NBA-Saisonrückblick
Doch nur Mittelmaß?
Das dritte Jahr in Folge erreichten die Portland Trail Blazers die Playoffs; zum dritten Mal hintereinander setzte es aber ein 2-4-Erstrundenaus. Während teamintern einige Veränderungen aufgetreten sind, stagniert Portlands Leistung. Was ist los mit der einstigen Talenthochburg?
Von Dennis Klammer |
22.05.2011 | |

Bilanz 2010/11: 48 Siege, 34 Niederlagen (Siegquote: 58,5 Prozent)
3. der Northwest Division; 6. der Western Conference; erste Playoff-Runde
„Wir freuen uns auf seine Rückkehr. Greg [Oden] ist ein großer Teil von dem, was wir sein wollen“, erklärt Brandon Roy Mitte letzten Jahres in einem Interview der Zeitung „The Oregonian“. Mit dem Wissen um Odens Verletzungsakte erscheint diese Aussage geradezu zynisch – und wirft mit Blick auf die jüngste Vergangenheit zudem die Frage auf: Ja, was möchte Portland eigentlich sein?
Kaum einer wird die Frage ernsthaft mit „chronisch kniekrank“ beantworten. Doch eine richtige Antwort, eine Identität, lässt sich aus dem Saisonverlauf vorerst nicht finden. Vor zwei Jahren wurde den Blazers enormes Talent und baldiges Meisterpotenzial attestiert. Travis Outlaw (mittlerweile New Jersey Nets), Martetll Webster (Minnesota Timberwolves), Jerryd Bayless (Toronto Raptors), Brandon Roy, LaMarcus Aldridge, Greg Oden, Nicolas Batum, Rudy Fernandez. Diese Spieleransammlung las sich wie ein Talentsammelsurium sondergleichen. Nur die Oklahoma City Thunder schienen dem im Ansatz ebenbürtig.
Heute, zwei Saisons später, hat „OKC“ die Trail Blazers überholt – sowohl in der Tabelle als auch in der Entwicklung. Die richtigen Schritte wurden getan, die Thunder stehen im Finale des Westens. Und Portland? Für die steht ein Erstrundenaus gegen die Dallas Mavericks zu Buche. Was ist passiert?
Die Blazers sind der personifizierte Umbruch. Da sind und bleiben die Verletzungssorgen, in deren Rahmen die Mannschaft schon in der Vorsaison insgesamt 322 Spiele verpasst hat. Fünf Monate nach dem Interview von Roy (Foto links) musste sich das ehemalige Centertalent Oden erneut einer Saison beendenden Knieoperation unterziehen lassen. Auch Roy selber spielte in der Saison aufgrund zweier Knie-OPs nur 47 Spiele und musste seine Führungsansprüche an LaMarcus Aldridge (Foto oben) abgeben, der in Roys Abwesenheit sein All-Star-Breakout feierte (21,8 PpG, 8,8 RpG). Der Power Forward hielt die Blazers zeitweise im Alleingang auf Playoff-Kurs und machte sie zu seinem Team. Die All-Star-Ehre wurde ihm aufgrund des Blake Griffin-Hypes zwar nicht zu teil; dennoch wählten ihn die Sportjournalisten ins All-NBA Third Team und belohnten seine Leistungen.
Ein weiterer Bestandteil der Identitätsfrage ist das Personalmanagement. Das viele Talent sowie zukünftige Draft-Picks wurden größtenteils abgegeben, um die verletzungsbedingte Schwächung des Teams im Kampf um die Playoffs adäquat zu kompensieren. Dafür wurden Veteranen geholt, die zwar akut aushelfen können, aber einen langfristigen Aufbau eines Meisterkaders verhindern. Dem eingeschlagenen Kurs entsprechend hat der neue General Manager Rich Cho kurz vor Ende der Trading Deadline Gerald Wallace ertauscht, der Aldridge sowohl offensiv als auch defensiv entlasten sollte. Dies nahm Nicolas Batum viel Spielzeit, dessen Leistungssprung so zwangsläufig (12,4 PpG) ausblieb. Im „Free Agent Supersommer 2010“ hatte Cho im Vorfeld zudem Wesley Matthews verpflichtet, der als zweitbester Scorer (15,9 PpG) Roy zu ersetzen versuchte.
Neues Management, neue Leistungsträger, alte Verletzungssorgen sowie einige interne Querelen mit dem anfangs abwanderungswilligen Rudy Fernandez: Unter diesen Umständen erspielte sich Portland die schlechteste Bilanz der letzten drei Jahre und zog als Sechstplatzierter gegen die Mavericks in die Playoffs. Als unangenehmstes Matchup bezeichnet, sorgte Portland dank des genesenen Roys zwar für eine der größten Aufholjagden der Playoff-Geschichte, verlor letztlich aber mit 2-4. Zu erfahren und zu ausgeglichen agierte Dallas und sorgte so für die weitere Erfolgsstagnation von Coach Nate McMillans Team, der in der kommenden Saison mit Cho handeln muss. Letztlich war der Frontcourt zu dünn und der Backcourt überlaufen. Die Identitätsfindung dauert an.
Team-MVP: LaMarcus Aldridge (21,8 PpG, 8,8 RpG, 2,1 ApG, 1,0 SpG, 1,2 BpG)






von elchmor 23.05.11 um 12:12:12
Sieht so aus als würden die Blazers die nächsten Jahre über genau das bleiben, was sie gerade sind: solides Playoffteam ohne Titelchancen, erste (maximal zweite) Runde Endstation. Greg Oden kann man ja wohl mittlerweile als Bust bezeichnen - tut mir leid für ihn aber das der mal ne (halbe) Saison durchspielt kann ich mir nicht vorstellen (hätten sie doch lieber Durant genommen, hihi). Brandon Roy war auf jeden Fall ein großartiger Spieler aber ohne Knie isser nicht mehr der selbe - wird aber bezahlt wie der Franchise-Player, was Portland wohl demnächst noch Probleme bereiten wird.
Alles irgenwie Schade, aber eigentlich auch egal...
Go DIRK!
von Indiana 23.05.11 um 16:12:31
Was in Portland passiert ist echt traurig und dieses Team führt meine "Was-wäre-wenn" Liste eindeutig vor Houston an. Die Franchise hat ALLES richtig gemacht und dafür vom Schiksal den Mittelfinger gezeigt bekommen!
Oden ist kein Bust. Für mich kann man nur wirklich ein Bust sein wenn man auch mal Spielt, ala Olowokandi oder Kwame Brown.
von Raquel 23.05.11 um 18:57:50
Das mit Oden seh ich auch so wie Indiana. Wenn man mal überlegt, was Lebron Dad so aufgelegt hat, wenn er mal gespielt hat, dann ist das schon beeindruckend. Dafür dass der immer verletzt ist.
Roy wird wohl den gleichen Weg einschlagen wie Redd.
von Hurricane 23.05.11 um 19:32:23
Mal was anderes in den 90iger die sache mit Sheed und Mr. Rider und jetzt die verletzungspech. Das nenne ich mal Pech
von RedWater 31.05.11 um 22:33:59
Echt schade was in Portland passiert ist. Ich denke bald könnte es erneut zum Umbruch kommen. Odens Vertragssituation bleibt ungewiss, Fernandez will weg, Miller wird auch nicht jünger, Roy soll schon zum Rücktritt gedrängt werden, um den Vertrag einzusparen usw. Aldridge, Matthews und Wallace sind die einzigen die noch was hergeben. Ich könnte mir vorstellen, dass Portland in Zukunft um Aldrigde und Matthews ein neues Team auf die Beine stellen wird, aber bei einigen Personalien sehe ich handlungsbedarf.