NBA-Saisonrückblick

Umgekehrte Vorzeichen

Im Vergleich zum Vorjahr waren es in der Southwest Division nicht die San Antonio Spurs und New Orleans Hornets, die es in die zweite Playoff-Runde schafften, sondern die Dallas Mavericks (Foto: Dirk Nowitzki) und Houston Rockets. Die Memphis Grizzlies hingegen beendeten ein weiteres Male ihre Saison im Ligakeller.

Von Johannes Hübner (jh), Johannes Käfer (jk), David Lorenz (dl), René Radoi (rad)
 11.06.2009 |

Dallas Mavericks (50-32): Eine Berg- und Talfahrt

(dl). Die Dallas Mavericks durchlebten vom ersten Sprungball der regulären Saison gegen die Houston Rockets bist zum Schlusspfiff der letzten Playoff-Partie gegen die Denver Nuggets eine äußerst turbulente Saison. Höhen und Tiefen, Verletzungen von Schlüsselspielern, herbe Enttäuschungen und immer wieder die Hoffnung auf bessere Leistungen zogen sich wie ein roter Faden durch die Spielzeit der Truppe aus Texas.

Doch der Reihe nach. Der Saisonstart stand für den neu verpflichteten Head Coach Rick Carlisle unter keinem guten Stern. Nur zwei der ersten neun Begegnungen konnten seine Mavericks für sich entscheiden. Ungewohnt heimschwach, ohne Biss und Selbstvertrauen präsentierte sich die Mannschaft um ihren Superstar Dirk Nowitzki. Doch Dallas bekam rechtzeitig die Kurve und legte in der Folge eine beeindruckende Serie von 17 Siegen bei nur fünf Niederlagen aufs Parkett. Allerdings wog die Hypothek aus dem verpatzten Saisonstart schwer, und die Mavericks mussten in der hart umkämpfen und äußerst ausgeglichenen Western Conference stets einem Rückstand auf die besser platzierten Teams hinterher laufen.

In der Folge taten sich drei große Probleme für die Mannschaft auf: erstens eine fehlende Konstanz, die aus den anderen beiden Problemen resultierte. Jason Terry (19,6 PpG, 3,4 ApG), der die beste Saison seiner Karriere ablieferte, und vor allem Josh Howard (Foto), hatten beide mit Verletzungsproblemen zu kämpfen.

Terry musste aufgrund einer gebrochenen Hand acht Partien pausieren, während Howard wegen anhaltender Beschwerden im Sprunggelenk lediglich 52 von 82 Saisonspielen absolvieren konnte. Zudem hatte der Small Forward der Mavericks, wenn er denn fit war, mit großen Formschwankungen zu kämpfen. Das letzte Problem hatte direkt etwas mit den Verletzungssorgen zu tun. Es fehlte der Mannschaft im Angriff an einer dritten Scoring-Option, in der Defensive sah sie sich ihres besten Verteidigers beraubt. So lief offensiv meist alles über Nowitzki und Terry. Da kein anderer Akteur im Angriff der Mavs konstant Akzente zu setzen vermochte, entwickelte sich Dallas rasch zu einem berechenbaren Team.

Dennoch hielten die Mavs stets der Anschluss an die höheren Tabellenregionen, doch um endlich ein paar Plätze gut zu machen, bedurfte es einer kleinen Siegesserie, die einfach nicht gelingen wollte. Als großer Einschnitt in eine bis dato durchwachsene Saison gilt die herbe 87:96-Klatsche beim Liganeuling aus Oklahoma City Anfang März. Es war der mit Abstand schwächste Auftritt der Mavericks während der kompletten Spielzeit. Besitzer Mark Cuban appellierte im Anschluss an die Ehre der Spieler und drohte damit, das gesamte Team bei einer vergleichbaren Leistung komplett vor die Tür zu setzen.

Cubans Worte sollten Wirkung zeigen. Von da an nahm die Saison der Mavericks eine neue Wendung. Konnte Dallas bis zu diesem Zeitpunkt starken Gegnern aus der Western Conference im direkten Duell selten das Wasser reichen, wurden im äußerst spannenden Saisonfinale Mannschaften wie die Phoenix Suns, Utah Jazz, New Orleans Hornets, Portland Trail Blazers oder Houston Rockets teilweise eindrucksvoll vom Parkett gefegt. Am letzten Spieltag sicherten sich die Mavs im großen Texas-Duell mit den Rockets durch einen deutlichen 95:84-Erfolg den nicht mehr für möglich gehaltenen sechsten Platz im „Wilden Westen“. Somit sollte es in der ersten Runde der Playoffs zum ewigen Schlager mit den San Antonio Spurs kommen.

Auf einmal wandelten sich die bis dahin so offensichtlichen Schwächen der Mannschaft in spielentscheidende Stärken um. Die Bank der Mavericks zeigte eine nicht geahnte Tiefe. Akteure wie J.J. Barea oder Brandon Bass boten sich in der Offensive als zuverlässige Alternativen zu Terry und Nowitzki an. Dazu hatte Howard endlich seine Formschwankungen überwunden und präsentierte sich gegen San Antonio zusammen mit einem überragenden Jason Kidd als stärkster Akteur seiner Mannschaft. Der Plan Gregg Popovichs, Nowitzki und Terry im Angriff durch Double- oder Triple-Teams auszuschalten, scheiterte somit grandios, da stets ein anderer Akteur im Trikot der Mavs in die Bresche zu springen vermochte. Dallas gelang im Duell mit dem Erzrivalen aus Texas, was noch Monate zuvor als absolut utopisch galt, ein Weiterkommen nach fünf Spielen.

In den Conference Semi Finals sahen sich die Mavericks dann allerdings einem deutlich stärkeren Gegner gegenübergestellt. Den Denver Nuggets. Das Team aus den Rocky Mountains zeigte Dallas in fünf Spielen klar seine Grenzen auf. Auch ein Nowitzki in absoluter Topform, der Spekulationen um sein Privatleben trotzend 34,3 Punkte, 11,8 Rebounds und 4,0 Assists pro Begegnung mit den Nuggets erzielte, sollte am Ende nicht ausreichen. Howard hatte abermals mit Schmerzen in seinem Sprunggelenk zu kämpfen und verletzte sich zu allem Überfluss auch noch am zweiten Knöchel. Terry tauchte komplett ab und konnte zu keinem Zeitpunkt der Serie seinen „Sixth Man of the Year“-Award aus der regulären Saison rechtfertigen. Auch Kidd und Barea zeigten im Vergleich zum Duell mit den Spurs einen Leistungsabfall. Neben Nowitzki wusste lediglich Bass voll und ganz zu überzeugen.

Trotz des Zweitrunden-Scheiterns können die Dallas Mavericks stolz auf das Erreichte zurückblicken, auch wenn es abermals nicht mit dem ganz großen Wurf klappen sollte. Niemand hätte der Mannschaft aus der Southwest Division nach der holprigen Spielzeit eine derartige Leistungsexplosion zum Saison-Finale und dem Duell mit San Antonio zugetraut.

Nun stehen allerdings mehrere Fragezeichen hinter der Truppe von Carlisle. Die Offseason wird zeigen, wie es mit der Mannschaft weitergehen wird. Verlängert Kidd seinen ausgelaufenen Vertrag? Kommt ein neuer Spielmacher? Wird Howard getradet? Was passiert mit Terry? Wie sieht die Zukunft Nowitzkis aus, dessen Vertrag 2010 endet? Können die Mavericks ihren 22. Pick im Draft sinnvoll nutzen? Fragen über Fragen. Es wartet ein arbeitsreicher Sommer auf Carlisle, Cuban und General Manager Donnie Nelson.

Team-MVP: Dirk Nowitzki (25,9 PpG, 8,4 RpG, 2,4 ApG)




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Kommentare

(17 Kommentare bisher)

von Waldy 11.06.09 um 17:54:19


ordentlicher bericht. welche divison kommt denn als nächste? freu mich schon drauf, sehr interessant :-)



von sitte 11.06.09 um 18:32:08


Gute Zusammenfassungen. Mich stört bei den Spurs jedoch ein Satz: "An diesem Tag endete die Dynastie, die eigentlich keine war." Hierzu hätte ich mir schon ne Begründung gewünscht. 3 Titel in 5 Jahren ist doch nicht ohne. Seit 97 immer über 50 Siege in der RS. Und vorbei ist es mit den Spurs noch nicht. Wenn die Big 3 nächste Saison gesund bleiben, dann zählen sie doch zum erweiterten Favoritenkreis. Recht gebe ich, dass Verstärkung auf C und SF von Nöten ist.



von Webocat 12.06.09 um 08:50:41


zu den spurs geb ich sitte recht. sie sind doch seit der saison 1998/1999 stets ein spitzenteam gewesen. ok 1999/2000 früh gegen die suns ausgeschieden, aber da war timmy auch verletzt und hardaway war halt sehr stark



von PPP 12.06.09 um 15:01:35


Das mit der Dynastie ist glaub ich nicht ganz ernst gemeint. Einerseits spricht man ja dann von einer Dynastie, wenn der Titel auch erfolgreicht verteidigt wurde. Andererseits war es bei den Spurs immer der Zwei-Jahres Rythmus, der dieses Jahr aber abgebrochen ist.



von Kent Brockman 12.06.09 um 20:05:04


Hallo Sitte,

diesen Satz habe ich in der Tat mit einem Augenzwinkern geschrieben, denn die Eignung zur Dynastie wurde den Spurs ja regelmäßig abgesprochen. Deshalb "die keine war".

Ob die Spurs von '99 bis '09 tatsächlich eine Dynastie waren oder ob sie es sogar noch sind, liegt wohl tatsächlich im Auge des Betrachters. Um auch objektiv betrachtet als solche eingeschätzt zu werden, fehlt es meiner Meinung nach an zwei Dingen:
1. Der absoluten Dominanz (siehe: Bulls der 90er)
2. Mehreren überragenden Spielern (siehe: Lakers der 80er).

zu 1.: Der Titelrhythmus war eben nur aller zwei Jahre, obwohl es in den Jahren dazwischen auch immer nur über die Spurs ging, wenn man im Westen ins Finale wollte.
zu 2.: Außer '99, als mit den Twin Towers eine unglaublihce Inside-Präsenz den Ausschlag gab, waren es doch immer wieder "bessere Rollenspieler" und keine Superstars, die neben Duncan spielten.

Übrigens sind auch die Shakobe-Lakers keine Dynastie gewesen. Die letzte "echte" waren die Bulls.



von sitte 12.06.09 um 20:30:08


Danke für Deine Antwort.
Natürlich ist es eine Sache des Betrachters. Ich habe da auch ein wenig durch die Fan-Brille geschaut. ;-) MAn könnte lange diskutieren, ob die Spurs nun eine Dynastie waren oder nicht. Einigen wir uns darauf, dass sie das beste Team der 2000er sind. ;-)
Jep, die Jahre dazwischen, also 04 und 06, war schon bitter für die Spurs. Die Serie gg die Lakers wurde quasi durch den 0,4 sec Wurf von Fisher entschieden und 06 durfte man Spiel 7 gg Dallas eigentlich auch nicht mehr abgeben (dummes Foul von Manu). Ich könnte mir gut vorstellen, dass in den Jahren der Titek drin gewesen wäre.
Zu Deinem 2. Punkt: Zeichnet gerade das nicht eine Mannschaft aus, wenn sie mit wenigen Superstars Titel einfährt? Obwohl man Parker und Ginobili ab 05 schon als "Stars" zählen konnte. Manu All-Star 05 und geheimer Finals-MVP. Parker All-Star 06 und Finals-MVP 07. ;-)
Auf jeden war es einzig 2003 als sie nur mit Duncan einen echten Superstar hatten.



von Kent Brockman 12.06.09 um 20:39:24


Natürlich zeichnet es die Spurs aus, dass sie nur mit einem "echten" Superstar Meister geworden sind. Wer kann das in den letzten 25 Jahren sonst noch behaupten?

Ginobili und Parker sind für mich zwei Spieler, die wir ohne die Duncan-Spurs heute wahrscheinlich anders betrachten würden. Wenn beide im falschen Team landen, versauern sie vielleicht als verkannter Spezialist (Ginobili) oder werden als Ego-Zocker abgestempelt (Parker). Ähnlich ging es übrigens Hedo Turkoglu: Der wurde auch erst in den letzten beiden Jahren bei den Magic das, was er jetzt ist.



von wowa81nrw 13.06.09 um 01:47:32


Die Spurs werden undterschäztzt weil sie "nur" erfolgreich spielen und nicht schön



von Cabalios 13.06.09 um 10:53:06


schone analyse, besonders der probleme der spurs. Gut geschrieben!



von xax 13.06.09 um 17:46:24


Artest wird Free Agent, LA müsste Odoms Vertrag verlängern...
Phil jackson mag ja sogenannte Troubelmaker (Rodman, Rider)
Artest würde auch die "Weichheit" im Kader sofort beenden.

nachtigall ick hör dir trapsen



von David Lorenz 13.06.09 um 22:23:46


von Kent Brockman 12.06.09 um 20:39:24

"Natürlich zeichnet es die Spurs aus, dass sie nur mit einem "echten" Superstar Meister geworden sind. Wer kann das in den letzten 25 Jahren sonst noch behaupten?"

Die Detroit Pistons 2004.



von Kent Brockman 14.06.09 um 14:42:31


Die hatten gar keinen ;-)



von David Lorenz 14.06.09 um 16:26:00


Oh, stimmt natürlich. :D



von xax 14.06.09 um 17:26:06


was ist mit dem ersten titel der rockets in den 90s?
hakeem der superstar und assestiert von horry, cassel, madmax maxwell und... irgendeinem anderen :-)
alles gute spieler aber keine echten stars.



von Oxymoron 14.06.09 um 19:29:40


@ xax: Bezüglich Artest und LA: Die Lakers haben doch mit Ariza einen Spieler, der seine Stärken in der Verteidigung, sich mittlerweile einen akzeptalen Distanzwurf angeeignet und auch Potential hat, noch stärker zu werden. Zwar wird auch Ariza Free Agent, aber die Lakers haben, genauso wie bei Odom, Bird-Rights zu diesen beiden. Die Lakers könnten also - insofern sie überhaupt Artest haben wollen, was ich bezweifle - Artest nur die Mid-Level Exception anbieten. Dem gegenüber besitzen die Rockets ebenso Bird-Rights an Artest, können diesem also auch mehr als nur die MLE bieten. Zudem betonte Artest zuletzt, dass er gern in Houston bleiben würde.



von xax 14.06.09 um 20:12:20


@ oky
das sind gute argumente,abba papa weiß es besser :-)

- ariza spielt gut, keine frage, jedoch ist artest nochn bisschen besser (im Paket), er is auch besser als odom
- die bird regel besagt, dass man eigene free-agents resignen darf und deren gehalt nicht unter den salary cap fällt, richtig?
- wie hoch ist die midlevel (5 mios?)
- wenn ich GM von LA wäre würde ich versuchen artest zu bekommen, spielt odom nochmal so gut wenn er nen neuen vertrag und nen ring hat?bei ariza dasselbe... fraglich
-artest will den titel noch und ist hungrig und man schwächt einen mitkonkurrenten

Fazit: ich glaube du weisst es doch besser :-)!!!Klingt als würde LA auf altbekannt setzen.
wenn houston artest viel mehr als die Midlvel anbietet bleibt er, bieten la aber nahezu ebenso viel wird er nachdenken. Auch wenn : "Zudem betonte Artest zuletzt, dass er gern in Houston bleiben würde." Das habe ich schon so oft gehört, ein anruf von kobe und oder phil jackson und die welt erscheint anders



von Oxymoron 15.06.09 um 00:56:48


@ xax: Mit solchen Ausnahmen, wie der "Larry Bird Exception", der "Mid-Level Exception" etc., können die Teams den Salary Cap derart "umgehen", dass sie Spieler verpflichten, auch wenn sie damit die Gehaltsobergrenze überschreiten. Erst eine Mannschaft, die darüber liegt, darf überhaupt von der MLE Gebrauch machen.

Die MLE betrug in diesem Jahr etwa 5,6 Millionen Dollar.

Noch einmal zu Artest: Dieser wird im November 30 Jahre und möchte jetzt sicher noch einmal einen längerfristigen, hochdotierten Vertrag unterschreiben. Im Gegensatz zu Sacramento hat er in Houston ja eine viel größere Aussicht auf Erfolg.

Ob das Front Office der Lakers mit Artests Vorstellungen überhaupt mitgehen könnte? Diese sind sicherlich erst mal darauf aus, zu versuchen, ihren Kader zu halten. Inwieweit beide Lakers-Forward gehalten werden können, das wird spannend zu verfolgen sein. Die erste Option ist meiner Meinung nach Odom, der mit seiner Vielseitigkeit und als Power Forward einsetzbar, ein wichtiger Mann in L.A. ist.



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