NBA-Saisonrückblick
Grund zur Freude
Mit den Orlando Magic (Foto: Dwight Howard) kam der diesjährige Ost-Meister überraschend aus der Southeast Division. Auch die Atlanta Hawks, Miami Heat und Charlotte Bobcats schlossen ihre Spielzeiten erfolgreich ab. Die Washington Wizards können dies jedoch nicht von sich behaupten.
Von Dennis Amedovski (dam), Sebastian Eickhoff (sei), Lukas Oldenburg (old), Joshua Wiedmann (jw), Conrad Ziesch (cz) |
21.06.2009 | |
Orlando Magic (59-23): Viel Grund zum Lächeln
(sei). Der Abend des 14. Juni 2009 in der Amway Arena zu Orlando: In diesem einen Moment ist nichts mehr vom Lächeln Dwight Howards übrig. Enttäuscht und fassungslos schaut er den Los Angeles Lakers von der Bank aus zu, wie sie die Trophäe zur eben errungenen NBA-Meisterschaft überreicht bekommen.
Grund zur Frustration sollte dennoch nicht bestehen, kam die Saison der Orlando Magic zwar unglücklich, aber insgesamt betrachtet erfolgreich zu einem Ende. Hatten die Mannen von Head Coach Stan Van Gundy doch die als Favoriten eingestuften und ärgsten Rivalen in der Eastern Conference, die Boston Celtics und die Cleveland Cavaliers, schlagen können. Völlig unerwartet war die Franchise aus Florida in die Finals 2009 eingezogen und übertraf damit alle gestellten Erwartungen. Das Team bewies damit, dass es in der Zukunft ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitsprechen wird.

Trotz der verlorenen Finals kann bei den Magic die Freude überwiegen.
Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Viele Vergleiche mit dem Team von 1995, welches unter anderem aus Shaquille O'Neal und Anfernee Hardaway bestand und sich in den damaligen Finals den Houston Rockets nach vier Partien geschlagen geben musste, drängten sich im Verlauf der Saison auf. Das Prinzip des Inside-Outside-Spiels war auch in dieser Saison das Steckenpferd Orlandos.
Wichtig war dabei, dass Dwight Howard offensiv die berühmte Schippe drauf legen konnte. Durch Assistant Coach Patrick Ewing eignete er sich neben seinen Dunks vor allem Hakenwürfe und einfache Korbleger an, um auch so der Eindimensionalität ein Stück weit aus dem Weg zu gehen. Dennoch zeigten beispielsweise die Celtics in Form von Kendrick Perkins und die Lakers mit Pau Gasol dem Magic-Center in den Playoffs seine Grenzen auf. Howard sollte auch in dieser Offseason weiter an seinem Offensivspiel arbeiten.
Gelang dem 23-Jährigen nun nicht der Abschluss, erfolgte zumeist der Pass auf einen der Schützen an der Drei-Punkte-Linie. Vor allem hier fand noch einmal eine Steigerung zu den vergangenen Jahren statt. Jeder dritte Wurf Orlandos flog von „Downtown“ auf die gegnerischen Körbe. Ihre Trefferquote von 38,1 Prozent gibt ihnen ob dieser Entscheidung Recht.
Die Magic verstanden es außerdem, den wichtigen Aspekt der intensiven Verteidigung zu verinnerlichen. Mit 98,9 zugelassen Punkten (bei 100 Ballbesitzen) stellten die Magic nach der Hauptrunde die effizienteste Verteidigung der Liga. Auch dort war es Dwight Howard, der dazu einen entscheiden Beitrag leistete. Honoriert wurde dies mit der Auszeichnung des besten Verteidigers der regulären Saison, auch weil Howard es schaffte, als erst fünfter Spieler die Liga in Rebounds und Blocks anzuführen. Damit gesellt sich Howard zu Kareem Abdul-Jabbar, Hakeem Olajuwon, Bill Walton und Ben Wallace, den dieses Kunststück zuvor schon einmal gelang.
Individuelle Auszeichnungen strichen auch andere Magic-Starter ein: Rashard Lewis (Foto), der sich zunehmend in die Rolle des Power Forwards einleben musste, wurde zum zweiten Mal zum All-Star nominiert und zeigte in den Playoffs entsprechende Leistungen, die seinen hochdotierten Vertrag und dieses Lob zum ersten Mal wirklich rechtfertigten. Lewis führte das Team und auch die Liga in verwandelten Drei-Punkte-Würfen an und bewies Nervenstärke in den Playoff-Serien gegen die angesprochenen Gegner aus Boston und Cleveland, vor allem mit entscheidenden Treffern in den Schlusssekunden.
Ebenfalls zum All-Star nominiert wurde Point Guard Jameer Nelson. Leider konnte er diese Gelegenheit nicht wahrnehmen, da er sich im Heimspiel gegen die Dallas Mavericks am 2. Februar die Schulter ausgekugelt hatte und seine mit 16,7 Punkten (50,3% FG, 45,3% 3FG) geschmückte Saison vorzeitig beenden musste. Wider Erwarten kam der 27-Jährige zwar in der Endspiel-Serie zurück, nach einer Pause von vier Monaten war es aber verständlich, dass er weit von seiner All-Star-Form entfernt agierte.
Dass Nelsons Verletzung und seine lange Pause letztendlich nicht im Debakel endete, war der Verpflichtung von Rafer Alston zu verdanken, für den das Front Office der Magic nur Brian Cook, Adonal Foyle, Mike Wilks und einen Erstrunden-Draft-Pick an die Houston Rockets sowie Memphis Grizzlies abgeben musste. Alston schaffte es sofort, den Gang der Magic durch die Saison weiter mit zu tragen und markierte in den 28 Begegnungen, die er für die Magic von Anfang an bestritt, durchschnittlich 12,3 Punkte und 5,0 Assists. Dass Nelson dann in den Finals doch noch eingesetzt wurde, tat dem Spiel von Alston jedoch Abbruch und ihm fiel es schwer, an die Darbietungen der vorangegangen Serien anzuknüpfen.
Den Anschluss an schon erbrachte Leistung verpasste auch Hedo Turkoglu (Foto). Der Small Forward, der noch in der vergangenen Saison zum „Most Improved Player“ ernannt wurde, verbuchte leichte Einbrüche in seinen Statistiken. Das Talent, in den letzten und spielentscheidenden Momenten doch die wichtigen Züge zu wählen, ließen aber kaum daran zweifeln, dass der Türke nach wie vor der Go-to-Guy der Magic ist. Turkoglu wird im Sommer seine Vertragsoption ziehen, um so als Free Agent die Gelegenheit zu haben, mehr Geld zu verdienen und vielleicht die Herausforderung bei einem neuen Team zu suchen.
In der Saison 2008/2009 gab es noch weitere positive Entwicklungen. Rookie Courtney Lee, der von der Universität von Western Kentucky gedraftet wurde, war der erste Neuling seit Dwight Howard, der wieder 42 Spiele oder mehr in der Startformation stand. Mit knapp 8,4 Punkten (40,4% 3FG) im Schnitt wurde er seinem Ruf als Scorer schon ziemlich gerecht, doch war es vorrangig seine Verteidigung, die das Vertrauen in seine Spielzeit bestätigte. Einen Platz in der Rotation fand nun auch endlich J.J. Redick. In seinem dritten Jahr verbuchte der ehemalige College-Star 15 zweistellige Punkteerträge. Er und Neuverpflichtung Mickael Pietrus teilten sich die Rolle des Shooting Guards hinter Courtney Lee. Da beide nicht sehr konstant ihren Saisonverlauf gestalteten, konnte so das Level von der Bank jedoch ein wenig gehalten werden.
Die fast größte Überraschung im Kader war allerdings Center Marcin Gortat, der im Verlauf der Spielzeit zu einem Publikumsliebling avancierte. Seine Trefferquote von 56,7 Prozent aus dem Feld und seine 4,5 Rebounds (in 12,6 MpG) in 63 Spielen machten ihn zu einem wertvollen Back-up für Starcenter Dwight Howard. Der Pole wird ebenfalls im Sommer Free Agent und sollte mit seinen Leistungen das Interesse bei einigen Teams geweckt haben.
Die Orlando Magic haben die Finals zwar mit 1-4 verloren, doch in Anbetracht der abgelaufenen Saison fällt es schwer, wirkliche Fehler auszumachen. Vielmehr war diese Spielzeit der Abschluss einer Entwicklung zu einem wahren Herausforderer auf den NBA-Titel. „Ich sehe keine Probleme bei all diesen Spielern, denn jeder einzelne ist ein Gewinner“, gab Stan Van Gundy nach Ende der letzten Finals-Partie zu Protokoll. Mit 59 Siegen die zweitbeste Saison sowie die zweite Final-Teilnahme der Franchise-Historie sind nun wahrlich kein Grund, sein Lächeln zu verlieren. Auch nicht für Dwight Howard.
Team-MVP: Dwight Howard (20,6 PpG, 13,8 RpG, 2,9 BpG, 57,2% FG, 59,4% FT)






von xax 21.06.09 um 20:43:35
also zwei dinge muss ich bemängeln:
- Vor allem in engen Begegnungen hatte das Team aus North Carolina nicht das nötige Quäntchen Glück.-->Ist es Glück wenn man enge Spiele gewinnt?ist es nicht eher das was eine gute mannschaft auszeichnet?
- "Als nächstes hätte sich Riley gerne Derrick Rose im Draft geangelt[...]. Weil ihm jedoch die Chicago Bulls mit dem ersten Pick zuvorkamen, wechselte mit Michael Beasley zwar der talentiertere, aber für die Anforderungen der Heat nicht geeignetere Kandidat nach Florida.-->Habt ihr die Serie Celtics-Bulls gesehen???Beasley talentierter als Rose (?), ich denke NEIN!
Ansonsten ist der Artikel o.k., allerdings finde ich die Saison der Bobcats zu positiv beurteilt.
von justuskoch 21.06.09 um 22:33:35
ich denke schon das beasley ein enormes talent hat, was die skills anbelangt.
allerdings hat d rose mehr talent im kopf!
von tamarindenpulpe 22.06.09 um 10:21:27
die beiden kann man doch gar nicht so vergleichen, der eine kann in Chicago als PG praktisch machen was er will (und macht das für sein alter natürlich super!) und der andere steht neben einem dwyane wade auf dem feld, wenn er nicht wie so oft von der bank kommt und vllt 20 minuten bekommt.
ich halte die beiden vom talent her schon für gleichwertig, der eine konnte es nur besser zeigen.
von Clodewich 22.06.09 um 17:02:03
Dem würde ich zustimmen. Rose hatte bei den Bulls freie Bahn, während Beasley bislang noch nicht ins Konzept Spoelstras passen wollte. Zu klein für PF, zu langsam für SF!? Ich seh bei ihm auf jeden Fall noch viel Luft nach oben. Ob er den Entwicklungsschritt bei den Heat machen wird, bleibt offen.
von MyThoN 22.06.09 um 19:10:35
Beide sind vom Talent her gleichwertig, jedoch konnte Rose eben überzeugen. Hat Hinrich aus der Starting Five verdrängt und das zurecht.
Mmn ist kann man mit Beasley einigen anderen Spielern ein schönes Packet basteln und dann einen _vernünftigen_ Big Men nach Miami traden.