NBA-Saisonrückblick
Selbstverschuldete Unruhe
Bis zur All-Star-Pause lief die Saison der Boston Celtics so gut, dass sie längst kein Geheimfavorit mehr auf den Titel waren. Doch Verletzungen und hausgemachte Unruhe warfen die stolze Franchise zurück und ließen die Spielzeit mit einer Enttäuschung für Ray Allen (Foto) und Co. enden.
Von Jens Nolting |
12.06.2011 | |

Bilanz 2010/11: 56 Siege, 26 Niederlagen (Siegquote: 68,3 Prozent)
1. der Atlantic Division; 3. der Eastern Conference; zweite Playoff-Runde
Es ist nie schön, eine Serie in den Playoffs zu verlieren, besonders nicht nach sieben Spielen. Sind es jedoch die NBA Finals, und man selbst verspielt dabei eine 3-2-Führung, so ist das eine Niederlage, die ein ganzes Team für die folgende Saison motivieren kann. Das Ziel für diese Saison in Boston war damit klar. Und die Kelten ließen Taten folgen.
Vor der Saison wurden die lebende Basketballlegende Shaquille O'Neal sowie Jermaine O’Neal verpflichtet, um den am Kreuzband verletzten Kendrick Perkins zu vertreten. Die Rechnung der Celtics ging auf, sie erwischten einen grandiosen Saisonstart und setzten sich vorläufig an die Spitze der Eastern Conference. Die „Big Four“ Bostons lehrten der NBA mal wieder das fürchten. Während Paul Pierce (Foto links) das Team anführte und Rajon Rondo erneut bewies, dass seine Leistungen in den vergangenen Playoffs kein Ausrutscher waren, hechtete Kevin Garnett wie eh und je jedem Ball hinterher und verteidigte weiterhin auf einem bestechend hohem Niveau. Der Vierte im Bunde, Ray Allen (Foto oben), setzte sich endgültig die Krone des besten Distanzschützen aller Zeiten auf, als er den Rekord vom ehemaligen Pacer Reggie Miller brechen konnte. So standen die Cetics bei der Saisonhalbzeit mit einer Bilanz von 32 Siegen und neun Niederlagen hervorragend da und stellten mit Rondo, Allen, Garnett und Pierce gleich vier All-Stars.
Noch heute fragen sich Celtics-Fans, was sich General Manager Danny Ainge vor Ablauf der Trading Deadline gedacht haben muss. Statt das funktionierende Team weiter seinen Weg gehen zu lassen, gab Ainge Center Kendrick Perkins zusammen mit Publikumsliebling Nate Robinson an die Oklahoma City Thunder ab. Zwar bekamen die Celtics mit Jeff Green (plus Nenad Kristic) einen potentiellen All-Star, doch sie verloren auch den Fels in der Mitte der besten Defense der gesamten Liga. Auf den ersten Blick eine deutliche Verschlechterung des Kaders, die jedoch mit einer Bilanz von 33-10 ohne Kendrik Perkins (erstes Saisonspiel am 25.1.2011) gerechtfertigt werden kann.
Wichtiger ist jedoch die öffentliche Verstimmung von Garnett, Allen und Pierce, die alles andere als begeistert über diesen Trade waren. „Perk“ war nicht nur sportlich, sondern vor allem menschlich hoch angesehen im Team. Perkins selbst soll bei der Benachrichtigung über seinen Wechsel in Tränen ausgebrochen sein, um anschließend mit den Oklahoma City Thunder in die Western Conference Finals zu stürmen.
In Boston wurde es unruhig, und eine Verletzungsmisere schwächte zusätzlich das Team. Neben dem Dauerpatienten Shaq verpassten auch Garnett, Delonte West und Jermaine O'Neal einige Spiele. Hinzu kam die dramatische Nackenverletzung von Marquis Daniels, die sein Saisonaus und letztlich seinen Trade bedeutete. Die Celtics rutschten ab und fanden sich am Ende der Saison nur auf dem dritten Platz im Osten wieder. Jeff Green brachte nicht die erhofften Impulse in der Offensive, und jedem wurde langsam aber sicher bewusst, dass auch die Verpflichtung vom „Big Shamrock“ Shaq sich nur positiv auf die Trikotverkäufe auswirken würde.
In der ersten Playoff-Runde warten die „neuen“ Knicks mit Superstar Carmelo Anthony. Das von vielen als engste Erstrundenserie angesehene Duell endete mit einem glatten Sweep für Boston, welches entgegen aller Erwartungen noch einmal aufhorchen ließ. In der zweiten Runde kam es also zum „Hass-Duell“ mit den Miami Heat, die in den Saisonspielen phasenweise vorgeführt wurden. Doch ohne Perkins und den verletzen Shaq, mit einem verletzen Rondo (Foto) und einem angeschlagenen Pierce waren die Celtics fast chancenlos und schieden mit 1-4 aus dem Titelrennen aus. Die Kelten mussten mit ansehen, wie die Heat ihren Celtics-Fluch besiegten, bis in die Finals stürmten und das Ziel erreichten, das sich jeder in Boston gesetzt hatte.
Für die Zukunft in Massachusetts ist es zunächst einmal wichtig zu erwähnen, dass die großen Vier allesamt Verträge für die nächste Saison besitzen, nachdem Ray Allen seine Spieleroption gezogen hat. Vom Rest des Teams dürfte jedoch nicht sehr viel übrig bleiben.
Auch die wichtigen Leistungsträger Glen Davis und Jeff Green haben noch keine neuen Arbeitspapiere unterschrieben. Sollte besonders Green sich gegen das „Green Jersey“ entscheiden, so wird der Perkins-Trade von Ainge endgültig zum Desaster. Zwar ist es zu einfach, die Miami-Niederlage nur an diesem Trade festzumachen, doch Boston wäre mit Perkins sicherlich nicht schlechter gewesen. Fast die komplette Bank mit Spielern wie Troy Murphy, Van Wafer oder Carlos Arroyo wird wohl neu besetzt. Hier gilt es besonders für die alternden All-Stars Garnett (35), Allen (35) und Pierce (33) (alle im Schnitt noch über 36 Minuten auf dem Parkett) sowie Jermaine O’Neal (32) brauchbare Ersatzspieler bzw. Unterstützung zu finden.
Natürlich werden nach so einem Saisonabschluss auch die Rufe nach Trades lauter. Es könnte also gut sein, dass die großen Vier nicht die komplette nächste Saison (kein Lockout vorausgesetzt) zusammen bestreiten werden. Der Rücktritt von Shaquille O'Neal könnte im schlimmsten Fall symbolisch für den Niedergang der Celtics sein, denn an einem gewissen Punkt muss man einsehen, dass eine erfolgreiche Zeit zu Ende ist.
Team-MVP: Ray Allen (16,5 PpG, 3,4 RpG, 2,7 ApG, 1,0 SpG, 44,4% 3FG)






von Crossover 30.05.2012 um 11:16:39
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