NBA-Saisonrückblick

Playoff-Donner im Nordwesten

Im ersten Saisonrückblick steht die Northwest Division im Mittelpunkt, in der mit Denver, Utah (Deron Williams, Foto), Oklahoma und Portland gleich vier Teams in die Playoffs einzogen. Jedoch können einzig die Thunder auf eine zufriedenstellende Spielzeit zurückblicken.

Von Manuel Baraniak (mb), Sebastian Eickhoff (sei), Christian Guse (cge), Johannes Hübner (jh), Dennis Klammer (dk)
 08.06.2010 |

Denver Nuggets (53-29): Rückschritt statt Finals

(jh). Die gute Nachricht zuerst: Die Denver Nuggets haben zum zweiten Mal hintereinander die Northwest Division gewonnen. Dies gelang der Franchise aus Colorado zum ersten Mal in ihrer Geschichte. Insgesamt konnten die Nuggets erst dreimal die Krone aus dem Nordwesten aufsetzen. Es sollten eigentlich angenehme Tage in Denver herrschen. Doch nach der Saison 2008/09, in der das Team in die Western Conference Finals eingezogen war, ist das Aus in der ersten Runde der Playoffs 2010 ein klare Enttäuschung und ein Rückschritt. Was waren die Gründe für diesen Schritt in die falsche Richtung? Ist Besserung in Sicht oder könnte sich alles noch verschlimmern?

Ein Grund für das Einbrechen der Mannschaft, so sind sich viele Experten einig, war die Krebserkrankung von Head Coach George Karl (Foto). Der Übungsleiter legte mit seinem Team die beste Bilanz innerhalb der ersten 45 Spiele der Franchise-Geschichte hin. Gegen die Spitzenteams aus Cleveland, Orlando und L.A. konnte die Truppe von Karl zu diesem Zeitpunkt sogar eine makellose 4-0-Bilanz aufweisen. Über die Hälfte der Saison sah alles danach aus, dass Denver wie im Vorjahr wieder den zweiten Platz im Westen belegen und die Lakers in den Conference Finals zur Revanche fordern würde. Doch je länger die Spielzeit dauerte, desto schlechter lief es für die Nuggets. Nachdem Karl sich seinen gesundheitlichen Problemen zuwandte, übernahm Adrian Dantley das Ruder. Nach dem vorübergehenden Coaching-Wechsel ging es aber Stück für Stück bergab. Karl wusste wie kaum ein anderer mit den schwierigen Charakteren im Team umzugehen. Ein Carmelo Anthony, Kenyon Martin und vor allem J.R. Smith sind sicherlich nicht einfach zu coachen.

Nachdem die Nuggets ihren ruhigen Pol an der Seitenlinie verloren hatten, kam es noch schlimmer: Kenyon Martin, der defensive Anker des Teams, verletzte sich Anfang März und sollte bis kurz vor den Playoffs nicht mehr zurückkehren. Das schwächte die Verteidigung der Nuggets enorm, sodass zu oft zu viele Punkte des Gegners zugelassen wurden. Im Schnitt kassierte Denver 102,3 Punkte pro Begegnung; von den 16 Playoff-Teams verteidigten nur die Phoenix Suns weniger effizient.

Den Abwärtstrend konnten auch die beiden Stars des Teams nicht aufhalten. Immerhin konnten Chauncey Billups (Foto) und Carmelo Anthony jeweils eine neue Karrierebestleitung bei den Punkten erzielen. Anthony zeigte gegen die New York Knicks mit 50 Zählern, warum er einer der besten Scorer seiner Generation ist; Billups konnte gegen die Los Angeles LAkers mit 39 Punkten ebenfalls eine neue Bestmarke aufstellen. Offensiv setzte auch J.R. Smith während der Hauptrunde mal wieder ein Ausrufezeichen. Wenn der Shooting Guard einmal heiß läuft, trifft er selbst aus den unmöglichsten Lagen. So geschehen gegen die Atlanta Hawks: Satte 41 Punkte standen nach dem Spiel für ihn im Statistikbogen. Dabei traf Smith sensationelle zehn Drei-Punkte-Würfe bei 17 Versuchen.

In der Offensive lag das Problem der Nuggets sicherlich nicht. Da konnte auch der neue Verteidigungsspezialist, Aaron Afflalo, keine Abhilfe schaffen. Vor der Saison als Ersatz für den abgewanderte Dahntay Jones gekommen, machte Afflalo genau das, was von ihm erwartet wurde: Dreier vorzugsweise aus der Ecke treffen und damit das Doppeln gegen „Melo“ bestrafen sowie sich in der Verteidigung den besten Flügelspieler zur Brust nehmen. Über die Saison gesehen erledigte Afflalo seinen Job sehr gut.

Ein weiterer Grund für den Rückschritt bei den Denver Nuggets war ihre extreme Auswärtsschwäche; für ein Team mit diesen Qualitäten nicht nachzuvollziehen. Im heimischen Pepsi Center verabschiedeten die Nuggets ihre Gegner regelmäßig mit einer Niederlage (34-7; zweitbeste Bilanz der NBA), doch in fremden Hallen bekamen die Nuggets nahezu kein Fuß auf das Parkett. 19-22 lautet die Bilanz der „Goldklumpen“ in der Ferne. Dies war auch der Grund, warum Denver am Ende nur von Position vier in die Postseason ging.

In den Playoffs warteten dann die an Position fünf gesetzten Utah Jazz. Es wurde eine spannende Serie erwartet, doch über sechs Spiele waren die Jazz das deutlich bessere Team. Mit 4-2 zog die Mannschaft von den Salzseen in die nächste Runde ein. Wie bereits in der Hauptrunde zeigte sich die Auswärtsschwäche der Nuggets deutlich. In Salt Lake City gab es keinen Blumentopf für die Nuggets zu gewinnen. Ebenfalls auffällig war die fehlende Unterstützung für die beiden Anführer. Im vierten Spiel punktete außer Anthony und Billups kein anderer Akteur im Denver-Trikot zweistellig. Ein weiterer Grund für das Ausscheiden war Deron Williams. Der Point Guard konnte weder von Billups, noch von Afflolo in Schach gehalten werden. Mit durchschnittlich 24,3 und 10,2 Assists dominierte der Spielmacher die Serie beinahe nach Belieben. Da halfen auch die starken Statistiken von „Melo“ (30,7 PpG, 8,5 RpG) nicht weiter. Nachdem ein Jahr zuvor die Conference Finals erreicht wurden, schied das Team um Anthony (Foto) also zum wiederholten Male in der ersten Runde aus. Bereits von 2003/04 bis 2007/08 konnten die Nuggets fünfmal in Folge eine Auftaktserie nicht für sich entscheiden.

Wie geht es jetzt in der Offseason weiter? Der Kern der Mannschaft ist auch für die nächste Saison unter Vertrag. Neben den beiden Stars werden auch Nene Hilario, Chris Andersen, Smith, Martin, Ty Lawson und Affalo wieder ins Training Camp vor der Spielzeit kommen. Free Agents in den eigenen Reihen sind nur Rollenspieler: Johan Petro, Malik Allen, Anthony Carter und Stephen Graham sind auf der Suche nach einem neuen Vertrag. In der Position, um den großen Fische der Free-Agent-Periode einen Vertrag anbieten zu können, befinden sich die Nuggets nicht. Doch im kommenden Jahr läuft der Monstervertrag von Kenyon Martin aus; allerdings kann auch Carmelo Anthony nach der Saison 2010/11 aus seinem Vertrag aussteigen. Interessenten gibt es jetzt schon einige. Das Management muss das Team noch verbessern und, wie in den Playoffs gesehen, weiter Unterstützung holen, damit der Franchise-Spieler auch nach der kommenden Saison noch in den Rockys auf Korbjagd geht. Mit der Weiterverpflichtung von „Melo“ und weiteren guten Spielern kann es dann auch wieder einen Fortschritt geben.

Team-MVP: Carmelo Anthony (28,2 PpG, 6,6 RpG, 3,2 ApG)




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von MM_6NBA 08.06.10 um 17:56:01


Sorry,aber das mit Durants Rekord bezüglich der 25 Punkte Serie stimmt nicht. AI hat nicht den Rekord gehalten, sondern hatte die drittlängste Serie. Auf Platz 2 ist Jordan mit 40 in a row und auf Platz eins, natürlich, Wilt Chamberlain, der in seiner 50,4 PPG season in keinem Spiel weniger als 25 Punkte erzielt hatte. Demnach ist Durant nun auf Platz drei in dieser Liste. Trotzdem beeindruckend



von oxymoron (x-over) 08.06.10 um 19:19:56


Du hast natürlich recht, was die Serien von Jordan und Wilt betrifft; es ging allerdings darum, dass Durant der jüngste Spieler der Geschichte ist, der eine solche Serie aufstellen konnte. Das war im Artikel wohl nicht ganz verständlich ausgedrückt und ist nun editiert.



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