NBA-Saisonrückblick
Neuaufbau in extremis
Auch in der Saison 2010/11 konnten die Washington Wizards Altlasten entfernen. Zwar landete die Hauptstadt-Franchise nach der Hauptrunde am Ende der Eastern Conference, mit John Wall (Foto) hat man immerhin einen neuen Franchise-Spieler in seinen Reihen.
Von Lukas Oldenburg |
03.05.2011 | |

Bilanz 2010/11: 23 Siege, 59 Niederlagen (Siegquote: 28 Prozent)
5. der Southeast Division; 13. der Eastern Conference; keine Playoffs
Selten kann man nach einer Saison mit nur 23 Siegen bei 59 Niederlagen ein positives Fazit ziehen. Keine Frage, es war eine Spielzeit mit zahllosen zermürbenden Schlappen, mit der längsten Auswärtsniederlagenserie (25 Spiele) und der schlechtesten Auswärtsbilanz der Franchise-Geschichte (3-38). Doch President of Basketball Operations Ernie Grunfeld hat die Washington Wizards durch geschickte Schachzüge in eine hervorragende Position für die Zukunft manövriert.
Aber starten wir von vorn: Zu Saisonbeginn fragten sich noch alle, wie und ob Gilbert Arenas und John Wall (Foto oben) koexistieren würden – sprich: der frühere Dreh- und Angelpunkt des Teams und der künftige. Gilberts „Reintegration“ (nach seiner 50-Spiele-Sperre wegen Waffen in der Umkleide) misslang. Was dafür gelang, war ein unglaublicher Trade des Ernie Grunfeld: Arenas wurde nach Orlando geschickt, für ihn kam der überbezahlte, aber pflegeleichte Forward Rashard Lewis. Die größte Hürde im Neuaufbau – Gilbert Arenas' Vorgeschichte – war aus dem Weg geräumt.
Zur Trade Deadline wechselten dann noch Center Hilton Armstrong und Combo-Guard Kirk Hinrich nach Atlanta. Nach D.C. kamen Rookie-Combo-Guard Jordan Crawford, Swingman Maurice Evans, der Erstrunden-Pick der Hawks 2011 und Point Guard Mike Bibby. Bibby ließ bereits nach zwei Spielen seinen Vertrag auflösen und unterschrieb bei Miami. Wieder ein paar Mille weniger auf der Gehaltsliste der Wizards für die nächste Saison.
Evans brachte neben seinem soliden Allround-Spiel die fehlende Reife in den Umkleideraum. Crawford, von den Hawks kaum eingesetzt, entpuppte sich als Schnäppchen und erzielte 16,3 Punkte im Schnitt, schenkte den Miami Heat 39 Zähler ein und holte gegen die Cavaliers sogar ein Triple-Double. Seine Energie ist ein echter Gewinn für die Wizards, seine Wurfauswahl (39% FG, 24% 3FG) aber noch ein Problem.
Schaut man auf die Schwächen des Teams, so müssen die Wizards vor allem in der Offensive unter dem Korb stärker werden. Die einzige Option dort ist derzeit Power Forward Andray Blatche (Foto links, 16,8 PpG, 8,2 RpG). Seine Saison begann ernüchternd (mit einem hübschen Fast-Food-Bauch und schwacher Kondition). Erst in den letzten zwei Wochen erinnerte „Party All Dray“ (23,6 PpG, 10,3 RpG im April) an den „Seven-Day Dray“, der die Wizards-Fans im Frühjahr 2010 so hoffnungsfroh gestimmt hatte.
Auch bei Frontcourt-Kollege JaVale McGee (10,1 PpG), inoffizieller Sieger des Slam Dunk Contests, scheiden sich die Geister. Er wechselt konstant zwischen überragenden und haarsträubenden Leistungen. McGee ist zwar ein regelrechtes Blockmonster (2,4 BpG, Liga-Zweiter, ein Triple-Double mit zwölf Blocks), und er hat das beste PER im Team (17,4). Mit seiner Spielintelligenz ist es jedoch nicht weit her: Seine Tunnelblick-Coast-to-Coast-Dribblings, die fast immer zu Ballverlusten führen, holen ihn oft vorzeitig auf die Ersatzbank – noch öfter waren es nur die vielen dummen Fouls in den ersten Minuten. Kurz: Auch in seinem dritten Jahr spielt McGee noch wie ein Rookie.
Kommen wir zum Herzstück: John Wall (16,4 PpG, 8,3 ApS, 4,6 RpG, 1,8 SpG). Er hat die hohen Erwartungen erfüllt. Wall trifft gute Entscheidungen, ist ein Pass-First-Spieler und hat einen unbändigen Siegeswillen. Sein schwacher Distanzwurf wurde über die Saison hin leicht besser. Sollte er diese Waffe perfektionieren, wird er unhaltbar sein. Die Frage ist, ob der Super-Rookie von Spielern mit der richtigen Mentalität umgeben ist. Besonders der fehlende Ernst von Blatche, McGee und Nick Young frustrierte den ehrgeizigen Wall mehrfach.
Die Wizards brauchen also mehr Spieler mit Biss. Diese Offseason ist eine gute Chance, diese zu holen – und die richtigen Spielertypen zu halten. Ende Juni laufen unter anderem die Verträge von Swingman Josh Howard, Power Forward Yi Jianlian, Shooting Guard Nick Young und Swingman Maurice Evans aus. Bei Howard (konnte kaum spielen wegen Knieproblemen) könnte man es noch mal mit einem Jahr versuchen, wenn er billig ist. Er bringt wie Evans, den die Wizards halten sollten, Reife und Erfahrung. Yi (enttäuschend: 5,6 PpG, 3,9 RpG) wird wohl nächstes Jahr woanders spielen.
Bleibt Young: Ist seine Leistung (Topscorer mit 17,4 PpG) noch steigerbar, oder haben wir bereits das Maximum gesehen? Vieles deutet auf Letzteres hin: ein guter, aber eindimensionaler Scorer. Die Wizards sollten ihn daher nur halten, wenn er billig bleibt (nicht mehr als sechs Millionen pro Jahr). Er könnte in einem späteren Playoff-Team einen guten sechsten Mann abgeben.
Im Draft haben die Wizards den 18. Pick von Atlanta und die vierthöchste Chance auf den ersten Pick. Washington sollte idealerweise einen offensivstarken Power Forward oder Center wählen, Enes Kanter, Jan Vesely oder Donatas Motiejunas zum Beispiel.
John Wall jedenfalls hat sein Ziel für nächstes Jahr jedenfalls schon klar definiert: Playoffs!
Team-MVP: Ernie Grunfeld, President of Basketball Operations






von el_turco_1987 03.05.11 um 20:03:22
Also im gegensatz zur manch hoffnungslosen franchise traue ich washington mit nem ordentlichen big-man draft einiges zu...
"Schaut man auf die Schwächen des Teams, so müssen die Wizards vor allem in der Offensive unter dem Korb stärker werden" = Draft Enes Kanter
Weder Valanciunas (eher defender) als auch motiejunas (noch zu soft) können den wizards in der offensive helfen.
Macgee und Kanter würden sich gegenseitig perfekt ergänzen!!Noch dazu mit lewis nen fähigen forward und mit Wall nen PG...es fehlt nicht viel in washington um an den playoffs zu kratzen..
von durant35 03.05.11 um 21:49:48
Mit den Playoffs wirds nächste Saison sicher noch eng, sollte Blatche aber mal konstant in guter Form sein und Wall sich nochmal steigern ist dies sicher auch drin. Aber Talent ist da um ein schlagkräftiges Team aufzubauen.
Wenn die Wizars Glück in der Lottery haben würde D.Williams gut ins Team passen. Spielt Blatche stark wäre er auf der 3 ne gute Ergänzung, schwächelt dieser oder wollen sie klein spielen könnte er auch als PF auflaufen.
Bitter für Washington, dass mit Barnes, Sullinger und Jones drei starke Spieler zurück aufs College gehen, die sicher auch noch gut ins Team gepasst hätten. Dann hätte man der Lottery unbesorgt entgegenschauen können.
Mit der SG-Position zu ich mich noch etwas schwer bei den Wizards. Young und Crawford sind sehr eindimensionale Scorer, letzter kann sich hoffentlich noch weiterentwickeln. Neben Wall würde jedoch ein starker Verteidiger, der seine offenen Würfe trifft besser passen.
Sehe die Wizards aber auf nem guten Weg, die Leistungsträger haben alle NOCH moderate Verträge und mit Lewis läuft dann 2013 auch der letzte schlechte Vertrag aus (und soweit ich informiert bin gehts auch schon ab 2012 mit deinem Gehalt deutlich bergab). Da kann man was draus machen.
von Indiana 04.05.11 um 13:52:58
Ich sehe die Wizards nicht mal annähernd auf einem Weg raus aus der Lottery.
Keinem der Spieler, auser Wall kann mehr der entscheidende Schritt vorwärts zugetraut werden.
Keiner hat das Potenzial mehr als ein solider Starter zu sein, Blatch hat zwar Talent aber er verschwendet es.
Die Draft ist schwach und der Kader in D.C. ist nach Wall einfach zum Wegwerfen.
Für mich sind die Wizards das nächste Minny
von el_turco_1987 04.05.11 um 18:38:34
@indiana
stimme dir teilweise zu..
dem drafts fehlts sowohl an klasse als auch masse...für die top 3 teams die draften dürfen spielts aber absolut keine rolle ob sie Barnes/Williams oder Sullinger/Kanter (Irving mal vornweggenommen) draften...Weil die leistungs bzw. potenzialmäßig aus meiner sicht extrem nah beinander liegen..der einzige bei dem es richtig richtig wehtut das er sich nicht draften lässt von der langen liste ist perry jones...das problem des schwachen jahrganges haben nicht die teams die an 1-3 draften dürfen sondern die plätze ab 4 werden ihre schwierigkeiten bekommen...
Wenn die wizards einen Top 3 draft kriegen hätten sie so ziemlich fast das beste aus der situation bekommen, denn wie gesagt der einzige der richtig fehlt ist perry jones alle anderen haben alternativen..(irving ausgenommen)
von justuskoch 04.05.11 um 19:59:05
perry jones meldet sich nicht an?!...wie wird das dann nächste saison wenn sie baylor 2 2.10 typen mit handels und schuss hat? damn entweder es läuft und sie rocken zu dritt (deuce bello, quincy miller und jones) richtig ab oder sie verkacken...
von durant35 04.05.11 um 20:00:43
Q el_turco_1987
genau das ist ja das Problem der Wizards, weshalb sie etwas Glück in der Lotterie bräuchten. Waren Sullinger, Jones und Barnes im diesjährigen Draft, müssten Sie nicht zwangsweise auf die ersten drei hoffen, sondern hätten auch bei den Positionen 4-6 noch eine gute Wahl.
So müssen die Teams nach auf den späteren Plätzen hervorragendes Scouting betreiben (und etwas Glück gehört auch dazu), denn die letzten Jahre haben gezeigt, dass auch auf den hinteren Plätzen immer starke Leute zu haben waren, die jedoch vor dem Draft nicht viele auf der rechnung haben. Und so wirds auch in diesem Jahr wieder sein. Nur wer erkennt diese Spieler.