NBA-Saisonrückblick
Sommer, Sonne, Free Agency
In der Central Division heißt es vor allem für Cleveland (LeBron James, Foto) und Chicago mit Blick auf die Free Agents: Nach der Saison ist vor der Saison. Während Detroit und Indiana im Niemandsland der Tabelle landeten, war Milwaukee eine der positiven Überraschungen der Spielzeit.
Von Christian Gerne (cge), Johannes Goedeking (jg), Christian Guse (cge), Maximilian Selow (mse) |
17.06.2010 | |
Cleveland Cavaliers (61-21): Ein König ist nicht genug
(cgu). Das Ende dieser Saison hat eines gemeinsam mit dem Ende der letzten Spielzeit: Die Cleveland Cavaliers scheiterten vorzeitig in den Playoffs. Aber LeBron James hatte ein wenig dazu gelernt: Diesmal gratulierte er den siegreichen Boston Celtics, nachdem er ein Jahr zuvor einfach so vom Parkett verschwunden war. Eine Menge Kritik hatte James dafür einstecken müssen, auch das mag ein Grund für die diesmal medienkonformere Verabschiedung gewesen sein.
Die Enttäuschung war letztendlich aber genauso groß. Wie im Vorjahr beendeten die Cavaliers die reguläre Saison mit der besten Bilanz der Liga. Der Vorsprung war so groß, dass sich James die Freiheit nehmen konnte, die letzten vier Spiele auszusetzen, um die ein oder andere Blessur zu kurieren. Die Cavs konnten keines der Spiele gewinnen. Vielleicht war dies auch schon ein kleiner Hinweis darauf, dass das Team um James herum doch nicht so stark war, wie von den meisten Experten angenommen.
Vor Saisonbeginn war den Verantwortlichen um General Manager Danny Ferry klar, dass nur eine massive Verbesserung bezüglich der Größe und Kraft im Frontcourt ihnen eine Chance in den Playoffs gegen Teams wie den Orlando Magic oder Los Angeles Lakers geben würde. Deshalb wurde auch Shaquille O'Neal (Foto) nach Cleveland gelotst, der gerade einen dritten Frühling in Phoenix erlebt hatte. Dass sie im Gegenzug nur Ben Wallace und Sasha Pavlovic abgeben mussten, machte die Entscheidung für Ferry auch ziemlich leicht.
Anfänglich gab es noch einige Probleme, O'Neal in die Offensive einzubinden, was auch an der fehlenden Kreativität von Head Coach Mike Brown gelegen haben möchte. Aber als es dann zum ersten Mal gegen die Orlando Magic ging, zeigte sich, dass „Shaq“ genau die richtige Lösung war. Dwight Howard auf Seiten der Magic hatte deutlich mehr Probleme mit Shaq als noch mit Zydrunas Ilgauskas oder Anderson Varejao zuvor. Die Cavs gewannen das Auswärtsspiel mit 102:93 doch deutlich.
Aber es gab nicht nur in der Offensive Probleme, den vormaligen MVP O'Neal zu integrieren. Auch in der Defensive offenbarten sich einige Lücke, speziell dann, wenn der Gegner versuchte, mit Pick-and-Roll-Spielzügen erfolgreich zu sein. Dies stellte schon immer eine Schwäche O'Neals dar; mit zunehmendem Alter wurde dies nun auch ein erheblicher Schwachpunkt für die Cavaliers-Defensive. Nichtsdestotrotz konnten sie weiterhin ihre Spiele gewinnen; nicht zuletzt auch deshalb, da LeBron James wieder einmal in MVP-Jahr hinlegte.
Bis zum ersten, lange ersehnten Treffen am ersten Weihnachtsfeiertag mit den Lakers, legte James 28,8 Punkte im Schnitt bei einer Trefferquote von 50 Prozent aus dem Feld auf. Dazu kamen noch 7,8 Assists und 7,1 Rebounds pro Partie. Im angesprochen Duell mit dem amtierenden Meister, gegen den in der Vorsaison noch beide Spiele verloren gingen, wirkten die Lakers über weite Strecken der Partie völlig überfordert. Für das Management der Cavaliers war das natürlich auch das Zeichen, alles richtig gemacht zu haben. Beide als Hauptkonkurrenten auserkorenen Teams wurden deutlich auswärts geschlagen. So durfte es weitergehen.
Zur Mitte der Saison ergab sich allerdings dann eine Möglichkeit, das Team noch weiter zu verbessern. Die Washington Wizards versuchten ihr Team umzubauen, dabei war Antawn Jamison (Foto) im Weg. Für Ilgauskas und dessen auslaufenden Vertrag, sowie dem Erstrunden-Pick im diesjährigen Draft, heuerte Jamison bei den Cavaliers an. Damit gelang es Ferry, den lange ersehnten Power Forward mit Distanzwurf dem Kader hinzuzufügen. Viele sahen darin den notwendigen letzten Schritt, um die Cavaliers nun endgültig als absoluten Top-Favoriten auf den Titel einzustufen. Auch deshalb, weil die Wizards Ilgauskas aus dem Vertrag heraus kauften und dieser anschließend nach Cleveland zurückkehrte.
Selbstverständlich lag darin aber auch eine Gefahr, denn die Team-Chemie und die Offensiv- wie Defensiv-Systeme mussten erstmal innerhalb kürzester Zeit von Jamison verinnerlicht werden. Dass dies nicht so einfach werden würde, zeichnete sich gleich im ersten Spiel ab, in dem Jamison alle zwölf Wurfversuche daneben setzte. Bei den Wizards war Jamison die erste Scoring-Option gewesen, und erzielte als diese 21 Punkte im Schnitt; bei den Cavaliers war diese Position natürlich durch James besetzt, und Jamison musste sich mit weniger Würfen zufrieden geben.
Die ersten beiden Spiele der „Ära“ Jamison wurden verloren, danach setzten die Cavaliers aber zu einem Lauf an, der ihnen 18 Siege in den nächsten 21 Begegnungen einbrachte. Bis sie dann eben die letzten vier Partien der regulären Saison verloren.
Mit der besten Bilanz im Rücken und der Gewissheit, die besten Teams der Liga schlagen zu können, gingen die Cavaliers in die Playoffs. In der ersten Runde warteten die Chicago Bulls, die gerade so noch auf dem letzten Drücker ihr Playoff-Ticket gelöst hatten. Der „King“ machte diese quasi im Alleingang fertig. Die einzige Überraschung war, dass die Bulls tatsächlich auch ein Spiel gewannen. Allerdings deutete zu dem Zeitpunkt nichts darauf hin, dass dies die letzte Playoff-Serie werden sollte, die die Cavaliers als Sieger beenden.
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| Hat man James das letzte Mal im Cavs-Trikot gesehen? Gerüchte um seine Zukunft gibt es fast täglich. Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic) |
Als erste Maßnahme entließen die Cavs Head Coach Mike Brown. Für ihn ist bisher kein Ersatz gefunden worden, was sicherlich auch damit in Zusammenhang steht, dass sich LeBron James noch nicht festgelegt hat, ob er in der nächsten Saison für die Cavaliers wieder auflaufen wird. James kann sich sein Team aussuchen und mit den Chicago Bulls, Miami Heat, New Jersey Nets oder den New York Knicks stehen attraktive Teams Schlange, die über den nötigen finanziellen Spielraum verfügen, James einen Maximalvertrag anzubieten. Ohne diesen sind die Cavs nicht viel wert, was eben auch die Ergebnisse der letzten Saison gezeigt haben. Zudem wird Danny Ferry nicht als General Manager der Cavs zurückkehren. Neben James werden auch O'Neal und Ilgauskas Free Agent, der Vertrag von Delonte West ist für die kommende Saison nicht garantiert.
Ein Ausblick in die Zukunft ist unter diesen Umständen schwer. Zwischen schlechtester Bilanz ohne James und wiederum bester Bilanz der Liga, wenn James dann doch bleibt, ist alles möglich. Eines ist aber auch klar: James allein kann keine Titel gewinnen, auch wenn er wieder eindeutig zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt wurde.
Team-MVP: LeBron James (29,7 PpG, 7,3 RpG, 8,6 ApG, 1,6 SpG, 1,0 BpG)







von Crossover 30.05.2012 um 11:16:43
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