NBA-Saisonrückblick
Umgekehrte Vorzeichen
Im Vergleich zum Vorjahr waren es in der Southwest Division nicht die San Antonio Spurs und New Orleans Hornets, die es in die zweite Playoff-Runde schafften, sondern die Dallas Mavericks (Foto: Dirk Nowitzki) und Houston Rockets. Die Memphis Grizzlies hingegen beendeten ein weiteres Male ihre Saison im Ligakeller.
Von Johannes Hübner (jh), Johannes Käfer (jk), David Lorenz (dl), René Radoi (rad) |
11.06.2009 | |
San Antonio Spurs (54-28): Jede Menge Erkenntnisse
(rad). Der 28. April 2009 war ein erkenntnisreiches Datum für die Anhänger und Verantwortlichen der San Antonio Spurs: An diesem Tag setzte es die vierte Niederlage gegen die Dallas Mavericks, gleichbedeutend mit dem Erstrunden-Aus in den Playoffs 2009. An diesem Tag konnte Tim Duncan sein Team zum ersten Mal in seiner zwölfjährigen Karriere nicht über die erste Playoff-Runde hinaus führen. An diesem Tag zeigte sich, dass Manu Ginobili nicht zu ersetzen ist. An diesem Tag endete die Dynastie, die eigentlich keine war.
Die 93:106-Niederlage in eigener Halle gegen Dallas an jenem Tag war schmerzlich, doch sie kam nicht unerwartet. Geschwächt durch den verletzungsbedingten Ausfall von Ginobili konnten die Spurs bereits in den vier Partien zuvor kaum mit den Mavericks mithalten. Abgesehen von Duncan und Tony Parker erbrachte kein Spieler auch nur annähernd die Leistung, die notwendig gewesen wäre, um den argentinischen Shooting Guard zu ersetzen. Ohne verlässliche Unterstützung mussten die Beiden bis zu 75 Prozent der Scoring-Last tragen. Zu viel, um als Mannschaft erfolgreich zu sein.
So stand die Spielzeit 2008/2009 von Beginn an unter keinem guten Stern. Auf Grund einer Fußverletzung, die er sich bei den Olympischen Spielen zugezogen hatte, verpasste Ginobili (Foto) die ersten drei Saisonwochen. Kaum waren fünf Begegnungen gespielt, gesellte sich auch Parker auch mit einer Knöchelverletzung für knapp drei Wochen auf der Verletztenliste dazu.
Ohne das etatmäßige Backcourt-Duo rückten die beiden Neuzugänge Roger Mason Jr. (Free Agent aus Washington) und George Hill (Draft-Pick) ins Rampenlicht, in dem sie sich nicht all zu schlecht schlugen. Shooting Guard Mason erzielte im November 15,1 Punkte pro Spiel, Hill brachte es in seinem ersten vollen NBA-Monat auf durchschnittlich 11,1 Punkte und 3,3 Assists. In Siege ließen sich diese Leistungen anfangs nur schwer ummünzen; Mitte November standen in der Bilanz zwei gewonnenen gleich fünf verlorene Partien gegenüber.
Danach fand das gebeutelte Team jedoch bald seinen Rhythmus, und mit den Rückkehrern gelang bis zur All-Star-Pause die Trendwende. Mehr noch: Mit 33 Siegen und nur elf Niederlagen befanden sich die Spurs zur Saisonmitte in einer erstaunlich guten Frühform. Wer glaubte, danach könne im alljährlichen „Cruise Control“-Modus bis in den April geglitten und pünktlich zu den Playoffs der Schalter einfach umgelegt werden, der sah sich jedoch getäuscht. Ständige Wechsel in der Rotation, der erneute Ausfall von Ginobili bis zum Saisonende und ein angeschlagener Franchise-Player in Duncan verursachten ungewohnt viel Unruhe im Lager der Spurs. Nur mit enormen Anstrengungen in den letzten Wochen der regulären Saison konnten die Spurs die Southwest Division erneut gewinnen. Letztendlich standen wieder einmal mehr als 50 Siege zu Buche, zusammen mit der Erkenntnis, dass zu deren Erreichen ein richtiger Kraftakt von Nöten war.
Vom dritten Platz im Westen aus startend hatte San Antonio in Playoff-Runde eins den Heimvorteil auf seiner Seite. Gegen den ungeliebten Rivalen aus Dallas gab es trotzdem kein Weiterkommen. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Einerseits spielte der Ausfall von Ginobili ohne Zweifel eine wichtige Rolle. Der 31-Jährige entwickelte sich in den letzten Jahren mit seiner unorthodoxen Spielweise zum X-Faktor. Er konnte Spielzüge initiieren, spielentscheidende Dreier versenken und den Gegner ein ums andere Mal mit seinem Drive schlagen. Diese Fähigkeiten fehlen seinem Vertreter Mason, der zwar ein guter Schütze ist, jedoch Probleme hat, seinen eigenen Wurf zu kreieren. Ein weiterer Grund für das schlechte Abschneiden der Spurs ist die mangelnde Athletik auf den Flügelpositionen. Während Bruce Bowen wenigstens defensiv noch zu gebrauchen ist, kann insbesondere der 36 Jahre alte Michael Finley mit den schnellen Swingmen der Liga nicht mehr mithalten. Ständige Mismatches zu Gunsten des Gegners sind die Folge.

Tony Parker mit Zug zum Korb – dieses Bild sah man in Texas häufig.
Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Entscheidenden Charakter für den Ausgang dieser Saison hatte derweil die Umstellung der Spielweise im Angriff. War bisher stets Duncan im Low Post die erste Anspielstation, von der aus der Ball weiterverteilt wurde, liefen die Angriffe in dieser Saison vornehmlich über Parker. Der kleine Franzose legte sicherlich seine bisher beste Spielzeit hin; Statistiken von 22,0 Punkten und 6,9 Assists pro Spiel bedeuten jeweils Bestwerte. Mit seiner immensen Schnelligkeit kann Parker auch jeden Gegenspieler auf dem Weg zum Korb schlagen, jedoch beschleunigt er dadurch das Spiel und erweist seinen alternden Teamkameraden damit einen Bärendienst. Diese kommen so pro Spiel häufiger zum Angriff, erzielen insgesamt auch marginal mehr Punkte, sind jedoch auch konditional angeschlagener und somit defensiv weniger effektiv. Das schlägt sich letztendlich in mehr kassierten Punkten nieder, oder anders formuliert: Weil die Spurs mehr punkten, kassieren sie mehr Körbe und verlieren öfter.
Aus dieser einfachen Formel lässt sich ableiten, dass Head Coach Gregg Popovich und das Front Office der Spurs nur zwei Möglichkeiten haben, um wieder erfolgreich zu werden: Entweder sie verpflichten athletischere und schnellere Flügelspieler, oder sie kehren zum altbekannten „Grind it out“-Basketball zurück und nutzen die Stärken des Teams, so wie es derzeit zusammengestellt ist. Die erste Alternative scheidet in Ermangelung ausreichender finanzieller Mittel und wegen der traditionell schlechten Anziehungskraft auf Free Agents nahezu aus. Für die kommende Saison sind aktuell bereits neun Spieler unter Vertrag, zu denen Finley und Center-Talent Ian Mahinmi noch hinzukommen können, wenn ihre Optionen auf ein weiteres Jahr umgesetzt werden. Auch die Gehaltsliste ist mit 65 Millionen Dollar fast ausgeschöpft und bietet nur noch im Midlevel-Exception-Bereich Spielraum an. Dieser sollte möglichst in einen Small Forward oder einen Center investiert werden, wenn eben jener Mahinmi sich nicht als tauglich erweisen sollte.
Die Umsetzung der zweiten Alternative – zurück zum alten Spielsystem – hängt davon ab, ob die großen Drei ihre Gesundheit noch einmal über eine komplette Spielzeit konservieren können. Gelingt das, dann muss der bestehende Kader nur punktuell verstärkt werden, denn das Grundgerüst ist weiterhin sehr vielversprechend und mindestens noch für ein weiteres gutes Jahr brauchbar. Das ist nur eine von vielen Erkenntnissen aus dieser Saison, jedoch eine der wichtigsten.
Team-MVP: Tim Duncan (19,4 PpG, 10,5 RpG, 3,5 ApG, 1,6 BpG)






von Waldy 11.06.09 um 17:54:19
ordentlicher bericht. welche divison kommt denn als nächste? freu mich schon drauf, sehr interessant :-)
von sitte 11.06.09 um 18:32:08
Gute Zusammenfassungen. Mich stört bei den Spurs jedoch ein Satz: "An diesem Tag endete die Dynastie, die eigentlich keine war." Hierzu hätte ich mir schon ne Begründung gewünscht. 3 Titel in 5 Jahren ist doch nicht ohne. Seit 97 immer über 50 Siege in der RS. Und vorbei ist es mit den Spurs noch nicht. Wenn die Big 3 nächste Saison gesund bleiben, dann zählen sie doch zum erweiterten Favoritenkreis. Recht gebe ich, dass Verstärkung auf C und SF von Nöten ist.
von Webocat 12.06.09 um 08:50:41
zu den spurs geb ich sitte recht. sie sind doch seit der saison 1998/1999 stets ein spitzenteam gewesen. ok 1999/2000 früh gegen die suns ausgeschieden, aber da war timmy auch verletzt und hardaway war halt sehr stark
von PPP 12.06.09 um 15:01:35
Das mit der Dynastie ist glaub ich nicht ganz ernst gemeint. Einerseits spricht man ja dann von einer Dynastie, wenn der Titel auch erfolgreicht verteidigt wurde. Andererseits war es bei den Spurs immer der Zwei-Jahres Rythmus, der dieses Jahr aber abgebrochen ist.
von Kent Brockman 12.06.09 um 20:05:04
Hallo Sitte,
diesen Satz habe ich in der Tat mit einem Augenzwinkern geschrieben, denn die Eignung zur Dynastie wurde den Spurs ja regelmäßig abgesprochen. Deshalb "die keine war".
Ob die Spurs von '99 bis '09 tatsächlich eine Dynastie waren oder ob sie es sogar noch sind, liegt wohl tatsächlich im Auge des Betrachters. Um auch objektiv betrachtet als solche eingeschätzt zu werden, fehlt es meiner Meinung nach an zwei Dingen:
1. Der absoluten Dominanz (siehe: Bulls der 90er)
2. Mehreren überragenden Spielern (siehe: Lakers der 80er).
zu 1.: Der Titelrhythmus war eben nur aller zwei Jahre, obwohl es in den Jahren dazwischen auch immer nur über die Spurs ging, wenn man im Westen ins Finale wollte.
zu 2.: Außer '99, als mit den Twin Towers eine unglaublihce Inside-Präsenz den Ausschlag gab, waren es doch immer wieder "bessere Rollenspieler" und keine Superstars, die neben Duncan spielten.
Übrigens sind auch die Shakobe-Lakers keine Dynastie gewesen. Die letzte "echte" waren die Bulls.
von sitte 12.06.09 um 20:30:08
Danke für Deine Antwort.
Natürlich ist es eine Sache des Betrachters. Ich habe da auch ein wenig durch die Fan-Brille geschaut. ;-) MAn könnte lange diskutieren, ob die Spurs nun eine Dynastie waren oder nicht. Einigen wir uns darauf, dass sie das beste Team der 2000er sind. ;-)
Jep, die Jahre dazwischen, also 04 und 06, war schon bitter für die Spurs. Die Serie gg die Lakers wurde quasi durch den 0,4 sec Wurf von Fisher entschieden und 06 durfte man Spiel 7 gg Dallas eigentlich auch nicht mehr abgeben (dummes Foul von Manu). Ich könnte mir gut vorstellen, dass in den Jahren der Titek drin gewesen wäre.
Zu Deinem 2. Punkt: Zeichnet gerade das nicht eine Mannschaft aus, wenn sie mit wenigen Superstars Titel einfährt? Obwohl man Parker und Ginobili ab 05 schon als "Stars" zählen konnte. Manu All-Star 05 und geheimer Finals-MVP. Parker All-Star 06 und Finals-MVP 07. ;-)
Auf jeden war es einzig 2003 als sie nur mit Duncan einen echten Superstar hatten.
von Kent Brockman 12.06.09 um 20:39:24
Natürlich zeichnet es die Spurs aus, dass sie nur mit einem "echten" Superstar Meister geworden sind. Wer kann das in den letzten 25 Jahren sonst noch behaupten?
Ginobili und Parker sind für mich zwei Spieler, die wir ohne die Duncan-Spurs heute wahrscheinlich anders betrachten würden. Wenn beide im falschen Team landen, versauern sie vielleicht als verkannter Spezialist (Ginobili) oder werden als Ego-Zocker abgestempelt (Parker). Ähnlich ging es übrigens Hedo Turkoglu: Der wurde auch erst in den letzten beiden Jahren bei den Magic das, was er jetzt ist.
von wowa81nrw 13.06.09 um 01:47:32
Die Spurs werden undterschäztzt weil sie "nur" erfolgreich spielen und nicht schön
von Cabalios 13.06.09 um 10:53:06
schone analyse, besonders der probleme der spurs. Gut geschrieben!
von xax 13.06.09 um 17:46:24
Artest wird Free Agent, LA müsste Odoms Vertrag verlängern...
Phil jackson mag ja sogenannte Troubelmaker (Rodman, Rider)
Artest würde auch die "Weichheit" im Kader sofort beenden.
nachtigall ick hör dir trapsen
von David Lorenz 13.06.09 um 22:23:46
von Kent Brockman 12.06.09 um 20:39:24
"Natürlich zeichnet es die Spurs aus, dass sie nur mit einem "echten" Superstar Meister geworden sind. Wer kann das in den letzten 25 Jahren sonst noch behaupten?"
Die Detroit Pistons 2004.
von Kent Brockman 14.06.09 um 14:42:31
Die hatten gar keinen ;-)
von David Lorenz 14.06.09 um 16:26:00
Oh, stimmt natürlich. :D
von xax 14.06.09 um 17:26:06
was ist mit dem ersten titel der rockets in den 90s?
hakeem der superstar und assestiert von horry, cassel, madmax maxwell und... irgendeinem anderen :-)
alles gute spieler aber keine echten stars.
von Oxymoron 14.06.09 um 19:29:40
@ xax: Bezüglich Artest und LA: Die Lakers haben doch mit Ariza einen Spieler, der seine Stärken in der Verteidigung, sich mittlerweile einen akzeptalen Distanzwurf angeeignet und auch Potential hat, noch stärker zu werden. Zwar wird auch Ariza Free Agent, aber die Lakers haben, genauso wie bei Odom, Bird-Rights zu diesen beiden. Die Lakers könnten also - insofern sie überhaupt Artest haben wollen, was ich bezweifle - Artest nur die Mid-Level Exception anbieten. Dem gegenüber besitzen die Rockets ebenso Bird-Rights an Artest, können diesem also auch mehr als nur die MLE bieten. Zudem betonte Artest zuletzt, dass er gern in Houston bleiben würde.
von xax 14.06.09 um 20:12:20
@ oky
das sind gute argumente,abba papa weiß es besser :-)
- ariza spielt gut, keine frage, jedoch ist artest nochn bisschen besser (im Paket), er is auch besser als odom
- die bird regel besagt, dass man eigene free-agents resignen darf und deren gehalt nicht unter den salary cap fällt, richtig?
- wie hoch ist die midlevel (5 mios?)
- wenn ich GM von LA wäre würde ich versuchen artest zu bekommen, spielt odom nochmal so gut wenn er nen neuen vertrag und nen ring hat?bei ariza dasselbe... fraglich
-artest will den titel noch und ist hungrig und man schwächt einen mitkonkurrenten
Fazit: ich glaube du weisst es doch besser :-)!!!Klingt als würde LA auf altbekannt setzen.
wenn houston artest viel mehr als die Midlvel anbietet bleibt er, bieten la aber nahezu ebenso viel wird er nachdenken. Auch wenn : "Zudem betonte Artest zuletzt, dass er gern in Houston bleiben würde." Das habe ich schon so oft gehört, ein anruf von kobe und oder phil jackson und die welt erscheint anders
von Oxymoron 15.06.09 um 00:56:48
@ xax: Mit solchen Ausnahmen, wie der "Larry Bird Exception", der "Mid-Level Exception" etc., können die Teams den Salary Cap derart "umgehen", dass sie Spieler verpflichten, auch wenn sie damit die Gehaltsobergrenze überschreiten. Erst eine Mannschaft, die darüber liegt, darf überhaupt von der MLE Gebrauch machen.
Die MLE betrug in diesem Jahr etwa 5,6 Millionen Dollar.
Noch einmal zu Artest: Dieser wird im November 30 Jahre und möchte jetzt sicher noch einmal einen längerfristigen, hochdotierten Vertrag unterschreiben. Im Gegensatz zu Sacramento hat er in Houston ja eine viel größere Aussicht auf Erfolg.
Ob das Front Office der Lakers mit Artests Vorstellungen überhaupt mitgehen könnte? Diese sind sicherlich erst mal darauf aus, zu versuchen, ihren Kader zu halten. Inwieweit beide Lakers-Forward gehalten werden können, das wird spannend zu verfolgen sein. Die erste Option ist meiner Meinung nach Odom, der mit seiner Vielseitigkeit und als Power Forward einsetzbar, ein wichtiger Mann in L.A. ist.