NBA-Saisonrückblick

Hinter den Erwartungen

In der Atlantic Division konnten die meisten Mannschaften nicht an ihre Saisonziele anknüpfen. Während den Boston Celtics (Foto: Kevin Garnett) die Titelverteidigung misslang, schafften es die Philadelphia 76ers nicht über die erste Playoff-Runde hinaus. In New Jersey, Toronto und New York hatte man dagegen gar nichts mit der Postseason-Teilnahme zu tun.

Von Thomas Käckenmeister (tk), Dennis Klammer (dk), Björn Lemkühler (bl), Nikolaus Raab (nik), Joshua Wiedmann (jw)
 09.06.2009 |

Boston Celtics (66-16): Die Pechmarie

(jw). Die Boston Celtics hätten auch in der aktuellen Spielzeit den Titel gewinnen können. Doch den Mannen aus „Beantown“ kam auf ihrer Mission, die Championship-Trophäe als erste Mannschaft seit den Los Angeles Lakers 2001 zu verteidigen, schlussendlich so einiges in die Quere. Ein Jahr, nachdem die Celtics mit bravourösem Spiel zur Meisterschaft geprescht waren und alle Kritiker zum Verstummen gebracht hatten, wurde ihnen besonders das Verletzungspech zur Krux.

Dabei startete die Mannschaft von Head Coach Doc Rivers beinahe perfekt in die Saison. Das System der Celtics lief wie das einer gut geölten Maschine: reibungslos und ohne große Ausfälle. Nach einem Start nach Maß in eigener Halle gegen die Cleveland Cavaliers (90:85) ließen die Titelträger ihren Gegnern auf ihrer US-Tour nur allzu selten eine Chance. 26 der 28 folgenden Partien entschied Boston – teils auf beeindruckende Art und Weise – für sich, darunter war eine Serie von 19 Siegen in Folge. Top-Teams wie die Orlando Magic (107:88), New Orleans Hornets (94:82) oder Utah Jazz (100:91) wurden teilweise deutlich in die Knie gezwungen. Die Konkurrenz zog sich nicht nur auf Grund der Eiseskälte bereits im Dezember warm an. An der Vorherrschaft der Celtics konnte auch die kurze Flaute zum Jahreswechsel hin, als sieben von neun Partien abgegeben wurden, zunächst nichts ändern.

Das Leid der Kelten und ihrer Anhänger begann Ende Februar am Salzsee. Die Celtics waren zu Gast bei den Utah Jazz. Kurz vor der Halbzeitpause verletzte sich Kevin Garnett (Foto) ohne gegnerische Einwirkung am Knie. Was zunächst wie eine Sache von wenigen Wochen aussah, sollte sich in der Folge zu einer ausgewachsenen Leidensgeschichte entwickeln. Die Rückkehr des „Big Ticket“ verzögerte sich ein um das andere Mal und wurde schließlich auf den Beginn der Playoffs datiert.

Eile oder Anlass zur Sorge war zunächst jedoch nicht geboten. Die Celtics verloren überraschenderweise auch ohne den MVP von 2004 weder Spielrhythmus noch Selbstvertrauen. Paul Pierce (20,5 PpG, 5,6 RpG, 3,6 ApG) und Ray Allen (18,2 PpG, 48% FG) hielten ihre Mannschaft in gewohnter Manier auf Kurs, während sich der aus New York Ende Februar gekommene Stephon Marbury langsam in das Team einzugliedern versuchte.

An der Seite der zwei All-Stars etablierte sich jedoch ein dritter Akteur als Schlüsselspieler: Rajon Rondo (Foto) schwang sich in seinem dritten NBA-Jahr zum heimlichen Anführer der Keltenhorde auf. Während Garnett im Lazarett weilte, legte Head Coach Doc Rivers das Schicksal seiner Mannschaft vermehrt in die Hände seines jungen Aufbauspielers, der seine Gegenspieler nun nicht mehr nur vornehmlich in der Verteidigung, sondern auch in der Offensive terrorisierte. Rondos Statistiken von durchschnittlich 11,9 Punkten, 8,2 Assists, 5,2 Rebounds und 1,9 Steals sorgten gar dafür, dass seine Nichtberücksichtigung bei der All-Star-Wahl auf heftigsten Widerstand aus dem Fan-Lager traf. Welchen Wert der schmächtige Rondo für die Celtics hatte, sollte sich spätestens im April und Mai zeigen.

Als sich die Saison gen Ende neigte, ließ die Situation in Boston schon Ungutes vermuten. Garnetts Comeback war immer noch nicht abzusehen – letztendlich würde der Power Foward nur für vier Partien Ende März zurückkehren –, mit Leon Powe, Tony Allen und Brian Scalabrine fehlten zudem weitere wichtige Ergänzungsspieler im Celtics-Kader, dem schon lange altersbedingte Ausfälle prophezeit worden waren. Darüber hinaus war die mit hämischer Kritik bedachte Wiederinstandsetzung von Ex-Knickerbocker Stephon Marbury gnadenlos fehlgeschlagen. Als auch noch General Manager Danny Ainge kurz vor dem Playoff-Auftakt mit einer Herzattacke ins Krankenhaus eingeliefert werden musste, war die Unruhe in „Beantown“ endgültig auf einem hohen Niveau angekommen.

Dass die Celtics bei allen Ausfällen und Fragezeichen im Vorfeld dennoch die Kraft zu einer solch atemberaubenden ersten Playoff-Runde fanden, ist aller Ehren wert. Mit den Chicago Bulls lieferten sich die Celtics die wohl beste und spannendste Sieben-Spiele-Serie, die es je in Runde eins zu bestaunen gab. Obwohl Garnett und außerdem auch Powe weiterhin fehlten, zeigten die Celtics das Herz eines Champions und bezwangen die aufstrebenden Bulls schließlich im heimischen TD Banknorth Garden in der siebten Begegnung. Neben dem überragenden Rajon Rondo, der in der Endrunde am durchschnittlichen Triple-Double kratzte, bewiesen auch die beiden Big Man Glen Davis (15,8 PpG) und Kendrick Perkins (11,9 PpG, 11,6 RpG, 2,6 BpG) in den Playoffs ihr Leistungsvermögen. Dass es in Runde zwei gegen den späteren Finalisten, die Orlando Magic, nach sieben Partien nicht reichte, war wohl mitunter auch der Erschöpfung der wenigen verbliebenen gesunden Celtics geschuldet.

Für die kommende Saison hoffen die Verantwortlichen auf die Gesundheit ihrer Schlüsselspieler. Garnett soll nach seiner kürzlich durchgeführten Knieoperation ebenso wie Tony Allen bis zum Saisonstart Ende Oktober wieder vollends fit werden; Leon Powe soll nach seiner schweren Knieverletzung ebenfalls bis zur heißen Phase der Saison 2009/10 wieder auf die Beine kommen. Dennoch: Das Risiko von Verletzungen wird nicht abnehmen. Ray Allen (bald 34 Jahre) und Paul Pierce (31 Jahre) kamen fast unbeschadet durch die letzte Spielzeit und absolvierten – Playoffs inklusive – jeweils fast 100 Partien. Pierce gab nach dem Playoff-Aus gegen Orlando zu, müde gewesen zu sein. Sowohl „The Truth“ als auch Garnett und Allen werden sich zukünftig vermehrt nach Pausen sehnen, um zur heißen Phase des Jahres topfit sein zu können. Taugliche Verstärkungen, besonders für den dünnen Backcourt, werden – angesichts der dicken Verträge im Kader – jedoch nur schwerlich zu bekommen sein. Auf die Celtics-Verantwortlichen wartet im Sommer einiges an Arbeit.

Team-MVP: Rajon Rondo (16,9 PpG, 9,8 ApG, 9,7 RpG, 2,5 SpG in den Playoffs 2009)




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Kommentare

(2 Kommentare bisher)

von Waldy 11.06.09 um 16:19:25


sehr guter artikel, weiter so *thumbs up*



von Webocat 12.06.09 um 09:07:07


bin mal gespannt, wie es mit den celtics weiter geht. wenn die big 4 alle fit sind werden die auch nächstes jahr ein erstzunehmender titelanwärter sein. bin mal interessiert, ob die celtics auch nach den enttäuschenden play-offs den einen oder anderen guter veteranen verflichten können



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