NBA-Saisonrückblick

Die Knicks sind zurück

Nach sieben Jahren standen die New York Knicks endlich wieder in den Playoffs. Doch auch diesmal reichte es zu keinem Sieg in der Endrunde. Doch mit Amare Stoudemire (Foto) und dem in der Laufe der Saison verpflichteten Carmelo Anthony arbeitet man auch im „Big Apple“ an seinem persönlichen Starensemble.

Von Nikolaus Raab
 02.06.2011 |

Bilanz 2010/11: 42 Siege, 40 Niederlagen (Siegquote: 51,2 Prozent)
2. der Atlantic Division; 6. der Eastern Conference; erste Playoff-Runde

„Die Knicks sind zurück!“ waren die ersten Worte, die Amare Stoudemire (Foto oben) im Juli 2010 der versammelten Medienlandschaft entgegen rief. Die spektakuläre Neuverpflichtung der New York Knicks machte von Anfang an klar, dass die Zeit für Verlierer im „Big Apple“ nun endgültig vorbei sei – eine starke Aussage für einen jungen Power Forward, der bei den Phoenix Suns bisher im Schatten von Superstar Steve Nash geblieben war und der mit einer unglücklichen Serie von Verletzungen in der Vergangenheit vielleicht schon den Zenit seiner körperlichen Leistungsfähigkeit überschritten hatte.

Doch „STAT“ hielt Wort und begann das Team auf seinen Schultern zu tragen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten starteten die Knickerbockers Mitte November einer Serie von 13 Siegen aus 14 Partien und ließen die begeisterten New Yorker Fans bereits vom Playoff-Einzug träumen. Unterstützt wurde dieser Lauf von den drei jungen Musketieren Raymond Felton (Foto links, 17,1 PpG während dieser Serie), Wilson Chandler (16,4 PpG) und Danilo Gallinari (15,9 PgG), die mit ihrem furchtlosen und schnellen Spiel zu Publikumslieblingen geworden waren. Gerade Felton, der im Sommer als eine Art Übergangslösung auf der Point Guard-Position engagiert worden war, entwickelte dabei mit der Zeit eine so gute Chemie mit Stoudemire, dass viele ihn bereits auch in der Zukunft als Starter auf der Eins sahen.

Die Knicks waren unter General Manager Donnie Walsh und Head Coach Mike D’Antoni plötzlich wieder ein junges und talentiertes Team geworden. Die gute Nachwuchsarbeit und das internationale Scouting machten sich sichtbar bezahlt. Nachdem die Franchise mit „Gallo“ bereits einen kommenden Star gefunden hatte, erstaunte in dieser Saison ein neuer Rookie die Liga: Shooting Guard Landry Fields schaffte es in den Monaten November und Dezember gleich zweimal, zum Rookie des Monats ernannt zu werden. Sein Markenzeichen war dabei vor allem die hervorragende Rebound-Arbeit, mit der er lange Platz eins unter den Guards der Liga belegte.

Doch die ersten Erfolge machten Fans und Organisation im „Mekka des Basketballs“ nur noch hungriger. Schon seit dem Sommer gab es Gerüchte um ein weiteres Supertrio im Osten. Nachdem die Knicks das Rennen um LeBron James verloren hatten, galt es Ersatz zu finden. Stoudemire musste Unterstützung erhalten. Die Jagd auf Carmelo Anthony und Chris Paul hatte begonnen. Paul selbst verstärkte die Gerüchte um ein neues Trio in New York mit seinem berühmten Toast zu Ehren der Hochzeit Carmelo Anthonys. Er und Stoudemire waren unter den geladenen Gästen. Dabei erhob Paul schon mal das Glas auf die zukünftigen Teamkollegen – im Scherz, wie Paul später zu beschwichtigen versuchte.

Aber wenn es um Titelträume geht, versteht man in New York keinen Spaß mehr. Der Druck auf Donnie Walsh, Carmelo Anthony noch in dieser Spielzeit in den „Big Apple“ zu holen, wuchs rasant. Das Management war vor die Wahl gestellt, den Beteuerungen Anthonys zu glauben, er wolle unbedingt im Sommer nach New York wechseln. Dann hätte man abwarten und den Free Agent in der kommenden Offseason verpflichten können. Oder es galt einen Trade zu finden, der die verstimmten Denver Nuggets überzeugen könnte, sich bereits vorher von ihrem Superstar zu trennen.

Die Ungeduld von Fans und Medien sowie wohl auch die Ungewissheit über die finanzielle Situation der Teams in der kommenden Saison im Anbetracht der Streitigkeiten zwischen Liga und Spielergewerkschaft brachten schließlich die Entscheidung. Pünktlich zur Trade Deadline zog „Melo“ nach New York. Der Preis für Superstar Nummer zwei war allerdings hoch: Die jungen Wilden Chandler, Gallinari und Felton mussten geschlossen für Anthony (Foto) die Koffer packen. Auch der russische Nachwuchs-Center Timofey Mosgov, eine weitere Entdeckung der Scouts der Knicks, verließ die Mannschaft und mit ihm das ewige Talent Anthony Randolph.

Nachdem die Knicks endlich auch Eddy Curry verabschieden konnten – eine im wahrsten Sinne des Wortes schwere Enttäuschung der letzten Jahre –, blieb die Mannschaft mit Ronny Turiaf als einzigem Center zurück. Auch wenn sie sich in den nächsten Wochen mit Spielern wie Shelden Williams und Shawne Williams sowie Alt-Knickerbocker Jared Jeffries verstärkten, war das Team nun abseits von „STAT“, „Melo“ und dem Veteranen Chauncey Billups deutlich dünner besetzt.

Und diese Schwäche wurde in den Playoffs deutlich. Die New York Knicks standen zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder in der ersten Runde. Aber statt eines Kampfes um die Meisterschaft schieden sie sang- und klanglos gegen die erfahrenen Boston Celtics aus. Vier Niederlagen in vier Partien ließen die Träume eines Überraschungserfolgs zerplatzen – „Melo“ hin oder her.

Und was folgt daraus für New York? Darauf kann es im „Big Apple“ nur eine Antwort geben: Der nächste Superstar muss her! Chris Paul gilt dabei weiterhin als wahrscheinlichster Kandidat. Damit würden Titelträume plötzlich zu realistischen Zielen werden. Allerdings nur, wenn man in New York auch in Zukunft die gute Nachwuchsarbeit beibehält und Head Coach Mike D’Antoni einen defensiven Fuchs in seinen Coaching-Stab holt, der der spektakulären Offensive der Knicks eine beinharte Verteidigung zur Seite stellt.

Team-MVP: Amare Stoudemire (25,3 PpG, 8,2 RpG, 2,6 ApG, 1,9 BpG)

[Alle NBA-Mannschaften im Saisonrückblick]

 




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Kommentare

(4 Kommentare bisher)

von Indiana 02.06.11 um 13:43:30


Die Knicks sind zwar nicht mehr grottig aber unter back, stell ich mir dan doch was anderes als einen 1.Round Sweep.

Und das mit Chris Paul wird NIEMALS passieren da können sich alle Knicks Fans das noch so sehr vom Weihnachtsmann wünschen.

Die Knicks sollten sich lieber gedanken machen, wie sie eine Rotation auf die Beine stellen, bei der 7-8 Spieler konstante Leistungen bringen können und der Leistungsabfall von Starting5 zur Bank nicht so extrem ist wie noch diese Saison.

Und dann müssen sie immer noch beten, dass Miami nicht bei 100% ist und keinen brauchbaren Center/PG in den nächsten Jahren verpflichten kann.



von Häntschä ALta! 02.06.11 um 19:51:08


Da muss man Indiana mal kurz recht geben, denn durch den "sinnlosen" Trade für den eindimensionalen Scorer und Möchtegernsuperstar Carmelo (26) und Opa Billups (34) für die "jungen" Felton (26), Chandler (23), Gallinari (22) und Timofey (22) haben sich die Knicks mal kurz um ihre guten Drafts und Trades der letzten Jahre gebracht. Auch der Abgang vom "ewigen Talent" Randolph (der Kerl ist die 3. Saison dabei, war fast ein Jahr verletzt und ist immer noch nicht mal 22,... ewiges Talent?) wird die Verantwortlichen in Zukunft auch noch ärgern. Fast 20/7 bzw 15/6 in den letzten 5/10 Spielen ist nicht wirklich schlecht, und von der Bank hätter er sicherlich geholfen...

Fast ohne jegliche Trademasse (außer Douglas und Fields) wird wohl im Sommer nicht viel gehen und der 17. Pick wird die Löcher in der Rotation auch nicht stopfen können (kein gscheiter Backup PG, C, SF). Somit heißt es entweder Geld raushauen für 3-4 "gestandene Spieler" oder viel zu viel Geld für Chris Paul und dann merken, dass der gar nicht mehr so gut ist...

also => NY sollte versuchen Ricky & z.B Flynn von Minnesota zu angeln/traden (weil der braucht den Rummel), gut zu draften (SF z.B. Tobias Harris, oder nen PG) und vielleicht mal bei Marc Gasol oder Nene anklopfen, denn nur mit Paul gewinnen die auch nicht mehr nächstes Jahr, denn da fehlt den Knicks einfach ne überragende Defensive..

insofern NIX mit Knicks are back, sondern eher Dinner for One



von RSzero2004 03.06.11 um 08:52:22


Wie wäre es mal zu versuchen Andre Iguodala von Phila zu holen. Kann ja sehr gut verteidigen. Hätte e nicht Carmelo geholt, sondern Iggy.



von BC_Fan 03.06.11 um 13:28:44


Wenn Melo wirklich nach NY wollte hätte er einfach zugesagt, dass er nach der Saison wechselt, dann hätte NY en richtig geiles Team gehabt, so war der Verlust einfach zu groß im Trade mit Denver...



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