah in seiner ersten Saison nach einem Kreuzbandriss vor allem in den Playoffs (4,3 MpG ? im Vergleich zu 18,3 MpG in der regulären Saison) nicht besonders viele Minuten, konnte aber mit seinen großen Stärken, einer herben Athletik und guter Defense, ebenfalls ab und an Akzente setzen und stand sogar elf Mal in der Startformation. Scot Pollard">Scot Pollard, Brian Scalabrine und Gabe Pruitt seien nur der Vollständigkeit halber erwähnt, denn aufgrund mangelnder Erfahrung (Pruitt) bzw. Alter und dauernder Wehwehchen (Pollard und Scalabrine) war das Trio nur äußerst selten außerhalb der Auswechselbank zu sichten.
Allzu viel ist nicht zu tun, in der Pause vor Beginn der Saison 2008/2009: Mit Garnett, Allen, Rondo (Team-Option), Pierce und Perkins ist die gesamte Starting Five für weitere drei Jahre unter Vertrag. Das Grundgerüst bleibt also unverändert und auch Spieler wie Powe, Davis und Pruitt (allesamt Zweitrunden-Picks) sind noch für wenig Geld unter Vetrag. James Posey (Spieleroption), Eddie House, Tony Allen, P.J. Brown und Scott Pollard haben ebenso auslaufende Verträge wie Sam Cassell. Ob die Veteranen Cassell und Brown in Boston bleiben oder ihre Schuhe nach dem Titelgewinn endgültig an den Nagel hängen, ist noch ungewiss, aber nicht unwahrscheinlich. Posey, House und Allen sollten allesamt gehalten werden können, obwohl Posey seine Stärken in den Playoffs einmal mehr unterstrichen hat und sich, sollte er seine Option ziehen, sicherlich auch andere Mannschaften bei ihm melden werden. In Sachen Backup-Center sowie Point Guard wird sich Danny Ainge sicherlich umhören und einige Optionen abwägen und auch mit den Draft-Picks Nummer 30 und Nummer 60 kann sich die Franchise zusätzlich verstärken. Seien wir gespannt auf die Mission Titelverteidigung.
Team-MVP: Kevin Garnett (18,8 PpG, 9,2 RpG, 3,4 ApG, 1,4 SpG, 1,2 BpG, 53,9% FG)






von Suck My Diktiergerät 21.06.08 um 13:29:52
wenn ich hier einmal zitieren dürfte:
"Die Philadelphia 76ers sind wohl mit den Portland Trail Blazers die einzige Mannschaft, die trotz ihres sehr jungen Alters in dieser Saison für Furore sorgte."
hüstel....atlanta hawks...hüstel ;)
aber bis auf diese schwachstelle ein guter artikel :)
von N9ne 21.06.08 um 13:52:59
Wollen die 76ers wirklich Joe Alexander verpflichten, um ihre 3er Quote zu steigern?
Der Junge hat im College etwas über 25% von Downtown geschossen und da ist die Linie noch ein paar cm weiter vorne, oder?