NBA-Saisonrückblick

Playoff-Donner im Nordwesten

Im ersten Saisonrückblick steht die Northwest Division im Mittelpunkt, in der mit Denver, Utah (Deron Williams, Foto), Oklahoma und Portland gleich vier Teams in die Playoffs einzogen. Jedoch können einzig die Thunder auf eine zufriedenstellende Spielzeit zurückblicken.

Von Manuel Baraniak (mb), Sebastian Eickhoff (sei), Christian Guse (cge), Johannes Hübner (jh), Dennis Klammer (dk)
 08.06.2010 |

Minnesota Timberwolves (15-67): Rudel ohne Leitwölfe

(cgu). Als die Saison 2008/09 geendet war, startete gleichzeitig eine seltsame Odyssee für die Minnesota Timberwolves. Zuerst gab Kevin Love Mitte Juni via Twitter bekannt, dass Head Coach Kevin McHale entlassen worden sei. Ein doch recht eigenwilliger Weg, der dann auch vom Management als nicht so gut befunden wurde. Insbesondere der gerade neu als General Manager eingestellte David Kahn war so kurz vor dem Draft 2009 nicht erfreut und erteilte Love Twitter-Verbot.

Am Draft-Tag durfte Kahn dann selbst aktiv werden. Insgesamt hatten die „Wölfe“ vier Picks in der ersten Runde, um sich mit jungen Spielern einzudecken. Seltsamerweise fokussierte sich der GM dabei auf die Position des Point Guards mit drei dieser vier Picks. Zuerst wählte er – verständlicherweise – das spanische Supertalent Ricky Rubio an fünfter Stelle. Danach griff Kahn sich an Nummer sechs Jonny Flynn, der nun mit Sicherheit zu klein dafür ist, um als Combo-Guard durchzugehen. Zu dem Zeitpunkt waren beispielsweise Stephen Curry oder DeMar DeRozan noch verfügbar, die die Position des vakanten Shooting Guards besser hätten ausfüllen können. Da dies aber den noch Coach-losen Timberwolves nicht genug erschien, nahmen sie kurzfristig Ty Lawson an 18. Position. Lawson wurde dann allerdings gleich weiter nach Denver geschickt, um im Gegenzug einen zukünftigen Erstrunden-Pick zu erhalten. Ob das eine weise Entscheidung war, hängt auch davon ab, welcher Draft-Pick dabei am Ende herauskommt. Mit dem 22. Pick wurde dann endlich das Problem Flügelspieler in Angriff genommen, und Kahn entschied sich für Wayne Ellington. Der durften dann auch in Minnesota bleiben.

Im August fanden die Timberwolves in Kurt Rambis (Foto) einen neuen Head Coach. Der vormalige Assistant Coach der Lakers sollte gleich ein neues Offensivsystem mitbringen, die allseits bekannte „Triangle Offense“. Dieses Offensivsystem benötigt nun eines mit Sicherheit nicht – einen traditionellen Point Guard. Nichtsdestotrotz wurde von Kahn noch Ramon Sessions mit einem Vertrag ausgestattet. An und für sich sind die 16,4 Millionen für vier Jahre durchaus in Ordnung, allerdings bleibt die Frage offen, warum die Picks für Flynn und Rubio verwendet wurden, wenn auf dem Flügel der wichtige Scorer fehlte und angemessenes Talent zur Verfügung stand.

Rubio blieb nach längerem Hin und Her doch in Spanien und wechselte dort zum FC Barcelona, mit denen er am Ende die Euroleague gewann. Das ist für den jungen Spanier ein deutlich besseres Saisonfazit als das, was den Timberwolves ausgestellt werden kann. Der Saisonstart mit dem Sieg gegen die New Jersey Nets kann zumindest als erfolgreich gelten, wenn davon abgesehen wird, dass anschließend 15 Niederlagen folgten. Und die „Wölfe“ wurden in den Spielen nicht nur geschlagen, sie wurden regelrecht vorgeführt. Im Schnitt erzielte der Gegner 15,8 Punkte mehr. Nichts war zu sehen von der „Triangle“; der junge Flynn war vorne wie hinten komplett überfordert, dennoch hielt Rambis an ihm als Starter fest. Sicherlich war ein Teil dieser Niederlagenserie darauf zurückzuführen, dass mit Kevin Love ein wichtiger – statistisch betrachtet sogar der wichtigste und beste – Spieler mit einem gebrochenen Mittelhandknochen ausfiel. Love zog sich diese Verletzung in einem Vorbereitungsspiel gegen die Chicago Bulls zu.

Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass beispielsweise Al Jefferson (Foto) einen sehr bescheidenen Saisonstart hinlegte. Mit nur 15,9 Punkten pro Spiel bei einer Trefferquote von 45 Prozent aus dem Feld, blieb er deutlich hinter den Werten aus der Vorsaison (23 PpG, 50% FG) zurück. Zudem ergatterte Jefferson auch nur 7,2 Rebounds im Schnitt, bevor die Timberwolves dann ihr zweites Spiel überraschenderweise in Denver gewannen. Der einst im Trade für Kevin Garnett nach Minnesota gekommen Forward hatte es mit fehlendem Spielverständnis und mangelnden Passfähigkeiten auch sehr schwer, in einem Offensivsystem zu funktionieren, was exakt diese Dinge vom Spieler im Post verlangt. Im Laufe der Saison wusste sich Jefferson dann aber auch zu steigern. Er beendete die Saison mit 17,1 Zählern, 9,3 Rebounds und einer Trefferquote von knapp 50 Prozent aus dem Feld.

Mit der Rückkehr von Kevin Love sahen die Timberwolves spielerisch zumindest besser aus, auch wenn die Ergebnisse nicht unbedingt nach Erfolg schrieen. Zwar ließen einige Spieler wie beispielsweise Jonny Flynn, der beim Heimsieg gegen die Philadelphia 76ers mit 29 Punkten und neun Assists oder beim Sieg gegen die Utah Jazz mit 28 Punkten und fünf Korbvorlagen zu überzeugen wusste, ihr Talent ab und an aufblitzen, aber insgesamt fehlte es deutlich an Konstanz.

Um der Defensive etwas mehr Stabilität zu geben, tauschten die Timberwolves mit den New York Knicks zur Trading Deadline zwei Spieler. Neu nach Minnesota kam Center Darko Milicic; dafür ging Brian Cardinal in den Big Apple. Zum dem Zeitpunkt stand die Bilanz bei 13 Siegen und 41 Niederlagen. Viel geholfen hatte diese Verpflichtung nun auf keinen Fall, denn in den letzten 28 Begegnungen erzielte der Gegner 26 Mal mehr Punkte als Minnesota. Ein besonderes Desaster fand dabei in Phoenix statt. Die Suns ließen sich nicht lumpen und schenkten den „Wölfen“ 152 Punkte ein; von verbesserte Defensive keine Spur.

Am Saisonende stehen die nackten Zahlen bei nur 15 Siegen – neun weniger als in der Vorsaison. Mit 101,7 Punkten je 100 Ballbesitzen waren die Timberwolves das zweitschlechteste Offensivteam der Liga; mit 111,6 Zählern des Gegners in 100 Ballbesitzen das drittschlechteste Defensivteam. Die Punktdifferenz von -9,6 pro Partie war noch schlechter als die der Nets, die immerhin drei Spiele weniger gewannen. Die schlechten Entscheidungen des Managements wurden im Laufe der Saison von den Spielern auf den Parkett umgesetzt.

Am Ende bleibt die Aussicht auf die nächste Saison, verknüpft mit der Hoffnung, dass alles nur besser werden kann. Allerdings hatten die Timberwolves in der Draft-Lottery nicht viel Glück und rutschen von Position zwei auf die vier ab. Der dringende Bedarf für einen Flügelspieler bringt dabei Small Forward Wesley Johnson mit diesem Pick in Verbindung, der bezüglich seines Talents eigentlich nicht an diese Stelle gehört. Zudem sind Gerüchte im Umlauf, dass die Timberwolves mit dem ihnen zur Verfügung stehenden „Cap Space“ Rudy Gay von den Memphis Grizzlies loseisen wollen. Zumindest deutet das schon einmal ansatzweise auf die richtige Richtung hin. Wobei weder Gay noch Johnson als gute Verteidiger gelten, die das Defensivproblem beheben könnten. Sicherlich wird eine Steigerung von den jungen Spielern wie Kevin Love, Jonny Flynn, Wayne Ellington oder auch Corey Brewer und Al Jefferson nicht ausgeschlossen sein. Dennoch kommt auf Kahn, Rambis und Co. eine Menge Arbeit im Sommer zu.

Einer hat schon angekündigt, für die nächste Saison nicht zur Verfügung zu stehen. Ricky Rubio bleibt eine weitere Saison in Europa. Wer wird es ihm nach so einer Saison verdenken, bei dem sich die Verantwortlichen im Management nicht wirklich als Leitwölfe für das junge Rudel präsentierten.

Team-MVP: Kevin Love (14,0 PpG, 11,0 RpG, 2,3 ApG)




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von MM_6NBA 08.06.10 um 17:56:01


Sorry,aber das mit Durants Rekord bezüglich der 25 Punkte Serie stimmt nicht. AI hat nicht den Rekord gehalten, sondern hatte die drittlängste Serie. Auf Platz 2 ist Jordan mit 40 in a row und auf Platz eins, natürlich, Wilt Chamberlain, der in seiner 50,4 PPG season in keinem Spiel weniger als 25 Punkte erzielt hatte. Demnach ist Durant nun auf Platz drei in dieser Liste. Trotzdem beeindruckend



von oxymoron (x-over) 08.06.10 um 19:19:56


Du hast natürlich recht, was die Serien von Jordan und Wilt betrifft; es ging allerdings darum, dass Durant der jüngste Spieler der Geschichte ist, der eine solche Serie aufstellen konnte. Das war im Artikel wohl nicht ganz verständlich ausgedrückt und ist nun editiert.



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