NBA-Saisonrückblick
Grund zur Freude
Mit den Orlando Magic (Foto: Dwight Howard) kam der diesjährige Ost-Meister überraschend aus der Southeast Division. Auch die Atlanta Hawks, Miami Heat und Charlotte Bobcats schlossen ihre Spielzeiten erfolgreich ab. Die Washington Wizards können dies jedoch nicht von sich behaupten.
Von Dennis Amedovski (dam), Sebastian Eickhoff (sei), Lukas Oldenburg (old), Joshua Wiedmann (jw), Conrad Ziesch (cz) |
21.06.2009 | |
Washington Wizards (19-63): Erst kein Glück, dann noch Pech
(old). Wenigstens in einer Kategorie waren die Washington Wizards die Nummer eins in der abgelaufenen Saison: 309 Partien verpassten Washingtons Spieler insgesamt aufgrund von Lazarett-Audienzen. In anderen Worten: eine Saison zum Vergessen. Zusammen mit der Spielzeit 2000/01 war es die schlechteste in der Team-Geschichte. Erstmals seit 2004 verpassten die Hauptstädter die Playoffs.
Damit der Wizards-Fan sich schon früh auf das bevorstehende Debakel einstellen konnte, begann die Saison gleich mit zwei Hiobsbotschaften: Star-Guard Gilbert Arenas (Foto), zuvor mit einem dicken Pflock über 111 Millionen Dollar für weitere sechs Jahre an die Hauptstadt geschlagen, verletzte sich noch vor Spielstart erneut am Knie; die folgende Operation legte ihn für 80 der 82 Spiele flach. Erst Ende März kam „Agent Zero“ kurz zurück. Auch Brendan Haywood erging es nicht viel besser. War ihm im Jahr zuvor noch der Durchbruch zu einem der besseren Center der Liga gelungen, so durfte er sich diese Saison nur sechs Spiele lang gesund nennen.
Zwar war den Wizards schon in der vorherigen Spielzeit das Kunststück gelungen, ohne Arenas in die Playoffs einzuziehen. Dieses Mal waren die Umstände dann aber doch zu widrig. Da half auch das Frühinterventions-Programm nicht: So wurde nach elf Spielen und zehn Niederlagen Head Coach Eddie Jordan gefeuert, doch auch unter Nachfolger Ed Tapscott stellte sich der Erfolg nicht ein.
Das änderte sich auch nicht, als die Wizards den (häufig verletzten) Spielmacher-Veteranen Antonio Daniels Mitte Dezember nach New Orleans schickten und dafür die Point Guards Mike James und Javaris Crittenton erhielten. Die Zauberer blieben so magie- wie erfolglos.

Antawn Jamison war dieses Jahr oft auf sich alleine gestellt.
Photo by Keith Allison (License: Attribution-Share Alike 2.0 Generic)
Die beiden Stars Caron Butler und Antawn Jamison spielten zwar wieder solide, Jamison sogar phänomenal. Der Forward markierte mit 22,2 Zählern den zweitbesten Punkteschnitt seiner elfjährigen Karriere. Zudem traf er seit fünf Jahren nicht mehr so gut aus dem Feld (46,8% FG). Butler konnte zwar nur 67 Begegnungen absolvieren, seine 20,8 Punkte pro Spiel bedeuteten aber immerhin eine persönliche Karrierebestleistung. Auch sonst schrieb der Swingman ansehnliche Zahlen in die Statistikbögen (6,2 RpG, 4,3 ApG, 1,6 SpG). Doch all das reichte nicht: Power Forward Andray Blatche schaffte erneut den erhofften Sprung zum Spitzenspieler nicht, und Center Etan Thomas konnte nach einem Jahr Verletzungspause (Herzfehler) nicht mehr an frühere Leistungen anknüpfen. Muss man erwähnen, dass auch er vorzeitig (im Januar) ins Lazarett überwechselte? Die unzähligen Power-Dunks von Rookie-Center JaVale McGee lassen wenigstens hoffen, dass die Wizards Zukunft in der Mitte haben.
Eckpfeiler DeShawn Stevenson wiederum – auch er spielte nur in 32 Partien – sackte so krass ab, dass der Shooting Guard für diesen Saisonrückblick fast in Vergessenheit geraten wäre. Der Grund: eine Trefferquote von 31,2 Prozent aus dem Feld und nicht mal mehr sieben Punkte pro Spiel. Seinen Platz in der Starting Five übernahm Allrounder Dominic McGuire, einer der wenigen Lichtblicke der Saison.
Spätestens nach dem All-Star Game war die Saison dann jedenfalls gegessen. Doch statt die vielversprechenden Jungspunde Javaris Crittenton, Nick Young, Oleksiy Pecherov oder Rookie-Center JaVale McGee häufiger ranzulassen, setzte Coach Tapscott weiterhin auf Auslaufmodelle wie Mike James. Dafür fing er sich eine Menge Kritik ein.
Nach der Saison wechselte Tapscott zurück ins Management des Teams. Kaum ein Wizards-Fan wird ihm nachtrauern – der neue Coach Flip Saunders hingegen scheint eine solide Verpflichtung. Ob Saunders aber aus diesem Team auf dem absteigenden Ast wieder eine Siegermannschaft formen kann? Beim Draft wird es jedenfalls schon mal schwerer als erhofft: Trotz zweitschlechtester Liga-Bilanz dürfen die Wizards nur als Fünfte wählen. Ob die Wizards diesen nutzen werden oder versuchen, in einem Spielertausch zu verwenden, bleibt abzuwarten. Vielleicht erlöst General Manager Ernie Grunfeld die Wizards-Fans ja im Sommer wieder mit einem seiner genialen Trades.
Team-MVP: Antawn Jamison (22,2 PpG, 8,9 RpG, 1,9 ApG, 1,5 TpG)
| Teil 1: Grund zur Freude |
| Teil 2: Atlanta Hawks: Langsam nährt sich das Eichhörnchen |
| Teil 3: Miami Heat: Miami lässt die Puppen tanzen |
| Teil 4: Charlotte Bobcats: Langsam läuft es |
| Teil 5: Washington Wizards: Erst kein Glück, dann noch Pech |






von xax 21.06.09 um 20:43:35
also zwei dinge muss ich bemängeln:
- Vor allem in engen Begegnungen hatte das Team aus North Carolina nicht das nötige Quäntchen Glück.-->Ist es Glück wenn man enge Spiele gewinnt?ist es nicht eher das was eine gute mannschaft auszeichnet?
- "Als nächstes hätte sich Riley gerne Derrick Rose im Draft geangelt[...]. Weil ihm jedoch die Chicago Bulls mit dem ersten Pick zuvorkamen, wechselte mit Michael Beasley zwar der talentiertere, aber für die Anforderungen der Heat nicht geeignetere Kandidat nach Florida.-->Habt ihr die Serie Celtics-Bulls gesehen???Beasley talentierter als Rose (?), ich denke NEIN!
Ansonsten ist der Artikel o.k., allerdings finde ich die Saison der Bobcats zu positiv beurteilt.
von justuskoch 21.06.09 um 22:33:35
ich denke schon das beasley ein enormes talent hat, was die skills anbelangt.
allerdings hat d rose mehr talent im kopf!
von tamarindenpulpe 22.06.09 um 10:21:27
die beiden kann man doch gar nicht so vergleichen, der eine kann in Chicago als PG praktisch machen was er will (und macht das für sein alter natürlich super!) und der andere steht neben einem dwyane wade auf dem feld, wenn er nicht wie so oft von der bank kommt und vllt 20 minuten bekommt.
ich halte die beiden vom talent her schon für gleichwertig, der eine konnte es nur besser zeigen.
von Clodewich 22.06.09 um 17:02:03
Dem würde ich zustimmen. Rose hatte bei den Bulls freie Bahn, während Beasley bislang noch nicht ins Konzept Spoelstras passen wollte. Zu klein für PF, zu langsam für SF!? Ich seh bei ihm auf jeden Fall noch viel Luft nach oben. Ob er den Entwicklungsschritt bei den Heat machen wird, bleibt offen.
von MyThoN 22.06.09 um 19:10:35
Beide sind vom Talent her gleichwertig, jedoch konnte Rose eben überzeugen. Hat Hinrich aus der Starting Five verdrängt und das zurecht.
Mmn ist kann man mit Beasley einigen anderen Spielern ein schönes Packet basteln und dann einen _vernünftigen_ Big Men nach Miami traden.