NBA-Saisonrückblick

Neue Zeitrechnung

Die Denver Nuggets erlebten eine chaotische Saison, die mit dem Trade von Carmelo Anthony und einer Playoff-Teilnahme endete. In Denver beginnt jetzt die Zeit nach der Anthony-Ära. Die ersten Eckpfeiler des neuen Teams sind bereits vorhanden und die finanzielle Situation ist auch gut.

Von Johannes Hübner
 05.06.2011 |

Bilanz 2010/11: 50 Siege, 32 Niederlagen (Siegquote: 61 Prozent)
2. der Northwest Division; 5. der Western Conference; erste Playoff-Runde

 

Nach etwas über sieben Jahre ist in Denver eine Ära zu Ende gegangen: Die Ära des Carmelo Anthony ist nach dem Trade für Danilo Gallinari, Raymond Felton, Timofey Mozgov, Wilson Chandler und zwei Draft-Picks nur noch Vergangenheit. Bis das ehemalige Gesicht der Franchise im Laufe der Spielzeit getradet wurde, herrschte in der „Mile-High-City“ Chaos pur. Täglich neue Trade-Gerüchte ließen nie ein wirkliches Teamgefüge zustande kommen, bis General Manger Masai Ujiri, der erst kurz vor der Saison eingestellt worden war, Anthony nach New York schickte. Ujiri hat den drohenden Lockout und das Interesse der New Jersey Nets geschickt ausgenutzt und einen wirklich guten Deal für die Nuggets herausgeschlagen. Durch den Trade am 22. Februar 2011 hat eine neue Zeitrechnung begonnen.

Und diese neue Ära begann für die Nuggets deutlich besser als wohl die meisten erwartet hätten. Das Team aus den Rockys beendete die Saison mit einer Bilanz von 18-7 und sicherte sich damit das Playoff-Ticket. Nach dem Trade stand vor allem Teambasketball im Vordergrund, und die Verteidigung wurde auch deutlich besser. „Wir sind jetzt auf beiden Enden des Felds sehr fokussiert. Das war immer mein Ziel in Denver“, brachte Head Coach George Karl seine Freude über die neue Mannschaft zum Ausdruck.

Dieses Team beendete die Saison letztlich hinter den Oklahoma City Thunder auf Platz zwei der Northwest Divison und auf Rang fünf der Western Conference. In der ersten Playoff-Runde wartete mit den Thunder folglich der Konkurrent aus der eigenen Division. Beide Teams kannten sich sehr gut, und die Truppe aus Okahoma City wusste dies besser zu nutzen. Die Nuggets mussten sich mit 1-4 aus der Postseason verabschieden. Denver konnte nur ein Heimspiel gewinnen und setzte damit den Trend aus der regulären Saison fort. Schon während der Hauptrunde konnten die Nuggets daheim (33-8) überzeugen, doch auswärts (17-24) präsentierten sich die Nuggets nur unterdurchschnittlich. Die Defense der Karl-Mannschaft fand zudem keine Antwort auf Kevin Durant. Zwei Mal markierte der Topscorer der Liga 41 Zähler und war mit durchschnittlich 32,4 Punkten pro Spiel bei einer Wurrfquote von 47,1 Prozent aus dem Feld der überragender Spieler der Serie. Weder Aaron Afflalo, noch Wilson Chandler oder Kenyon Martin konnten die Kreise des Stars eingrenzen.

Bei den Nuggets war der Teamgedanke wieder Trumpf. Fast sieben Spieler konnten einen zweistelligen Punkteschnitt während der Playoffs aufweisen. Lawson (Foto) war mit 15,6 Punkten der erfolgreichste Werfer. Womit die alte Regel aber bestätigte wurde, dass es in den Playoffs einen wirklichen Star braucht, um erfolgreich zu sein. Die Nuggets konnten auf diesen aber nicht zurückgreifen und erzielten zehn Punkte weniger pro Partie als noch in der regulären Saison.

Wie kommt Denver also wieder an einen Star? Die Zukunft im bestehenden Kader gehört Ty Lawson und Danilo Gallinari. Beide sind noch jung und haben bereits bewiesen, dass sie gut sind und auch noch einiges an Entwicklungspotential besitzen. Die Zukunft auf der Aufbauposition gehört also Lawson. Was die Frage aufwirft, was mit Felton passieren wird. Karl setzte zeitweise auch beide Guards gleichzeitig ein, doch eine dauerhafte Lösung dürfte das nicht sein. An dieser Baustelle könnte in naher Zukunft ein weiterer Trade Abhilfe schaffen.

Eine weitere Möglichkeit, einen Star nach Colorado zu locken, wäre durch einen Free Agent. Für die kommende Offseason sind die Nuggets finanziell durch den Melo-Trade gut positioniert. Vor der Transaktion lag die Franchise noch über dem Salary Cap, nach dem Tausch ist Denver deutlich darunter. Zu gute kommt der Franchise, dass die Verträge von Kenyon Martin (16,5 Millionen Dollar) und J.R. Smith (6,8 Mio.) auslaufen. Nene Hilario (11,6 Mio.) besitzt eine Spieleroption für die kommende Spielzeit. Einzig der Vertrag von Al Harrington, der noch bis 2015 läuft und dem Forward dann noch 7,6 Millionen Dollar einbringen wird, ist im Weg. Doch die Zukunft mit einer finanziell gut aufgestellten Mannschaft und den jungen Talenten um Gallinari (Foto) und Lawson sieht sehr erfreulich aus. Die neue Zeitrechnung kann kommen.

Team-MVP: Ty Lawson (11,7 PpG, 2,6 RpG, 4,7 ApG, 50,3% FG)




Artikel-Funktionen

Bewerte diesen Artikel:
5.00
(3 Bewertungen bisher)
 

Speichere diesen Artikel:


Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von Raquel 05.06.11 um 12:01:58


Bei den Verträgen hätte man vielleicht noch den leicht üppigen Vertrag von Chris Andersen nennen können, der den Nuggets doch schon auch etwas einschränken könnte. Aber sonst bin ich mal echt gespannt, was in Colorado so passiert. Jetzt noch einen Star irgendwie an die Kette kriegen und ab gehts!



von Indiana 05.06.11 um 19:31:30


Denver ist in meinen Augen in einer eher schlechten Position.

Ein Star wird man nicht verpflichten können und einen zu Draften wird auch sehr schwierig werden, da man ein sehr solides Team hat.
Die Picks aus NY helfen auch nur bedingt, weil NY kein Lottery-Team mehr ist.
Bleibt nur einen Star aus dem schon vorhandenen Spielermaterial zu machen und da sind die besten Optionen Lawson,Galinari,Chandler nicht gerade berauschend.

Das Team ist solide und hat einen guten Coach hoffe das ihnen der nächste Schritt durch einen klugen Pick,Draft,FA gelingt



Du benötigst einen myCrossover-Account um Artikel kommentieren zu können!

 Registrieren oder  Einloggen

 





Du bist nicht eingeloggt. Jetzt bei myCrossover registrieren.
  •  
    Passwort vergessen?